Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt''' ist eine Chronik über [[Helmstedt]] von [[Hans-Ehrhard Müller]] aus dem März [[1999]]. Eine zweite, überarbeitete Auflage erschien im Mai [[2005]]. Dieser Artikel hat das Ziel, die gesamte Chronik als enzyklopädischen Artikel abzubilden und wird lediglich an die neue Rechtschreibung angepasst.
'''Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt''' ist eine Chronik über [[Helmstedt]] von [[Hans-Ehrhard Müller]] aus dem März [[1999]]. Eine zweite, überarbeitete Auflage erschien im Mai [[2005]]. Dieser Artikel hat das Ziel, die gesamte Chronik als enzyklopädischen Artikel abzubilden und wird lediglich an die neue Rechtschreibung angepasst.
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<center>'''[[Hans-Ehrhard Müller|HANS-ERHARD MÜLLER]]'''</center>
<center><big>'''[[Helmstedt|HELMSTEDT]]'''</big></center>
<center><big>'''die Geschichte einer'''</big></center>
<center><big>'''deutschen Stadt'''</big></center>
<center>[[Helmstedt]], [[1998]]</center>
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<center>Widmung des Autors</center>
<center>Gewidmet meinen Eltern und meinem väterlichen Freund</center>
<center>[[Robert Schaper]]</center>
<center>Herausgegeben von der Stadt [[Helmstedt]] im Dezember [[1998]]</center>
<center>1. Auflage – 12-[[1998]]</center>
<center>2. Auflage – 05-[[2004]]</center>
<center>Gesamtherstellung:</center>
<center>[[Druckerei Kühne]] KG, [[Kybitzstraße]] 12, [[38350]] [[Helmstedt]]</center>
<center>Tel. [[05351]] 2277</center>
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<br />
;Zum Geleit
Nur 3 Jahre nach dem Erscheinen der [[Helmstedt]]-Chronik war die erste Auflage restlos vergriffen. Das zeigt uns, wie groß das Interesse an der Geschichte unserer Stadt ist und wir freuen uns sehr, jetzt die zweite Auflage vorlegen zu können.
[[Hans-Ehrhard Müller]], der Autor der Chronik, ist im Jahre [[2001]] verstorben. Unsere Stadt hat mit ihm einen der profundesten Kenner der [[Helmstedt]]er Geschichte verloren. Wir bewahren ihm an dieser Stelle ein bleibendes Gedenken.
Unser besonderer Dank gilt seiner Witwe [[Melsene Johansen]] – Studiendirektorin i. R. und jetzige ehrenamtliche [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]arin –, die ganz im Sinne ihres verstorbenen Mannes die Neuauflage der Chronik vorbereitet und mit wichtigen Ergänzungen versehen hat.
[[Helmstedt]], im Mai
[[Heinz-Dieter Eisermann]]
Bürgermeister
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<br />
;Zur Erinnerung an den Verfasser
[[Hans-Ehrhard Müller]]
([[1930]]–[[2001]])
[[Hans-Ehrhard Müller]] wurde am 7. März [[1930]] in [[Schöningen]], [[Landkreis Helmstedt|Kreis Helmstedt]], geboren. [[1934]] siedelte die Familie nach [[Helmstedt]] über, wo sein Vater an der [[Georgienstraße]] ein Lederwarengeschäft eröffnete. [[1935]] erwarb er das Grundstück [[Markt]] 2 und betrieb dort bis zu seinem Tod [[1967]] das angesehene Geschäft [[Leder-Müller]]. [[Hans-Ehrhard Müller]], der keine Geschwister hatte, wuchs mitten in unserer Stadt auf, Kindheit und Jugend waren wesentlich geprägt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Er besuchte die [[Lutherschule]] (Volksschule) und danach das Gymnasium [[Julianum]], wo er [[1949]] das Abitur ablegte. Rechtswissenschaft und Geschichte hatten sein Interesse geweckt und bestimmten die Wahl seiner Studienfächer. Nach dem Studium an den Universitäten Hamburg, Heidelberg und Köln machte er in Köln die erste und später in Hannover die große juristische Staatsprüfung. Er war als Richter in Schleswig-Holstein und von [[1972]] bis zu seiner Pensionierung im Jahr [[1989]] in Peine tätig. Sein fairer und besonnener Umgang mit den Angeklagten und sein großes Verständnis für die Probleme Jugendlicher zeichneten ihn als Familienrichter besonders aus. Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und ein tiefgründiger Humor bestimmten seine Persönlichkeit. Nach dem Tod seines Vaters hat er seine kranke Mutter viele Jahre gepflegt und sich in seiner knappen Freizeit in der Jugendarbeit in Peine engagiert.
Er war verheiratet mit der gebürtigen Braunschweigerin [[Melsene Johansen]] geb. Drechsler, die von [[1962]] bis [[1972]] am damaligen ''Gymnasium für Mädchen'' in [[Helmstedt]] und anschließend am Lichtenberg-Gymnasium in Cuxhaven tätig war.
Seit seiner frühen Jugend hat [[Hans-Ehrhard Müller]] sich für die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] interessiert und begeistert. [[1989]] übernahm er von [[Robert Schaper]] als Ehrenbeamter die Leitung des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s. Neben seiner Arbeit im Archiv veröffentlichte er in den folgenden Jahren Beiträge zur Heimatgeschichte, hielt Vorträge, leitete Seminare und führte Besucher durch die Stadt. [[1995]] erschien sein Buch ''[[Helmstedt unterm Hakenkreuz]]'', [[1999]] war das fast 1000 Seiten umfassende Werk ''Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt'' fertiggestellt. Für seine Verdienste wurde er [[1995]] mit der bronzenen Ehrenplakette und [[1999]] mit der silbernen Ehrenplakette der Stadt [[Helmstedt]] ausgezeichnet.
Am 27. Februar [[2001]] ist [[Hans-Ehrhard Müller]] in [[Helmstedt]] gestorben.
Er wird den Bürgern unserer Stadt nicht nur als Autor der Stadtgeschichte in Erinnerung bleiben, sondern auch als Gründer der [[Alma und August Müller-Stiftung]], deren vorrangiger Zweck die Erhaltung alter Bausubstanzen in [[Helmstedt]] ist.
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<br />
;Vorwort des Autors
'''Vorwort'''
'''[[Helmstedt]] – keine Stadt wie jede andere'''
Zweimal stand unser Ort im Mittelpunkt des Weltgeschehens: einst als Sitz einer [[Universität Helmstedt|Universität]] und dann in unserem Jahrhundert als Grenzstadt, die zum Inbegriff der Teilung Deutschlands wurde.
Von der [[Universität Helmstedt|Universität]] sind 234 Jahre lang unauslöschliche Bereicherungen der Wissenschaft ausgegangen. Auch heute noch bekannte und genannte Professoren forschten hier und vermittelten vielen Studenten ihre Erkenntnisse. Mancher von ihnen hat es durch dieses so erworbene Wissen später zu großem Ruhm gebracht. Gegründet einmal durch Herzog Julius, der geprägt war durch seine schwere Jugend und durch die leidvollen Auseinandersetzungen mit seinem Vater, entstanden in einer Zeit, in der sich Theologie und Philosophie, Glaube und Wissenschaft befehdeten, wurde die [[Universität Helmstedt]] zu einer Stätte der Toleranz, der gegenseitigen Achtung und des Ausgleichs. Hier lehrte später neben [[Hermann Conring]] ein [[Georg Calixt]], der [[Helmstedt]] zum Zentrum und Quellort einer überkonfessionellen Friedensbewegung machte. Versöhnung von Glauben und Denken, Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen unter Einschluss der katholischen Lehre, das waren die Inhalte seiner Theologie. Äußeres Symbol dafür war in [[Helmstedt]] das Zusammenleben der protestantischen Einwohner mit den Mönchen des katholischen [[Kloster St. Ludgeri|Ludgeriklosters]]. Ohne den Calixtinismus hätte es keine Ehe der Elisabeth Christine mit Karl VI. und damit keine Maria Theresia gegeben.
[[1945]] wurde [[Helmstedt]] zum Symbol der uns Deutschen aufgezwungenen Teilung. Gleichzeitig jedoch stand der Name unserer Stadt für die letzten Bindungen zu dem anderen Teil Deutschlands und zu dem abgetrennten Berlin.
