Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

 
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'''Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt''' ist eine Chronik über [[Helmstedt]] von [[Hans-Ehrhard Müller]] aus dem März [[1999]]. Eine zweite, überarbeitete Auflage erschien im Mai [[2005]]. Dieser Artikel hat das Ziel, die gesamte Chronik als enzyklopädischen Artikel abzubilden und wird lediglich an die neue Rechtschreibung angepasst.
'''Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt''' ist eine Chronik über [[Helmstedt]] von [[Hans-Ehrhard Müller]] aus dem März [[1999]]. Eine zweite, überarbeitete Auflage erschien im Mai [[2005]]. Dieser Artikel hat das Ziel, die gesamte Chronik als enzyklopädischen Artikel abzubilden, der lediglich an die neue Rechtschreibung angepasst wird.


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Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform [[1948]] entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. – Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr [[1914]] abzuschließen. – Schließlich nahm sich [[1952]] der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14. November [[1955]]. Die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] blieb weiterhin ungeschrieben.
Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform [[1948]] entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. – Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr [[1914]] abzuschließen. – Schließlich nahm sich [[1952]] der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14. November [[1955]]. Die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] blieb weiterhin ungeschrieben.


In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffens meines Vorgängers [[Robert Schaper]] hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den [[Helmstedt]]ern nahegebracht hat.
In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffen meines Vorgängers [[Robert Schaper]] hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den [[Helmstedt]]ern nahegebracht hat.


Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der [[Helmstedt]]er Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadtdirektor [[Lothar Wien]] [[Robert Schaper]] und mich mit dieser Aufgabe. Leider musste Herr [[Robert Schaper|Schaper]] aus Altersgründen [[Helmstedt]] verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häuserbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a. D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis [[1945]] geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefasste Geschichte der [[Universität Helmstedt|Universität]] erforderlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild – ohne auf die [[Universität Helmstedt|Universität]] einzugehen – nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach [[1945]] gerade durch die Stellung [[Helmstedt]]s in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, dass sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird unter anderem auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die [[Helmstedt]]er Schulen und über [[Bad Helmstedt]] enthalten. – Den [[Helmstedt]]er Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich [[1996]] Susanne Pieper in ihrem Buch ''[[Chronik des Helmstedter Handwerks]]'' ausführlich beschäftigt.
Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der [[Helmstedt]]er Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadtdirektor [[Lothar Wien]] [[Robert Schaper]] und mich mit dieser Aufgabe. Leider musste Herr [[Robert Schaper|Schaper]] aus Altersgründen [[Helmstedt]] verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häuserbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a. D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis [[1945]] geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefasste Geschichte der [[Universität Helmstedt|Universität]] erforderlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild – ohne auf die [[Universität Helmstedt|Universität]] einzugehen – nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach [[1945]] gerade durch die Stellung [[Helmstedt]]s in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, dass sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird unter anderem auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die [[Helmstedt]]er Schulen und über [[Bad Helmstedt]] enthalten. – Den [[Helmstedt]]er Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich [[1996]] Susanne Pieper in ihrem Buch ''[[Chronik des Helmstedter Handwerks]]'' ausführlich beschäftigt.
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Wohl noch nicht im 13. Jahrhundert, aber in jedem Fall bei der Erneuerung im 15. Jahrhundert wurde vor der eigentlichen [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] eine zweite, niedrigere angelegt. Der neuen Waffen wegen wollte man den Feind auf Distanz von der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] halten. Die Verteidigung wurde deshalb dem Gegner entgegengeschoben.<ref>Meckseper, „Kleine Kunstgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter“, Darmstadt 1982, S. 101</ref> Der Zwischenraum zwischen den beiden Mauern bestand aus Gräben. Er wurde immer gesäubert und gepflegt, um dem Angreifer jegliche Deckungsmöglichkeit zu nehmen. Von dem Ausmaß dieses Vorraumes kann man sich heute noch ein Bild machen, denn man weiß, dass die Ostseite (in alten Schriften würden wir lesen die Morgenseite) des [[Gröpern]] nicht bebaut war und dass dort, wo heute Häuser stehen, diese Vormauer verlief. Sie ist auch deutlich in dem [[1745]] aufgestellten „Plan von der nahesten Gegend der Stadt [[Helmstedt]]“ von J. C. Ricken, Original im Städtischen Archiv Braunschweig, Kopie von Paul-Jonas Meier [[1895]] in [[Helmstedt]], eingezeichnet.
Wohl noch nicht im 13. Jahrhundert, aber in jedem Fall bei der Erneuerung im 15. Jahrhundert wurde vor der eigentlichen [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] eine zweite, niedrigere angelegt. Der neuen Waffen wegen wollte man den Feind auf Distanz von der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] halten. Die Verteidigung wurde deshalb dem Gegner entgegengeschoben.<ref>Meckseper, „Kleine Kunstgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter“, Darmstadt 1982, S. 101</ref> Der Zwischenraum zwischen den beiden Mauern bestand aus Gräben. Er wurde immer gesäubert und gepflegt, um dem Angreifer jegliche Deckungsmöglichkeit zu nehmen. Von dem Ausmaß dieses Vorraumes kann man sich heute noch ein Bild machen, denn man weiß, dass die Ostseite (in alten Schriften würden wir lesen die Morgenseite) des [[Gröpern]] nicht bebaut war und dass dort, wo heute Häuser stehen, diese Vormauer verlief. Sie ist auch deutlich in dem [[1745]] aufgestellten „Plan von der nahesten Gegend der Stadt [[Helmstedt]]“ von J. C. Ricken, Original im Städtischen Archiv Braunschweig, Kopie von Paul-Jonas Meier [[1895]] in [[Helmstedt]], eingezeichnet.


Unterbrochen wurde diese Vormauer durch die jeweils vier Zugänge zu der Stadt, die wiederum von einer kleinen Mauer längs der Straße (Doppeltor) eingesäumt waren. Besonders ausgeprägt war dies am [[Südertor (Turm)|Südertor]]. – Dem Plan von Ricken nach gab es diese Vormauer nicht im Bereich des [[Georgienhof|Georgien]]- oder [[Jürgenhof]]es an der Abendseite der Stadt (Westen). Dieses Hospital schloss sich insbesondere mit der [[St. Georgskapelle|Georgskapelle]] eng an die Stadt an, was allerdings nicht hinderte, die eigentliche [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] auch dort zu errichten. Diese Vormauer gab es auch nicht im Bereich des heutigen [[Langer Wall|Langen Walles]]. Dort erlaubte [[1441]] Abt Johann Stecke dem Rat, die Stadt vom [[Ostertor|Oster]]- bis zum [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] mit Wall und Graben zu befestigen. Schon etwas länger diente dort der kleine Wasserlauf zu dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]]- oder [[Sternberger Teich]] als natürliches Hindernis. Dieser Teich war [[1423]] nach ausdrücklicher Erlaubnis des Herzogs Bernhard von Braunschweig durch den Rat der Stadt künstlich angelegt worden. Der Zufluss zu ihm erfolgte von dem 200 Jahre älteren [[Hafermühlenteich]] und vom [[St.-Ludgeri-Teich|Klosterteich St. Ludgeri]], dem wiederum der „[[Faule Bach]]“ vom [[Lappwald]] her Wasser zuführte.
Unterbrochen wurde diese Vormauer durch die jeweils vier Zugänge zu der Stadt, die wiederum von einer kleinen Mauer längs der Straße (Doppeltor) eingesäumt waren. Besonders ausgeprägt war dies am [[Südertor (Stadttor)|Südertor]]. – Dem Plan von Ricken nach gab es diese Vormauer nicht im Bereich des [[Georgienhof|Georgien]]- oder [[Jürgenhof]]es an der Abendseite der Stadt (Westen). Dieses Hospital schloss sich insbesondere mit der [[St. Georgskapelle|Georgskapelle]] eng an die Stadt an, was allerdings nicht hinderte, die eigentliche [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] auch dort zu errichten. Diese Vormauer gab es auch nicht im Bereich des heutigen [[Langer Wall|Langen Walles]]. Dort erlaubte [[1441]] Abt Johann Stecke dem Rat, die Stadt vom [[Ostertor|Oster]]- bis zum [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]] mit Wall und Graben zu befestigen. Schon etwas länger diente dort der kleine Wasserlauf zu dem [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]]- oder [[Sternberger Teich]] als natürliches Hindernis. Dieser Teich war [[1423]] nach ausdrücklicher Erlaubnis des Herzogs Bernhard von Braunschweig durch den Rat der Stadt künstlich angelegt worden. Der Zufluss zu ihm erfolgte von dem 200 Jahre älteren [[Hafermühlenteich]] und vom [[St.-Ludgeri-Teich|Klosterteich St. Ludgeri]], dem wiederum der „[[Faule Bach]]“ vom [[Lappwald]] her Wasser zuführte.


