Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref>
Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref>


Da [[1252]] nur eine [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden [[Helmstedter Landwehr|Warten]] in ihrer Substanz [[1377]] errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]], die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. - Anders dagegen die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]]. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] vermerkt [[1821]], ,…fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei [[Helmstedter Landwehr|Warten]] diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie [[1855]] – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref>
Da [[1252]] nur eine [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden [[Helmstedter Landwehr|Warten]] in ihrer Substanz [[1377]] errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]], die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. Anders dagegen die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]]. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] vermerkt [[1821]] „…fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei [[Helmstedter Landwehr|Warten]] diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie [[1855]] – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref>


Im Jahr [[1980]] wurde in die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] eine Treppe eingebaut, die den [[Helmstedt]]ern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten.
Im Jahr [[1980]] wurde in die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] eine Treppe eingebaut, die den [[Helmstedt]]ern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten.
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Die drei Tore in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre [[1770]] das [[Harslebertor|Harsleber]]- und das [[Gröperntor]] zwei neue Torflügel bekommen, [[1787]] ebenfalls das [[Kirchtor|Kirchentor]], „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“.
Die drei Tore in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre [[1770]] das [[Harslebertor|Harsleber]]- und das [[Gröperntor]] zwei neue Torflügel bekommen, [[1787]] ebenfalls das [[Kirchtor|Kirchentor]], „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“.


Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk St. Ludgeri durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der Beendorfer Straße her; die älteren Helmstedter begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins Brunnental vom Ostendorf aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des Klosters der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „Roten Tores“, dem Ausgang des Klosters nach Nordosten hin (Richtung „Roter Torweg“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.
Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk [[Kloster St. Ludgeri|St. Ludgeri]] durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der [[Beendorfer Straße]] her; die älteren [[Helmstedt]]er begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins [[Brunnental]] vom [[Ostendorf]] aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „[[Rotes Tor|Roten Tores]]“, dem Ausgang des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] nach Nordosten hin (Richtung „[[Roter Torweg]]“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.


Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen Wallhof auf dem früheren Gelände der Maschinenfabrik Krull, der bekannte Eulenturm am Batteriewall und in der Nähe der Lutherschule der sogenannte Pulverturm. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem Norder- und Westertor (Hausmannsturm) und zwischen diesem und dem Südertor. An der gesamten Front des langen Walles gab es lediglich den erhalten gebliebenen am Wallhof. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks Kleiner Wall 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz Südertor aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich un mittelbar vor der Mauer befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.
Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen [[Wallhof]] auf dem früheren Gelände der [[Maschinenfabrik Krull]], der bekannte [[Eulenturm]] am [[Batteriewall]] und in der Nähe der [[Lutherschule]] der sogenannte [[Pulverturm]]. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem [[Nordertor (Turm)|Norder]]- und [[Westertor]] ([[Hausmannsturm]]) und zwischen diesem und dem [[Südertor (Turm)|Südertor]]. An der gesamten Front des [[Langer Wall|Langen Walles]] gab es lediglich den erhalten gebliebenen am [[Wallhof]]. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks [[Kleiner Wall]] 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz [[Südertor]] aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich unmittelbar vor der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.


Die erste Bewährungsprobe bestand unsere Stadtmauer 1279. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die Mauer hielt stand.
Die erste Bewährungsprobe bestand unsere [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] [[1279]]. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] hielt stand.


Dienten die Befestigungen im Mittelalter allgemein noch dem Schutz der Städte vor kriegerischen Angriffen, so galt dies mit Beginn der Neuzeit, sie wird von 1517 an gerechnet, dem Jahr des Thesenanschlags Martin Luthers, wegen der neuen Waffen bei regulären Truppen nicht mehr. So boten sie während des Schmalkaldischen Krieges und in den Nachwirren (1546 bis 1555) unserer Stadt keinen Schutz, von der Zeit des späteren 30jährigen Krieges (1618 bis 1648) völlig abgesehen.
Dienten die Befestigungen im Mittelalter allgemein noch dem Schutz der Städte vor kriegerischen Angriffen, so galt dies mit Beginn der Neuzeit, sie wird von [[1517]] an gerechnet, dem Jahr des Thesenanschlags Martin Luthers, wegen der neuen Waffen bei regulären Truppen nicht mehr. So boten sie während des Schmalkaldischen Krieges und in den Nachwirren ([[1546]] bis [[1555]]) unserer Stadt keinen Schutz, von der Zeit des späteren 30-jährigen Krieges ([[1618]] bis [[1648]]) völlig abgesehen.


Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. 1745 damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der Mauer, damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.
Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. [[1745]] damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]], damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.