Aber, jede Stadt lebt durch ihre Menschen. Ihr Dasein in den verschiedenen Jahrhunderten darzustellen, ist das Hauptanliegen dieses Buches. Der Leser soll mit ihnen durch die Straßen unserer Stadt gehen, er soll die Geschichte ihres Alltags kennenlernen, er soll würdigen, was sie einmal – oft unter Entbehrungen – geschaffen haben. Er soll wissen, aus welchen Ursprüngen das, was ihm heute begegnet, einmal erwachsen ist. In diesem Sinne habe ich die Chronik der Stadt [[Helmstedt]] geschrieben – ein Buch mit einer eigenen Geschichte.
Die Notwendigkeit, die Geschichte unserer Stadt eingehend darzustellen, wurde schon seit langem erkannt. Es waren allerdings immer unterschiedliche Gesichtspunkte, die dafür maßgebend waren. So waren es besonders politische Aspekte, die in der NS-Zeit allgemein zu einer solchen Aufgabe aufriefen. Man wollte gewissermaßen die Richtigkeit der nationalsozialistischen Ideologie auch aus der Vergangenheit heraus begründen. So heißt es u. a. in einer Verfügung der [[Landkreis Helmstedt|Kreisdirektion Helmstedt]] vom 17. September [[1936]], die Arbeiten müssten eindeutig von einem rein völkischen Lebens- und Gemeinschaftsgefühl beherrscht und getragen sein. Konkreter umschreibt dies ''Der Gemeindetag'', Ausgabe vom 15. August [[1936]]: ,… dass auch die vorhandenen Arbeiten den heutigen Anforderungen nicht immer genügen; ist doch auch die Geschichtswissenschaft vielfach erst neuerdings auf Verhältnisse und Ereignisse der Vergangenheit aufmerksam geworden, die bisher wenig oder gar nicht beachtet worden sind. Es sei hier nur an die überaus wichtigen Fragen der völkischen Zusammensetzung der städtischen Bevölkerung, der Geltung des Deutschen Rechtes, der Wehrpflicht der Bürger, der Stellung der Juden, der Voraussetzungen für die Erwerbung des Bürgerrechtes erinnert. Es ist daher notwendig, daß die Geschichte aller deutschen Städte von neuem erforscht wird.“ – Trotz vielfacher Bemühungen, gerade in [[Helmstedt]], kam es hier noch nicht einmal zu einem Beginn. Der Krieg machte viele Pläne zunichte.
Aber auch nach dem Ende des furchtbarsten aller Kriege wurde schon sehr früh über die Erstellung einer Stadtchronik nachgedacht. Bei den Planungen für die 700-Jahr-Feier der Bestätigung der Stadtrechte ([[1247]]–[[1947]]) vermisste man ein solches Geschichtsbuch. Wer sich über die Geschichte unserer Stadt im Zusammenhang informieren wollte, der musste schon auf die lange vergriffene und [[1821]] von dem Generalsuperintendenten [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] verfasste ''[[Geschichte und Beschreibung der Stadt Helmstedt]]'' zurückgreifen. Sie behandelte auf 264 Seiten im Kleinformat nur bestimmte Schwerpunkte. Ein später entstandenes Werk von Eduard Mutke ''[[Helmstedt im Mittelalter]]'' stammt aus dem Jahre [[1913]] und ist als Ausarbeitung einer Dissertation sehr wissenschaftlich gehalten und für den normalen Bürger schwer lesbar.
Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform [[1948]] entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. – Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr [[1914]] abzuschließen. – Schließlich nahm sich [[1952]] der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14. November [[1955]]. Die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] blieb weiterhin ungeschrieben.
In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffens meines Vorgängers [[Robert Schaper]] hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den [[Helmstedt]]ern nahegebracht hat.
Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der [[Helmstedt]]er Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadtdirektor [[Lothar Wien]] [[Robert Schaper]] und mich mit dieser Aufgabe. Leider musste Herr [[Robert Schaper|Schaper]] aus Altersgründen [[Helmstedt]] verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häuserbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a. D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis [[1945]] geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefasste Geschichte der [[Universität Helmstedt|Universität]] erforderlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild – ohne auf die [[Universität Helmstedt|Universität]] einzugehen – nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach [[1945]] gerade durch die Stellung [[Helmstedt]]s in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, dass sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird unter anderem auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die [[Helmstedt]]er Schulen und über [[Bad Helmstedt]] enthalten. – Den [[Helmstedt]]er Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich [[1996]] Susanne Pieper in ihrem Buch ''[[Chronik des Helmstedter Handwerks]]'' ausführlich beschäftigt.
Die Chronik ist in erster Linie gedacht für die [[Helmstedt]]er Bürgerinnen und Bürger. Sie sollen Zugang zu der großen Vergangenheit ihrer Heimatstadt finden, aber auch zu den Menschen, die vor ihnen hier gelebt haben. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen, sie sollen gesondert gelesen werden können. Deshalb sind Wiederholungen unvermeidbar gewesen.
Ich habe vielen zu danken, die mir durch Informationen und auch durch ihr Interesse an meiner Arbeit in den zurückliegenden Jahren geholfen haben. Herrn Bürgermeister Dr. [[Karl Birker]] und Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] danke ich, dass die Stadt [[Helmstedt]] mir die Möglichkeit geboten hat, eine Arbeit zu erstellen, die ich mir schon in jungen Jahren vorgenommen hatte. Herr Erwin Fronhöfer hat schon vor einiger Zeit einen ersten Entwurf durchgesehen. Meine Schulfreunde Siegfried Lüderitz aus Timmel und Rüdiger Möhle aus Epeigné les Bois (Frankreich) haben Teile meines Manuskripts gelesen, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Frau [[Ilse Moshagen]] hat mir verschiedene Gedanken vermittelt, und Frau Dr. Ingrid Henze verdanke ich manche Anregung. Bei Herrn Pastor Rudolf Kleinert, bei Frau Barbara Musial und Herrn Rainer Ammon möchte ich mich bedanken, dass sie sich für das Erscheinen der Chronik eingesetzt haben. Herr Studiendirektor Arno Förster und Herr Oberstudienrat [[Michael Gehrke]] haben mir sehr alte Aufnahmen unserer Stadt zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Darüber habe ich mich besonders gefreut. Den Mitarbeiterinnen des Schreibdienstes der Stadt [[Helmstedt]] Frau Gisela Loos, Frau Sabrina Wachsmann, Frau Isolde Pingel und Frau Erika Dlusniewski danke ich, dass sie es jahrelang übernommen haben, die oft nicht leichten Diktate zu schreiben. Frau Iris Kanitz hat die Anmerkungen und das Register überprüft.
Der Braunschweigische Kloster- und Studienfonds hat sich finanziell an diesem Buch beteiligt, wofür ich mich ebenfalls herzlich bedanken möchte. Ganz besonders verpflichtet bin ich Herrn Regierungspräsidenten a. D. Karl-Wilhelm Lange dafür, dass er diesen Zuschuss vermittelt hat und dass er mich durch ein Gespräch und durch mehrere Briefe ermuntert hat, die Chronik zu Ende zu führen. In gleicher Weise muss ich mich bei Frau Studiendirektorin i. R. [[Melsene Johansen]] bedanken. Sie hat in unendlich vielen Stunden – oft bis spät in die Nacht hinein – das Manuskript korrigierend gelesen, die Korrektur der Druckfahnen übernommen und das umfangreiche Register erstellt.
Gewidmet habe ich das Buch meinen Eltern, die mir in ihrem Fleiß und in ihrer Redlichkeit immer Vorbild gewesen sind, und meinem väterlichen Freund [[Robert Schaper]], dessen geleistete Vorarbeiten mir eine große Hilfe waren.
Schließlich soll das Buch zum Nachdenken darüber anregen, dass die vielen baulichen Zeugen der reichen Vergangenheit unserer Stadt, die heute noch sichtbar sind, erhalten bleiben und dass damit die Arbeit der [[Bürger-Aktion Alt-Helmstedt|Bürgeraktion „Alt-Helmstedt“]] und ihres Vorsitzenden Herrn Rudolf Scharf allenthalben eine noch bessere Unterstützung findet.
[[Helmstedt]], im März [[1999]]
[[Hans-Ehrhard Müller]]
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== Aus grauer Vorzeit ==
== Aus grauer Vorzeit ==
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== Die Helmstedter Buchdrucker (S. 494–505) ==
== Die Helmstedter Buchdrucker (S. 494–505) ==
:''„Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert – und mehr als das Blei in der Flinte, das Blei im Setzkasten.“''
::– Georg Christoph Lichtenberg ([[1742]] bis [[1799]], seit [[1769]] Professor in Göttingen)
Bei der zutreffenden Bedeutung dieser Zeilen und bei dem schon durch die [[Universität Helmstedt|Universität]] nicht geringen Beitrag unserer Stadt zu diesen Veränderungen ist es gerechtfertigt, auch in einer Stadtchronik an die hiesigen Buchdrucker zu erinnern.