Vier Tore und damit vier Zugänge hatte die Stadt zumindest seit der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Befestigung]] im 13. Jahrhundert. Diese Tore waren wahrscheinlich schon damals mit Ausnahme des [[Nordertor (Turm)|Nordertores]] mit stattlichen Türmen versehen. Der [[Hausmannsturm]], auch [[Neumärker Tor|Neumärker]]-, [[Westerntor|Western]]- oder [[Braunschweiger Tor]] genannt, wurde [[1286]] urkundlich erstmals erwähnt. Der heutige Turm stammt aus der Erneuerung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Vier Tore und damit vier Zugänge hatte die Stadt zumindest seit der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Befestigung]] im 13. Jahrhundert. Diese Tore waren wahrscheinlich schon damals mit Ausnahme des [[Nordertor (Stadttor)|Nordertores]] mit stattlichen Türmen versehen. Der [[Hausmannsturm]], auch [[Neumärker Tor|Neumärker]]-, [[Westerntor|Western]]- oder [[Braunschweiger Tor]] genannt, wurde [[1286]] urkundlich erstmals erwähnt. Der heutige Turm stammt aus der Erneuerung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.


Das [[Südertor (Turm)|Süder]]- oder [[Seedorfer Tor]] wurde [[1305]] erstmals erwähnt und befand sich in etwa dort, wo heute der Parkplatz am [[Südertor]] ist. Es war benannt nach den beiden Dörfern Seedorf, die um [[1200]] wüst geworden waren, weil ihre Bewohner nach [[Helmstedt]] gezogen waren.
Das [[Südertor (Stadttor)|Süder]]- oder [[Seedorfer Tor]] wurde [[1305]] erstmals erwähnt und befand sich in etwa dort, wo heute der Parkplatz am [[Südertor]] ist. Es war benannt nach den beiden Dörfern Seedorf, die um [[1200]] wüst geworden waren, weil ihre Bewohner nach [[Helmstedt]] gezogen waren.


Das [[Ludgeritor]] – später auch [[Magdeburger Tor]] genannt – wird [[1305]] so bezeichnet, als [[Ostertor|Klostertor]] aber schon [[1236]]/[[1237]] erwähnt. Es diente nach Paul-Jonas Meier anfangs in erster Linie der Verbindung des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] zur Stadt. Später hatte es dann die Bedeutung, dass der ganze Verkehr vom oder nach dem Osten durch dieses Tor verlief. Das [[Ludgeritor]] und der [[Hausmannsturm]] lagen an der alten [[Reichsstraße 1]], die Aachen mit Königsberg und umgekehrt verband. Mit der Umwandlung der [[Neumärker Straße]] in einen Fußgängerbereich wurde die [[Wilhelmstraße]] Bundesstraße und damit Teil der Nr. 1.
Das [[Ludgeritor]] – später auch [[Magdeburger Tor]] genannt – wird [[1305]] so bezeichnet, als [[Ostertor|Klostertor]] aber schon [[1236]]/[[1237]] erwähnt. Es diente nach Paul-Jonas Meier anfangs in erster Linie der Verbindung des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] zur Stadt. Später hatte es dann die Bedeutung, dass der ganze Verkehr vom oder nach dem Osten durch dieses Tor verlief. Das [[Ludgeritor]] und der [[Hausmannsturm]] lagen an der alten [[Reichsstraße 1]], die Aachen mit Königsberg und umgekehrt verband. Mit der Umwandlung der [[Neumärker Straße]] in einen Fußgängerbereich wurde die [[Wilhelmstraße]] Bundesstraße und damit Teil der Nr. 1.


Das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] wurde [[1354]] erstmals erwähnt.<ref>Paul-Jonas Meier „Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Helmstedt“, Wolfenbüttel 1896, S. 95, 96</ref>
Das [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]] wurde [[1354]] erstmals erwähnt.<ref>Paul-Jonas Meier „Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Helmstedt“, Wolfenbüttel 1896, S. 95, 96</ref>


Während drei Türme auf dem Kupferstich von Merian deutlich zu sehen sind, wenn auch das [[Südertor (Turm)|Südertor]] mit einem Mauerturm verwechselt wurde, so ist ein „[[Nordertor (Turm)|Nordertorturm]]“ nicht zu erkennen, weil es ihn sehr wahrscheinlich auch nicht gegeben hat. Paul-Jonas Meier<ref>Paul-Jonas Meier, a. a. O., S. 96</ref> stellt fest: „Es ist fraglich, ob ein Thurm mit schlichtem Dach bei Merian das Thor darstellen soll – bei den Stichen des XVIII. Jahrhunderts fehlt ein solcher und [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] gibt a.a.O., S. 163, an, dass er schon lange nicht mehr vorhanden gewesen sei.“
Während drei Türme auf dem Kupferstich von Merian deutlich zu sehen sind, wenn auch das [[Südertor (Stadttor)|Südertor]] mit einem Mauerturm verwechselt wurde, so ist ein „[[Nordertor (Stadttor)|Nordertorturm]]“ nicht zu erkennen, weil es ihn sehr wahrscheinlich auch nicht gegeben hat. Paul-Jonas Meier<ref>Paul-Jonas Meier, a. a. O., S. 96</ref> stellt fest: „Es ist fraglich, ob ein Thurm mit schlichtem Dach bei Merian das Thor darstellen soll – bei den Stichen des XVIII. Jahrhunderts fehlt ein solcher und [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] gibt a.a.O., S. 163, an, dass er schon lange nicht mehr vorhanden gewesen sei.“


Das bedeutet aber nicht, dass es ihn einmal gegeben hat, denn in den Archivakten, insbesondere in den Kämmereirechnungen und in den Vorgängen über den Zustand der Baulichkeiten der Stadt aus dem 18. Jahrhundert, konnte ich keinen Hinweis darauf finden, dass das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] wie die drei anderen Tore einmal einen Turm gehabt hat. Ich fand zwar für einige Jahre die Angabe „[[Nordertor (Turm)|Nordertorturm]]“, dann aber fehlt – im Gegensatz zu den drei anderen Toren – die Bezeichnung Turm, und es findet sich immer nur die schlichte Angabe „[[Nordertor (Turm)|Nordertor]]“. Hätte man ihn zu dieser Zeit abgerissen, so müssten darüber in den Rechnungen Kosten und wegen des Verkaufes der Steine durch die Stadt Einnahmen vermerkt sein.
Das bedeutet aber nicht, dass es ihn einmal gegeben hat, denn in den Archivakten, insbesondere in den Kämmereirechnungen und in den Vorgängen über den Zustand der Baulichkeiten der Stadt aus dem 18. Jahrhundert, konnte ich keinen Hinweis darauf finden, dass das [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]] wie die drei anderen Tore einmal einen Turm gehabt hat. Ich fand zwar für einige Jahre die Angabe „[[Nordertor (Stadttor)|Nordertorturm]]“, dann aber fehlt – im Gegensatz zu den drei anderen Toren – die Bezeichnung Turm, und es findet sich immer nur die schlichte Angabe „[[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]]“. Hätte man ihn zu dieser Zeit abgerissen, so müssten darüber in den Rechnungen Kosten und wegen des Verkaufes der Steine durch die Stadt Einnahmen vermerkt sein.