Allerdings war man bemüht, die Mauer in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am Süder- und Ludgeritor die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst 1846 veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des Haus mannsturms hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst 1845 bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des Nordertores wie auch die des Südertores wurden zusammen mit denen des Kirchtores (am Piest'schen Gasthofe „Zum Goldenen Löwen“, Braunschweiger Straße 25) und des Harsleber Tores (beide in der Neumark) 1846 versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.
Allerdings war man bemüht, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am [[Südertor (Turm)|Süder]]- und [[Ludgeritor]] die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst [[1846]] veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des [[Hausmannsturm]]s hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst [[1845]] bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des [[Nordertor (Turm)|Nordertor]]es wie auch die des [[Südertor (Turm)|Südertor]]es wurden zusammen mit denen des [[Kirchtor]]es (am Piest’schen Gasthofe „[[Zum Goldenen Löwen]]“, [[Braunschweiger Straße]] 25) und des [[Harslebertor|Harsleber Tores]] (beide in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]) [[1846]] versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.


Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die Stadtmauer diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte Stadtmauer“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren Leihhausgarten (Streplingerode 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am Langen Wall. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren Maschinenfabrik Krull (Wallhof).
Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]]“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren [[Leihhausgarten]] ([[Streplingerode]] 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am [[Langer Wall|Langen Wall]]. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren [[Maschinenfabrik Krull]] ([[Wallhof]]).


Im Jahre 1935 begann man, sich Sorgen um den Erhalt der Mauer zu machen. Man ermittelte, welche Teile davon überhaupt verkauft waren und somit den Anliegern gehörten, welche noch städtisch waren und welche zwar verkauft, aber nicht aufgelassen waren, d. h., in diesen Fällen gab es keinen formgültigen Kaufvertrag. Inzwischen ist die Mauer – soweit noch vorhanden – überall saniert. Damit ist sichergestellt, dass sie uns und der Nachwelt erhalten bleibt.
Im Jahre [[1935]] begann man, sich Sorgen um den Erhalt der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] zu machen. Man ermittelte, welche Teile davon überhaupt verkauft waren und somit den Anliegern gehörten, welche noch städtisch waren und welche zwar verkauft, aber nicht aufgelassen waren, das heißt, in diesen Fällen gab es keinen formgültigen Kaufvertrag. Inzwischen ist die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] – soweit noch vorhanden – überall saniert. Damit ist sichergestellt, dass sie uns und der Nachwelt erhalten bleibt.


Damit endet der Aktenvorgang über ein nicht unwichtiges Kapitel der Geschichte der Stadt, die uns in unserer Stadtmauer heute immer noch begegnet.
Damit endet der Aktenvorgang über ein nicht unwichtiges Kapitel der Geschichte der Stadt, die uns in unserer [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] heute immer noch begegnet.


Es wird oft die Frage gestellt, ob an der Helmstedter Stadtmauer einstmals ein Wehrgang war. Vielen Stadtmauern, insbesondere in Süddeutschland, ist ein solcher Wehrgang erhalten geblieben. Er ist dort eine besondere Attraktion für die Touristen. An unserer Stadtmauer ist ein solcher Gang nicht ausdrücklich nachgewiesen. Solche Gänge waren in der Regel aus Holz und sind deshalb verwittert. Kragsteine im Bereich des Batteriewalles zwischen Eulen- und Pulverturm lassen allerdings die Vermutung zu, dass wenigstens dort ein solcher Gang gewesen sein könnte. Mit dem Einsetzen der Feuerwaffen verloren die Wehrgänge mit der Verteidigung von oben ihre Bedeutung. Jetzt war die Sicherheit hinter der Mauer wichtiger, die Verteidigung verlief nun horizontal. Wohl hat es „Wehrlöcher“, aus denen einstmals geschossen wurde, gegeben.
Es wird oft die Frage gestellt, ob an der [[Helmstedt]]er [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] einstmals ein Wehrgang war. Vielen Stadtmauern, insbesondere in Süddeutschland, ist ein solcher Wehrgang erhalten geblieben. Er ist dort eine besondere Attraktion für die Touristen. An unserer [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] ist ein solcher Gang nicht ausdrücklich nachgewiesen. Solche Gänge waren in der Regel aus Holz und sind deshalb verwittert. Kragsteine im Bereich des [[Batteriewall]]es zwischen [[Eulenturm|Eulen]]- und [[Pulverturm]] lassen allerdings die Vermutung zu, dass wenigstens dort ein solcher Gang gewesen sein könnte. Mit dem Einsetzen der Feuerwaffen verloren die Wehrgänge mit der Verteidigung von oben ihre Bedeutung. Jetzt war die Sicherheit hinter der Mauer wichtiger, die Verteidigung verlief nun horizontal. Wohl hat es „Wehrlöcher“, aus denen einstmals geschossen wurde, gegeben.


