Kaiserdom Königslutter: Unterschied zwischen den Versionen

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| Bildunterschrift    = Kaiserdom Königslutter (St. Peter und Paul) aus der Luft ([[2012]])
| Bildunterschrift    = Kaiserdom Königslutter (St. Peter und Paul) aus der Luft ([[2012]])
| Konfession          = evangelisch-lutherisch
| Konfession          = evangelisch-lutherisch
| Widmung            =  
| Widmung            = Apostel Petrus und Paulus
| Landeskirche        = Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
| Landeskirche        = Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig
| Ort                = [[Vor dem Kaiserdom (Königslutter am Elm)|Vor dem Kaiserdom]] 5, [[38154]] [[Königslutter am Elm]]
| Ort                = [[Vor dem Kaiserdom (Königslutter am Elm)|Vor dem Kaiserdom]] 5, [[38154]] [[Königslutter am Elm]]
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| Ausstattungsstil    =  
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| Bautyp              = Basilika
| Bautyp              = Basilika
| Funktion und Titel  =
| Breitengrad        = 52.244719
| Breitengrad        = 52.244719
| Längengrad          = 10.815719
| Längengrad          = 10.815719
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=== Jagdfries ===
=== Jagdfries ===
[[Datei:Kaiserdom Jagdfries.jpg|mini|Jagdfries an der Apsis mit Szene: Hasen fesseln Jäger]]
[[Datei:Kaiserdom Jagdfries.jpg|mini|Jagdfries an der Apsis mit Szene: Hasen fesseln Jäger]]
Der sogenannte Jagdfries an der Außenwand der Apsis zeigt eine Szene mit dem Titel „Hasen fesseln Jäger“, die mehrfach unterschiedlich interpretiert wird. Die Mehrzahl der Forschung deutet diese Szene auf Grundlage biblischer Texte sowie spätantiker und mittelalterlicher Auslegungsliteratur – etwa den Schriften der Kirchenväter oder des Physiologus – als Symbol des Sieges des Guten über das Böse. Der Kunsthistoriker Jürgen Bernhard Kuck sieht hingegen im Fries eine Inszenierung des Menschen als Opfer des Teufels. Die Szene „Hasen fesseln Jäger“ versteht er als ein Vexierbild, das bewusst hinter der Mauer angebracht wurde, hinter der sich im Innenraum der Apsis der Altar befindet.
Der sogenannte Jagdfries an der Außenwand der Apsis zeigt eine Szene mit dem Titel „Hasen fesseln Jäger“, die mehrfach unterschiedlich interpretiert wird. Die Mehrzahl der Forschung deutet diese Szene auf Grundlage biblischer Texte sowie spätantiker und mittelalterlicher Auslegungsliteratur – etwa den Schriften der Kirchenväter oder des Physiologus – als Symbol des Sieges des Guten über das Böse. Der Kunsthistoriker [[Jürgen Bernhard Kuck]] sieht hingegen im Fries eine Inszenierung des Menschen als Opfer des Teufels. Die Szene „Hasen fesseln Jäger“ versteht er als ein Vexierbild, das bewusst hinter der Mauer angebracht wurde, hinter der sich im Innenraum der Apsis der Altar befindet.