Dafür, dass das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] nie einen Aufsatz gehabt hat, spricht auch, dass Merian, der seinen Stich nach einer Vorlage gefertigt hat, die der Betrachter von der Höhe der [[Walbecker Straße]] aus aufgenommen hat, sicherlich einen dann sehr deutlich sichtbaren Turm eingezeichnet und entsprechend vermerkt hätte. Allerdings wissen wir noch genau, wo das Tor einmal gewesen ist: Gegenüber dem Grundstück [[Langer Steinweg]] 19, früher der [[Schützenhof]], heute ein [[Möbelhauses Fehlig|Möbelhaus]], ist der Endpunkt der alten [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] klar erkennbar.
Dafür, dass das [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]] nie einen Aufsatz gehabt hat, spricht auch, dass Merian, der seinen Stich nach einer Vorlage gefertigt hat, die der Betrachter von der Höhe der [[Walbecker Straße]] aus aufgenommen hat, sicherlich einen dann sehr deutlich sichtbaren Turm eingezeichnet und entsprechend vermerkt hätte. Allerdings wissen wir noch genau, wo das Tor einmal gewesen ist: Gegenüber dem Grundstück [[Langer Steinweg]] 19, früher der [[Schützenhof]], heute ein [[Möbelhauses Fehlig|Möbelhaus]], ist der Endpunkt der alten [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] klar erkennbar.


Mit dieser Stadtbefestigung allein konnten sich die [[Helmstedt]]er aber noch nicht zufriedengeben. [[Helmstedt]] lag und liegt am [[Lappwald]]. Er zog sich damals näher an die Stadt heran als heute. Gestrüpp, Sträucher und allerlei Vegetation boten einem heranrückenden Feind eine gute Deckung. Von dort war er schon einmal in der Silvesternacht [[1199]]/[[1200]] gekommen. Im Schutze des Waldes hatte er sich bis dicht an die Stadt unbemerkt heranschleichen können.
Mit dieser Stadtbefestigung allein konnten sich die [[Helmstedt]]er aber noch nicht zufriedengeben. [[Helmstedt]] lag und liegt am [[Lappwald]]. Er zog sich damals näher an die Stadt heran als heute. Gestrüpp, Sträucher und allerlei Vegetation boten einem heranrückenden Feind eine gute Deckung. Von dort war er schon einmal in der Silvesternacht [[1199]]/[[1200]] gekommen. Im Schutze des Waldes hatte er sich bis dicht an die Stadt unbemerkt heranschleichen können.
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Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort.
Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort.


Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die [[Helmstedt]]er konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. Paul-Jonas Meier hat es so gedeutet, dass offenbar im hohen Mittelalter (also 13. Jahrhundert) die Straße nach Magdeburg, die ohne Zweifel wichtig war und auf der die Heere des Erzbischofs Ludolf einmal gekommen waren, nicht wie heute in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] und an jener vorbei verlief, sondern dass sie durch das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] und am [[Hafermühlenteich]] entlang und weiter in nordöstliche Richtung geführt wurde. Dabei stieg sie ganz allmählich in einer flachen Talmulde empor, „die breit genug ist, um nicht allein den Bach, der dort verläuft, sondern auch die Heerstraße aufzunehmen.“ Sie wird dann nördlich des [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]]s durch das Tal beim jetzigen [[Gesundbrunnen]] und über Beendorf in südlicher Richtung verlaufen sein, um dann in die Straße Morsleben – Alleringersleben – Erxleben einzumünden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Die Befestigung der Stadt Helmstedt im Mittelalter“ – „Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 28, Heft 2, 1895, S. 635</ref> Dies könnte die Anlage einer Schanze am [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]] erklären, die eine Öffnung der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] besonders schützen sollte. Noch in der Städteansicht des Professors Friedrich Weise aus dem 18. Jahrhundert wird in der Legende auf die „Breye-Schanze“ hingewiesen. Der [[Bundesautobahn 2|Autobahnbau]] [[1935]] hat sie vernichtet. Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen daran: „Hinter der Schanze am Bötschenberg“ und „An der Schanze“, gelegen vor dem heutigen [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]], wobei dieser Name abgeleitet sein soll vom mittelhochdeutschen Wort „Bitze" = niederes Strauchwerk (Marta Asche in „Helmstedter Kreisblatt“ 20. u. 27. Juli 1957).
Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die [[Helmstedt]]er konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. Paul-Jonas Meier hat es so gedeutet, dass offenbar im hohen Mittelalter (also 13. Jahrhundert) die Straße nach Magdeburg, die ohne Zweifel wichtig war und auf der die Heere des Erzbischofs Ludolf einmal gekommen waren, nicht wie heute in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] und an jener vorbei verlief, sondern dass sie durch das [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]] und am [[Hafermühlenteich]] entlang und weiter in nordöstliche Richtung geführt wurde. Dabei stieg sie ganz allmählich in einer flachen Talmulde empor, „die breit genug ist, um nicht allein den Bach, der dort verläuft, sondern auch die Heerstraße aufzunehmen.“ Sie wird dann nördlich des [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]]s durch das Tal beim jetzigen [[Gesundbrunnen]] und über Beendorf in südlicher Richtung verlaufen sein, um dann in die Straße Morsleben – Alleringersleben – Erxleben einzumünden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Die Befestigung der Stadt Helmstedt im Mittelalter“ – „Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 28, Heft 2, 1895, S. 635</ref> Dies könnte die Anlage einer Schanze am [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]] erklären, die eine Öffnung der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] besonders schützen sollte. Noch in der Städteansicht des Professors Friedrich Weise aus dem 18. Jahrhundert wird in der Legende auf die „Breye-Schanze“ hingewiesen. Der [[Bundesautobahn 2|Autobahnbau]] [[1935]] hat sie vernichtet. Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen daran: „Hinter der Schanze am Bötschenberg“ und „An der Schanze“, gelegen vor dem heutigen [[Am Bötschenberg|Bötschenberg]], wobei dieser Name abgeleitet sein soll vom mittelhochdeutschen Wort „Bitze" = niederes Strauchwerk (Marta Asche in „Helmstedter Kreisblatt“ 20. u. 27. Juli 1957).


Otto Mathias Wilberts<ref>Otto-Matthias Wilbertz, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13</ref> berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der [[Helmstedter Landwehr]] gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten [[Walbecker Straße]] in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]]. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße.
Otto Mathias Wilberts<ref>Otto-Matthias Wilbertz, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13</ref> berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der [[Helmstedter Landwehr]] gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten [[Walbecker Straße]] in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]]. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße.
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Zur Verteidigung reichte die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten.
Zur Verteidigung reichte die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten.


Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref>
Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref>


Da [[1252]] nur eine [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden [[Helmstedter Landwehr|Warten]] in ihrer Substanz [[1377]] errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]], die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. – Anders dagegen die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]]. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] vermerkt [[1821]] „…fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei [[Helmstedter Landwehr|Warten]] diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie [[1855]] – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref>
Da [[1252]] nur eine [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden [[Helmstedter Landwehr|Warten]] in ihrer Substanz [[1377]] errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]], die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. – Anders dagegen die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]]. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] vermerkt [[1821]] „…fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei [[Helmstedter Landwehr|Warten]] diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie [[1855]] – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref>
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Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk [[Kloster St. Ludgeri|St. Ludgeri]] durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der [[Beendorfer Straße]] her; die älteren [[Helmstedt]]er begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins [[Brunnental]] vom [[Ostendorf]] aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „[[Rotes Tor|Roten Tores]]“, dem Ausgang des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] nach Nordosten hin (Richtung „[[Roter Torweg]]“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.
Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk [[Kloster St. Ludgeri|St. Ludgeri]] durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der [[Beendorfer Straße]] her; die älteren [[Helmstedt]]er begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins [[Brunnental]] vom [[Ostendorf]] aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „[[Rotes Tor|Roten Tores]]“, dem Ausgang des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] nach Nordosten hin (Richtung „[[Roter Torweg]]“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.


Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen [[Wallhof]] auf dem früheren Gelände der [[Maschinenfabrik Krull]], der bekannte [[Eulenturm]] am [[Batteriewall]] und in der Nähe der [[Lutherschule]] der sogenannte [[Pulverturm]]. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem [[Nordertor (Turm)|Norder]]- und [[Westertor]] ([[Hausmannsturm]]) und zwischen diesem und dem [[Südertor (Turm)|Südertor]]. An der gesamten Front des [[Langer Wall|Langen Walles]] gab es lediglich den erhalten gebliebenen am [[Wallhof]]. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks [[Kleiner Wall]] 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz [[Südertor]] aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich unmittelbar vor der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.
Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen [[Wallhof]] auf dem früheren Gelände der [[Maschinenfabrik Krull]], der bekannte [[Eulenturm]] am [[Batteriewall]] und in der Nähe der [[Lutherschule]] der sogenannte [[Pulverturm]]. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem [[Nordertor (Stadttor)|Norder]]- und [[Westertor]] ([[Hausmannsturm]]) und zwischen diesem und dem [[Südertor (Stadttor)|Südertor]]. An der gesamten Front des [[Langer Wall|Langen Walles]] gab es lediglich den erhalten gebliebenen am [[Wallhof]]. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks [[Kleiner Wall]] 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz [[Südertor]] aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich unmittelbar vor der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.


Die erste Bewährungsprobe bestand unsere [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] [[1279]]. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] hielt stand.
Die erste Bewährungsprobe bestand unsere [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] [[1279]]. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] hielt stand.
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Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. [[1745]] damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]], damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.
Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. [[1745]] damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]], damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.


Allerdings war man bemüht, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am [[Südertor (Turm)|Süder]]- und [[Ludgeritor]] die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst [[1846]] veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des [[Hausmannsturm]]s hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst [[1845]] bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des [[Nordertor (Turm)|Nordertor]]es wie auch die des [[Südertor (Turm)|Südertor]]es wurden zusammen mit denen des [[Kirchtor]]es (am Piest’schen Gasthofe „[[Zum Goldenen Löwen]]“, [[Braunschweiger Straße]] 25) und des [[Harslebertor|Harsleber Tores]] (beide in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]) [[1846]] versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.
Allerdings war man bemüht, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am [[Südertor (Stadttor)|Süder]]- und [[Ludgeritor]] die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst [[1846]] veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des [[Hausmannsturm]]s hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst [[1845]] bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des [[Nordertor (Stadttor)|Nordertor]]es wie auch die des [[Südertor (Stadttor)|Südertor]]es wurden zusammen mit denen des [[Kirchtor]]es (am Piest’schen Gasthofe „[[Zum Goldenen Löwen]]“, [[Braunschweiger Straße]] 25) und des [[Harslebertor|Harsleber Tores]] (beide in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]) [[1846]] versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.


Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]]“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren [[Leihhausgarten]] ([[Streplingerode]] 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am [[Langer Wall|Langen Wall]]. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren [[Maschinenfabrik Krull]] ([[Wallhof]]).
Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]]“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren [[Leihhausgarten]] ([[Streplingerode]] 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am [[Langer Wall|Langen Wall]]. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren [[Maschinenfabrik Krull]] ([[Wallhof]]).
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Wo zu jener Zeit die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre [[1688]] ist festgelegt, dass sich unter anderem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370]], „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49</ref> Das muss der [[Schützenwall]] gewesen sein, von dem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war [[1760]]. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] eine Stelle am Schwarzen Berge an der [[Walbecker Straße]], oben am [[Lappwald]], für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] schließlich auf ihr Bitten [[1794]] ihren Platz an der [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]], wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] erstellt werden konnte. Es brannte [[1828]] vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] fertiggestellt. [[1887]] wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 51</ref> Dieser Saal brannte im Jahre [[1900]] ab und wurde massiv wieder aufgebaut.
Wo zu jener Zeit die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre [[1688]] ist festgelegt, dass sich unter anderem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370]], „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49</ref> Das muss der [[Schützenwall]] gewesen sein, von dem die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war [[1760]]. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] eine Stelle am Schwarzen Berge an der [[Walbecker Straße]], oben am [[Lappwald]], für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Schützen]] schließlich auf ihr Bitten [[1794]] ihren Platz an der [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]], wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] erstellt werden konnte. Es brannte [[1828]] vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] fertiggestellt. [[1887]] wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 51</ref> Dieser Saal brannte im Jahre [[1900]] ab und wurde massiv wieder aufgebaut.


In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung - der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In [[Helmstedt]] sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]] und damit das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] gewählt. Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]] wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. [[1936]] wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 100</ref> Am 27. November [[1938]] wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. [[1947]] wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar [[Wilhelm Abry]] wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]].
In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In [[Helmstedt]] sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die [[Maschsiedlung (Stadtviertel)|Masch]] und damit das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]] gewählt. Die [[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]] wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. [[1936]] wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle.<ref>[[Helmstedter Schützenbrüderschaft von 1370|Helmstedter Schützenbrüderschaft]], a. a. O., S. 100</ref> Am 27. November [[1938]] wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. [[1947]] wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar [[Wilhelm Abry]] wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das [[Schützenhaus Helmstedt|Schützenhaus]].


== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
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Nun noch etwas zu dem Sandsteinrelief an der Westseite über dem Tor. Es soll die Krönung der Maria zur Himmelsgöttin darstellen.<ref>"Das Marienbild am Hausmannsturm zu Helmstedt" in "Alt-Helmstedt" Januar 1926, Nr. 1</ref> Die [[Helmstedt]]er sehen in den beiden Figuren auch Kaiser Lothar und seine Ehefrau. In das Reich der Sage gehört natürlich, dass sie um Mitternacht ihren Platz verlassen und um den Turm herumgehen.
Nun noch etwas zu dem Sandsteinrelief an der Westseite über dem Tor. Es soll die Krönung der Maria zur Himmelsgöttin darstellen.<ref>"Das Marienbild am Hausmannsturm zu Helmstedt" in "Alt-Helmstedt" Januar 1926, Nr. 1</ref> Die [[Helmstedt]]er sehen in den beiden Figuren auch Kaiser Lothar und seine Ehefrau. In das Reich der Sage gehört natürlich, dass sie um Mitternacht ihren Platz verlassen und um den Turm herumgehen.


Als diese Diskussion um den Abriss des [[Neumärker Tor]]es geführt wurde, gab es die beiden anderen Türme, nämlich den [[Südertor (Turm)|Südertorturm]] und den [[Ostertor|Osterturm]] schon nicht mehr.
Als diese Diskussion um den Abriss des [[Neumärker Tor]]es geführt wurde, gab es die beiden anderen Türme, nämlich den [[Südertor (Stadttor)|Südertorturm]] und den [[Ostertor|Osterturm]] schon nicht mehr.


