Jürgen Kuck: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Jürgen Bernhard Kuck''' (* [[1952]] in [[Königslutter am Elm]]; † [[2025]]) war ein deutscher Kunsthistoriker, Kunstpädagoge, Künstler und Autor.<ref name="BZ26092025">{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/niedersachsen/helmstedt/article410090053/streitbar-und-hartnaeckig-juergen-kucks-stimme-ist-fuer-immer-verstummt.html |titel=Streitbar und hartnäckig: Jürgen Kucks Stimme ist für immer verstummt |werk=Braunschweiger Zeitung / [[Helmstedter Nachrichten]] |datum=2025-09-26 |abruf=2025-09-27}}</ref>
'''Jürgen Bernhard Kuck''' (* 8. Juni [[1952]] in [[Königslutter am Elm]]; † 9. September [[2025]]) war ein deutscher Kunsthistoriker, Kunstpädagoge, Künstler und Autor.<ref name="BZ26092025">{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/niedersachsen/helmstedt/article410090053/streitbar-und-hartnaeckig-juergen-kucks-stimme-ist-fuer-immer-verstummt.html |titel=Streitbar und hartnäckig: Jürgen Kucks Stimme ist für immer verstummt |werk=Braunschweiger Zeitung / [[Helmstedter Nachrichten]] |datum=2025-09-26 |abruf=2025-09-27}}</ref><ref name="trauer38">{{Internetquelle |url=https://www.trauer38.de/traueranzeige/juergen-bernhard-kuck |titel=Traueranzeige |werk=trauer38 |datum=2025-09-20 |abruf=2025-09-27}}</ref>


== Leben ==
== Leben ==
Kuck wurde [[1952]] in [[Königslutter am Elm]] geboren, wo der [[Kaiserdom Königslutter|Kaiserdom]] schon früh eine prägende Rolle spielte. Später, während seiner Tätigkeit als Kunstpädagoge in Braunschweig, setzte er sich intensiv mit dem sogenannten Jagdfries des [[Kaiserdom Königslutter|Dom]]s auseinander. Besondere Aufmerksamkeit widmete er einem Relief, das zwei Hasen zeigt, die einen Jäger zu Boden bringen. Einer seiner Schüler fertigte vor mehr als zwanzig Jahren eine Zeichnung des Motivs an, die Kuck zu einer neuen Deutung anregte: Statt der Köpfe der Hasen erkannte er eine Fratze des Teufels. Diese Interpretation führte zu kontroversen Diskussionen in der Fachwelt, die ihn jedoch nicht von weiteren Forschungen abhielten. Das Relief blieb ein zentrales Thema seiner Arbeit.<ref name="BZ26092025" />
Kuck wurde [[1952]] in [[Königslutter am Elm]] geboren, wo der [[Kaiserdom Königslutter|Kaiserdom]] schon früh eine prägende Rolle spielte. Später, während seiner Tätigkeit als Kunstpädagoge in Braunschweig, setzte er sich intensiv mit dem sogenannten Jagdfries des [[Kaiserdom Königslutter|Dom]]s auseinander. Besondere Aufmerksamkeit widmete er einem Relief, das zwei Hasen zeigt, die einen Jäger zu Boden bringen. Einer seiner Schüler fertigte vor mehr als zwanzig Jahren eine Zeichnung des Motivs an, die Kuck zu einer neuen Deutung anregte: Statt der Köpfe der Hasen erkannte er eine Fratze des Teufels. Diese Interpretation führte zu kontroversen Diskussionen in der Fachwelt, die ihn jedoch nicht von weiteren Forschungen abhielten. Das Relief blieb ein zentrales Thema seiner Arbeit.<ref name="BZ26092025" />
Kuck studierte von 1974 bis 1979 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) bei Roland Dörfler, Siegfried Neuenhausen und Malte Sartorius. Von 2002 bis 2004 hatte er dort einen Lehrauftrag. Seit 1979 war Kuck als freischaffender Künstler tätig. Sein Werk umfasst Buchkunst, Bildergeschichten, Fotografie, Malerei und Grafik. Darüber hinaus war er als Autor kunsttheoretischer und kunstdidaktischer Essays und Bücher hervorgetreten. 1983 begann Kuck eine Tätigkeit als Kunstpädagoge am Gymnasium Raabeschule in Braunschweig. 1996 übernahm er die Position des Fachleiters Kunst sowie die des Studiendirektors am Studienseminar Braunschweig.


