Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen
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== Die Firma Hampe – Porträt eines Helmstedter Unternehmens (S. 562–565) == | == Die Firma Hampe – Porträt eines Helmstedter Unternehmens (S. 562–565) == | ||
Einem Unternehmen, das das Wirtschaftsleben der Stadt besonders geprägt hat und in dem über 200 Jahre viele Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen durften, möchte ich ein besonderes Kapitel widmen: der [[Hampe Kammgarnspinnerei|Kammgarnspinnerei Ludwig Hampe]]. Begonnen hat alles einmal mit dem Knopfmacher [[Andreas Ludwig Hampe]]. Er war [[1760]] in Alt Brandenburg geboren. Auf seiner Wanderschaft kam er [[1782]] nach [[Helmstedt]]. Knöpfe spielten damals bei der modebewussten Bevölkerung eine große Rolle, sie gaben der Kleidung ein vornehmes und individuelles Aussehen. Seinerzeit waren in [[Helmstedt]] sieben Meister dieser Zunft vermerkt. Bei einem von ihnen, Friedrich Wippermann, [[Kornstraße]] 4, fand Hampe Arbeit und Wohnung. Sein Meister starb am 14. Januar [[1785]]. Hampe übernahm vorläufig den Betrieb, endgültig bekam er ihn, nachdem er am 21. Oktober [[1785]] nach Ablegung der Prüfung zum Meister ernannt wurde. Wohl weniger aus Liebe, mehr aus wirtschaftlichen Erwägungen heiratete er nach Ablauf des Trauerjahres am 14. | Einem Unternehmen, das das Wirtschaftsleben der Stadt besonders geprägt hat und in dem über 200 Jahre viele Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen durften, möchte ich ein besonderes Kapitel widmen: der [[Hampe Kammgarnspinnerei|Kammgarnspinnerei Ludwig Hampe]]. Begonnen hat alles einmal mit dem Knopfmacher [[Andreas Ludwig Hampe]]. Er war [[1760]] in Alt Brandenburg geboren. Auf seiner Wanderschaft kam er [[1782]] nach [[Helmstedt]]. Knöpfe spielten damals bei der modebewussten Bevölkerung eine große Rolle, sie gaben der Kleidung ein vornehmes und individuelles Aussehen. Seinerzeit waren in [[Helmstedt]] sieben Meister dieser Zunft vermerkt. Bei einem von ihnen, Friedrich Wippermann, [[Kornstraße]] 4, fand [[Andreas Ludwig Hampe|Hampe]] Arbeit und Wohnung. Sein Meister starb am 14. Januar [[1785]]. [[Andreas Ludwig Hampe|Hampe]] übernahm vorläufig den Betrieb, endgültig bekam er ihn, nachdem er am 21. Oktober [[1785]] nach Ablegung der Prüfung zum Meister ernannt wurde. Wohl weniger aus Liebe, mehr aus wirtschaftlichen Erwägungen heiratete er nach Ablauf des Trauerjahres am 14. Februar [[1786]] die Witwe. Dadurch bekam er nach deren Tod [[1793]] – die Ehe war kinderlos geblieben – neben dem Betrieb auch das Haus. Schon im nächsten Jahr, am 19. Juni [[1794]], heiratete er die etwa 25 Jahre alte Catharine Sophie Johanne Müller, Tochter eines Schuhmachermeisters. Die Ehe war sehr glücklich, acht Kinder wurden in ihr geboren. | ||