Der [[Südertor (Turm)|Südertorturm]] war 22 ½ Fuß lang und 24 ½ Fuß breit, 32 Fuß hoch (= 9,15 m), also relativ niedrig. Das Dach bestand aus vier Walmen mit Breitziegeln. Wir wissen aber nicht, wie weit die Höhe gemessen wurde, ob bis zum Dachbeginn oder sogar bis zur Spitze. Im Vergleich dazu die Höhe unseres [[Hausmannsturm]]es: bis ganz oben zur Wetterfahne 36 m, bis zur Dachrinne 20 m. Dieser war in jedem Fall der größte der drei [[Helmstedt]]er Stadttortürme. Deshalb hatte dort auch der Feuerwächter seinen Platz.
Der [[Südertor (Stadttor)|Südertorturm]] war 22 ½ Fuß lang und 24 ½ Fuß breit, 32 Fuß hoch (= 9,15 m), also relativ niedrig. Das Dach bestand aus vier Walmen mit Breitziegeln. Wir wissen aber nicht, wie weit die Höhe gemessen wurde, ob bis zum Dachbeginn oder sogar bis zur Spitze. Im Vergleich dazu die Höhe unseres [[Hausmannsturm]]es: bis ganz oben zur Wetterfahne 36 m, bis zur Dachrinne 20 m. Dieser war in jedem Fall der größte der drei [[Helmstedt]]er Stadttortürme. Deshalb hatte dort auch der Feuerwächter seinen Platz.


Unter dem [[Südertor (Turm)|Südertorturm]] war eine Durchfahrt mit zwei Bogen und einem Gewölbe, so wie wir es heute noch vom [[Neumärker Tor]] her kennen. In der zweiten Etage waren eine Stube, eine Kammer und eine kleine Küche. In diesen Räumen lebte zuletzt der Turmschließer Brandt. Im Mai/Juni [[1820]] wurde der Turm abgerissen. Er befand sich – stadtseitig gesehen – unmittelbar hinter dem [[1968]] abgerissenen Haus [[Südertor]] 5, das bereits innerhalb der Stadtmauern lag. Er hatte eine Durchfahrt von ca. 4,85 m.
Unter dem [[Südertor (Stadttor)|Südertorturm]] war eine Durchfahrt mit zwei Bogen und einem Gewölbe, so wie wir es heute noch vom [[Neumärker Tor]] her kennen. In der zweiten Etage waren eine Stube, eine Kammer und eine kleine Küche. In diesen Räumen lebte zuletzt der Turmschließer Brandt. Im Mai/Juni [[1820]] wurde der Turm abgerissen. Er befand sich – stadtseitig gesehen – unmittelbar hinter dem [[1968]] abgerissenen Haus [[Südertor]] 5, das bereits innerhalb der Stadtmauern lag. Er hatte eine Durchfahrt von ca. 4,85 m.


Die Besonderheit war, dass die Strecke bis zum heutigen [[Batteriewall]] bzw. [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]], die damals [[Süderwall|Süder]]- bzw. [[Osterwall]] hießen, von einer Mauer, acht Fuß und zwei Fuß stark, umschlossen war, wobei die eine Mauer ca. 180, die andere ca. 160 Fuß lang war. Die Durchfahrt war ebenfalls sehr eng und hatte teilweise nur eine Breite von 5 m. Das Haus des Torwirts befand sich vor dem jetzt bebauten Grundstück [[Batteriewall]] / Ecke [[Wilhelmstraße]]. Es wurde [[1824]] abgerissen, die beiden Mauern längs der Zufahrt bereits [[1821]]. Ein neues Torwirtshaus wurde unmittelbar hinter dem alten auf dem heutigen Eckgrundstück [[Batteriewall]] / Ecke [[Wilhelmstraße]] errichtet. Es existiert nicht mehr. Um damals die Stadt an dieser Stelle weiterhin nachts bei Bedarf geschlossen zu halten, wurde zwischen den beiden Enden der Stadtmauer ein Torweg mit insgesamt vier Säulen, die die Fahrstraße und die beiden Fußwege abgrenzten, gesetzt.
Die Besonderheit war, dass die Strecke bis zum heutigen [[Batteriewall]] bzw. [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]], die damals [[Süderwall|Süder]]- bzw. [[Osterwall]] hießen, von einer Mauer, acht Fuß und zwei Fuß stark, umschlossen war, wobei die eine Mauer ca. 180, die andere ca. 160 Fuß lang war. Die Durchfahrt war ebenfalls sehr eng und hatte teilweise nur eine Breite von 5 m. Das Haus des Torwirts befand sich vor dem jetzt bebauten Grundstück [[Batteriewall]] / Ecke [[Wilhelmstraße]]. Es wurde [[1824]] abgerissen, die beiden Mauern längs der Zufahrt bereits [[1821]]. Ein neues Torwirtshaus wurde unmittelbar hinter dem alten auf dem heutigen Eckgrundstück [[Batteriewall]] / Ecke [[Wilhelmstraße]] errichtet. Es existiert nicht mehr. Um damals die Stadt an dieser Stelle weiterhin nachts bei Bedarf geschlossen zu halten, wurde zwischen den beiden Enden der Stadtmauer ein Torweg mit insgesamt vier Säulen, die die Fahrstraße und die beiden Fußwege abgrenzten, gesetzt.


Die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle ermöglichte es nun, im Vorfeld der Mauer Gärten anzulegen. Sie brachten bei einem Verkauf durch den erzielten Preis oder aber durch einen jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen. So erwarben nach [[1749]] der Seifensieder Rickert, der Brauer Temme und der Brauer Haspelmacher je einen Garten unmittelbar am alten [[Südertor (Turm)||Südertor]] in Richtung zur [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]. [[1824]]/[[1825]] erwarb der in der [[Bötticherstraße]] 51 (Haus der Professoren von Mosheim und Henke) wohnende Kreisamtmann Friedrich-Joachim von Heinemann diese Grundstücke für 1.345 Taler. Ein Jahr später, [[1826]], baute er auf diesem Gelände ein herrschaftliches Wohnhaus, das heute noch steht. In ihm befindet sich seit [[1853]] der [[Landkreis Helmstedt|Landkreis]], der damals „[[Landkreis Helmstedt|Herzogliche Kreisdirektion]]“ hieß.
Die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle ermöglichte es nun, im Vorfeld der Mauer Gärten anzulegen. Sie brachten bei einem Verkauf durch den erzielten Preis oder aber durch einen jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen. So erwarben nach [[1749]] der Seifensieder Rickert, der Brauer Temme und der Brauer Haspelmacher je einen Garten unmittelbar am alten [[Südertor (Stadttor)||Südertor]] in Richtung zur [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]. [[1824]]/[[1825]] erwarb der in der [[Bötticherstraße]] 51 (Haus der Professoren von Mosheim und Henke) wohnende Kreisamtmann Friedrich-Joachim von Heinemann diese Grundstücke für 1.345 Taler. Ein Jahr später, [[1826]], baute er auf diesem Gelände ein herrschaftliches Wohnhaus, das heute noch steht. In ihm befindet sich seit [[1853]] der [[Landkreis Helmstedt|Landkreis]], der damals „[[Landkreis Helmstedt|Herzogliche Kreisdirektion]]“ hieß.