Neben seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem [[Kaiserdom Königslutter|Dom]] engagierte sich Kuck für die zeitgenössische Kunstszene in [[Königslutter am Elm]]. In der ehemaligen Friedhofskapelle, der sogenannten Malerkapelle, bot er jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, um ihre Werke jenseits etablierter Formate zu präsentieren. Das Programm war bewusst auf Unkonventionelles, Herausforderndes und Streitbares ausgerichtet. Kuck gilt als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Förderkreises Malerkapelle. Nach Einschätzung von Lino Heissenberg, künstlerischer Leiter und zweiter Vorsitzender des Vereins, ist es maßgeblich Kucks Verdienst, dass der Förderkreis bis heute besteht. Auch nach gesundheitlichen Rückschlägen blieb er dem Verein verbunden und nahm, soweit möglich, weiterhin an Veranstaltungen teil.<ref name="BZ26092025" />
Neben seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem [[Kaiserdom Königslutter|Dom]] engagierte sich Kuck für die zeitgenössische Kunstszene in [[Königslutter am Elm]]. In der ehemaligen Friedhofskapelle, der sogenannten Malerkapelle, bot er jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform, um ihre Werke jenseits etablierter Formate zu präsentieren. Das Programm war bewusst auf Unkonventionelles, Herausforderndes und Streitbares ausgerichtet. Kuck gilt als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Förderkreises Malerkapelle. Nach Einschätzung von Lino Heissenberg, künstlerischer Leiter und zweiter Vorsitzender des Vereins, ist es maßgeblich Kucks Verdienst, dass der Förderkreis bis heute besteht. Auch nach gesundheitlichen Rückschlägen blieb er dem Verein verbunden und nahm, soweit möglich, weiterhin an Veranstaltungen teil.<ref name="BZ26092025" />
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Die Bedeutung, die Kuck dem [[Kaiserdom Königslutter|Dom]] beimaß, spiegelt sich auch in der von seiner Familie veröffentlichten Traueranzeige wider. Diese zeigt eine Abbildung der Hasenszene des Jagdfrieses, versehen mit dem Satz: „Dein ganzes Leben war dem Wissen, der Kunst und den Idealen gewidmet.“<ref name="BZ26092025" />
Die Bedeutung, die Kuck dem [[Kaiserdom Königslutter|Dom]] beimaß, spiegelt sich auch in der von seiner Familie veröffentlichten Traueranzeige wider. Diese zeigt eine Abbildung der Hasenszene des Jagdfrieses, versehen mit dem Satz: „Dein ganzes Leben war dem Wissen, der Kunst und den Idealen gewidmet.“<ref name="BZ26092025" />


Kuck verstarb [[2025]] im Alter von 73 Jahren.<ref name="BZ26092025" />
Kuck verstarb am 9. September [[2025]] im Alter von 73 Jahren und wurde am 26. September auf dem [[Friedhof (Königslutter am Elm)|Friedhof]] an der [[Helmstedter Straße (Königslutter am Elm)|Helmstedter Straße]] in [[Königslutter am Elm]] beigesetzt.<ref name="BZ26092025" /><ref name="trauer38" />
 
== Werk ==
[[Datei:Kaiserdom Jagdfries.jpg|mini|Bild des Jagdfrieses an der Apsis am [[Kaiserdom Königslutter]], rechts: ''Hasen fesseln Jäger'']]
Der Schwerpunkt von Kucks künstlerischer Arbeit liegt auf Bildergeschichten und Comics, die klassische literarische Texte von Autoren wie Sophokles, Boccaccio, Goethe und Kafka aufgreifen. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche kunsttheoretische und kunstdidaktische Beiträge sowie kunsthistorische Studien. Bekanntheit erlangte Kuck insbesondere durch die Entdeckung eines Vexiereffekts im zentralen Relief des Jagdfrieses am hochmittelalterlichen [[Kaiserdom Königslutter]]: Zwei Hasen, die dort einen Jäger fesseln, bilden in einem Vexierbild die Fratze des Teufels. Damit konnte ein jahrhundertealtes Bildrätsel aufgeklärt werden.
 