Während die Helmstedter Stadtmauer uns in das Mittelalter entführt, gibt es aus jener Zeit eine heute noch lebendige Wirklichkeit: Die Helmstedter Schützen. Die Gesellschaft ist einmal, wie in den meisten anderen Städten, aus der Gemeinschaft der männlichen Bürger entstanden, die verpflichtet waren, im Ernstfall ihre Stadt mit Speeren, Spießen und später Feuerwaffen zu verteidigen. Derjenige Bürger, der bei den Übungen die besten Schüsse abgab, war für ein Jahr von den städtischen Steuern befreit. Deshalb hieß das Schützenfest früher „Freischießen“. In Peine z. B. hat sich diese Bezeichnung für das Fest der Schützen bis heute erhalten.
Während die [[Helmstedt]]er [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] uns in das Mittelalter entführt, gibt es aus jener Zeit eine heute noch lebendige Wirklichkeit: Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützen]]. Die Gesellschaft ist einmal, wie in den meisten anderen Städten, aus der Gemeinschaft der männlichen Bürger entstanden, die verpflichtet waren, im Ernstfall ihre Stadt mit Speeren, Spießen und später Feuerwaffen zu verteidigen. Derjenige Bürger, der bei den Übungen die besten Schüsse abgab, war für ein Jahr von den städtischen Steuern befreit. Deshalb hieß das Schützenfest früher „Freischießen“. In Peine z. B. hat sich diese Bezeichnung für das Fest der Schützen bis heute erhalten.


Die Helmstedter Schützenbrüderschaft steht voll in dieser Tradition. Sie läßt sich bis in die Zeit um 1370 nachweisen. Belegt ist dies durch ein Dokument, das sich im Stadtarchiv Goslar befindet. Darin erbitten Schützenmeister und Schützengemeinde zu Helmstedt eine Antwort auf eine bereits ergangene Einladung zum Schützenfest des laufenden Jahres. Dieses Jahr ist leider nicht angegeben, wird aber den Schriftzügen nach als etwa 1370 angenommen. Der Name Hans Zengeberen, der in dem Dokument vorkommt, ist in den Bürgerbüchern von Robert Schaper leider nicht aufgeführt. Steuerlisten aus jener Zeit gibt es ebenfalls nicht. So kann das Jahr durch diese Person leider nicht weiter eingeengt werden.
Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]] steht voll in dieser Tradition. Sie lässt sich bis in die Zeit um [[1370]] nachweisen. Belegt ist dies durch ein Dokument, das sich im Stadtarchiv Goslar befindet. Darin erbitten Schützenmeister und Schützengemeinde zu [[Helmstedt]] eine Antwort auf eine bereits ergangene Einladung zum Schützenfest des laufenden Jahres. Dieses Jahr ist leider nicht angegeben, wird aber den Schriftzügen nach als etwa [[1370]] angenommen. Der Name Hans Zengeberen, der in dem Dokument vorkommt, ist in den Bürgerbüchern von [[Robert Schaper]] leider nicht aufgeführt. Steuerlisten aus jener Zeit gibt es ebenfalls nicht. So kann das Jahr durch diese Person leider nicht weiter eingeengt werden.


Wo zu jener Zeit die Schützen geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre 1688 ist festgelegt, dass sich u. a. die Schützen alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370]], „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49</ref> Das muss der Schützenwall gewesen sein, von dem die Schützen nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war 1760. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den Schützen eine Stelle am Schwarzen Berge an der Walbecker Straße, oben am Lappwald, für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die Schützen schließlich auf ihr Bitten 1794 ihren Platz an der Masch, wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes Schützenhaus erstellt werden konnte. Es brannte 1828 vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres Schützenhaus fertiggestellt. 1887 wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 51</ref> Dieser Saal brannte im Jahre 1900 ab und wurde massiv wieder aufgebaut.
Wo zu jener Zeit die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre [[1688]] ist festgelegt, dass sich unter anderem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370]], „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49</ref> Das muss der [[Schützenwall]] gewesen sein, von dem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war [[1760]]. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] eine Stelle am Schwarzen Berge an der [[Walbecker Straße]], oben am [[Lappwald]], für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] schließlich auf ihr Bitten [[1794]] ihren Platz an der [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]], wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] erstellt werden konnte. Es brannte [[1828]] vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] fertiggestellt. [[1887]] wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 51</ref> Dieser Saal brannte im Jahre [[1900]] ab und wurde massiv wieder aufgebaut.


In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung - der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In Helmstedt sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die Masch und damit das Schützenhaus gewählt. Die Helmstedter Schützenbrüderschaft wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. 1936 wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 100</ref> Am 27. November 1938 wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. 1947 wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar Wilhelm Abry wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das Schützenhaus.
In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In [[Helmstedt]] sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]] und damit das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] gewählt. Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]] wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. [[1936]] wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 100</ref> Am 27. November [[1938]] wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. [[1947]] wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar [[Wilhelm Abry]] wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]].


== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==