Der [[Ostertor|Osterturm]] war 27 Fuß im Quadrat lang bzw. breit und 45 Fuß hoch, also 13 m, massiv gemauert. Er hatte ein Satteldach mit zwei Walmen, die mit Breitziegeln bedeckt waren. Die Durchfahrt war wie beim [[Neumärker Tor]] mit zwei Bogen und inwendig mit einem Gewölbe versehen. In der zweiten Etage waren eine Stube und eine kleine Küche, in der dritten und vierten Etage war ein Gefängnis. Er war 13 Fuß (= 3,72 m) höher als der [[Südertor (Turm)|Südertorturm]].
Der [[Ostertor|Osterturm]] war 27 Fuß im Quadrat lang bzw. breit und 45 Fuß hoch, also 13 m, massiv gemauert. Er hatte ein Satteldach mit zwei Walmen, die mit Breitziegeln bedeckt waren. Die Durchfahrt war wie beim [[Neumärker Tor]] mit zwei Bogen und inwendig mit einem Gewölbe versehen. In der zweiten Etage waren eine Stube und eine kleine Küche, in der dritten und vierten Etage war ein Gefängnis. Er war 13 Fuß (= 3,72 m) höher als der [[Südertor (Stadttor)|Südertorturm]].


Am 8. Juni [[1821]] wurde der Turm zum Abbruch meistbietend verkauft. Es bemühten sich darum der Apotheker Lichtenstein, der gerade am [[Papenberg]] die [[Ratsapotheke]] bauen wollte, und der Maurermeister Linke. Für die Summe von 124 Reichstalern erhielt der Maurermeister den Zuschlag, der jedoch nach Angaben von [[Robert Schaper]] diese Steine leider nicht dazu benutzte, um in [[Helmstedt]] ein Haus zu bauen. Er verwendete sie weit außerhalb, so dass uns noch nicht einmal diese Reste als Erinnerung an den alten Turm geblieben sind. Auch sonst weist nichts mehr darauf hin, wo jahrhundertelang zwei alte Stadttore in Helmstedt gestanden haben, im Gegensatz zum [[Nordertor]]: dort ist (wie bereits erwähnt) am Ende des [[Langer Steinweg|Langen Steinweges]] der Rest einer Mauer zu sehen, die damals zu dem turmlosen [[Nordertor]] gehört hat.
Am 8. Juni [[1821]] wurde der Turm zum Abbruch meistbietend verkauft. Es bemühten sich darum der Apotheker Lichtenstein, der gerade am [[Papenberg]] die [[Ratsapotheke]] bauen wollte, und der Maurermeister Linke. Für die Summe von 124 Reichstalern erhielt der Maurermeister den Zuschlag, der jedoch nach Angaben von [[Robert Schaper]] diese Steine leider nicht dazu benutzte, um in [[Helmstedt]] ein Haus zu bauen. Er verwendete sie weit außerhalb, so dass uns noch nicht einmal diese Reste als Erinnerung an den alten Turm geblieben sind. Auch sonst weist nichts mehr darauf hin, wo jahrhundertelang zwei alte Stadttore in Helmstedt gestanden haben, im Gegensatz zum [[Nordertor]]: dort ist (wie bereits erwähnt) am Ende des [[Langer Steinweg|Langen Steinweges]] der Rest einer Mauer zu sehen, die damals zu dem turmlosen [[Nordertor]] gehört hat.


== Das Helmstedter Stadtwappen (S. 99–100) ==
== Das Helmstedter Stadtwappen (S. 99–100) ==
Wir kennen alle das [[Helmstedt]]er Stadtwappen: Es zeigt den Heiligen Ludgerus mit roter Kasel und Mitra und mit dem Abtstab in der rechten und mit einem Buch, wohl der Heiligen Schrift, in der linken Hand. Auf das Merkmal Stadt weist die Mauer hin. Es beweist weiter, dass [[Helmstedt]] unter dem Krummstab groß geworden ist. Erstmals finden wir dieses Motiv in einem [[Helmstedt]]er Siegel aus dem Jahr [[1232]]. In dieser Form wurde das Siegel bis in das 16. Jahrhundert und wahrscheinlich auch noch später benutzt. Die Legende, d. h. die Umschrift in der Rundung, hat den Wortlaut „Sigillum burgnsium in Helmstadt“, d. h. in deutsch „Siegel der Bürgerschaft in Helmstedt“, dabei hatte man in dem lateinischen Wort für Bürgerschaft das „e“ vergessen. Außer diesem großen Siegel gab es drei kleinere, die, wenn auch nicht zugleich, so aber ebenfalls bis in die Neuzeit dazu dienten, offizielle Akten der Stadt abzusiegeln. Auch noch in den Jahren [[1622]] und [[1625]] finden wir den Heiligen Ludgerus auf städtischen Urkunden. Zugleich wird aber ein anderes Symbol zum Emblem der Stadt: zwei gekreuzte Krummstäbe. Wir finden sie in den Holzschnitzereien am [[Rohrsches Haus|Rohrschen Haus]] (untere Reihe, siebentes Feld von links) und am [[Beguinenhaus]] (erbaut [[1580]]). Dort trägt die Darstellung den Zusatz „DRW“ = des Rates Wappen. Auch der bekannte Merianstich von [[1654]] zeigt sie als Wappen der Stadt. Am heutigen [[Rathaus (Helmstedt)|Rathaus]] sind sie an der Außenfront über dem mittleren Fenster des Sitzungssaales und über dem heutigen Stadtwappen ebenfalls sichtbar, gewissermaßen als Bindeglied zwischen dem mittelalterlichen [[Helmstedt]] und dem heutigen. Der Heilige Ludgerus war früher allein Inhalt des Siegels. Wappen und Siegel waren also verschieden. Arnold Rabbow, Verfasser des Braunschweigischen Wappenbuchs, Braunschweig [[1977]], ist dieser Unterschied mitunter begegnet, „diese Unterscheidung hat auch einen praktischen Sinn: Siegelbilder wurden damals gern detailreich und künstlerisch aufwendig gestaltet, um die Fälschung zu erschweren. Ein Wappen aber soll auch auf weite Sicht gut erkennbar sein, soll mithin einfach und übersichtlich gestaltet sein“.<ref>{{Literatur |Autor=Arnold Rabbow |Titel=Braunschweigisches Wappenbuch – Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel, Wolfsburg |Ort=Braunschweig |Datum=1977 |Seiten=59 }}</ref> Im 19. Jahrhundert erscheint der Heilige Ludger auch als Wappen der Stadt. Er trägt jetzt aber nicht das Heilige Buch, sondern einen Kelch.
Wir kennen alle das [[Helmstedt]]er Stadtwappen: Es zeigt den Heiligen Ludgerus mit roter Kasel und Mitra und mit dem Abtstab in der rechten und mit einem Buch, wohl der Heiligen Schrift, in der linken Hand. Auf das Merkmal Stadt weist die Mauer hin. Es beweist weiter, dass [[Helmstedt]] unter dem Krummstab groß geworden ist. Erstmals finden wir dieses Motiv in einem [[Helmstedt]]er Siegel aus dem Jahr [[1232]]. In dieser Form wurde das Siegel bis in das 16. Jahrhundert und wahrscheinlich auch noch später benutzt. Die Legende, d. h. die Umschrift in der Rundung, hat den Wortlaut „Sigillum burgnsium in Helmstadt“, d. h. in Deutsch „Siegel der Bürgerschaft in Helmstedt“, dabei hatte man in dem lateinischen Wort für Bürgerschaft das „e“ vergessen. Außer diesem großen Siegel gab es drei kleinere, die, wenn auch nicht zugleich, so aber ebenfalls bis in die Neuzeit dazu dienten, offizielle Akten der Stadt abzusiegeln. Auch noch in den Jahren [[1622]] und [[1625]] finden wir den Heiligen Ludgerus auf städtischen Urkunden. Zugleich wird aber ein anderes Symbol zum Emblem der Stadt: zwei gekreuzte Krummstäbe. Wir finden sie in den Holzschnitzereien am [[Rohrsches Haus|Rohrschen Haus]] (untere Reihe, siebentes Feld von links) und am [[Beguinenhaus]] (erbaut [[1580]]). Dort trägt die Darstellung den Zusatz „DRW“ = des Rates Wappen. Auch der bekannte Merianstich von [[1654]] zeigt sie als Wappen der Stadt. Am heutigen [[Rathaus (Helmstedt)|Rathaus]] sind sie an der Außenfront über dem mittleren Fenster des Sitzungssaales und über dem heutigen Stadtwappen ebenfalls sichtbar, gewissermaßen als Bindeglied zwischen dem mittelalterlichen [[Helmstedt]] und dem heutigen. Der Heilige Ludgerus war früher allein Inhalt des Siegels. Wappen und Siegel waren also verschieden. Arnold Rabbow, Verfasser des Braunschweigischen Wappenbuchs, Braunschweig [[1977]], ist dieser Unterschied mitunter begegnet, „diese Unterscheidung hat auch einen praktischen Sinn: Siegelbilder wurden damals gern detailreich und künstlerisch aufwendig gestaltet, um die Fälschung zu erschweren. Ein Wappen aber soll auch auf weite Sicht gut erkennbar sein, soll mithin einfach und übersichtlich gestaltet sein“.<ref>{{Literatur |Autor=Arnold Rabbow |Titel=Braunschweigisches Wappenbuch – Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel, Wolfsburg |Ort=Braunschweig |Datum=1977 |Seiten=59 }}</ref> Im 19. Jahrhundert erscheint der Heilige Ludger auch als Wappen der Stadt. Er trägt jetzt aber nicht das Heilige Buch, sondern einen Kelch.


