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Das '''Juleum''', auch '''Juleum Novum''', ist ein mehrgeschossiges Hörsaal- und Bibliotheksgebäude der ehemaligen [[Universität Helmstedt|Universität]] in der Kreisstadt [[Helmstedt]]. Das Bauwerk wurde zwischen 1592 und 1612 im Baustil der Weserrenaissance errichtet und zählt zu den bedeutendsten Profanbauten dieser Epoche in Norddeutschland. | Das '''Juleum''', auch '''Juleum Novum''', ist ein mehrgeschossiges Hörsaal- und Bibliotheksgebäude der ehemaligen [[Universität Helmstedt|Universität]] in der Kreisstadt [[Helmstedt]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland. Das Bauwerk wurde zwischen 1592 und 1612 im Baustil der Weserrenaissance errichtet und zählt zu den bedeutendsten Profanbauten dieser Epoche in Norddeutschland. | ||
Heute besteht das Juleum aus drei verschiedenen Einrichtungen: Der Keller wurde zum heutigen [[Kreis- und Universitätsmuseum]] umgestaltet und im Erdgeschoss wurde eine große Aula für Festveranstaltungen und wissenschaftliche Vorträge geschaffen, in der seit [[1995]] alljährlich im Herbst die [[Helmstedter Universitätstage]] stattfinden. Der Bibliothekssaal beherbergt bis heute die Reste der ehemaligen Universitätsbibliothek mit derzeit noch etwa 35.000 Bänden. Außerdem kann von April bis Oktober eines jeden Jahres an jedem ersten Samstag im Monat in der Zeit von 11:00–12:00 Uhr der [[Juleumsturm]] über 153 Stufen bestiegen werden. Von diesem Turm kann die Altstadt und die Umgebung von Helmstedt aus 28 m Höhe aus der „Vogelperspektive“ betrachtet werden. | Heute besteht das Juleum aus drei verschiedenen Einrichtungen: Der Keller wurde zum heutigen [[Kreis- und Universitätsmuseum]] umgestaltet und im Erdgeschoss wurde eine große Aula für Festveranstaltungen und wissenschaftliche Vorträge geschaffen, in der seit [[1995]] alljährlich im Herbst die [[Helmstedter Universitätstage]] stattfinden. Der Bibliothekssaal beherbergt bis heute die Reste der ehemaligen Universitätsbibliothek mit derzeit noch etwa 35.000 Bänden. Außerdem kann von April bis Oktober eines jeden Jahres an jedem ersten Samstag im Monat in der Zeit von 11:00–12:00 Uhr der [[Juleumsturm]] über 153 Stufen bestiegen werden. Von diesem Turm kann die Altstadt und die Umgebung von Helmstedt aus 28 m Höhe aus der „Vogelperspektive“ betrachtet werden. | ||
== | == Beschreibung == | ||
Der als Aula- und Hörsaalgebäude errichtete Bau ist 40 Meter lang und 17 Meter breit und hat auf der Südseite einen 56 Meter hohen achteckigen [[Juleumsturm|Treppenturm]], der oben eine Galerie trägt. Das Ober- und das Dachgeschoss sind nur über diesen vorgestellten Turm zugänglich. | Der als Aula- und Hörsaalgebäude errichtete Bau ist 40 Meter lang und 17 Meter breit und hat auf der Südseite einen 56 Meter hohen achteckigen [[Juleumsturm|Treppenturm]], der oben eine Galerie trägt. Das Ober- und das Dachgeschoss sind nur über diesen vorgestellten Turm zugänglich. | ||
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Die Turmspitze des Juleums wurde im August [[2023]] für Sanierungsarbeiten in einer aufwändigen Aktion mit Kran in einem Stück abgehoben. Am 22. Juli [[2024]] wurde die Turmspitze wieder auf das Juleum gesetzt.<ref>{{Literatur |Titel=Turmspitze kehrt zurück |Sammelwerk=[[Helmstedter Sonntag]] |Datum=2025-07-21 |Seiten=3}}</ref> | Die Turmspitze des Juleums wurde im August [[2023]] für Sanierungsarbeiten in einer aufwändigen Aktion mit Kran in einem Stück abgehoben. Am 22. Juli [[2024]] wurde die Turmspitze wieder auf das Juleum gesetzt.<ref>{{Literatur |Titel=Turmspitze kehrt zurück |Sammelwerk=[[Helmstedter Sonntag]] |Datum=2025-07-21 |Seiten=3}}</ref> | ||
== Geschichte == | |||
