Zuckerfabrik Königslutter: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Zuckerfabrik Königslutter (2000).jpg| | [[Datei:Zuckerfabrik Königslutter (2000).jpg|mini|Der Abriss der Zuckerrübenfabrik sorgte im Jahr [[2000]] für spektakuläre Ansichten]] | ||
Die '''Zuckerfabrik Königslutter''' war eine Zuckerrübenfabrik auf beiden Seiten der [[Rottorfer Straße (Königslutter am Elm)|Rottorfer Straße]] in der Stadt [[Königslutter am Elm]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland. | Die '''Zuckerfabrik Königslutter''' war eine Zuckerrübenfabrik auf beiden Seiten der [[Rottorfer Straße (Königslutter am Elm)|Rottorfer Straße]] in der Stadt [[Königslutter am Elm]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland. | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Bereits im November [[1849]] baten die [[Königslutter]]aner Kaufleute August Rühland und Hermann Jürgens bei der herzoglichen Domänenkammer in Braunschweig um die Erlaubnis, eine Rübenzuckerfabrik in [[Königslutter]] zu gründen.<ref name="Nordzucker Akzente">{{Internetquelle |url=https://issuu.com/nordzuckerag/docs/2008-10_akzente/31 |titel=Standortvorteil Bahnanschluss – In Königslutter arbeiteten 73 Jahre lang zwei Zuckerfabriken |werk=Nordzucker – Akzente – Oktober 2008 – Neues aus der Nordzucker-Welt |seiten=30–31 |datum=2008-10 |abruf=2025-03-09 | Bereits im November [[1849]] baten die [[Königslutter]]aner Kaufleute August Rühland und Hermann Jürgens bei der herzoglichen Domänenkammer in Braunschweig um die Erlaubnis, eine Rübenzuckerfabrik in [[Königslutter]] zu gründen.<ref name="Nordzucker Akzente">{{Internetquelle |url=https://issuu.com/nordzuckerag/docs/2008-10_akzente/31 |titel=Standortvorteil Bahnanschluss – In Königslutter arbeiteten 73 Jahre lang zwei Zuckerfabriken |werk=Nordzucker – Akzente – Oktober 2008 – Neues aus der Nordzucker-Welt |seiten=30–31 |datum=2008-10 |abruf=2025-03-09}}</ref> | ||
[[1850]] nahm die ''Zuckerfabrik Königslutter C.S. Rühland, Jürgens & Co.'' mit einer Probekampagne, in der 250 Zentner Rüben verarbeitet wurden, ihren Betrieb auf. In den ersten Jahren war der Aktionär Amtsrat Cleve der größte Rübenlieferant. Anfangs bewirtschaftete die Fabrik eigene Felder. Innerhalb weniger Jahre stellten die Landwirte vermehrt auf Rübenanbau um. Voraussetzung war der Ausbau der Chausseestraßen, der den Transport der Rüben im Herbst erst ermöglichte.<ref name="Nordzucker Akzente" /><ref name="HWPH">{{Internetquelle |url=https://www.hwph.de/historische-wertpapiere/losnr-auktnr-pa13-1881.html |titel=Zuckerfabrik zu Königslutter vorm. Aug. Rühland & Co. AG |hrsg=HWPH Historisches Wertpapierhaus AG |abruf=2025-03-09 | [[1850]] nahm die ''Zuckerfabrik Königslutter C.S. Rühland, Jürgens & Co.'' mit einer Probekampagne, in der 250 Zentner Rüben verarbeitet wurden, ihren Betrieb auf. In den ersten Jahren war der Aktionär Amtsrat Cleve der größte Rübenlieferant. Anfangs bewirtschaftete die Fabrik eigene Felder. Innerhalb weniger Jahre stellten die Landwirte vermehrt auf Rübenanbau um. Voraussetzung war der Ausbau der Chausseestraßen, der den Transport der Rüben im Herbst erst ermöglichte.<ref name="Nordzucker Akzente" /><ref name="HWPH">{{Internetquelle |url=https://www.hwph.de/historische-wertpapiere/losnr-auktnr-pa13-1881.html |titel=Zuckerfabrik zu Königslutter vorm. Aug. Rühland & Co. AG |hrsg=HWPH Historisches Wertpapierhaus AG |abruf=2025-03-09}}</ref> | ||