Johann Gutenberg (um [[1400]] bis [[1468]]) gilt als der Erfinder des Druckens mit beweglichen Lettern. Bis zur Einführung des Offsetdrucks bedienten sich die Drucker im Prinzip seines Verfahrens. Vor Gutenberg mussten Bücher zur Verbreitung ihres Inhalts abgeschrieben werden. Das geschah hauptsächlich hinter den Mauern der Klöster, ein Mönch diktierte und mehrere Mönche schrieben mit. Eine einzelne Seite wurde auch schon früher dadurch „gedruckt“, dass man aus einem Stück Holz erhabene Buchstaben schnitzte und so eine Druckplatte herstellte. Diese Platte ließ sich allerdings nur einmal verwenden. Aus Mainz ist für das Jahr [[1454]] mit Ablassblättern der früheste Druck nachgewiesen. Zwei Jahre später kam die berühmte Gutenberg-Bibel auf den Markt. Die Initialen wurden im 15. Jahrhundert noch mit der Hand gemalt.
Da es noch keine Zeitungen gab, wurden die „neuesten“ Nachrichten auf Flugblättern gedruckt. Der Inhalt wurde von der Obrigkeit vor dem Stadthaus oder von den Fernhandelskaufleuten auf den Marktplätzen der Bevölkerung vorgelesen, denn lesen konnten höchstens 10 % der Stadtbevölkerung, auf dem Dorf wohl nur der Pastor und, sofern es ihn gab, der Lehrer. Durch diese Flugblätter verbreiteten sich auch die Gedanken Martin Luthers. Ohne Gutenberg wäre Luther wohl ein unbekannter Mönch geblieben. Der rapide Anstieg der Flugschriften und die Steigerung ihrer Verbreitung um das Tausendfache ist nachgewiesen.
Im Jahre [[1471]] gab es mit Augsburg, Bamberg, Basel, Köln, Mainz, Nürnberg und Straßburg nur sieben Städte mit einer Druckerei, neun Jahre später hatte sich die Anzahl auf 24 erweitert, darunter war Magdeburg. [[1530]] gab es schon 63 Druckereien in entsprechend vielen Städten, darunter nun auch in Braunschweig.<ref>Autorenkollektiv: ''Alteuropäische Schriftlichkeit'', Kurseinheit 7, S. 8, herausgegeben von der Fernuniversität Hagen 1987</ref>
Die Druckkunst hat in [[Helmstedt]] durch [[Jacob Lucius der Ältere|Jakobus Lucius]], der [[1579]] von Rostock hierher gekommen war, im Zusammenhang mit der Gründung der [[Universität Helmstedt|Universität]] begonnen. Nach Wilhelm Eule<ref>Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 14</ref> soll er sich in dem Haus [[Kybitzstraße]] 5 niedergelassen haben. [[Robert Schaper]]<ref>[[Robert Schaper]]: ''Das Helmstedter Häuserbuch'', Helmstedt 1974 unter Kybitzstraße 5</ref> hat dagegen festgestellt, dass das heutige Grundstück seinerzeit mit zwei Häusern bebaut war. [[1587]] hat [[Konrad Gerdener]], dessen Haus gegenüber dem [[Ratskeller (Helmstedt)|Ratskeller]] gestanden hatte und abgebrannt war, diese beiden Häuser in einer Hand vereinigt, sie abreißen und das heute noch stehende Gebäude errichten lassen. Er war, wie sein Vater, [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] in [[Helmstedt]] gewesen. Das Wappen des Vaters, [[Hans Gerdener]], befindet sich mit den Initialen BHG am [[Rohr’sches Haus|Rohrschen Haus]], der Name des Sohnes steht am Taufbecken von [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani]]. So ist es wahrscheinlicher, dass schon wegen der notwendigen Größe einer Druckerei [[Jacob Lucius der Ältere|Jakobus Lucius]] seine Tätigkeit im Haus [[Beguinenstraße]] 9 begonnen hat. In jedem Fall ist er einige Jahre nach seinem Eintreffen in [[Helmstedt]] dort eindeutig nachgewiesen. Dieses Haus muss es dann gewesen sein, das er mit den 500 Talern erwarb, die der Herzog ihm gegeben hatte.
[[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] stammte aus Siebenbürgen, Hermannstadt oder Kronstadt soll sein Geburtsort gewesen sein<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref> Über Nürnberg, Wittenberg (ab [[1556]]) und Rostock (etwa ab [[1577]]) war er nach [[Helmstedt]] gekommen. In Nürnberg mag er sich in der Druckkunst vervollkommnet haben, in den beiden anderen Städten hat er sie beruflich bereits ausgeübt. Mit Schulden hatte er Wittenberg verlassen, mit Schulden verließ er auch Rostock. Der berühmte Rostocker Professor David Chytraeus empfahl ihn dem Herzog Julius. Sechs Drucke sind bereits aus dem ersten Jahr seiner Tätigkeit bekannt. Der Berliner Bibliothekar Dr. [[Max Joseph Husung]] (verstorben 17. September [[1944]] in [[Helmstedt]]) hat sie nachgewiesen. Aber [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] war nicht nur Drucker, er war auch als Formschneider Künstler. Er stattete seine Werke mit Holzschnitten aus, die ihm den Respekt nicht nur seiner Zeitgenossen einbrachten<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref>. [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] starb [[1597]] an der Pest, mit ihm seine Frau und fünf seiner Kinder. Sein Sohn Jakobus Lucius II. kehrte aus Hamburg, wo er eine eigene Druckerei betrieben hatte, zurück. Er setzte das Werk seines Vaters fort. Er starb aber bereits [[1616]]. In den fast 19 Jahren seines Wirkens als Inhaber der Offizin (Werkstatt einer Druckerei oder einer Apotheke) stellte er viele Drucke her. Ob auch ein ganz besonderes Druckerzeugnis bei ihm erschienen ist, ist nicht sicher, ein Nachweis würde ihm und [[Helmstedt]] hohen Ruhm bringen. Es handelt sich dabei um den „Aviso“, die älteste Zeitung Norddeutschlands, erschienen [[1609]] und nach Meinung des Zeitungsforschers Dr. Schoene die älteste der Welt überhaupt. Im süddeutschen Raum gab es seit [[1609]] die in Straßburg gedruckte „Relation“, wobei jedoch angenommen wird, dass der „Aviso“ als Wochenzeitung schon vor [[1609]] herausgegeben wurde<ref>Erich Schrader: ''Ist der Aviso, die älteste norddeutsche Zeitung, in Helmstedt gedruckt?'' in ''Festschrift der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', 1950</ref>. Aber im Gegensatz zur „Relation“ ist der Druckort der ersten Jahrgänge des „Aviso“ nicht bekannt, ab [[1615]] ist er mit Wolfenbüttel nachgewiesen. Auf [[Helmstedt]] wurden die Zeitungsforscher aufmerksam, weil die Zierstücke des ersten Jahrgangs Löwenköpfe in verschiedenen Ausführungen zeigen, die denen sehr ähneln, die Jakobus Lucius II. in seinen Druckwerken verwandte. Nun hat man zwar in Wolfenbüttel derartige Zierstücke auch gefunden, allerdings könnte wiederum die Vignettenfülle (Verzierung auf Buchtitelseiten, am Rand oder bei Anfangsbuchstaben im Text) der ersten beiden Jahrgänge dieser Zeitung, also [[1609]] bis [[1610]], – von [[1611]] bis [[1612]] besitzen wir nichts, von [[1610]] nur die Abschrift einer Titelseite, von [[1614]] lediglich das Titelblatt einer einzigen vorhandenen Nummer – auf Jakobus Lucius II. verweisen. Darauf hat jedenfalls Husung hingewiesen und gefolgert, dass zumindest diese Schmuckstücke hier bei uns entstanden sein könnten und dass [[Helmstedt]] somit einen Beitrag zur ältesten Zeitung der Welt geleistet hätte.
