Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

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Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort.
Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort.


Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der Landwehr entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die Helmstedter konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die Landwehr umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die Land wehr nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. Paul-Jonas Meier hat es so gedeutet, dass offenbar im hohen Mittelalter (also 13. Jahrhundert) die Straße nach Magdeburg, die ohne Zweifel wichtig war und auf der die Heere des Erzbischofs Ludolf einmal gekommen waren, nicht wie heute in Richtung Magdeburger Warte und an jener vorbei verlief, sondern dass sie durch das Nordertor und am Hafermühlenteich entlang und weiter in nordöstliche Richtung geführt wurde. Dabei stieg sie ganz allmählich in einer flachen Talmulde empor, „die breit genug ist, um nicht allein den Bach, der dort verläuft, sondern auch die Heerstraße aufzunehmen.“ Sie wird dann nördlich des Bötschenbergs durch das Tal beim jetzigen Gesundbrunnen und über Beendorf in südlicher Richtung verlaufen sein, um dann in die Straße Morsleben – Alleringersleben – Erxleben einzumünden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Die Befestigung der Stadt Helmstedt im Mittelalter“ – „Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 28, Heft 2, 1895, S. 635</ref> Dies könnte die Anlage einer Schanze am Bötschenberg erklären, die eine Öffnung der Landwehr besonders schützen sollte. Noch in der Städteansicht des Professors Friedrich Weise aus dem 18. Jahrhundert wird in der Legende auf die „Breye-Schanze“ hingewiesen. Der Autobahnbau 1935 hat sie vernichtet. Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen daran: „Hinter der Schanze am Bötschenberg“ und „An der Schanze“, gelegen vor dem heutigen Bötschenberg, wobei dieser Name abgeleitet sein soll vom mittelhochdeutschen Wort „Bitze" = niederes Strauchwerk (Marta Asche in „Helmstedter Kreisblatt“ 20. u. 27. Juli 1957).
Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die [[Helmstedt]]er konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. Paul-Jonas Meier hat es so gedeutet, dass offenbar im hohen Mittelalter (also 13. Jahrhundert) die Straße nach Magdeburg, die ohne Zweifel wichtig war und auf der die Heere des Erzbischofs Ludolf einmal gekommen waren, nicht wie heute in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] und an jener vorbei verlief, sondern dass sie durch das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] und am [[Hafermühlenteich]] entlang und weiter in nordöstliche Richtung geführt wurde. Dabei stieg sie ganz allmählich in einer flachen Talmulde empor, „die breit genug ist, um nicht allein den Bach, der dort verläuft, sondern auch die Heerstraße aufzunehmen.“ Sie wird dann nördlich des [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]]s durch das Tal beim jetzigen [[Gesundbrunnen]] und über Beendorf in südlicher Richtung verlaufen sein, um dann in die Straße Morsleben – Alleringersleben – Erxleben einzumünden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Die Befestigung der Stadt Helmstedt im Mittelalter“ – „Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 28, Heft 2, 1895, S. 635</ref> Dies könnte die Anlage einer Schanze am [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]] erklären, die eine Öffnung der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] besonders schützen sollte. Noch in der Städteansicht des Professors Friedrich Weise aus dem 18. Jahrhundert wird in der Legende auf die „Breye-Schanze“ hingewiesen. Der [[Bundesautobahn 2|Autobahnbau]] [[1935]] hat sie vernichtet. Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen daran: „Hinter der Schanze am Bötschenberg“ und „An der Schanze“, gelegen vor dem heutigen [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]], wobei dieser Name abgeleitet sein soll vom mittelhochdeutschen Wort „Bitze" = niederes Strauchwerk (Marta Asche in „Helmstedter Kreisblatt“ 20. u. 27. Juli 1957).


Otto Mathias Wilberts<ref>Otto-Matthias Wilbertz, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13</ref> berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der Helmstedter Landwehr gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten Walbecker Straße in Richtung erste Walbecker Warte. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße.
Otto Mathias Wilberts<ref>Otto-Matthias Wilbertz, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13</ref> berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der [[Helmstedter Landwehr]] gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten [[Walbecker Straße]] in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]]. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße.


Im Bereich dieser Straße und damit in dem Winkel an der Landwehr konnte die Stadt sehr schnell eine Wegsperre errichten, um den missliebigen Besucher entweder zur Umkehr zu zwingen oder aber zu erreichen, dass er langsam, weil er schwerfällig war, erst einmal bis zur Magdeburger Warte weiterzog.
Im Bereich dieser Straße und damit in dem Winkel an der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] konnte die Stadt sehr schnell eine Wegsperre errichten, um den missliebigen Besucher entweder zur Umkehr zu zwingen oder aber zu erreichen, dass er langsam, weil er schwerfällig war, erst einmal bis zur [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] weiterzog.


