Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

 
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== Die Helmstedter Stadttürme ==
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== Das Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
[[Helmstedt]] kann für sich in Anspruch nehmen, im ehemaligen Herzogtum Braunschweig der einzige Ort zu sein, der mit dem [[Hausmannsturm]] noch einen alten Stadtturm aufzuweisen hat. Weder Wolfenbüttel noch Braunschweig oder andere Orte können insoweit mit uns konkurrieren. Jede Stadt hatte früher wenigstens an den wichtigsten Toren Stadttürme. Sie dienten verschiedensten Zwecken. In Norddeutschland sind diese Anlagen meistens verschwunden. Merian bzw. zwei seiner Söhne haben auf dem bekannten Kupferstich von [[1654]] für [[Helmstedt]] dieses Wahrzeichen festgehalten. Das Bild zeigt mit einer Mauer und dem Teich im Vordergrund einen sehr wehrhaften Ort, aber zugleich auch ein imposantes Stadtbild. Um [[Helmstedt]] betrachten zu können, hat der Zeichner mit einer Stelle am [[Lappwald]]rand einen Ort ausgewählt, von dem der Wanderer oder der Fahrer auf der Autobahn auch heute noch den nicht unberechtigten Eindruck einer schönen Stadt hat. Übrigens, Merian, geboren [[1593]] zu Basel, verstorben [[1650]] zu Frankfurt/Main, ist nie in [[Helmstedt]] gewesen. Um das große Werk einer Topographie aller Städte Deutschlands gestalten zu können, bedienten sich Merian bzw. seine Söhne Matthäus d. J. und Kaspar vieler Helfer. In den Fürstentümern Lüneburg und Wolfenbüttel war es der Kupferstecher Konrad Buno aus dem Hessischen, der sich [[1640]] in Braunschweig und dann später in Wolfenbüttel niedergelassen hatte. Das von ihm dort bewohnte Haus wird heute noch gezeigt. Buno bereiste die einzelnen Fürstentümer, Empfehlungsschreiben des jeweiligen Herzogs an die einzelnen Städte waren vorausgegangen. Er zeichnete Ansichten auf Papier, skizzierte mitunter das Gesehene auf Schrifttafeln, um es auf besondere Blätter zu übertragen. So kam er ganz gut voran. Gandersheim, wo er am 31. Juli [[1652]] eingetroffen war und bis zum 2. August blieb, war offenbar der letzte Ort im hiesigen Fürstentum, denn noch in demselben Monat fing er im Calenbergischen mit seinen Zeichnungen an. In [[Helmstedt]] wird er also in der ersten Hälfte des Jahres [[1652]] gewesen sein. In der Kämmereirechnung findet sich leider kein Eintrag über entsprechende Ausgaben des Rates.<ref>Zimmermann, P. "Matthäus Merians Topographie der Herzogtümer Braunschweig und Lüneburg" in Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 1902, S. 38 ff.</ref>
[[Helmstedt]] kann für sich in Anspruch nehmen, im ehemaligen Herzogtum Braunschweig der einzige Ort zu sein, der mit dem [[Hausmannsturm]] noch einen alten Stadtturm aufzuweisen hat. Weder Wolfenbüttel noch Braunschweig oder andere Orte können insoweit mit uns konkurrieren. Jede Stadt hatte früher wenigstens an den wichtigsten Toren Stadttürme. Sie dienten verschiedensten Zwecken. In Norddeutschland sind diese Anlagen meistens verschwunden. Merian bzw. zwei seiner Söhne haben auf dem bekannten Kupferstich von [[1654]] für [[Helmstedt]] dieses Wahrzeichen festgehalten. Das Bild zeigt mit einer Mauer und dem Teich im Vordergrund einen sehr wehrhaften Ort, aber zugleich auch ein imposantes Stadtbild. Um [[Helmstedt]] betrachten zu können, hat der Zeichner mit einer Stelle am [[Lappwald]]rand einen Ort ausgewählt, von dem der Wanderer oder der Fahrer auf der Autobahn auch heute noch den nicht unberechtigten Eindruck einer schönen Stadt hat. Übrigens, Merian, geboren [[1593]] zu Basel, verstorben [[1650]] zu Frankfurt/Main, ist nie in [[Helmstedt]] gewesen. Um das große Werk einer Topographie aller Städte Deutschlands gestalten zu können, bedienten sich Merian bzw. seine Söhne Matthäus d. J. und Kaspar vieler Helfer. In den Fürstentümern Lüneburg und Wolfenbüttel war es der Kupferstecher Konrad Buno aus dem Hessischen, der sich [[1640]] in Braunschweig und dann später in Wolfenbüttel niedergelassen hatte. Das von ihm dort bewohnte Haus wird heute noch gezeigt. Buno bereiste die einzelnen Fürstentümer, Empfehlungsschreiben des jeweiligen Herzogs an die einzelnen Städte waren vorausgegangen. Er zeichnete Ansichten auf Papier, skizzierte mitunter das Gesehene auf Schrifttafeln, um es auf besondere Blätter zu übertragen. So kam er ganz gut voran. Gandersheim, wo er am 31. Juli [[1652]] eingetroffen war und bis zum 2. August blieb, war offenbar der letzte Ort im hiesigen Fürstentum, denn noch in demselben Monat fing er im Calenbergischen mit seinen Zeichnungen an. In [[Helmstedt]] wird er also in der ersten Hälfte des Jahres [[1652]] gewesen sein. In der Kämmereirechnung findet sich leider kein Eintrag über entsprechende Ausgaben des Rates.<ref>Zimmermann, P. "Matthäus Merians Topographie der Herzogtümer Braunschweig und Lüneburg" in Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 1902, S. 38 ff.</ref>