In seiner jüngsten Publikation ''Sophokles: Antigone. In Bildern von Jürgen Bernhard Kuck'' ist die Teufelsfratze auf dem Titelbild dargestellt.
 
== Ausstellungen ==
=== Einzelausstellungen ===
* Der Succubus (Galerie Jürgens, Hamburg [[1978]])
* Wegebilder (Galerie am Lademannbogen, Hamburg [[1990]])
* Das Gold der Philosophen ([[Kaiserdom Königslutter]], [[2003]])
* Widerstand als Heiligenlegende (Haus der Kirche Berlin [[2005]])
* Nikolaus, Lothar und der Teufel (Museum für Stadtgeschichte Königslutter, [[2007]])
* Stammtisch und Abendmahl (Galerie auf Zeit Braunschweig, [[2008]])
 
=== Gruppenausstellungen ===
* Grafik (Kunstverein Göttingen [[1979]])
* Gewalt und Angst (Kulturinstitut der Stadt Braunschweig [[1996]])
* Aktstudien (Kulturinstitut der Stadt Braunschweig [[1997]])
* Bilder gegen das Vergessen (Friedenskapelle Braunschweig [[1998]])
* Wege zum Ich (Gewerkschaftshaus Braunschweig, [[2000]]);
* Das Gold der Philosophen ([[Kaiserdom Königslutter]], [[2003]]);
* Das Blut des Jägers ([[Malerkapelle Königslutter]], [[2003]]);
* Wir werden gehenkt, weil wir zusammen gedacht haben (Braunschweigisches Landesmuseum, [[2003]])
* Zwei Hasen, die zum Teufel werden (Aktionistischer Vortrag im Wiener Burgtheater in der Aufführung „AREA 7 – Matthäusexpedition“ von Christoph Schlingensief, [[2006]])
 
== Veröffentlichungen ==
* Herrn Kuliks Albträume. Bilderreihe (in: Helmuth Hartwig, Sehen lernen, Köln [[1976]])
* Edgar Allan Poe: Hopp-Frosch. Eine Bildgeschichte von Jürgen Kuck (HBK Braunschweig, Braunschweig [[1979]])
* Zur Entstehung und Entwicklung zeichnerischer Praxis: Das Verhältnis von Rezeption und Produktion von Bildgeschichten seit meiner Kindheit (in: Helmuth Hartwig, Jugendkultur, Hamburg [[1980]])
* Richard Wagner: Tannhäuser. Eine Bildergeschichte von Jürgen Kuck (PP-Verlag, Braunschweig [[1986]])
* Der Prozess gegen Anna Kleve. Eine Bildergeschichte von Jürgen Kuck (PP-Verlag, Braunschweig [[1986]])
* Das Wandbild von Mascherode, Kunstpädagogik und Heimatpflege im gesellschaftlichen Raum (Braunschweigische Landschaft e.&nbsp;V., Braunschweig [[1997]])
* Ich bin diese ganze Welt. Bilder und Geschichten zum Tarot (Verlag Michael Kuhle, Braunschweig [[1997]])
* Sören Kierkegaard: Tagebuch der Verführers (in: Mein heimliches Auge XIV, Konkursbuchverlag Claudia Gehrke, Tübingen [[1999]])
* Entweder – Oder. Ein Buch in Bildern von Jürgen Kuck. Mit Texten von Sören Kierkegaard (Verlag Pro Business, Berlin [[2000]])
* Die Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft als Ort der Trauer, der Begegnung und des außerschulischen Lernens (in: Regionale Gewerkschaftsblätter, Heft 13, hg. v. DGB-Kreis Region Braunschweig, Braunschweig [[2000]])
* Das Wahrzeichen der Weisheit: Der Jagdfries am Dom zu Königslutter (in: Jahrbuch Gymnasium Raabeschule Braunschweig 2000/2001, Braunschweig [[2001]])
* Die Freiheit der Bilder (in: Bilder zum 11. September, Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft Braunschweig, Braunschweig [[2001]])
* Johann Wolfgang Goethe: Faust, Erster und Zweiter Teil. In Bildern von Jürgen Bernhard Kuck (Lehmanns Media, Berlin [[2001]] und [[2005]]) ISBN 9783865410948
* Widerstand als Heiligenlegende - Helmuth James Graf von Moltke und die heilige Katharina von Alexandrien (in: Braunschweigisches Landesmuseum, Informationen und Berichte 2/2003, Braunschweig [[2003]])
* Nikolaus, Lothar und der Teufel. Der Jagdfries am Dom zu Königslutter als kosmisches Rätsel (Museum für Stadtgeschichte Königslutter, Königslutter [[2007]]) ISBN 9783000218965
* Marsilio Ficino: Stammtisch und Abendmahl. Zeichnungen und Gemälde von Jürgen Bernhard Kuck (Lehmanns Media, Berlin [[2008]]) ISBN 9783865412706
* Sophokles: Antigone. In Bildern von Jürgen Bernhard Kuck (Lehmanns Media, Berlin [[2008]]) ISBN 9783865412829
 