Nur sechs Jahre später, [[1856]], gründeten 70 Aktionäre eine zweite Zuckerfabrik in [[Königslutter]]: die ''Aktien-Zuckerfabrik Königslutter''. Während bei kontinuierlicher Steigerung die Rühlandische Fabrik stets etwa 5.000 t mehr verarbeiten konnte, lag die ''Aktien-Zuckerfabrik Königslutter'' verkehrsgünstiger. Bereits [[1872]], nach der Öffnung der [[Bahnstrecke Helmstedt–Braunschweig]], erhielt sie ein eigenes Anschlussgleis. Ebenso wichtig wie die beständige Steigerung der Verarbeitung war das Vertrauen der Aktionäre in ihre Fabriken. Besonders deutlich wurde das in den beiden Kampagnen der ''Rühländischen Zuckerfabrik'' von [[1917]] bis [[1919]].<ref name="Nordzucker Akzente" /> | Nur sechs Jahre später, [[1856]], gründeten 70 Aktionäre eine zweite Zuckerfabrik in [[Königslutter]]: die ''Aktien-Zuckerfabrik Königslutter''. Während bei kontinuierlicher Steigerung die Rühlandische Fabrik stets etwa 5.000 t mehr verarbeiten konnte, lag die ''Aktien-Zuckerfabrik Königslutter'' verkehrsgünstiger. Bereits [[1872]], nach der Öffnung der [[Bahnstrecke Helmstedt–Braunschweig]], erhielt sie ein eigenes Anschlussgleis. Ebenso wichtig wie die beständige Steigerung der Verarbeitung war das Vertrauen der Aktionäre in ihre Fabriken. Besonders deutlich wurde das in den beiden Kampagnen der ''Rühländischen Zuckerfabrik'' von [[1917]] bis [[1919]].<ref name="Nordzucker Akzente" /> | ||
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der anderen, liquidierten die Aktionare die Fabrik kurzer Hand. Die Fabrik lief dennoch aut Probe weiter und wurde [[1920]] neu gegründet. Im gleichen Jahr erhielt auch sie einen eigenen Bahnanschluss. Damit war der Standortvorteil der Aktien-Zuckertabrik aufgehoben.<ref name="Nordzucker Akzente" /> | der anderen, liquidierten die Aktionare die Fabrik kurzer Hand. Die Fabrik lief dennoch aut Probe weiter und wurde [[1920]] neu gegründet. Im gleichen Jahr erhielt auch sie einen eigenen Bahnanschluss. Damit war der Standortvorteil der Aktien-Zuckertabrik aufgehoben.<ref name="Nordzucker Akzente" /> | ||
Überlegungen über eine Fusion gab es lange, sprach doch vieles dafür. [[1929]] erfolgte der Beschluss, die ''Rühländische Zuckerfabrik'', die bereits [[1872]] in ''Zuckerfabrik Königslutter AG'' umbenannt worden war, als die technisch modernere und kapazitätsstärkere weiter auszubauen und die Aktien-Zuckerfabrik am Bahnhof zu schließen. Die durchschnittliche Tagesverarbeitung stieg auf 690 t. Bis [[1996]] konnte sie auf 7200 t gesteigert werden. [[1930]] erwarb die Fabrik das Rühländische Gut, von dem sie praktisch umschlossen war.<ref name="Nordzucker Akzente" /><ref name="HWPH" /><ref>{{Internetquelle |url=https://www.dwalive.de/de/DWA-Auktion-35/?AID=186100&AKTIE=125+Jahre+Zuckerfabrik+K%F6nigslutter+1850+%2D+1975 |titel=125 Jahre Zuckerfabrik Königslutter 1850 - 1975 |hrsg=DWA Live |abruf=2025-03-09 | Überlegungen über eine Fusion gab es lange, sprach doch vieles dafür. [[1929]] erfolgte der Beschluss, die ''Rühländische Zuckerfabrik'', die bereits [[1872]] in ''Zuckerfabrik Königslutter AG'' umbenannt worden war, als die technisch modernere und kapazitätsstärkere weiter auszubauen und die Aktien-Zuckerfabrik am Bahnhof zu schließen. Die durchschnittliche Tagesverarbeitung stieg auf 690 t. Bis [[1996]] konnte sie auf 7200 t gesteigert werden. [[1930]] erwarb die Fabrik das Rühländische Gut, von dem sie praktisch umschlossen war.