Um die letzte Jahrhundertwende wünschte man die offizielle Genehmigung eines Wappens durch den Herzog. So musste man sich zunächst über ein Motiv einigen. In Frage kamen die beiden „Löffel“, d. h. die Krummstäbe, oder der Heilige Ludger. Man dachte aber auch über ein ganz neues Motiv nach. Zunächst jedoch versuchte man, eine offizielle Stadtfarbe einzuführen. Der Archivrat Dr. Paul Zimmermann, der deshalb vom Rat angeschrieben wurde, stellte aus der Geschichte der Stadt und insbesondere aus den überlieferten Symbolen der beiden Ludgeri Klöster in [[Helmstedt]] und Werden die dominierenden Farben Blau und Weiß heraus und empfahl sie als Stadtfarben. Der Rat entsprach diesem Vorschlag. „Blau-Weiß“ wurden somit die [[Helmstedt]]er Farben, sie sind es bis heute geblieben. Im übrigen zeigte sich das „Pferd“ am Stadthaus in „Weiß“ auf blauem Grund. Der braunschweigische Geschichtsverein hat Anfang unseres Jahrhunderts einmal festgestellt, die eigentlichen [[Helmstedt]]er Farben seien „Rot-Gold“. Diese Feststellung führt zu dem „Löffel-Bild“ zurück, es zeigt nämlich die beiden Abtstäbe „golden“ und den Hintergrund „rot“.
Um die letzte Jahrhundertwende wünschte man die offizielle Genehmigung eines Wappens durch den Herzog. So musste man sich zunächst über ein Motiv einigen. In Frage kamen die beiden „Löffel“, d. h. die Krummstäbe, oder der Heilige Ludger. Man dachte aber auch über ein ganz neues Motiv nach. Zunächst jedoch versuchte man, eine offizielle Stadtfarbe einzuführen. Der Archivrat Dr. Paul Zimmermann, der deshalb vom Rat angeschrieben wurde, stellte aus der Geschichte der Stadt und insbesondere aus den überlieferten Symbolen der beiden Ludgeri Klöster in [[Helmstedt]] und Werden die dominierenden Farben Blau und Weiß heraus und empfahl sie als Stadtfarben. Der Rat entsprach diesem Vorschlag. „Blau-Weiß“ wurden somit die [[Helmstedt]]er Farben, sie sind es bis heute geblieben. Im übrigen zeigte sich das „Pferd“ am Stadthaus in „Weiß“ auf blauem Grund. Der braunschweigische Geschichtsverein hat Anfang unseres Jahrhunderts einmal festgestellt, die eigentlichen [[Helmstedt]]er Farben seien „Rot-Gold“. Diese Feststellung führt zu dem „Löffel-Bild“ zurück, es zeigt nämlich die beiden Abtstäbe „golden“ und den Hintergrund „rot“.
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Mit Knöpfen war allerdings kein Geschäft mehr zu machen. Einmal hielten die Schneider entsprechende Erzeugnisse zum Kauf feil, auch die Posamentierer boten gedrehtes Kamelhaar an, und die Kaufleute hatten Knöpfe in die Palette ihrer Verkaufsprodukte aufgenommen. Die jetzt wechselnde Mode erschwerte im übrigen eine Vorratshaltung. Alles in allem keine günstigen Voraussetzungen für eine blühende Zukunft. Deshalb erweiterte [[Johann Ludwig David Hampe|Ludwig Hampe]] seine Geschäftstätigkeit um die Anfertigung und den Handel mit wollenen Garnen. Er kaufte also Wollschur auf und verspann sie zu Garn. Zwei Wollkämmerer aus dem Eichsfeld wurden eingestellt, um entsprechend erfahrene Mitarbeiter zu haben. So surrten in den 1940er-Jahren in den Arbeitsräumen an der [[Kornstraße]] 4 eifrig die Spinnräder, es wurde aber auch Heimarbeit vergeben. Noch überwog die Handarbeit, so wurden [[1854]] zehn männliche und 160 weibliche Mitarbeiter beschäftigt. Aber langsam kündigte sich das industrielle Zeitalter an. Der Sohn [[Hermann Hampe|Hermann]], geb. am 4. März [[1838]], wurde schon nicht mehr in dem väterlichen Handwerk ausgebildet, er erlernte ab Ostern [[1854]] in Clausthal den Beruf eines Kaufmannes. [[1865]] übernahm er durch Vertrag den Betrieb, sein Vater zog sich zurück und starb [[1876]].
Mit Knöpfen war allerdings kein Geschäft mehr zu machen. Einmal hielten die Schneider entsprechende Erzeugnisse zum Kauf feil, auch die Posamentierer boten gedrehtes Kamelhaar an, und die Kaufleute hatten Knöpfe in die Palette ihrer Verkaufsprodukte aufgenommen. Die jetzt wechselnde Mode erschwerte im übrigen eine Vorratshaltung. Alles in allem keine günstigen Voraussetzungen für eine blühende Zukunft. Deshalb erweiterte [[Johann Ludwig David Hampe|Ludwig Hampe]] seine Geschäftstätigkeit um die Anfertigung und den Handel mit wollenen Garnen. Er kaufte also Wollschur auf und verspann sie zu Garn. Zwei Wollkämmerer aus dem Eichsfeld wurden eingestellt, um entsprechend erfahrene Mitarbeiter zu haben. So surrten in den 1940er-Jahren in den Arbeitsräumen an der [[Kornstraße]] 4 eifrig die Spinnräder, es wurde aber auch Heimarbeit vergeben. Noch überwog die Handarbeit, so wurden [[1854]] zehn männliche und 160 weibliche Mitarbeiter beschäftigt. Aber langsam kündigte sich das industrielle Zeitalter an. Der Sohn [[Hermann Hampe|Hermann]], geb. am 4. März [[1838]], wurde schon nicht mehr in dem väterlichen Handwerk ausgebildet, er erlernte ab Ostern [[1854]] in Clausthal den Beruf eines Kaufmannes. [[1865]] übernahm er durch Vertrag den Betrieb, sein Vater zog sich zurück und starb [[1876]].