Nach dem Tode von Jakobus Lucius II. bekam die Druckerei mit Henning Müller d. Ä. einen Geschäftsführer, sie blieb dadurch der Familie erhalten. Von [[1634]] bis [[1639]] führte sie Jakobus Lucius III. Eine Enkelin des Firmengründers heiratete mit Henning Müller d. J. (lebte von [[1607]] bis [[1675]]) einen Sohn des Geschäftsführers. Er setzte das Unternehmen fort und verlegte es zur [[Neumärker Straße]] 5. Der Nachfolger Heinrich David Müller war sein ältester Sohn. Mit ihm starb [[1680]] diese Familie im Mannesstamm aus. Die Druckerei samt Grundstück kaufte [[1681]] Georg Wolfgang Hamm. Er war aus Hof, wo er [[1649]] geboren wurde, zugewandert und [[1715]] in [[Helmstedt]] verstorben. Er und sein Sohn Hermann Dietrich betrieben die Druckerei bis [[1723]]. Dies war das Todesjahr des Hamm jun. Dessen Erben hielten den Betrieb noch 10 Jahre bis [[1733]] aufrecht. Das Haus [[Neumärker Straße]] 5 wurde an einen Handelsmann veräußert, die Druckerei übernahm nun Johann Drimborn aus Köln, wohnhaft [[Langer Steinweg]] 1, ab [[1763]] [[Böttcherstraße]] 5. Drimborn war [[1700]] in Köln geboren, er war katholisch gewesen und [[1723]] zum lutherischen Bekenntnis konvertiert. Er war viele Jahre Stadthauptmann in unserer Stadt, also Vorsteher in einem der vier Stadtviertel. Drimbon gab die Druckerei schon einige Zeit vor seinem Tode Anfang [[1760]] an Johann Heinrich Kühnlin aus Tübingen (wohnhaft [[Kybitzstraße]] 4) ab. Nach dessen Ableben am 22. Dezember [[1800]] vereinigte sich diese Druckerei mit der des [[Sigismund Christian David Leuckart|Sigismund David Leuckart]]. Diese war von den insgesamt vier Helmstedter Druckereien die drittälteste. Jakob Müller aus Stettin hatte sie [[1661]] gegründet und durch Übernahme der zweiten Helmstedter Druckerei [[1672]] erweitert. Diese zweite Druckerei hatte der Helmstedter Gelehrte und Theologe [[Georg Calixt]] [[1629]] ins Leben gerufen. Er hatte sie schon fünf Jahre später an Henning Müller, dem wir bereits in der kurzen Geschichte der Buchdruckerei des Lucius begegnet sind, übertragen. [[1658]] übernahm sie für zwei Jahre Johann Georg Täger zusammen mit Martin Vogel. Vor [[1660]] bis [[1672]] war dann Henning Müller der Jüngere (gestorben [[1675]]) Pächter. Er betrieb die Offizin neben der, die er von der Dynastie Lucius übernommen hatte. [[1672]] gab er sie an Jakob Müller aus Stettin ab – nicht verwandt mit dem Verkäufer –, der bereits in gleicher Tätigkeit seit [[1661]] in [[Helmstedt]] wirkte.
Um diese Zeit gab es hier drei Druckereien: Die erste, die [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] gegründet hatte und die über die Generationen Müller und Hamm zu Drimborn und Kühnlein führt und [[1800]] geendet hat, die zweite von [[Georg Calixt]], die sich mit der von Jakob Müller [[1661]] errichteten Druckerei [[1672]] vereinigte und über verschiedene Familien schließlich [[1801]] zu den Leuckarts und dann zu den Schmidts bis in unser Jahrhundert reicht, und als dritte die von Schnorr (ab [[1680]]), die von dem letzten Inhaber Fleckeisen nach Schließung der [[Universität Helmstedt|Universität]] [[1811]] nach Heiligenstadt und [[1815]] nach Duderstadt verlegt wurde. Vor allem durch Druck und Herausgabe von Büchern und Schriften der Professoren und von Dissertationen der Studenten fanden diese Druckereien Arbeit und damit eine Existenz.
Zu der Druckerei [[Georg Calixt|Calixt]]-Müller: Sie kam über die Familien Hess ([[1681]] bis [[1725]]) und Buchholz ([[1725]] bis [[1739]]) an den in der Thomas-Müntzer-Stadt Stolberg/Harz [[1712]] geborenen Ratsbuchdrucker und späteren Senator der Stadt [[Helmstedt]] [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]].
Von seinen Söhnen erlernte der [[1748]] geborene [[Franz Ernst Christoph Leuckart]] ebenfalls den Beruf des Buchdruckers. Er ging später nach Breslau und gründete dort ein entsprechendes Unternehmen, das [[1870]] nach Leipzig und nach [[1945]] nach München verlegt wurde. Es besteht heute als ein angesehener Musikalienverlag weiter.
Ein weiterer Sohn, [[Sigismund Christian David Leuckart]], führte – der Vater war [[1792]] verstorben – die Druckerei auch nach dem Ende der [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] weiter. [[1809]] erschien bei ihm als [[Helmstädtsches Wochenblatt]] die erste regelmäßig wiederkehrende Helmstedter Zeitung. Sie gab es zunächst einmal in der Woche als Sonntagsblatt.
Von seinen Kindern wurde der [[1794]] geborene [[Friedrich Leuckart|Friedrich Andreas Sigismund]], verstorben [[1843]], ein bedeutender Zoologe an der Universität Freiburg, [[Johann Rudolf Gottfried Leuckart|Johann Rudolf Gottfried L.]] dagegen Buchdrucker. Er übernahm die Druckerei schon [[1826]] und führte sie bis zu seinem Tod am 15. März [[1840]]. Er ist der Vater des am 7. Oktober [[1822]] geborenen [[Rudolf Leuckart]]. Dieser studierte in Göttingen Medizin und Naturwissenschaften. [[1850]] wurde er Professor in Berlin. Ab [[1870]] war er bis zu seinem Tode am 6. Februar [[1898]] Ordinarius an der Universität Leipzig. Er entdeckte die Trichinen und sorgte damit für die obligatorische Trichinenschau bei Schweinen nach jedem Schlachtvorgang. Nach ihm wurde die [[Leuckartstraße]] benannt.
Nach [[1840]] stand die Druckerei, da kein Familienangehöriger sie übernehmen wollte, acht Jahre lang unter vormundschaftlicher Verwaltung des Kaufmanns Eduard Dorguth und des Dr med. Kratzenstein. Die technische Leitung oblag später dem Buchdrucker Johann Christian Schmidt, geboren [[1802]] in Heiligenstadt (Eichsfeld). Er übernahm [[1848]] die Firma und mietete zugleich für sie Räume auf dem Grundstück [[Heinrichsplatz]] 5. Damals gab es allerdings diesen Platz noch nicht, auf ihm stand das landwirtschaftliche Anwesen des Heinrich Meinecke. Vorher lag die Druckerei auf dem Grundstück [[Kirchstraße]] 3. [[1867]] starb J. C. Schmidt. Seine Witwe Dorothee geb. Lübke aus Harbke setzte mit dem ältesten Sohn Albert, geb. [[1843]], sein Werk fort. Sie kauften [[1871]] für die Firma das Grundstück [[Heinrichsplatz]] 5. Haupteinnahmequelle der Druckerei war weiterhin die Zeitung. Aus dem Wochenblatt von [[1809]] wurde [[1815]] die [[Helmstädtsche Zeitung]]. Sie erschien mittwochs und sonnabends. Format (21x16 cm) und Umfang (acht Seiten) waren geblieben. Ab [[1847]] gab es sie als [[Helmstedter Zeitung]], aber weiterhin nur sonnabends und mittwochs. Das änderte sich im Laufe des Jahres [[1848]], sie erschien einschließlich sonntags fünfmal in der Woche. Neu war auch, dass politische Nachrichten auf die ersten Seiten rückten und amtliche Bekanntmachungen auf der letzten Seite plaziert wurden. Meldungen aus aller Welt erschienen jetzt schneller. Hatte es [[1821]] noch sechs Wochen gebraucht, um den Tod Napoleons am 5. Mai auf der Insel Helena im Atlantik zu melden, so wurden die allerdings auch schon vom Örtlichen her näher liegenden Nachrichten über die März-Revolution [[1848]] in Berlin nach wenigen Tagen gebracht. Von [[1862]] an hieß die Zeitung [[Helmstedter Kreisblatt]], und dies bis zu ihrem Ende [[1941]]. Erscheinungstage: Montag, Mittwoch und Freitag, das Format war jetzt 34x20 cm. [[1877]] nahm sie das auch heute noch allgemein bekannte äußere Erscheinungsbild von 45x30 cm an, Erscheinungstage: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Ab [[1887]] gab es sie außer sonntags täglich. Von lokalen Dingen erfuhr der Leser jetzt nicht nur etwas durch Anzeigen, eine örtliche Berichterstattung, z. B. über die Sitzungen der Stadtverordneten, über Gerichtsverhandlungen, über das Vereinswesen und über andere Begebenheiten in der Stadt und im Umland, wurde eingeführt.