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Nun noch etwas zu dem Sandsteinrelief an der Westseite über dem Tor. Es soll die Krönung der Maria zur Himmelsgöttin darstellen.<ref>"Das Marienbild am Hausmannsturm zu Helmstedt" in "Alt-Helmstedt" Januar 1926, Nr. 1</ref> Die [[Helmstedt]]er sehen in den beiden Figuren auch Kaiser Lothar und seine Ehefrau. In das Reich der Sage gehört natürlich, dass sie um Mitternacht ihren Platz verlassen und um den Turm herumgehen.
Nun noch etwas zu dem Sandsteinrelief an der Westseite über dem Tor. Es soll die Krönung der Maria zur Himmelsgöttin darstellen.<ref>"Das Marienbild am Hausmannsturm zu Helmstedt" in "Alt-Helmstedt" Januar 1926, Nr. 1</ref> Die [[Helmstedt]]er sehen in den beiden Figuren auch Kaiser Lothar und seine Ehefrau. In das Reich der Sage gehört natürlich, dass sie um Mitternacht ihren Platz verlassen und um den Turm herumgehen.


Als diese Diskussion um den Abriss des [[Neumärker Tor]]es geführt wurde, gab es die beiden anderen Türme, nämlich den [[Südertorturm]] und den [[Osterturm]] schon nicht mehr.
Als diese Diskussion um den Abriss des [[Neumärker Tor]]es geführt wurde, gab es die beiden anderen Türme, nämlich den [[Südertorturm]] und den [[Ostertor|Osterturm]] schon nicht mehr.


Der [[Südertorturm]] war 22 ½ Fuß lang und 24 ½ Fuß breit, 32 Fuß hoch (= 9,15 m), also relativ niedrig. Das Dach bestand aus vier Walmen mit Breitziegeln. Wir wissen aber nicht, wie weit die Höhe gemessen wurde, ob bis zum Dachbeginn oder sogar bis zur Spitze. Im Vergleich dazu die Höhe unseres [[Hausmannsturm]]es: bis ganz oben zur Wetterfahne 36 m, bis zur Dachrinne 20 m. Dieser war in jedem Fall der größte der drei [[Helmstedt]]er Stadttortürme. Deshalb hatte dort auch der Feuerwächter seinen Platz.
Der [[Südertorturm]] war 22 ½ Fuß lang und 24 ½ Fuß breit, 32 Fuß hoch (= 9,15 m), also relativ niedrig. Das Dach bestand aus vier Walmen mit Breitziegeln. Wir wissen aber nicht, wie weit die Höhe gemessen wurde, ob bis zum Dachbeginn oder sogar bis zur Spitze. Im Vergleich dazu die Höhe unseres [[Hausmannsturm]]es: bis ganz oben zur Wetterfahne 36 m, bis zur Dachrinne 20 m. Dieser war in jedem Fall der größte der drei [[Helmstedt]]er Stadttortürme. Deshalb hatte dort auch der Feuerwächter seinen Platz.
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Die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle ermöglichte es nun, im Vorfeld der Mauer Gärten anzulegen. Sie brachten bei einem Verkauf durch den erzielten Preis oder aber durch einen jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen. So erwarben nach [[1749]] der Seifensieder Rickert, der Brauer Temme und der Brauer Haspelmacher je einen Garten unmittelbar am alten [[Südertorturm|Südertor]] in Richtung zur [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]. [[1824]]/[[1825]] erwarb der in der [[Bötticherstraße]] 51 (Haus der Professoren von Mosheim und Henke) wohnende Kreisamtmann Friedrich-Joachim von Heinemann diese Grundstücke für 1.345 Taler. Ein Jahr später, [[1826]], baute er auf diesem Gelände ein herrschaftliches Wohnhaus, das heute noch steht. In ihm befindet sich seit [[1853]] der [[Landkreis Helmstedt|Landkreis]], der damals „[[Landkreis Helmstedt|Herzogliche Kreisdirektion]]“ hieß.
Die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle ermöglichte es nun, im Vorfeld der Mauer Gärten anzulegen. Sie brachten bei einem Verkauf durch den erzielten Preis oder aber durch einen jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen. So erwarben nach [[1749]] der Seifensieder Rickert, der Brauer Temme und der Brauer Haspelmacher je einen Garten unmittelbar am alten [[Südertorturm|Südertor]] in Richtung zur [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]. [[1824]]/[[1825]] erwarb der in der [[Bötticherstraße]] 51 (Haus der Professoren von Mosheim und Henke) wohnende Kreisamtmann Friedrich-Joachim von Heinemann diese Grundstücke für 1.345 Taler. Ein Jahr später, [[1826]], baute er auf diesem Gelände ein herrschaftliches Wohnhaus, das heute noch steht. In ihm befindet sich seit [[1853]] der [[Landkreis Helmstedt|Landkreis]], der damals „[[Landkreis Helmstedt|Herzogliche Kreisdirektion]]“ hieß.