Vielleicht möchte mancher Leser die historische Spur der Landwehr im Lappwald einmal verfolgen. Deshalb etwas Näheres zu ihrem Verlauf. Nicht überall ist sie allerdings noch gut zu erkennen, obwohl die Natur ein guter Bewahrer historischer Stätten ist. Erst der Mensch hat manches, z. B. durch die Feldbewirtschaftung, zerstört und selbst für ein geübtes Auge oft unsichtbar gemacht. Auch dort, wo die Helmstedter Landwehr nur noch erahnt werden kann, haben unnatürliche Einwirkungen sie vernichtet: Wie schon erwähnt bei dem Bau der Autobahn 1934/1935, später durch die Einrichtung der Grenzkontrollstelle und dann schließlich durch die verschiedenen Autobahnzubringer von der Bundesstraße 1. In Höhe des Bötschenberges beeinträchtigte der Bau der Heimschule und die Errichtung des Gebäudes der Politischen Bildungsstätte den Erhalt. Der Weg vom Bötschenberg zum Waldbad Birkerteich könnte auf der früheren Außenwand der Landwehr liegen. Der Graben neben diesem Weg zur Stadt hin könnte der Landwehrgraben gewesen sein. Das Waldbad zerstörte die Erkennbarkeit des weiteren Verlaufs an dieser Stelle. Teilstücke der Landwehr wurden als Straßengraben genutzt, und zwar vom Ende des Bötschenberg-Forstweges bis zu dem heutigen Lokal „Waldwinkel“. Von da an ist die Landwehr aber wieder gut erkennbar. In Höhe der ersten Walbecker Warte ist ihr in einem Abstand von ca. 25 m ein Nebengraben mit einer Tiefe von 1,60 bis 1,80 m vorgelagert. Unmittelbar hinter der Warte ist die Wehr teilweise, der Nebengraben vollständig durch einen späteren Steinbruch zerstört. Dieser bedingte zudem den an dieser Stelle bogenförmigen Umweg der Walbecker Chaussee. Der weitere Verlauf der Landwehr ist neben dieser Straße nach Walbeck gut zu erkennen, teilweise auch der des Nebengrabens. Sie erreicht dann schließlich das morastige Gelände des Düsterbeeks und endlich die zweite Walbecker Warte. Sie setzt dann ihre übliche Ausdehnung noch etwa 40 m nördlich fort, um allmählich flacher zu werden und schließlich etwa 350 m von der zweiten Warte an gerechnet ganz zu enden. Hier hat sie auch die alte Landesgrenze zwischen Braunschweig und Preußen erreicht. Auch heute noch gut auszumachende Grenzsteine mit der Aufschrift „P“ = Preußen und „B“ = Braunschweig mit der Jahreszahl 1848 und einer Ifd. Nr. markieren eine Linie, die in jüngster Zeit eine so tragische Bedeutung bekommen hat. Warum die Landwehr nicht in Richtung Mariental weitergeführt wurde, ist unbekannt. Sicherlich war die Gefahr, dass von dort ein Gegner „anreist“, gering. Durch die Lage des Klosters und die von dort aus erfolgte Bewirtschaftung der nahegelegenen Waldstücke wurden ungebetene Gäste frühzeitig bemerkt.
Vielleicht möchte mancher Leser die historische Spur der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] im [[Lappwald]] einmal verfolgen. Deshalb etwas Näheres zu ihrem Verlauf. Nicht überall ist sie allerdings noch gut zu erkennen, obwohl die Natur ein guter Bewahrer historischer Stätten ist. Erst der Mensch hat manches, z. B. durch die Feldbewirtschaftung, zerstört und selbst für ein geübtes Auge oft unsichtbar gemacht. Auch dort, wo die [[Helmstedter Landwehr]] nur noch erahnt werden kann, haben unnatürliche Einwirkungen sie vernichtet: Wie schon erwähnt bei dem Bau der [[Bundesautobahn 2|Autobahn]] [[1934]]/[[1935]], später durch die Einrichtung der [[Grenzübergang Helmstedt–Marienborn|Grenzkontrollstelle]] und dann schließlich durch die verschiedenen Autobahnzubringer von der [[Bundesstraße 1]]. In Höhe des [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]]es beeinträchtigte der Bau der [[Gymnasium am Bötschenberg|Heimschule]] und die Errichtung des Gebäudes der [[Politische Bildungsstätte Helmstedt|Politischen Bildungsstätte]] den Erhalt. Der Weg vom [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]] zum [[Waldbad Birkerteich]] könnte auf der früheren Außenwand der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] liegen. Der Graben neben diesem Weg zur Stadt hin könnte der Landwehrgraben gewesen sein. Das [[Waldbad Birkerteich|Waldbad]] zerstörte die Erkennbarkeit des weiteren Verlaufs an dieser Stelle. Teilstücke der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] wurden als Straßengraben genutzt, und zwar vom Ende des [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]]-Forstweges bis zu dem heutigen Lokal [[Waldwinkel]]. Von da an ist die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] aber wieder gut erkennbar. In Höhe der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] ist ihr in einem Abstand von ca. 25 m ein Nebengraben mit einer Tiefe von 1,60 bis 1,80 m vorgelagert. Unmittelbar hinter der [[Helmstedter Landwehr|Warte]] ist die [[Helmstedter Landwehr|Wehr]] teilweise, der Nebengraben vollständig durch einen späteren Steinbruch zerstört. Dieser bedingte zudem den an dieser Stelle bogenförmigen Umweg der Walbecker Chaussee. Der weitere Verlauf der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] ist neben dieser Straße nach Walbeck gut zu erkennen, teilweise auch der des Nebengrabens. Sie erreicht dann schließlich das morastige Gelände des [[Düsterbeek]]s und endlich die [[Helmstedter Landwehr|Zweite Walbecker Warte]]. Sie setzt dann ihre übliche Ausdehnung noch etwa 40 m nördlich fort, um allmählich flacher zu werden und schließlich etwa 350 m von der [[Helmstedter Landwehr|zweiten Warte]] an gerechnet ganz zu enden. Hier hat sie auch die alte Landesgrenze zwischen Braunschweig und Preußen erreicht. Auch heute noch gut auszumachende Grenzsteine mit der Aufschrift „P“ = Preußen und „B“ = Braunschweig mit der Jahreszahl [[1848]] und einer laufenden Nummer markieren eine Linie, die in jüngster Zeit eine so tragische Bedeutung bekommen hat. Warum die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] nicht in Richtung [[Mariental]] weitergeführt wurde, ist unbekannt. Sicherlich war die Gefahr, dass von dort ein Gegner „anreist“, gering. Durch die Lage des [[Kloster Mariental|Klosters]] und die von dort aus erfolgte Bewirtschaftung der nahegelegenen Waldstücke wurden ungebetene Gäste frühzeitig bemerkt.