Über Albert Schmidt ([[1843]] bis [[1904]]) kam die Druckerei an seinen Sohn Franz. Als er [[1922]] starb, starb mit ihm auch der letzte Inhaber mit dem Namen Schmidt. Der Firmenname lautete aber weiterhin J. C. Schmidt. Seine Witwe heiratete ein Jahr später den Brauereidirektor Deixelberger aus [[Grasleben]]. Beide führten die Druckerei und damit auch die Zeitung fort. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus begann für sie eine schwere Zeit. Sie war nicht mehr das amtliche Mitteilungsorgan der Behörden, diese einträgliche Funktion ging auf die NS-„Braunschweiger Tageszeitung“, Ausgabe Helmstedt, über. Auch die Annoncen erschienen jetzt mehr in der genannten nationalsozialistischen Zeitung. Diese nannte sich [[Helmstedter Kreiszeitung]] und wurde damit verstärkt ein örtliches Presseorgan der allmächtigen [[NSDAP]]. Das [[Helmstedter Kreisblatt]] vegetierte noch bis [[1941]] so dahin. Der Mangel an Papier im dritten Kriegsjahr war ein den Behörden sicherlich nicht unwillkommener Anlass, die endgültige Aufgabe dieser Zeitung durch den Verlag zu veranlassen. Frau Deixelberger verwitwete Schmidt starb [[1953]] kinderlos. Ihr zweiter Ehemann war bereits [[1935]] verstorben.
Das Ende der NS-Herrschaft April/Mai [[1945]] brachte auch das Ende der Helmstedter Parteizeitung. In ihren letzten Tagen bestand sie nur noch aus ein bis zwei Blättern. Am 12. Oktober [[1945]] erschien Nr. 1 der „Braunschweiger Neuen Presse“ mit dem Untertitel „Nachrichtenblatt der allierten Militärregierung“. Aus ihr wurde mit dem 8. Januar [[1946]] die „Braunschweiger Zeitung“. Sie war die erste Zeitung in der damals britischen Zone, die unter der verantwortlichen Leitung einer ausschließlich deutschen Redaktion stand. Der Zusatz „Nachrichtenblatt …“ wich dem Untertitel „veröffentlicht unter Zulassung Nr. 2 der Militärregierung“. Diese Zeitung erhielt im Laufe des Jahres [[1946]] auch einen bescheidenen [[Helmstedt]]er Teil, der aber immer mehr ausgeweitet wurde. Heute gibt es sie unter dem gleichen Namen mit dem Zusatz [[Helmstedter Nachrichten]]. Sie ist die einzige Zeitung, die hier werktäglich erscheint.
Das [[Helmstedter Kreisblatt]] erlebte vom 10. November [[1949]] an im Verlag J. C. Schmidt, Heinrichs-Platz 5, mit der [[Helmstedter Allgemeine Zeitung|Helmstedter Allgemeinen Zeitung]] eine Fortsetzung ihrer Tradition. Ab 1. April [[1954]] hieß sie [[Kreisblatt]], man zog vom [[Heinrichsplatz]] 5 in das Haus [[Papenberg]] 29 (heute [[Deutsche Bank]]) um. Später kehrte man zum [[Heinrichsplatz]], allerdings jetzt in die Nr. 10 (im Vorderhaus ist heute die Firma [[Aldi]]) zurück. Ab 1. Januar [[1970]] nannte sich die Zeitung [[Helmstedter Anzeiger]]. Mit dem 11. Oktober [[1975]] stellte sie ihr Erscheinen ein, „da eine Wirtschaftlichkeit des Verlags unternehmens nicht mehr gegeben ist“. Der letzte Chefredakteur, Wolf E. Ebeling, hatte nach seinen Angaben über zwei Jahre allein und persönlich das Risiko tragen müssen.
Zur Dokumentation der wirtschaftlichen Kraft der Stadt erscheinen neuerdings zwei Anzeigenblätter. So gibt es seit dem 29. Oktober [[1975]] mittwochs den [[Helmstedter Blitz]], der aber ebenso wie der [[Helmstedter Sonntag]] (seit 5. September [[1999]]) nicht in der Tradition der Organe steht, die dem Leser die neuesten Nachrichten vermitteln wollen. Sie bringen ihrem Auftrag entsprechend Anzeigen sowie Berichte über technische Neuerungen jeglicher Art und ausgewählte Reportagen über lokale Ereignisse der verflossenen Woche.
Nach dieser Darstellung der geschichtlichen Entwicklung dreier [[Helmstedt]]er Druckereien lassen Sie mich zu der Buchhandlung von Fleckeisen, dem Ausgangspunkt unserer Betrachtungen, zurückkehren. Sie hatte ihren Ursprung in dem Hallenser Salomon Schnorr, der [[1675]]/[[1676]] von Halle nach [[Helmstedt]] gekommen war und hier vier Jahre als Buchdruckergehilfe gewirkt hat, bevor er [[1680]] eine eigene Druckerei gründete. Die Blüte der [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] mit den vielen zu veröffentlichenden Schriften machte es möglich. Nach Wilhelm Eule, „Helmstedter Universitätsbuchdrucker“, erschienen [[1921]], aus dessen Buch ich viele Erkenntnisse zu diesem Kapitel gewonnen habe, soll diese Druckerei in dem Haus [[Neumärker Straße]] 29 gewesen sein (heute Juweliergeschäft). Das dürfte aber nicht zutreffen, denn Salomon Schnorr und sein Sohn Paul Dietrich, der [[1723]] das Geschäft seines Vaters übernahm, waren in jedem Fall Eigentümer des Hauses [[Heinrichsplatz]] 11. Dort dürfte zu jener Zeit die Druckerei gewesen sein. Es handelt sich um das Haus mit dem Totenschädel über dem Eingang. Salomon Schnorr starb [[1726]]. Als [[1734]] Paul Dietrich Schnorr die [[Schuhstraße|Schuhstr.]] 11 (Hoflager Heinrich Julius’) erwarb, wird in dieses geräumige Haus die Druckerei mit umgezogen sein. Das Haus [[Neumärker Straße|Neumärker Str.]] 29 war dagegen von [[1721]] bis [[1792]] ein Professorenhaus, bewohnt und im Eigentum der Professoren [[Augustin Leyser|August von Leyser]], [[Christoph Timotheus Seidel|Timotheus Seidel]], [[Johann Nicolaus Frobesius|Johann Frobese]] und [[Johann Karl Christoph Ferber|Johann Ferber]]. Erst [[1792]] wurde dann daraus tatsächlich ein Druckereihaus.
Bei Schnorr ist übrigens das bedeutendste buchgewerbliche Erzeugnis, das je in [[Helmstedt]] gedruckt wurde, erschienen: Das große vierbändige Prachtexemplar des Professors [[Hermann von der Hardt]] über das Konzil zu Konstanz ([[1414]] bis [[1418]])<ref>Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 43</ref>.
Nach dem Tod von Paul Dietrich Schnorr [[1755]] übernahm dessen Sohn Johann Gottfried Dietrich die Druckerei. Er starb [[1786]] noch vor seiner Mutter, diese starb [[1795]]. Die beiden weiteren Kinder waren Töchter, die einen Professor bzw. einen Pastor geheiratet hatten, so dass sich die Mutter nach einem Käufer der Offizin umsehen musste. Sie fand ihn in dem seit [[1782]] in [[Helmstedt]] lebenden und aus Roßwein/Sachsen zugewanderten Karl Gottfried Fleckeisen. Dieser Betrieb ist zusammen mit einer Buchhandlung in dem Haus [[Neumärker Straße]] 29 nachzuweisen, denn Fleckeisen hatte das Grundstück [[1792]] von der Witwe des Professors [[Johann Karl Christoph Ferber|Ferber]] für 2.000 Taler erworben. Er hatte so viele Aufträge, dass er noch bei [[Sigismund Christian David Leuckart|Leuckart]] in der [[Kirchstraße]] drucken lassen musste. Dennoch hinterließ er, als er [[1814]] starb, seinen zwei Töchtern und seinem Sohn – die Ehefrau war bereits [[1804]] verstorben – sehr viele Schulden, so dass die Druckerei nicht fortgeführt werden konnte. Der Vormund der Kinder, Ratsherr [[Sigismund Christian David Leuckart|Leuckart]], übernahm sie für 1.000 Taler für seinen eigenen Betrieb, die Buchhandlung dagegen blieb bestehen. Sie wurde von dem Schwiegersohn, dem Buchhändler Friedrich Samuel Fiedler, ab [[1817]] weitergeführt. Als Fiedler [[1853]] starb, musste der Schulden wegen über den Nachlass das Konkursverfahren eröffnet werden. Das Grundstück wurde verkauft, die Buchhandlung blieb unter neuem Inhaber als jetzt [[Richtersche Buchhandlung]] bis [[1933]] bestehen.