== Beiträge in ''BDK-Mitteilungen'' und ''BDK-Rundbriefe'' ==
* Filmanalyse (in: BDK-Rundschreiben  1/85, Hannover [[1985]])
* Das Buch als Gesamtkunstwerk (in: BDK-Rundschreiben 2/86, Hannover [[1986]])
* Brudermord im Altwasser – Kinder, die töten (in: BDK-Mitteilungen 2/93, Hannover [[1993]])
* Aktdarstellung im Kunstunterricht (in: BDK-Mitteilungen 4/97, Hannover [[1997]])
* Bilder gegen das Vergessen (in: BDK-Mitteilungen 1/99, Hannover [[1999]])
* Das Symposion von Platon als Ausgangspunkt für eine Systematik der Kunst. Kunst- und ideengeschichtliche Forschung im Unterricht (in: BDK-Mitteilungen 2/00, Hannover [[2000]])
* Die Kunst der Erinnerung. Transformation und Assimilation von Mythen in der Facharbeit (BDK-Mitteilungen 2/01, Hannover [[2001]])
* Teufel auch! Vom Vorrang der Anschauung gegenüber Begriffen (in: BDK-Mitteilungen 1/02, Hannover [[2002]])
* Kunst und Comic. Der Logos und seine Inkorporation (in: BDK.Mitteilungen 4/03, Hannover [[2003]])
* Wunsch- und Zerrbilder des Faches Kunst. Zur Tradition und Aktualität von Utopismus
 
== Besprechungen ==
* Diffamierung und Destruktion in der Fachdidaktik (in: BDK-Mitteilungen 1/05, Hannover [[2005]])
* Illustration 63. Zeitschrift für die Buchillustration Heft 1/[[1988]], Seite 23–26; Heft 1/[[1998]], Seite 34–35; Heft 1/[[2003]], Seite 27–28.
* Comic-Speedline, Heft 65, Seite 17.
 
== Weblinks ==
* [https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118833022 ''Literatur von und über Jürgen Bernhard Kuck''] im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
* [https://www.jbkuck.de ''Jürgen Bernhard Kuck – Künstler und Schriftsteller''] Offizielle Website
* [https://www.facebook.com/jurgen.kuck.5 ''Jürgen Bernhard Kuck''] bei Facebook
* [https://www.youtube.com/channel/UCxkSy0C4PvH5jNsq-OdX_aw ''Jürgen Bernhard Kuck''] bei YouTube


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==