Zur anderen Seite, also von der Politischen Bildungsstätte an in Richtung Magdeburger Warte, zieht sich die Landwehr noch als Graben erkennbar zwischen dem Alten Wasserwerk und der ca. 1987 abgerissenen Gaststätte „Waldesruh“ (Krökel), um dann vom Forstort Dorn“ – genannt nach der dornigen Hecke der Befestigung – unmittelbar an der Autobahn zu verlaufen. Durch deren Bau ist sie zum größten Teil an jener Stelle zerstört worden. Auch in der Nähe der heutigen Bundesstraße 1 und damit bei der Magdeburger Warte sind Landwehrreste nicht mehr erhalten. Von dieser Warte aus zieht sie sich weiter, wenn auch nicht gut erkennbar, in Richtung Harbke. Diese Ausdehnung ist jüngeren Datums. Es gibt im Stadtarchiv eine Urkunde aus dem Jahr 1377, wonach die Brüder Borchard, Richard und Johann von Hameln dem Rat der Stadt erlauben, eine Landwehr durch ihr Waldstück „Boclo“ ziehen zu lassen. Dieser Forst liegt in jener Gegend. Auch noch über die Bahnlinie Helmstedt–Magdeburg bis hin zur früheren Harbker Kohlenbahn ist die Landwehr nachzuweisen.
Zur anderen Seite, also von der [[Politische Bildungsstätte Helmstedt|Politischen Bildungsstätte]] an in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]], zieht sich die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] noch als Graben erkennbar zwischen dem [[Altes Wasserwerk|Alten Wasserwerk]] und der ca. [[1987]] abgerissenen Gaststätte [[Waldesruh]] (Krökel), um dann vom Forstort Dorn – genannt nach der dornigen Hecke der Befestigung – unmittelbar an der [[Bundesautobahn 2|Autobahn]] zu verlaufen. Durch deren Bau ist sie zum größten Teil an jener Stelle zerstört worden. Auch in der Nähe der heutigen [[Bundesstraße 1]] und damit bei der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] sind Landwehrreste nicht mehr erhalten. Von dieser [[Helmstedter Landwehr|Warte]] aus zieht sie sich weiter, wenn auch nicht gut erkennbar, in Richtung Harbke. Diese Ausdehnung ist jüngeren Datums. Es gibt im [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]] eine Urkunde aus dem Jahr [[1377]], wonach die Brüder Borchard, Richard und Johann von Hameln dem Rat der Stadt erlauben, eine [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] durch ihr Waldstück „Boclo“ ziehen zu lassen. Dieser Forst liegt in jener Gegend. Auch noch über die [[Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg|Bahnlinie Helmstedt–Magdeburg]] bis hin zur früheren Harbker Kohlenbahn ist die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] nachzuweisen.