Zwei Tafeln zieren das Haus [[Neumärker Straße]] 29. Die eine erinnert an Professor Dr. jur. [[Augustin Leyser|August von Leyser]]. Er ist der Verfasser des im 18. Jahrhundert bekanntesten Erläuterungswerkes zum Zivilrecht mit dem Titel ''Meditationes ad pandectas'', eine Kommentierung des römischen Rechts, das war das Zivilrecht der damaligen Zeit, in mehreren Bänden. [[Augustin Leyser|Leyser]] lebte in dem Haus ab [[1712]], [[1722]] kaufte er es. [[1729]] folgte er einem Ruf an die Universität Wittenberg. Die zweite Tafel erinnert an [[Alfred Fleckeisen]]. Er war der Enkel des Druckereibesitzers und ein Sohn des Justizamtmanns Karl-Wilhelm Fleckeisen, der [[1828]] in Wolfenbüttel starb. Mit seiner Mutter kam er als Achtjähriger in die Heimatstadt seiner Vorfahren zurück, besuchte hier von [[1829]] bis [[1839]] das Gymnasium, machte das Abitur und wurde ein berühmter Altphilologe und Herausgeber der ''Neuen Jahrbücher für klassische Philologie''. Er starb [[1892]] in Dresden.
Ursprünglich war die handwerkliche Kunst des Druckens mit dem kaufmännischen Geschick des Vertriebs in einer Hand vereint. Das änderte sich jedoch bald; der Verleger wurde geboren, wenn es auch Druckereien gab, die den Vertrieb ihrer Erzeugnisse weiterhin in eigener Regie wahrnahmen. Bekannte Verleger in [[Helmstedt]] waren z. B. [[Wolf Heil]] und vor allem [[Luedeke Brandes]]. Sie waren in mehreren Generationen Pächter des Buchladens an der ehemaligen [[Augustiner-Eremiten-Kloster|Augustinerkirche]] am [[Markt]]. Erstmals sind sie [[1545]] in unserer Stadt nachgewiesen. Sie waren auch als Ratsherr und [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] tätig gewesen. [[Luedeke Brandes der Ältere|Luedeke Brandes d. Ä.]] arbeitete eng mit [[Jacob Lucius der Ältere|Jacobus Lucius]] zusammen. Ihre Namen finden wir noch heute in [[Helmstedt]], so z. B. an dem imposanten Taufbecken in der [[St. Stephani (Helmstedt)|St.-Stephani-Kirche]], [[1590]] von Mante Pelking geschaffen. Unter den fünf Ratspersonen, deren Namen und Wappen am Beckenfuß verewigt sind, befinden sich alle drei Mitglieder der Buchhandels- und Verlegersozietät in [[Helmstedt]], davon zwei Mitglieder der Familie Brandes.<ref>Joachim Lehrmann: ''Die Frühgeschichte des Buchhandels und Verlagswesens in der alten Universitätsstadt Helmstedt sowie die Geschichte der einst bedeutenden Papiermühlen zu Räbke am Elm und Salzdahlum'', Hämelerwald, 1994, Seite 11 ff.</ref> Noch etwas eindrucksvollere Hinweise auf diese Familie finden sich am [[Beguinenhaus]]. Im zweiten Feld rechts weisen die Großbuchstaben ''BLB'' auf den Bürgermeister [[Luedeke Brandes]] hin, und das vorletzte Feld erinnert an dessen Vater, [[Luedeke Brandes der Ältere|Luedeke Brandes d. Ä.]]
Der bedeutendste Helmstedter Verlag im 18. Jahrhundert war der des [[Christian Friedrich Weygand]]. Weygand war [[1723]] aus Meißen/Sachsen nach [[Helmstedt]] gekommen<ref>Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 55</ref>. Im Hause [[Kornstraße]] 13 eröffnete er eine Verlagsbuchhandlung. Das Haus erwarb er [[1742]] von den Erben des Professors [[Caspar Cörber|Cörber]]. Hier verlegte er Bücher, von [[1725]] bis [[1739]] allein über 100 Werke, darunter die berühmte ''Sittenlehre der Heiligen Schrift'' des Professors [[Johann Lorenz von Mosheim|Johann Lorenz Mosheim]], die bei Johann Drimborn gedruckt worden war. Weygand besaß das herzogliche Privileg der alleinigen Stadtbuchhandlung. Allerdings hatte die [[Universität Helmstedt|Universität]] mit Herrn Lohmann einen eigenen Buchhändler, der nach dem Burgdorfer Rezess vom Mai [[1727]] als Universitätsangehöriger galt, d. h., er war von allen städtischen Lasten befreit und ihrer Gerichtsbarkeit entzogen. Lohmann hatte seine Buchhandlung im [[Juleum]]. Auch um die Stadt [[Helmstedt]] machte er sich verdient: [[1751]] wurde er zum Senator gewählt. Als er [[1764]] starb, setzte der Sohn Johann Friedrich sein Werk fort, in [[Helmstedt]] allerdings nur kurze Zeit. [[1767]] verzog er nach Leipzig und nahm den Verlag und damit die Firma mit. In der Bücherstadt erwarb sich das Unternehmen hohes Ansehen. [[1773]] schrieb Weygand an Goethe und bat um die Überlassung eines Manuskripts, um es verlegen und drucken zu können. Goethe schickte ''Die Leiden des jungen Werther''. Dieser Welterfolg erschien [[1774]] zuerst im Verlag des ursprünglich [[Helmstedt]]er Verlegers Christian Friedrich Weygand. Der „Werther“ war der Durchbruch im Schaffen des jungen Goethe ([[1743]] bis [[1832]]). Das Unternehmen Weygand ging [[1812]] an einen anderen Inhaber über. [[1838]] erlosch das berühmte Verlagshaus, dessen Weg einmal in [[Helmstedt]] begonnen hatte.
Auch wissenschaftliche Zeitungen sind in [[Helmstedt]] erschienen. So bei P. D. Schnorr ''[[The Helmstat and London Mercury]]'', und zwar zweimal wöchentlich in der Zeit vom 9. Januar [[1753]] bis 6. Juli [[1753]], also nur kurze Zeit. Ein halbes Jahr lang, nämlich vom 26. April [[1800]] bis zum 6. September [[1800]] gab es einmal wöchentlich das ''[[Wochenblatt für angenehme und nützliche Lektüre]]'', verlegt bei Fleckeisen in der [[Neumärker Straße]] 29. Dort erschienen auch [[1828]] sieben Ausgaben der „Horen“, [[1835]] weiter ein ''[[Conversationsmagazin für Gebildete aus allen Stände]]''. Exemplare dieser Erzeugnisse des [[Helmstedt]]er Zeitungswesens sind leider nicht im [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]], wohl aber in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel und im Niedersächsischen Staatsarchiv, ebenfalls in Wolfenbüttel, und in einigen Exemplaren auch im Braunschweiger Stadtarchiv am Löwenwall.