Am Ende des Jagdfrieses befindet sich eine spiegelverkehrte Inschrift „Hoc opus eximium vario celamine mirum sc(ulpsit)“ – „Dieses vortreffliche Werk, durch mannigfaltige Meißelarbeit wunderbar, hat gemeißelt“ –, die an der Stelle abbricht, an der üblicherweise ein Künstlername zu erwarten wäre. Stattdessen zeigt die Darstellung einen Jäger, der einen erlegten Hasen über die Schulter nimmt. Diese Szene wird als versteckte Signatur des Bildhauers Nicolaus von Verona interpretiert, der zu den Magistri Comacini gehörte. Sein Name lässt sich aus den griechischen Wörtern nikáo (siegen) und laós (Volk) ableiten. Durch Hinzufügen des Buchstabens „g“ entsteht „nikáo lagos“ – „Hasenbesieger“. Es wird angenommen, dass die damaligen Bildbetrachter über ausreichende Bildung verfügten, um diese versteckte Signatur durch das Griechische zu entschlüsseln.
Am Ende des Jagdfrieses befindet sich eine spiegelverkehrte Inschrift „Hoc opus eximium vario celamine mirum sc(ulpsit)“ – „Dieses vortreffliche Werk, durch mannigfaltige Meißelarbeit wunderbar, hat gemeißelt“ –, die an der Stelle abbricht, an der üblicherweise ein Künstlername zu erwarten wäre. Stattdessen zeigt die Darstellung einen Jäger, der einen erlegten Hasen über die Schulter nimmt. Diese Szene wird als versteckte Signatur des Bildhauers Nicolaus von Verona interpretiert, der zu den Magistri Comacini gehörte. Sein Name lässt sich aus den griechischen Wörtern nikáo (siegen) und laós (Volk) ableiten. Durch Hinzufügen des Buchstabens „g“ entsteht „nikáo lagos“ – „Hasenbesieger“. Es wird angenommen, dass die damaligen Bildbetrachter über ausreichende Bildung verfügten, um diese versteckte Signatur durch das Griechische zu entschlüsseln.
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== Literatur ==
== Literatur ==
* Jürgen Diestelmann: ''Zur Klosterreform des 12. Jahrhunderts in Niedersachsen.'' In: Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte, 1955, S. 13 ff.
* Martin Zeiller: Königslutter. In: Matthäus Merian (Hrsg.): ''Topographia Ducatus Brunswick et Lüneburg'' (= Topographia Germaniae. Band 15). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. 131–136 ([https://de.wikisource.org/wiki/de:Topographia_Braunschweig_L%C3%BCneburg:_K%C3%B6nigslutter Volltext] [Wikisource]).
* Jürgen Diestelmann: ''Die Stiftskirche zu Königslutter'' (Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 9). 7. Auflage, Göttingen 1988
* Harold Joachim: ''Die Stiftskirche zu Königslutter : Ein Beitrag zur deutschen Kunstgeschichte des 12. Jahrhunderts.'' Göttingen : Dieterichsche Universitäts-Buchdruckerei, 1935.
* Richard Diestelmann: ''Die lutherischen Pfarrer der Stadtkirche Königslutter von der Reformation bis heute'', Königslutter 1695
* Jürgen Diestelmann: ''Zur Klosterreform des 12. Jahrhunderts in Niedersachsen.'' In: ''Jahrbuch der Gesellschaft für Niedersächsische Kirchengeschichte.'' 1955, S. 13 ff.
* Ernst Andreas Friedrich: ''Wenn Steine reden könnten'', Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-0397-3
* Richard Diestelmann: ''Die lutherischen Pfarrer der Stadtkirche Königslutter von der Reformation bis heute.'' Königslutter 1965.
* Thomas Gädeke und Martin Gosebruch: ''Königslutter Die Abtei Kaiser Lothars''. Fotos von Jutta Brüdern. 3., durchgesehene Aufl., Königstein i. Ts. 1998, ISBN 3-7845-4822-9
* Ernst Andreas Friedrich: ''Gestaltete Naturdenkmale Niedersachsens.'' Landbuch-Verlag, Hannover 1982, ISBN 3-7842-0256-X.
* Tobias Henkel, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (Hrsg.): ''Kaiserdom Königslutter - Geschichte und Restaurierung'', Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-428-8
* Stadt Königslutter (Hrsg.): ''850 Jahre Kaiserdom 1135–1985.'' Königslutter 1985.
* Stadt Königslutter (Hrsg.): ''850 Jahre Kaiserdom 1135–1985'', Königslutter 1985
* Jürgen Diestelmann: ''Die Stiftskirche zu Königslutter'' (Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 9). 7. Auflage, Göttingen 1988.
* Ernst Andreas Friedrich: ''Gestaltete Naturdenkmale Niedersachsens'', Landbuch-Verlag, Hannover 1982, ISBN 3-7842-0256-X
* Ernst Andreas Friedrich: ''Der Kaiserdom von Königslutter.'' S. 139–142, in: ''Wenn Steine reden könnten.'' Band I, Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-0397-3.
* Braunschweigischer Vereinigter Kloster- und Studienfonds; Niedersächsisches Institut für Denkmalpflege [Hrsg.]: ''Der Kaiserdom in Königslutter: ein Kulturdenkmal auf dem Prüfstand''. In: ''Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen''. Heft 14. Hannover 1996, doi:[https://doi.org/10.11588/diglit.51145 10.11588/diglit.51145] ([https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/adn_h14 uni-heidelberg.de]).
* Thomas Gädeke und Martin Gosebruch: ''Königslutter Die Abtei Kaiser Lothars.'' Fotos von Jutta Brüdern. 3., durchgesehene Aufl., Königstein i. Ts. 1998, ISBN 3-7845-4822-9.
* Cornelia Lawrenz: ''Architektur und Herrschaftsanspruch. Die Baukunst Kaiser Lothars III. (1125–1137) und seiner Parteigänger.'' Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 2003, S. 95–112. ISBN 3-936846-61-8. [http://kaiserdom-koenigslutter.info/index.php/Cornelia_Lawrenz_Architektur_und_Herrschaftsanspruch.html (Digitalisat)]
* [[Jürgen Bernhard Kuck]]: ''Nikolaus, Lothar und der Teufel.'' Der Jagdfries am Dom zu Königslutter als kosmisches Rätsel, Königslutter 2007, ISBN 978-3-00-021896-5.
* Tobias Henkel, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (Hrsg.): ''Kaiserdom Königslutter Geschichte und Restaurierung.'' Petersberg 2008, ISBN 978-3-86568-428-8.
* Norbert Funke: ''Begleiter durch den Kaiserdom Königslutter.'' Hrsg. Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2023, ISBN 978-3-7954-3801-2.
* Christian Schwochert: ''Der Kaiserdom von Königslutter – Ein Fotobuch'', tredition Verlag, ISBN 978-3-3840-7229-0.


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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[[Kategorie:Kirchengebäude in Königslutter am Elm]]
[[Kategorie:Kirchengebäude in Königslutter am Elm]]
[[Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Helmstedt]]
[[Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Helmstedt]]
[[Kategorie:Baudenkmal im Landkreis Helmstedt]]
[[Kategorie:Baudenkmal in Königslutter am Elm]]