Ihre Verlängerung 1377 über die Magdeburger Warte hinaus erfolgte einmal zur noch besseren Sicherung der Stadt, zum anderen aber auch, weil der Straßenverkehr begonnen hatte, Helmstedt nicht mehr auf dem alten Wege zu verlassen, er verlief jetzt dort, wo er sich heute noch abwickelt, nämlich auf der Strecke der jetzigen Bundes- bzw. Fernstraße 1. Der Gegner, der jetzt auf dem neuen Weg vorrückte, sollte möglichst weit über schlecht zugängliches Gelände geführt werden. 1377 wurde zugleich die gesamte Landwehr erneuert und über die zweite Warte hinaus ebenfalls – wie bereits beschrieben – ausgedehnt.
Ihre Verlängerung [[1377]] über die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] hinaus erfolgte einmal zur noch besseren Sicherung der Stadt, zum anderen aber auch, weil der Straßenverkehr begonnen hatte, [[Helmstedt]] nicht mehr auf dem alten Wege zu verlassen, er verlief jetzt dort, wo er sich heute noch abwickelt, nämlich auf der Strecke der jetzigen [[Bundesstraße 1|Bundes- bzw. Fernstraße 1[[. Der Gegner, der jetzt auf dem neuen Weg vorrückte, sollte möglichst weit über schlecht zugängliches Gelände geführt werden. [[1377]] wurde zugleich die gesamte [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] erneuert und über die zweite [[Helmstedter Landwehr|Warte]] hinaus ebenfalls – wie bereits beschrieben – ausgedehnt.


Die letzte urkundliche Erwähnung der Helmstedter Landwehr erfolgte 1496 (Budde S. 40). Man kann annehmen, dass ihr strategischer Zweck nun erfüllt war und dass sie damit an Bedeutung für die Verteidigung erheblich verloren hatte. Raubritter gab es nicht mehr, und die Kriegsheere waren größer geworden; man rückte auf Straßen und Wegen vor.
Die letzte urkundliche Erwähnung der [[Helmstedter Landwehr]] erfolgte [[1496]] (Budde S. 40). Man kann annehmen, dass ihr strategischer Zweck nun erfüllt war und dass sie damit an Bedeutung für die Verteidigung erheblich verloren hatte. Raubritter gab es nicht mehr, und die Kriegsheere waren größer geworden; man rückte auf Straßen und Wegen vor.


Insgesamt war die Helmstedter Landwehr 7,87 km lang, Teilstücke sind in einer Gesamtlänge von 3,83 km vollkommen und in einem Bereich von insgesamt 1,165 km partiell erhalten. 2,3 km der Landwehr sind zerstört, davon 0,58 km in ihrem Verlauf noch zu erahnen.
Insgesamt war die [[Helmstedter Landwehr]] 7,87 km lang, Teilstücke sind in einer Gesamtlänge von 3,83 km vollkommen und in einem Bereich von insgesamt 1,165 km partiell erhalten. 2,3 km der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] sind zerstört, davon 0,58 km in ihrem Verlauf noch zu erahnen.


Zur Verteidigung reichte die Landwehr allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten.
Zur Verteidigung reichte die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten.


Die Magdeburger oder auch Wohltwarte (Waldwarte) gab es wie die erste Walbecker Warte schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr 1252. Sie bildeten die Endpunkte der Landwehr. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der Magdeburger Warte ohne weiteres möglich. Am Kleinen Wall befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20.02.1944 zerstört. Aber auch von der ersten Walbecker Warte aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum Kloster Marienberg sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem Nordertor in der Nähe des Hafermühlenteichs ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzu fangen. Nach Robert Schaper soll sich die Bezeichnung „Warneckenberg“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen" oder „Hohen Turm", 1385 und noch 1515 bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref>
Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref>


Da [[1252]] nur eine [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden [[Helmstedter Landwehr|Warten]] in ihrer Substanz [[1377]] errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]], die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. – Anders dagegen die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]]. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] vermerkt [[1821]] „…fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei [[Helmstedter Landwehr|Warten]] diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie [[1855]] – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref>


Da 1252 nur eine Walbecker Warte erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden Warten in ihrer Substanz 1377 errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die erste Walbecker Warte, die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. - Anders dagegen die Magdeburger Warte. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. Ludewig vermerkt 1821, ,...fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei Warten diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie 1855 – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref>
Im Jahr [[1980]] wurde in die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] eine Treppe eingebaut, die den [[Helmstedt]]ern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten.