Aus dem eigentlichen Bereich der Wissenschaft erschienen von [[1722]] bis [[1728]] bei Salomon Schnorr die ''[[Annales Academiae Juliae]]'' sowie vom 13. Februar [[1751]] bis zum 25. Dezember [[1756]] bei Leuckart ein ''[[Helmstadtisches Gelehrtes Wochen-Blatt]]'', herausgegeben von dem Theologieprofessor [[Christoph Timotheus Seidel]] (geboren [[1703]] in Schönberg im Brandenburgischen als Sohn eines Pfarrers, verstorben [[1758]] in [[Helmstedt]] und begraben neben der Kanzel der [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani-Kirche]]), [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] war in Professur und Generalsuperintendentur Nachfolger des [[Friedrich Weise]] (gestorben [[1735]]). Neben zahlreichen Schriften, die er als Professor der Theologie – ab [[1730]] war er zugleich Abt zu [[Königslutter]] – veröffentlichte, wollte [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] mit diesem Wochenblatt das Ansehen [[Helmstedt]]s als Stätte der Gelehrsamkeit heben. Auch die neue [[Helmstedt]]er Schulordnung vom 18. Juli [[1755]] ist von ihm maßgebend beeinflusst worden. Gewohnt hat [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] [[Beguinenstraße]] 15, das Haus musste [[1906]]/[[1907]] einem Neubau weichen. Gewissermaßen als Fortsetzung gab es vom 21. März [[1761]] bis zum 12. März [[1763]] ein ebenfalls wöchentlich erscheinendes Blatt unter dem gleichen Namen, diesmal aber gedruckt bei Johann Drimborn und herausgegeben von dem Professor [[Johann Franz Wagner]]. [[Johann Franz Wagner|Wagner]] wurde [[1733]] in Ulm geboren, studierte ab [[1753]] in [[Helmstedt]] Philosophie, Mathematik und Theologie und arbeitete früh als Hauslehrer sowie in leitenden Funktionen einer gelehrten Gesellschaft. Er promovierte, erhielt [[1756]] die Lehrbefähigung, wurde zum kaiserlich gekrönten Dichter ernannt und übernahm anschließend Lehr- und Leitungsämter in [[Helmstedt]], unter anderem als Rektor einer [[Julianum|Stadtschule]] und Kustos der [[Ehemalige Universitätsbibliothek Helmstedt|Universitätsbibliothek]]. Später wirkte er als Professor und Schulleiter in Braunschweig und Osnabrück, wo er [[1778]] im Alter von 44 Jahren starb. Professor [[Gottlob Benedikt von Schirach]] (geboren [[1743]], gestorben [[1804]] in Altona bei Hamburg) gab vom 2. Januar [[1770]] bis zum 19. Dezember [[1777]] die ''[[Ephemerides literariae Helmstadienses]]'' heraus, sie wurden im [[Stiftung Johannes-Waisenhaus zu Helmstedt|Waisenhaus]] in [[Helmstedt]] am [[Lindenplatz]] gedruckt. [[Gottlob Benedikt von Schirach|Schirach]] wurde [[1776]] durch die Kaiserin Maria Theresia in den erblichen Adelsstand erhoben. Der älteren Lesern noch bekannte NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach, zuletzt Gauleiter von Wien und Mitangeklagter im ersten Nürnberger Prozess, ist ein Adoptivsohn eines späteren Nachfahren dieses [[Helmstedt]]er Professors.<ref>Artur Brüggemann: ''Rund um den Juleumsturm'', Helmstedt 1983, Seite 88</ref> Der berühmte Theologieprofessor [[Heinrich Philipp Konrad Henke]] war Herausgeber der ''[[Commentarii de rebus novis literariis]]'', die bei [[Sigismund Christian David Leuckart|Leuckart]] zweimal wöchentlich erschienen, und zwar für die Zeit vom 6. Januar [[1778]] bis [[1781]].
Das eingangs festgehaltene Zitat des Professors Lichtenberg aus Göttingen zeigt Macht, Bedeutung und Einfluss des gedruckten Wortes, denn Gedanken konnten sich nun vervielfältigen. Dies war früher so wie heute und wurde auch so erkannt. Deshalb entstand mit der Buchdruckerkunst die Zensur, die früher auch schon angewandt wurde. Diese Zensur hatten auch die [[Helmstedt]]er Vertreter Gutenbergs zu spüren bekommen. So erinnerten die Herzöge Rudolph August und Anton Ulrich in einem Erlass vom 11. Mai [[1702]] den Magistrat der Stadt [[Helmstedt]] daran, dass die Buchdrucker, soweit sie der Jurisdiktion der Stadt unterstanden, angewiesen werden sollten, vor Verbreitung eines Druckwerkes dieses dem Vizerektor und dem akademischen Senat zur „Zensur“ einzuschicken und von jedem Druckwerk ein Exemplar der Universitätsbibliothek kostenlos einzuliefern und später ein weiteres der großen Bibliothek zu Wolfenbüttel zur Verfügung zu stellen. Dies veranlasste den Drucker [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]], sich darüber unter dem 24. Dezember [[1742]] zu beschweren, weil, wie er u. a. ausführte, jeder Druck mit Kosten verbunden sei. Die Auflage von Büchern war früher oftmals klein, manchmal nur 100 Exemplare, entsprechend war der Druck teuer und eine kostenfreie Abgabe deshalb besonders drückend. [[Michael Leuckart|Leuckart]] wurde vorgeworfen, seit [[1739]] mit den Ablieferungen in Rückstand zu sein.
Massiveren Ärger hatten zuvor die Erben Sebastian Buchholz’ (gestorben [[1732]]). Dessen Witwe (gestorben [[1741]]) und Tochter Marie Juliane ([[1703]] bis [[1783]]) hatten die Druckerei des Verstorbenen weitergeführt. Hier arbeitete der genannte [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]], bis er schließlich durch Heirat der Tochter am 7. März [[1737]] das Unternehmen teilweise übernahm. Unter dem 20. Februar [[1734]] war den Buchholzschen Erben vom kirchlichen Konsistorium zu Wolfenbüttel vorgeworfen worden, es seien „viele und sogar mit gefährlichen und irrigen Principiis angefüllte Scripta ohne vorgängige Zensur zum Druck befördert worden …“ Dem Magistrat wurde aufgegeben, „so habt Ihr den unter Eurer Jurisdiction seÿenden Buchdruckern beÿnahmhafter Strafe den Druck aller Theologischen und insonderheit des [[Tobias Eisler]]s Schriften, wenn solche nicht vorhero entweder von Fürstl. Consistorio hieselbst oder von der Theologischen Fakultät zu Helmstedt Fürstl. Kirchen-Ordnung gemäß zensiret worden, zu verbieten.“ Welchen Inhalt diese beanstandeten Schrift hatten, ist nicht weiter ausgeführt und auch sonst nicht ersichtlich. Offenbar ist es auch bei der Rüge geblieben. Konkreter war da schon ein Vorwurf gegen den Drucker Drimborn vom Dezember [[1738]]. Es ging um das „Scandaleuse Scriptum eines conversi catholici und itzigen Studiosi theologiae Johann Heinrich Schumacher“. Dieser hatte die biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments in einen Roman gefasst und Gott als weltlichen Regenten angesehen und Christus als einen Kronprinzen geschildert, der sich für seine Geliebte opfert. Angeblich hatte sogar der Professor der Heiligen Schrift Johann Conrad Schramm ([[Lindenplatz]] 3), bei dem dieser Student wohnte, das Werk ohne Beanstandung durchgesehen und es als druckfähigen Roman bezeichnet. Wie die Sache ausgegangen ist, ist nicht weiter überliefert.
Großen Ärger hatte der bereits erwähnte Buchdrucker Salomon Schnorr. Herzog Anton Ulrich rügte in einem eigenhändig von ihm unterschriebenen Erlass vom 18. April [[1711]], dass jener ein „scriptum“ des Philosophieprofessors [[Johann Rempen]] veröffentlicht habe, ohne es vorher der Zensur vorzulegen. [[Johann Rempen|Rempen]] ist uns bereits in der Geschichte des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters St. Ludgeri]] begegnet. Er stammte aus Paderborn, war dort [[1663]] geboren und in einem Jesuitenkolleg katholisch erzogen worden. [[1707]] war er zum lutherischen Glauben konvertiert, nachdem er vorher ein leidenschaftlicher Gegner des Protestantismus gewesen war. Ihm war es „höchste Lust mit der Feder gegen die Evangelische Kirche zu spielen.“ Der Übertritt geschah aus Überzeugung, denn er geriet dadurch in große finanzielle Not. Er erbat eine Professur an der [[Universität Helmstedt]], die ihm [[1708]] als Lehrer in der griechischen und lateinischen Sprache sowie in der Dichtkunst übertragen wurde. Nach Paul Zimmermann in ADB unter „Rempen“ fiel er in [[Helmstedt]] wegen seiner Streitlust und „unangemessenen Opponirens“ auf. Durch den Inhalt seiner Schrift ''Argumenta theologica juridica et philosophica'', die [[1711]] erschien, fühlten sich einige Professoren der [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] beleidigt. Dies war wohl auch der Anlass der Reaktion des Herzogs. Gewohnt hat [[Johann Rempen|Rempen]], der unverheiratet blieb, [[Kornstraße]] 14, [[Neumärker Straße]] 28 und dann zehn Jahre lang [[Stobenstraße]] 31.
Salomon Schnorr, um den es hier eigentlich geht, sollte für die unzensierte Herausgabe der Schrift des Professors [[Johann Rempen|Rempen]] 50 Taler Strafe zahlen. Das war damals viel Geld; so erhielt seinerzeit Professor [[Rudolph Christian Wagner]], von [[1701]] bis [[1741]] Professor der Mathematik und Physik als Anfangsgehalt lediglich 250 Taler jährlich.