<ref name="Nordzucker Akzente" /><ref name="HWPH" /><ref>{{Internetquelle |url=https://www.dwalive.de/de/DWA-Auktion-35/?AID=186100&AKTIE=125+Jahre+Zuckerfabrik+K%F6nigslutter+1850+%2D+1975 |titel=125 Jahre Zuckerfabrik Königslutter 1850 - 1975 |hrsg=DWA Live |abruf=2025-03-09}}</ref> | ||
Während eines Bombenangriffs im Januar [[1944]] wurden nicht nur Rübenkeller, Anschlussgleis und Kesselhaus zerstört. Schwerwiegender war der Tod von sieben Mitarbeitenden. Der Wiederaufbau ab [[1949]] war ein Kraftakt und erforderte großes Vertrauen der Rübenlieferanten und Aktionäre, die ihr Rübengeld der Fabrik als Darlehen zur Verfügung stellten, um die Erneuerung von Dampfturbine, Kesselhaus und Kalkofen zu finanzieren. [[1951]] folgte die Umstellung auf Weißzucker mit der Abgabe von 500-Gramm- und Ein-Kilogramm-Packungen. Den Verkauf übernahm ab [[1965]] die ''Norddeutsche Zucker GmbH''.<ref name="Nordzucker Akzente" /> | Während eines Bombenangriffs im Januar [[1944]] wurden nicht nur Rübenkeller, Anschlussgleis und Kesselhaus zerstört. Schwerwiegender war der Tod von sieben Mitarbeitenden. Der Wiederaufbau ab [[1949]] war ein Kraftakt und erforderte großes Vertrauen der Rübenlieferanten und Aktionäre, die ihr Rübengeld der Fabrik als Darlehen zur Verfügung stellten, um die Erneuerung von Dampfturbine, Kesselhaus und Kalkofen zu finanzieren. [[1951]] folgte die Umstellung auf Weißzucker mit der Abgabe von 500-Gramm- und Ein-Kilogramm-Packungen. Den Verkauf übernahm ab [[1965]] die ''Norddeutsche Zucker GmbH''.<ref name="Nordzucker Akzente" /> | ||
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[[1972]] erfolgte die Fusion mit der ''Zuckerfabrik Watenstedt'', die [[1975]] stillgelegt wurde und schließlich fusionierten [[1985]] die ''Aktien-Zuckerfabrik Twülpstedt'' in [[Klein Twülpstedt]] und [[Königslutter]]. Nur fünf Jahre später wurde die ''Aktien-Zuckerfabrik Twülpstedt'' geschlossen. Erst [[1992]] schloss sich die ''Königslutter-Twülpstedt AG'' der ''Zucker-Aktiengesellschaft Uelzen-Braunschweig'' an. Zeitgleich wurden die Rübenannahmestellen der ''Zuckerfabrik Watenstedt'' in [[Watenstedt]] und der ''Aktien-Zuckerfabrik Twülpstedt'' in [[Klein Twülpstedt]] geschlossen.<ref name="Nordzucker Akzente" /> | [[1972]] erfolgte die Fusion mit der ''Zuckerfabrik Watenstedt'', die [[1975]] stillgelegt wurde und schließlich fusionierten [[1985]] die ''Aktien-Zuckerfabrik Twülpstedt'' in [[Klein Twülpstedt]] und [[Königslutter]]. Nur fünf Jahre später wurde die ''Aktien-Zuckerfabrik Twülpstedt'' geschlossen. Erst [[1992]] schloss sich die ''Königslutter-Twülpstedt AG'' der ''Zucker-Aktiengesellschaft Uelzen-Braunschweig'' an. Zeitgleich wurden die Rübenannahmestellen der ''Zuckerfabrik Watenstedt'' in [[Watenstedt]] und der ''Aktien-Zuckerfabrik Twülpstedt'' in [[Klein Twülpstedt]] geschlossen.<ref name="Nordzucker Akzente" /> | ||