Im Jahr 1980 wurde in die Magdeburger Warte eine Treppe eingebaut, die den Helmstedtern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten.
Den weiteren Zweck, an dieser Stelle etwas tiefer in den [[Lappwald]] auf das ehemalige DDR-Gebiet sehen zu können, brauchen Treppe und Turm heute gottlob nicht mehr zu erfüllen. Der [[Lappwald]] ist für uns jetzt wieder in vollem Umfange erreichbar.


Den weiteren Zweck, an dieser Stelle etwas tiefer in den Lappwald auf das ehemalige DDR Gebiet sehen zu können, brauchen Treppe und Turm heute gottlob nicht mehr zu erfüllen. Der Lappwald ist für uns jetzt wieder in vollem Umfange erreichbar.
Die Verpflichtung zu einem Dienst auf den Türmen oder zur Nachtzeit auf der Mauer lag auf den einzelnen bewohnten Grundstücken der Stadt. Als das [[Kloster Mariental]] [[1315]] den [[Grauer Hof|Grauen Hof]] in [[Helmstedt]] kaufte (Platz des [[Juleum]]s), wurde ausdrücklich in der Urkunde vermerkt, dass diese Verpflichtung auf diesem Grundstück nicht weiter ruhen sollte. Die Bürger konnten allerdings Stellvertreter schicken, die für sie diesen Dienst verrichteten. Daraus ergab sich dann später die allgemeine Einführung eines sogenannten Wartepfennigs, also eine neue Steuer. Aus deren Aufkommen wurden jetzt besoldete Stadtknechte eingestellt, die diesen Dienst verrichteten.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 623</ref>


Die Verpflichtung zu einem Dienst auf den Türmen oder zur Nachtzeit auf der Mauer lag auf den einzelnen bewohnten Grundstücken der Stadt. Als das Kloster Mariental 1315 den Grauen Hof in Helmstedt kaufte (Platz des Juleums), wurde ausdrücklich in der Urkunde vermerkt, dals diese Verpflichtung auf diesem Grundstück nicht weiter ruhen sollte. Die Bürger konnten allerdings Stellvertreter schicken, die für sie diesen Dienst verrichteten. Daraus ergab sich dann später die allgemeine Einführung eines sogenannten Wartepfennigs, also eine neue Steuer. Aus deren Aufkommen wurden jetzt besoldete Stadtknechte eingestellt, die diesen Dienst verrichteten.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 623</ref>
Auch die selbständige [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] wurde von einer Mauer umschlossen. Wir finden sie auf dem Plan von Ricken eingetragen. Sie beginnt, indem sie sich an die Vormauer der [[Helmstedt]]er [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtbefestigung]] anschließt, dort, wo [[Wilhelmstraße]] und [[Juliusstraße]] einander treffen. Sie ist in diesem Bereich, wenn auch stark verändert, noch zu sehen. Sie wird unterbrochen durch das [[Harslebertor]], das sich auf dem Gelände unweit der [[AOK]] am heutigen [[Kleiner Stern|Kleinen Stern]] befand. Sie setzt sich dann in einem Wall fort, der durch den Namen [[Wallgasse]] überliefert ist. Zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] hin befand sich auf der [[Braunschweiger Straße]] mit dem [[Kirchtor]] der zweite Zugang. Zum Nordosten hin ergab sich durch den [[Fauler Bach|Faulen Bach]] eine natürliche Abgrenzung. Am [[Gröpern]] stand schließlich das dritte Tor der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]. Sämtliche Tore waren ohne Türme. Auf dem Kupferstich von Merian ist deshalb von diesen Zugängen nichts zu erkennen.


Auch die selbständige Neumark wurde von einer Mauer umschlossen. Wir finden sie auf dem Plan von Ricken eingetragen. Sie beginnt, indem sie sich an die Vormauer der Helmstedter Stadtbefestigung anschließt, dort, wo Wilhelmstraße und Juliusstraße einander treffen. Sie ist in diesem Bereich, wenn auch stark verändert, noch zu sehen. Sie wird unterbrochen durch das Harsleber Tor, das sich auf dem Gelände unweit der AOK am heutigen Kleinen Stern befand. Sie setzt sich dann in einem Wall fort, der durch den Namen Wallgasse überliefert ist. Zum Kloster Marienberg hin befand sich auf der Braunschweiger Straße mit dem Kirchtor der zweite Zugang. Zum Nordosten hin ergab sich durch den Faulen Bach eine natürliche Abgrenzung. Am Gröpern stand schließlich das dritte Tor der Neumark. Sämtliche Tore waren ohne Türme. Auf dem Kupferstich von Merian ist deshalb von diesen Zugängen nichts zu erkennen.
Die drei Tore in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre [[1770]] das [[Harslebertor|Harsleber]]- und das [[Gröperntor]] zwei neue Torflügel bekommen, [[1787]] ebenfalls das [[Kirchtor|Kirchentor]], „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“.