Die beiden ältesten Söhne, der [[1795]] geborene [[Wilhelm Hampe|Wilhelm]] und der zwei Jahre jüngere [[Johann Ludwig David Hampe]], erlernten den Beruf des Vaters und sicherten dadurch den Fortbestand des väterlichen Unternehmens. Wilhelm allerdings eröffnete 1826 in der [[Collegienstraße]] 11 eine eigene Werkstatt, [[Johann Ludwig David Hampe|Ludwig]] übernahm nach dem Tode des Vaters [[1828]] den väterlichen Betrieb. | Die beiden ältesten Söhne, der [[1795]] geborene [[Wilhelm Hampe|Wilhelm]] und der zwei Jahre jüngere [[Johann Ludwig David Hampe]], erlernten den Beruf des Vaters und sicherten dadurch den Fortbestand des väterlichen Unternehmens. [[Wilhelm Hampe|Wilhelm]] allerdings eröffnete [[1826]] in der [[Collegienstraße]] 11 eine eigene Werkstatt, [[Johann Ludwig David Hampe|Ludwig]] übernahm nach dem Tode des Vaters [[1828]] den väterlichen Betrieb. | ||
Mit Knöpfen war allerdings kein Geschäft mehr zu machen. Einmal hielten die Schneider entsprechende Erzeugnisse zum Kauf feil, auch die Posamentierer boten gedrehtes Kamelhaar an, und die Kaufleute hatten Knöpfe in die Palette ihrer Verkaufsprodukte aufgenommen. Die jetzt wechselnde Mode erschwerte im übrigen eine Vorratshaltung. Alles in allem keine günstigen Voraussetzungen für eine blühende Zukunft. Deshalb erweiterte [[Johann Ludwig David Hampe|Ludwig Hampe]] seine Geschäftstätigkeit um die Anfertigung und den Handel mit wollenen Garnen. Er kaufte also Wollschur auf und verspann sie zu Garn. Zwei Wollkämmerer aus dem Eichsfeld wurden eingestellt, um entsprechend erfahrene Mitarbeiter zu haben. So surrten in den 1940er-Jahren in den Arbeitsräumen an der [[Kornstraße]] 4 eifrig die Spinnräder, es wurde aber auch Heimarbeit vergeben. Noch überwog die Handarbeit, so wurden [[1854]] zehn männliche und 160 weibliche Mitarbeiter beschäftigt. Aber langsam kündigte sich das industrielle Zeitalter an. Der Sohn [[Hermann Hampe|Hermann]], geb. am 4. März [[1838]], wurde schon nicht mehr in dem väterlichen Handwerk ausgebildet, er erlernte ab Ostern [[1854]] in Clausthal den Beruf eines Kaufmannes. [[1865]] übernahm er durch Vertrag den Betrieb, sein Vater zog sich zurück und starb [[1876]]. | Mit Knöpfen war allerdings kein Geschäft mehr zu machen. Einmal hielten die Schneider entsprechende Erzeugnisse zum Kauf feil, auch die Posamentierer boten gedrehtes Kamelhaar an, und die Kaufleute hatten Knöpfe in die Palette ihrer Verkaufsprodukte aufgenommen. Die jetzt wechselnde Mode erschwerte im übrigen eine Vorratshaltung. Alles in allem keine günstigen Voraussetzungen für eine blühende Zukunft. Deshalb erweiterte [[Johann Ludwig David Hampe|Ludwig Hampe]] seine Geschäftstätigkeit um die Anfertigung und den Handel mit wollenen Garnen. Er kaufte also Wollschur auf und verspann sie zu Garn. Zwei Wollkämmerer aus dem Eichsfeld wurden eingestellt, um entsprechend erfahrene Mitarbeiter zu haben. So surrten in den 1940er-Jahren in den Arbeitsräumen an der [[Kornstraße]] 4 eifrig die Spinnräder, es wurde aber auch Heimarbeit vergeben. Noch überwog die Handarbeit, so wurden [[1854]] zehn männliche und 160 weibliche Mitarbeiter beschäftigt. Aber langsam kündigte sich das industrielle Zeitalter an. Der Sohn [[Hermann Hampe|Hermann]], geb. am 4. März [[1838]], wurde schon nicht mehr in dem väterlichen Handwerk ausgebildet, er erlernte ab Ostern [[1854]] in Clausthal den Beruf eines Kaufmannes. [[1865]] übernahm er durch Vertrag den Betrieb, sein Vater zog sich zurück und starb [[1876]]. | ||