Sohn [[Hermann Hampe|Hermann]] erkannte, dass in den bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr produktiv genus gearbeitet werden konnte. Er sah sich nach einem anderen Grundstück um und fand es in der im Februar [[1869]] auf dem Stadthaus zur Versteigerung anstehenden „[[Roßmühle]]“. Die „[[Roßmühle]]“ lag am [[Juliusplatz]], hier mussten die Brauer die Gerste mahlen lassen. Da die beiden Mühlsteine durch Pferde bewegt wurden, erhielt die Mühle jenen Namen. Ursprünglich war sie sogar städtisch, denn der Magistrat konnte damit das Bierbrauen in der Stadt überwachen. Er war daran interessiert, dass die Brauer sich nicht gegenseitig übervorteilten, jeder sollte seine Existenz haben. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts waren dort auch noch die Feuerwehrwagen untergestellt, die Pferde der Mühle hatten sie bei Bedarf zu ziehen. Inzwischen war das Spritzenhaus in ein ehemaliges Universitätsgebäude an der [[Bötticherstraße]] verlegt worden.
Sohn [[Hermann Hampe|Hermann]] erkannte, dass in den bisherigen Räumlichkeiten nicht mehr produktiv genug gearbeitet werden konnte. Er sah sich nach einem anderen Grundstück um und fand es in der im Februar [[1869]] auf dem Stadthaus zur Versteigerung anstehenden „[[Roßmühle]]“. Die „[[Roßmühle]]“ lag am [[Juliusplatz]], hier mussten die Brauer die Gerste mahlen lassen. Da die beiden Mühlsteine durch Pferde bewegt wurden, erhielt die Mühle jenen Namen. Ursprünglich war sie sogar städtisch, denn der Magistrat konnte damit das Bierbrauen in der Stadt überwachen. Er war daran interessiert, dass die Brauer sich nicht gegenseitig übervorteilten, jeder sollte seine Existenz haben. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts waren dort auch noch die Feuerwehrwagen untergestellt, die Pferde der Mühle hatten sie bei Bedarf zu ziehen. Inzwischen war das Spritzenhaus in ein ehemaliges Universitätsgebäude an der [[Bötticherstraße]] verlegt worden.


[[Hermann Hampe]] ersteigerte am 20. Februar [[1869]] das Grundstück. Es war ideal gelegen, hinreichend groß, und am Ende floß der „[[Faule Bach]]“, der damals noch mehr Wasser führte als heute. Das Wasser wurde für die Wollwäsche und für die Färberei benötigt. Die alten Gebäude ließ [[Hermann Hampe]] abreißen, ein neues Fabrik- und Kontorgebäude wurde direkt gegenüher dem [[Juleum]] und an der damaligen „[[Faule Straße|Faulen Straße]]“, der heutigen [[Gerbergasse]], errichtet, [[1974]] wurden sie zusammen mit den später erbauten abgerissen. [[1876]] gab es nur noch 40 Mitarbeiter, eine Folge der Industrialisierung. [[1887]] wurde die Fabrikation auf das Kammgarnspinnverfahren umgestellt. Kammgarn wurde aus langer und wenig gekräuselter, gekämmter Wolle gesponnen, im Gegensatz zu dem zur Tuchbereitung aus kurzer und krauser Wolle gekrempelten oder gestrichenen Streichgarn. [[1899]] wurde als Warenzeichen der Name „Hauswolle“ mit dem Niedersachsen-Haus eingeführt. Alles dies, wie auch eine gute Konjunktur, brachte einen geschäftlichen Aufschwung. Die bisherigen Räumlichkeiten reichten nicht aus. Die Häuser [[Bötticherstraße]] 4 und 5 wurden angekauft und [[1903]] abgerissen. Die Häuser Nr. 6 und 7 kamen später dazu. [[1909]] wurde das Grundstück des Dampfmühlenbesitzers Seebom, [[Stobenstraße]]/Ecke [[Albrechtstraße]], angekauft und bebaut. Dies alles geschah schon in der vierten Generation, die aber nicht mehr „Hampe“ hieß. [[Hermann Hampe]] und seine Ehefrau Johanne Hoepner, Tochter eines in [[Helmstedt]] ansässigen Seifenfabrikanten, hatten eine Tochter. Diese Tochter Marie, geboren am 31. März [[1871]], und ihr Ehemann Gustav Meyer führten den Betrieb fort. Meyer führte die Geschäfte aber nicht allein. Ihm zur Seite stand ein Neffe seines Schwiegervaters, der [[1856]] geborene Louis Fickendey, Sohn des Ziegeleibesitzers Eduard Fickendey und seiner Ehefrau Marie geb. Hampe, der älteren Schwester des [[Hermann Hampe]] und ältesten Tochter von [[Ludwig Hampe]]. Als dieser bereits [[1897]] starb, trat an seine Stelle der Bruder Carl Fickendey (verstorben [[1949]]).
[[Hermann Hampe]] ersteigerte am 20. Februar [[1869]] das Grundstück. Es war ideal gelegen, hinreichend groß, und am Ende floß der „[[Faule Bach]]“, der damals noch mehr Wasser führte als heute. Das Wasser wurde für die Wollwäsche und für die Färberei benötigt. Die alten Gebäude ließ [[Hermann Hampe]] abreißen, ein neues Fabrik- und Kontorgebäude wurde direkt gegenüher dem [[Juleum]] und an der damaligen „[[Faule Straße|Faulen Straße]]“, der heutigen [[Gerbergasse]], errichtet, [[1974]] wurden sie zusammen mit den später erbauten abgerissen. [[1876]] gab es nur noch 40 Mitarbeiter, eine Folge der Industrialisierung. [[1887]] wurde die Fabrikation auf das Kammgarnspinnverfahren umgestellt. Kammgarn wurde aus langer und wenig gekräuselter, gekämmter Wolle gesponnen, im Gegensatz zu dem zur Tuchbereitung aus kurzer und krauser Wolle gekrempelten oder gestrichenen Streichgarn. [[1899]] wurde als Warenzeichen der Name „Hauswolle“ mit dem Niedersachsen-Haus eingeführt. Alles dies, wie auch eine gute Konjunktur, brachte einen geschäftlichen Aufschwung. Die bisherigen Räumlichkeiten reichten nicht aus. Die Häuser [[Bötticherstraße]] 4 und 5 wurden angekauft und [[1903]] abgerissen. Die Häuser Nr. 6 und 7 kamen später dazu. [[1909]] wurde das Grundstück des Dampfmühlenbesitzers Seebom, [[Stobenstraße]]/Ecke [[Albrechtstraße]], angekauft und bebaut. Dies alles geschah schon in der vierten Generation, die aber nicht mehr „Hampe“ hieß. [[Hermann Hampe]] und seine Ehefrau Johanne Hoepner, Tochter eines in [[Helmstedt]] ansässigen Seifenfabrikanten, hatten eine Tochter. Diese Tochter Marie, geboren am 31. März [[1871]], und ihr Ehemann Gustav Meyer führten den Betrieb fort. Meyer führte die Geschäfte aber nicht allein. Ihm zur Seite stand ein Neffe seines Schwiegervaters, der [[1856]] geborene Louis Fickendey, Sohn des Ziegeleibesitzers Eduard Fickendey und seiner Ehefrau Marie geb. Hampe, der älteren Schwester des [[Hermann Hampe]] und ältesten Tochter von [[Ludwig Hampe]]. Als dieser bereits [[1897]] starb, trat an seine Stelle der Bruder Carl Fickendey (verstorben [[1949]]).