Die drei Tore in der Neumark sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre 1770 das Harsleber und das Gröperntor zwei neue Torflügel bekommen, 1787 ebenfalls das Kirchentor, „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“.
Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk [[Kloster St. Ludgeri|St. Ludgeri]] durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der [[Beendorfer Straße]] her; die älteren [[Helmstedt]]er begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins [[Brunnental]] vom [[Ostendorf]] aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „[[Rotes Tor|Roten Tores]]“, dem Ausgang des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] nach Nordosten hin (Richtung „[[Roter Torweg]]“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.


Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk St. Ludgeri durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der Beendorfer Straße her; die älteren Helmstedter begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins Brunnental vom Ostendorf aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des Klosters der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „Roten Tores“, dem Ausgang des Klosters nach Nordosten hin (Richtung „Roter Torweg“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.
Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen [[Wallhof]] auf dem früheren Gelände der [[Maschinenfabrik Krull]], der bekannte [[Eulenturm]] am [[Batteriewall]] und in der Nähe der [[Lutherschule]] der sogenannte [[Pulverturm]]. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem [[Nordertor (Turm)|Norder]]- und [[Westertor]] ([[Hausmannsturm]]) und zwischen diesem und dem [[Südertor (Turm)|Südertor]]. An der gesamten Front des [[Langer Wall|Langen Walles]] gab es lediglich den erhalten gebliebenen am [[Wallhof]]. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks [[Kleiner Wall]] 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz [[Südertor]] aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich unmittelbar vor der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.


Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen Wallhof auf dem früheren Gelände der Maschinenfabrik Krull, der bekannte Eulenturm am Batteriewall und in der Nähe der Lutherschule der sogenannte Pulverturm. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von Ludewig übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem Norder- und Westertor (Hausmannsturm) und zwischen diesem und dem Südertor. An der gesamten Front des langen Walles gab es lediglich den erhalten gebliebenen am Wallhof. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks Kleiner Wall 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz Südertor aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich un mittelbar vor der Mauer befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.
Die erste Bewährungsprobe bestand unsere [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] [[1279]]. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] hielt stand.


Die erste Bewährungsprobe bestand unsere Stadtmauer 1279. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die Mauer hielt stand.
Dienten die Befestigungen im Mittelalter allgemein noch dem Schutz der Städte vor kriegerischen Angriffen, so galt dies mit Beginn der Neuzeit, sie wird von [[1517]] an gerechnet, dem Jahr des Thesenanschlags Martin Luthers, wegen der neuen Waffen bei regulären Truppen nicht mehr. So boten sie während des Schmalkaldischen Krieges und in den Nachwirren ([[1546]] bis [[1555]]) unserer Stadt keinen Schutz, von der Zeit des späteren 30-jährigen Krieges ([[1618]] bis [[1648]]) völlig abgesehen.


Dienten die Befestigungen im Mittelalter allgemein noch dem Schutz der Städte vor kriegerischen Angriffen, so galt dies mit Beginn der Neuzeit, sie wird von 1517 an gerechnet, dem Jahr des Thesenanschlags Martin Luthers, wegen der neuen Waffen bei regulären Truppen nicht mehr. So boten sie während des Schmalkaldischen Krieges und in den Nachwirren (1546 bis 1555) unserer Stadt keinen Schutz, von der Zeit des späteren 30jährigen Krieges (1618 bis 1648) völlig abgesehen.
Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. [[1745]] damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]], damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.


Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. 1745 damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der Mauer, damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.
Allerdings war man bemüht, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am [[Südertor (Turm)|Süder]]- und [[Ludgeritor]] die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst [[1846]] veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des [[Hausmannsturm]]s hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst [[1845]] bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des [[Nordertor (Turm)|Nordertor]]es wie auch die des [[Südertor (Turm)|Südertor]]es wurden zusammen mit denen des [[Kirchtor]]es (am Piest’schen Gasthofe „[[Zum Goldenen Löwen]]“, [[Braunschweiger Straße]] 25) und des [[Harslebertor|Harsleber Tores]] (beide in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]) [[1846]] versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.