Mit der Gründung der welfischen Universität durch Herzog Julius in Helmstedt im Jahr [[1576]] wurde auch sehr bald die Notwendigkeit der Errichtung eines repräsentativen Haupt- und Hörsaalgebäudes deutlich. Die Vorlesungen fanden bis zu dieser Zeit überwiegend in den Wohnhäusern der Professoren statt. Steigende Studentenzahlen und das Geltungsstreben des Herzogs und der Universitätsleitung führten in der Folgezeit zu ersten Planungen für einen palastähnlichen Bau. Mit der Ausführung beauftragte Herzog Heinrich Julius im Oktober 1592 den herzoglichen Baumeister Paul Francke, der bereits die beiden Collegiengebäude der Universität als Flügelbauten errichtet hatte. Die Planungen sahen ein großes Auditorium Maximum der Theologen und Philosophen im Erdgeschoss vor, in dem auch die Feierlichkeiten der Universität stattfanden sollten, und zwei separate Hörsäle für die Juristen und Mediziner im Obergeschoss. Im Kellergeschoss wurde ein Weinkeller mit zwei beheizbaren Schankräumen konzipiert. Kritikern soll Herzog Heinrich Julius entgegnet haben, dass die Studenten lernen sollten, Bacchus mit Füßen zu treten. | |||
[[Datei:Helmstedt Merian Collegium.png|mini|Juleum und Collegienflügel im 17. Jahrhundert]] | |||
Ein Jahr später erfolgte der Baubeginn auf dem städtischen Besitz des [[Kloster Mariental|Klosters Mariental]] in Helmstedt, dem „Grauen Hof“. Als funktionale und bautypologische Vorbilder der Anlage dienten unter anderem die Gebäude der Universität Altdorf sowie das New College in Oxford. Die Steinmetzarbeiten und die Erstellung des umfangreichen Figurenschmuckes führte Jacob Meyerheine aus. Im Jahr 1597 konnten die wesentlichen Bauarbeiten mit der Eindeckung des Gebäudes abgeschlossen werden. Die offizielle Einweihung des Bauwerkes erfolgte allerdings erst am 15. Oktober 1612 – exakt 20 Jahre nach Bauvergabe – in Abwesenheit des in Prag weilenden Herzogs, der es zum Andenken an seinen Vater und Universitätsgründer „Juleum“ nannte. | |||
Wesentliche Umbauarbeiten wurden im Jahr 1715 nach Sturmschäden am Treppenturm sowie 1765 durch Zusammenlegung des juristischen und des medizinischen Vorlesungsraumes zu einem großen Bibliothekssaal im Obergeschoss vorgenommen. | |||
Nach Schließung des Universitätsbetriebes im Jahr 1810 wurde das Juleum noch sporadisch von örtlichen Schulen genutzt. Der zunehmende Verfall machte Sanierungen notwendig. Die umfangreichsten Restaurierungs- und Umbauarbeiten fanden zwischen 1966 und 1971 statt, bei denen auch der neue Eingangsbereich auf der Südseite geschaffen wurde. Der Keller wurde zum heutigen ''Kreis- und Universitätsmuseum'' umgestaltet und im Erdgeschoss wurde eine große Aula für Festveranstaltungen und wissenschaftliche Vorträge geschaffen. Hier finden auch alljährlich im Herbst die [[Helmstedter Universitätstage]] statt. Der Bibliothekssaal beherbergt bis heute die Reste der ehemaligen Universitätsbibliothek mit derzeit noch etwa 35.000 Bänden. Die übrigen Bücher befinden sich in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel. | |||
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Helmstedt Juleum Turm.jpg|Treppenturm mit herzoglichem Wappen | |||
Helmstedt Juleum Portal.jpg|Hauptportal | |||
Helmstedt Juleum Aula.jpg|Auditorium Maximum | |||
Helmstedt Juleum Seitenansicht.jpg|Westgiebel und Südfront | |||
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[[2025]] erhielt das Juleum eine neue Wort-Bild-Marke.<ref name="Neue Wort-Bild-Marken für das Zonengrenz-Museum und das Juleum">{{Internetquelle |url=https://www.landkreis-helmstedt.de/portal/meldungen/neue-wort-bild-marken-fuer-das-zonengrenz-museum-und-das-juleum-900002711-34150.html?rubrik=900000044 |titel=Neue Wort-Bild-Marken für das Zonengrenz-Museum und das Juleum |hrsg=[[Landkreis Helmstedt]] |datum=2025-08-13 |abruf=2025-08-16}}</ref> | |||
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Juleum.jpg|Aktuelles Logo seit [[2025]] | |||
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In der bis auf den letzten Platz besetzten Aula des Juleums sprach am 14. Oktober [[2025]] der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck über die aktuellen Herausforderungen und Erschütterungen der Demokratie. Der 85-Jährige folgte einer Einladung der Kulturabteilung des Landkreises, um sein neuestes Buch vorzustellen.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/niedersachsen/helmstedt/article410230295/joachim-gauck-in-helmstedt-in-welchem-moment-ihm-zwei-traenen-kullerten.html |titel=Joachim Gauck in Helmstedt: In welchem Moment ihm zwei Tränen kullerten |autor=Sebahat Arifi |werk=Braunschweiger Zeitung / [[Helmstedter Nachrichten]] |datum=2025-10-15 |abruf=2025-10-16}}</ref> | |||
== Siehe auch == | == Siehe auch == | ||