Der [[Osterturm]] war 27 Fuß im Quadrat lang bzw. breit und 45 Fuß hoch, also 13 m, massiv gemauert. Er hatte ein Satteldach mit zwei Walmen, die mit Breitziegeln bedeckt waren. Die Durchfahrt war wie beim [[Neumärker Tor]] mit zwei Bogen und inwendig mit einem Gewölbe versehen. In der zweiten Etage waren eine Stube und eine kleine Küche, in der dritten und vierten Etage war ein Gefängnis. Er war 13 Fuß (= 3,72 m) höher als der [[Südertorturm]].
Der [[Ostertor|Osterturm]] war 27 Fuß im Quadrat lang bzw. breit und 45 Fuß hoch, also 13 m, massiv gemauert. Er hatte ein Satteldach mit zwei Walmen, die mit Breitziegeln bedeckt waren. Die Durchfahrt war wie beim [[Neumärker Tor]] mit zwei Bogen und inwendig mit einem Gewölbe versehen. In der zweiten Etage waren eine Stube und eine kleine Küche, in der dritten und vierten Etage war ein Gefängnis. Er war 13 Fuß (= 3,72 m) höher als der [[Südertorturm]].


Am 8. Juni [[1821]] wurde der Turm zum Abbruch meistbietend verkauft. Es bemühten sich darum der Apotheker Lichtenstein, der gerade am [[Papenberg]] die [[Ratsapotheke]] bauen wollte, und der Maurermeister Linke. Für die Summe von 124 Reichstalern erhielt der Maurermeister den Zuschlag, der jedoch nach Angaben von [[Robert Schaper]] diese Steine leider nicht dazu benutzte, um in [[Helmstedt]] ein Haus zu bauen. Er verwendete sie weit außerhalb, so dass uns noch nicht einmal diese Reste als Erinnerung an den alten Turm geblieben sind. Auch sonst weist nichts mehr darauf hin, wo jahrhundertelang zwei alte Stadttore in Helmstedt gestanden haben, im Gegensatz zum [[Nordertor]]: dort ist (wie bereits erwähnt) am Ende des [[Langer Steinweg|Langen Steinweges]] der Rest einer Mauer zu sehen, die damals zu dem turmlosen [[Nordertor]] gehört hat.
Am 8. Juni [[1821]] wurde der Turm zum Abbruch meistbietend verkauft. Es bemühten sich darum der Apotheker Lichtenstein, der gerade am [[Papenberg]] die [[Ratsapotheke]] bauen wollte, und der Maurermeister Linke. Für die Summe von 124 Reichstalern erhielt der Maurermeister den Zuschlag, der jedoch nach Angaben von [[Robert Schaper]] diese Steine leider nicht dazu benutzte, um in [[Helmstedt]] ein Haus zu bauen. Er verwendete sie weit außerhalb, so dass uns noch nicht einmal diese Reste als Erinnerung an den alten Turm geblieben sind. Auch sonst weist nichts mehr darauf hin, wo jahrhundertelang zwei alte Stadttore in Helmstedt gestanden haben, im Gegensatz zum [[Nordertor]]: dort ist (wie bereits erwähnt) am Ende des [[Langer Steinweg|Langen Steinweges]] der Rest einer Mauer zu sehen, die damals zu dem turmlosen [[Nordertor]] gehört hat.