Allerdings war man bemüht, die Mauer in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am Süder- und Ludgeritor die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst 1846 veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des Haus mannsturms hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst 1845 bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des Nordertores wie auch die des Südertores wurden zusammen mit denen des Kirchtores (am Piest'schen Gasthofe „Zum Goldenen Löwen“, Braunschweiger Straße 25) und des Harsleber Tores (beide in der Neumark) 1846 versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.
Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]]“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren [[Leihhausgarten]] ([[Streplingerode]] 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am [[Langer Wall|Langen Wall]]. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren [[Maschinenfabrik Krull]] ([[Wallhof]]).


Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die Stadtmauer diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte Stadtmauer“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren Leihhausgarten (Streplingerode 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am Langen Wall. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren Maschinenfabrik Krull (Wallhof).
Im Jahre [[1935]] begann man, sich Sorgen um den Erhalt der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] zu machen. Man ermittelte, welche Teile davon überhaupt verkauft waren und somit den Anliegern gehörten, welche noch städtisch waren und welche zwar verkauft, aber nicht aufgelassen waren, das heißt, in diesen Fällen gab es keinen formgültigen Kaufvertrag. Inzwischen ist die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] – soweit noch vorhanden – überall saniert. Damit ist sichergestellt, dass sie uns und der Nachwelt erhalten bleibt.


Im Jahre 1935 begann man, sich Sorgen um den Erhalt der Mauer zu machen. Man ermittelte, welche Teile davon überhaupt verkauft waren und somit den Anliegern gehörten, welche noch städtisch waren und welche zwar verkauft, aber nicht aufgelassen waren, d. h., in diesen Fällen gab es keinen formgültigen Kaufvertrag. Inzwischen ist die Mauer – soweit noch vorhanden – überall saniert. Damit ist sichergestellt, dass sie uns und der Nachwelt erhalten bleibt.
Damit endet der Aktenvorgang über ein nicht unwichtiges Kapitel der Geschichte der Stadt, die uns in unserer [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] heute immer noch begegnet.


Damit endet der Aktenvorgang über ein nicht unwichtiges Kapitel der Geschichte der Stadt, die uns in unserer Stadtmauer heute immer noch begegnet.
Es wird oft die Frage gestellt, ob an der [[Helmstedt]]er [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] einstmals ein Wehrgang war. Vielen Stadtmauern, insbesondere in Süddeutschland, ist ein solcher Wehrgang erhalten geblieben. Er ist dort eine besondere Attraktion für die Touristen. An unserer [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] ist ein solcher Gang nicht ausdrücklich nachgewiesen. Solche Gänge waren in der Regel aus Holz und sind deshalb verwittert. Kragsteine im Bereich des [[Batteriewall]]es zwischen [[Eulenturm|Eulen]]- und [[Pulverturm]] lassen allerdings die Vermutung zu, dass wenigstens dort ein solcher Gang gewesen sein könnte. Mit dem Einsetzen der Feuerwaffen verloren die Wehrgänge mit der Verteidigung von oben ihre Bedeutung. Jetzt war die Sicherheit hinter der Mauer wichtiger, die Verteidigung verlief nun horizontal. Wohl hat es „Wehrlöcher“, aus denen einstmals geschossen wurde, gegeben.


Es wird oft die Frage gestellt, ob an der Helmstedter Stadtmauer einstmals ein Wehrgang war. Vielen Stadtmauern, insbesondere in Süddeutschland, ist ein solcher Wehrgang erhalten geblieben. Er ist dort eine besondere Attraktion für die Touristen. An unserer Stadtmauer ist ein solcher Gang nicht ausdrücklich nachgewiesen. Solche Gänge waren in der Regel aus Holz und sind deshalb verwittert. Kragsteine im Bereich des Batteriewalles zwischen Eulen- und Pulverturm lassen allerdings die Vermutung zu, dass wenigstens dort ein solcher Gang gewesen sein könnte. Mit dem Einsetzen der Feuerwaffen verloren die Wehrgänge mit der Verteidigung von oben ihre Bedeutung. Jetzt war die Sicherheit hinter der Mauer wichtiger, die Verteidigung verlief nun horizontal. Wohl hat es „Wehrlöcher“, aus denen einstmals geschossen wurde, gegeben.
Während die [[Helmstedt]]er [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] uns in das Mittelalter entführt, gibt es aus jener Zeit eine heute noch lebendige Wirklichkeit: Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützen]]. Die Gesellschaft ist einmal, wie in den meisten anderen Städten, aus der Gemeinschaft der männlichen Bürger entstanden, die verpflichtet waren, im Ernstfall ihre Stadt mit Speeren, Spießen und später Feuerwaffen zu verteidigen. Derjenige Bürger, der bei den Übungen die besten Schüsse abgab, war für ein Jahr von den städtischen Steuern befreit. Deshalb hieß das Schützenfest früher „Freischießen“. In Peine z. B. hat sich diese Bezeichnung für das Fest der Schützen bis heute erhalten.