[[1998]] endete mit der Stilllegung der Zuckerfabrik die lange Geschichte der Zuckerfabrikation in [[Königslutter am Elm]]. In diesem Jahr lief die letzte Rübenkampagne in der Zuckerfabrik Königslutter und die Zuckersilos auf dem großen Gelände auf beiden Seiten der [[Rottorfer Straße (Königslutter am Elm)|Rottorfer Straße]] wurden letztmals gefüllt. Im Jahr [[2000]] begann der Abriss der Fabrik und sämtlicher Werksanlagen, ehe das Gelände östlich der [[Rottorfer Straße (Königslutter am Elm)|Rottorfer Straße]] für die Bebauung vorbereitet wurde. Seit Anfang Mai [[2004]] liefen umfangreiche Erschließungsarbeiten für das Baugebiet Driebenberg, in dem insgesamt rund 120 Bauplätze entstanden. Damit wurde dort ein neuer Stadtteil geschaffen. Im ersten Bauabschnitt wurden 41 Bauplätze zur Verfügung gestellt. Die restlichen 35 Grundstücke folgten etwa Mitte August. Die Grundstücke haben eine Größe von 499 bis 1087 m². Heute erinnern Straßennamen wie [[An der Zuckerfabrik (Königslutter am Elm)|An der Zuckerfabrik]], [[Kesselhaus (Königslutter am Elm)|Kesselhaus]], [[Rübenberg (Königslutter am Elm)|Rübenberg]], [[Rübenhof (Königslutter am Elm)|Rübenhof]], [[Rübenwaage (Königslutter am Elm)|Rübenwaage]] und [[Siloblick (Königslutter am Elm)|Siloblick]] an das frühere Fabrikgelände, dass sich als Wohn- und Gewerbegebiet in das heutige Stadtbild integriert.<ref name="Nordzucker Akzente" /><ref> | [[1998]] endete mit der Stilllegung der Zuckerfabrik die lange Geschichte der Zuckerfabrikation in [[Königslutter am Elm]]. In diesem Jahr lief die letzte Rübenkampagne in der Zuckerfabrik Königslutter und die Zuckersilos auf dem großen Gelände auf beiden Seiten der [[Rottorfer Straße (Königslutter am Elm)|Rottorfer Straße]] wurden letztmals gefüllt. Im Jahr [[2000]] begann der Abriss der Fabrik und sämtlicher Werksanlagen, ehe das Gelände östlich der [[Rottorfer Straße (Königslutter am Elm)|Rottorfer Straße]] für die Bebauung vorbereitet wurde. Seit Anfang Mai [[2004]] liefen umfangreiche Erschließungsarbeiten für das Baugebiet Driebenberg, in dem insgesamt rund 120 Bauplätze entstanden. Damit wurde dort ein neuer Stadtteil geschaffen. Im ersten Bauabschnitt wurden 41 Bauplätze zur Verfügung gestellt. Die restlichen 35 Grundstücke folgten etwa Mitte August. Die Grundstücke haben eine Größe von 499 bis 1087 m². Heute erinnern Straßennamen wie [[An der Zuckerfabrik (Königslutter am Elm)|An der Zuckerfabrik]], [[Kesselhaus (Königslutter am Elm)|Kesselhaus]], [[Rübenberg (Königslutter am Elm)|Rübenberg]], [[Rübenhof (Königslutter am Elm)|Rübenhof]], [[Rübenwaage (Königslutter am Elm)|Rübenwaage]] und [[Siloblick (Königslutter am Elm)|Siloblick]] an das frühere Fabrikgelände, dass sich als Wohn- und Gewerbegebiet in das heutige Stadtbild integriert.<ref name="Nordzucker Akzente" /><ref>{{Literatur |Titel=Themen, die die Leserschaft beschäftigten – Teil 3: Die Nachnutzung des Zuckerfabrikgeländes wurde im Königslutteraner Stadtrat besonders intensiv diskutiert |Sammelwerk=[[Helmstedter Sonntag]], Sonderheft "25 Jahre Nachrichten … und Geschichten aus der Heimat" |Datum=2025-03-02 |Seiten=10}}</ref><ref>{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/archiv/article150585364/Fabrikgelaende-wird-neuer-Stadtteil.html |titel=Fabrikgelände wird neuer Stadtteil |autor=Norbert Rogoll |werk=Braunschweiger Zeitung |datum=2004-06-25 |abruf=2025-03-09}}</ref> | ||
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||