Während die Helmstedter Stadtmauer uns in das Mittelalter entführt, gibt es aus jener Zeit eine heute noch lebendige Wirklichkeit: Die Helmstedter Schützen. Die Gesellschaft ist einmal, wie in den meisten anderen Städten, aus der Gemeinschaft der männlichen Bürger entstanden, die verpflichtet waren, im Ernstfall ihre Stadt mit Speeren, Spießen und später Feuerwaffen zu verteidigen. Derjenige Bürger, der bei den Übungen die besten Schüsse abgab, war für ein Jahr von den städtischen Steuern befreit. Deshalb hieß das Schützenfest früher „Freischießen“. In Peine z. B. hat sich diese Bezeichnung für das Fest der Schützen bis heute erhalten.
Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]] steht voll in dieser Tradition. Sie lässt sich bis in die Zeit um [[1370]] nachweisen. Belegt ist dies durch ein Dokument, das sich im Stadtarchiv Goslar befindet. Darin erbitten Schützenmeister und Schützengemeinde zu [[Helmstedt]] eine Antwort auf eine bereits ergangene Einladung zum Schützenfest des laufenden Jahres. Dieses Jahr ist leider nicht angegeben, wird aber den Schriftzügen nach als etwa [[1370]] angenommen. Der Name Hans Zengeberen, der in dem Dokument vorkommt, ist in den Bürgerbüchern von [[Robert Schaper]] leider nicht aufgeführt. Steuerlisten aus jener Zeit gibt es ebenfalls nicht. So kann das Jahr durch diese Person leider nicht weiter eingeengt werden.


Die Helmstedter Schützenbrüderschaft steht voll in dieser Tradition. Sie läßt sich bis in die Zeit um 1370 nachweisen. Belegt ist dies durch ein Dokument, das sich im Stadtarchiv Goslar befindet. Darin erbitten Schützenmeister und Schützengemeinde zu Helmstedt eine Antwort auf eine bereits ergangene Einladung zum Schützenfest des laufenden Jahres. Dieses Jahr ist leider nicht angegeben, wird aber den Schriftzügen nach als etwa 1370 angenommen. Der Name Hans Zengeberen, der in dem Dokument vorkommt, ist in den Bürgerbüchern von Robert Schaper leider nicht aufgeführt. Steuerlisten aus jener Zeit gibt es ebenfalls nicht. So kann das Jahr durch diese Person leider nicht weiter eingeengt werden.
Wo zu jener Zeit die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre [[1688]] ist festgelegt, dass sich unter anderem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370]], „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49</ref> Das muss der [[Schützenwall]] gewesen sein, von dem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war [[1760]]. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] eine Stelle am Schwarzen Berge an der [[Walbecker Straße]], oben am [[Lappwald]], für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] schließlich auf ihr Bitten [[1794]] ihren Platz an der [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]], wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] erstellt werden konnte. Es brannte [[1828]] vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] fertiggestellt. [[1887]] wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 51</ref> Dieser Saal brannte im Jahre [[1900]] ab und wurde massiv wieder aufgebaut.


Wo zu jener Zeit die Schützen geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre 1688 ist festgelegt, dass sich u. a. die Schützen alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370]], „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49</ref> Das muss der Schützenwall gewesen sein, von dem die Schützen nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war 1760. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den Schützen eine Stelle am Schwarzen Berge an der Walbecker Straße, oben am Lappwald, für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die Schützen schließlich auf ihr Bitten 1794 ihren Platz an der Masch, wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes Schützenhaus erstellt werden konnte. Es brannte 1828 vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres Schützenhaus fertiggestellt. 1887 wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 51</ref> Dieser Saal brannte im Jahre 1900 ab und wurde massiv wieder aufgebaut.
In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In [[Helmstedt]] sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]] und damit das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] gewählt. Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]] wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. [[1936]] wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 100</ref> Am 27. November [[1938]] wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. [[1947]] wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar [[Wilhelm Abry]] wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]].
 
In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung - der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In Helmstedt sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die Masch und damit das Schützenhaus gewählt. Die Helmstedter Schützenbrüderschaft wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. 1936 wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 100</ref> Am 27. November 1938 wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. 1947 wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar Wilhelm Abry wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das Schützenhaus.


== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==