Es ist sicherlich verständlich, dass Schnorr so viel Geld nicht hat aufbringen können. Deshalb wurde bei ihm ein erheblicher Vorrat seiner Bücher gepfändet und in der Stadtvogtei gelagert. Als die Ehefrau nachts mit anderen Kaufleuten von einer Messe kam, wurden ihr am Stadttor sogar eigene Sachen beschlagnahmt und in Verwahrung genommen. Damit war sie in die Sache einbezogen und wurde mit einem gedruckten Brief an den „Durchläuchtigsten Fürsten und Herr/Herrn Anthon Ulrichen, Hertzoge zu Braunschweig und Lüneb. meinem gnädigsten Fürsten und Herrn unterthänigst“ zur Bittstellerin „Unterthänigst demühtigste Magd Ursula Maria Henschlers, Salomon Schnorrns Buchdr. Ehefrau“.
Frauen haben oft Erfolg, und so wurde die Strafe auf 24 Taler reduziert und im Januar [[1712]] dem Salomon Schnorr die beschlagnahmten Bücher wieder ausgehändigt.
Nicht zu beanstanden hatte das fürstliche Konsistorium acht von dem [[Helmstedt]]er Lehrer [[Tobias Eisler]] eingereichte Schriften. Sie waren in der Zeit von [[1732]] bis [[1734]] erschienen und enthielten pädagogische Unterweisungen für den Unterricht in der Heiligen Schrift.
Auch der verehrte Professor und Propst [[Hermann von der Hardt]] ([[1660]] bis [[1746]]) geriet in die Fänge der Zensur. Dabei handelte es sich zunächst um eine dann doch akzeptierte Abhandlung über die erst kürzlich erfolgte Heirat des Herzogs Anton Ulrich. Dieser Anton Ulrich, nicht zu verwechseln mit dem [[1714]] verstorbenen Regenten gleichen Namens, hatte [[1739]] Anna geheiratet. Anna war eine Tochter der Katharina von Rußland und des Karl Leopold, Herzog von Mecklenburg. Katharina wiederum war die Tochter von Iwan II., der von [[1682]] bis [[1689]] Zar war, Vorgänger Peters I. des Großen. Aus dieser von [[Hermann von der Hardt]] beschriebenen Ehe ist außer einem Peter und einer Katharina ein Iwan hervorgegangen, der als Iwan III. kurze Zeit – von [[1740]] bis [[1741]] – regierte. Er hatte vorzeitig abgedankt, um der Zarin Elisabeth (regierte von [[1741]] bis zu ihrem Tod [[1762]]) den Thron freizumachen. Sie war die Gegnerin Friedrichs des Großen im Siebenjährigen Krieg.
Es fanden sich aber bei der Durchsuchung der Druckerei Drimborn noch andere Schriften, die verdächtig waren, wobei der Buchdrucker erklärte, er könne schließlich zum Inhalt nichts sagen, dieser sei teils lateinisch, teils griechisch oder sogar hebräisch, „welches er alles nicht verstünde“. Alle Bücher waren harmlos bis auf einen Titel ''Theocriti Syrinx quae multis annis situerat''. Alle noch vorhandenen Exemplare wurden deshalb „cashiret“ (beschlagnahmt).
Es waren nicht nur immer [[Helmstedt]]er Drucke, die beanstandet wurden. Oftmals musste der Magistrat die Stadtknechte ausschicken, um verdächtige Manuskripte auswärtiger Autoren einzusammeln, sofern man sie vorfand. Während die beanstandeten [[Helmstedt]]er Schriften meistens einen Inhalt hatten, der zu den damaligen religiösen Empfindungen im Widerspruch stand, ging es bei der Literatur aus anderen Orten mehr um den „revolutionairen und auf den gänzlichen Umsturz aller Staatsverfassung, Moralität und Religion gerichteten Inhalt“, so ein Verzeichnis des königlich-preußischen Ministeriums zu Berlin vom April [[1769]]. Auch Versteigerungskataloge wurden beanstandet, sofern sie Bücher mit einem für damalige Begriffe schädlichen Inhalt enthielten.
In die Rubrik „Revolutionäre Schriften“ schien auch ''Die Revolution in Schöppenstedt'' zu fallen. Gedruckt hatte sie [[1793]] [[Sigismund Christian David Leuckart|Leuckart]] in der [[Kirchstraße]], und zwar auf Bestellung des Verlegers und Buchhändlers Gutsch zu Breslau. So weit reichten also damals die Beziehungen der [[Helmstedt]]er Druckereien. Ein Exemplar davon war bei der herzoglichen Regierung in Braunschweig gelandet, die schon des Titels wegen sofort Alarm schlug und veranlasste, dass sich [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] Hofrat [[Georg Fein sen.|Fein]] ganz persönlich am 23. November [[1793]] in die [[Kirchstraße]] zur Leuckardtschen Druckerei begab. Dabei stellte sich heraus, dass alle Exemplare dort noch vorhanden waren, nur ein einziges, eben das, was in Braunschweig gelandet war, hatte die Offizin verlassen. Dieses hatte der Setzer Köhler vom Verleger erhalten und jener es dem Kandidaten der Theologie Venturini geliehen, der ihm versprechen musste, es nicht weiterzugeben. Das tat der aber, denn er hatte einen Freund, den Kandidaten Spor, dessen Vater wiederum Superintendent in Schöppenstedt war. Der war schon des Titels wegen ganz erregt und gab es an den Landkommissar Koch weiter, und so landete dieses Exemplar in Braunschweig. Dort hatte man inzwischen die Schrift gelesen und festgestellt, dass „wenn nun über dem auch in der Schrift sonst nichts Anstößiges enthalten ist, vielmehr deren Verfasser bey seiner Parodie hauptsächlich die Absicht gehabt zu haben scheint, die Französische Revolution und den derselben einverwebten Freyheits- und Gleichheitsschwindel von einer lächerlichen Seite zu zeigen.“ So gab man selbstverständlich die Schrift schon unter dem 29. November frei, und in Schöppenstedt konnte man aufatmen; es hat dort zumindest zu und vor jener Zeit nie eine Revolution gegeben. Man war weiterhin angesehen und herzogstreu.
Man sollte meinen, dass es auch aus dem vorigen, dem 19. Jahrhundert, Unterlagen über Zensuren gab. Das war nicht der Fall. Es mag daran liegen, dass die [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] Vergangenheit war und die Professoren unsere Stadt verlassen hatten, so dass nur noch eine Zeitung und nicht zu beanstandende regionale Schriften gedruckt wurden. Erst zur Zeit des Ersten Weltkrieges und kurz davor gab es Listen mit sozialistischen Schriften, die aber sämtlich anderweitig erschienen waren, von denen man lediglich vermutete, dass sie auch in [[Helmstedt]] vertrieben wurden.
Die nachstehende Stammtafel zur Geschichte der [[Helmstedt]]er Universitäts-Buchdrucker wurde übernommen aus Wilhelm Eule „Helmstedter Universitätsbuchdrucker“, [[Helmstedt]], [[1921]], Seite 79.
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| style="width:25%;" | [[Jacob Lucius der Ältere|JACOBUS LUCIUS]]<br /><small>d. Ä. kam [[1570]] von Wittenberg nach [[Helmstedt]], errichtete die erste Helmst. Buchdruckerei; er starb [[1597]]</small> || style="width:25%;" | || style="width:25%;" | || style="width:25%;" |
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| ERBEN JAK. LUCIUS<br /><small>von [[1597]]–[[1598]]</small> || || ||
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| [[Jacob Lucius der Jüngere|JAK. LUCIUS D. JÜNG.]]<br /><small>von [[1598]]–[[1616]]</small> || || ||
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| ERBEN JAK. LUCIOS<br /><small>von [[1616]]–[[1634]] unter Leitung von Henning Müller d. Ält.</small> || [[Georg Calixt|GEORG CALIXT]]<br /><small>errichtete im Jahre [[1626]] in [[Helmstedt]] eine zweite Druckerei</small> || ||
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| JAKOBUS LUCIUS III.<br /><small>von [[1634]]–[[1639]]</small> || HENNING MÜLLER D. Ä.<br /><small>Pächter von [[1634]]–[[1658]]</small> || ||
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| ERBEN JAK. LUCIUS<br /><small>von [[1639]]–[[1640]] unter Leitung von Henning Müller d. Ält.</small> || JOH. GEORG TRÄGER<br /><small>Pächter von [[1658]]–[[1659]]</small> || ||
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| HENNING MÜLLER D. J.<br /><small>gelangte durch Heirat einer Enkelin [[Jacob Lucius der Ältere|Jak. Lucius d. Ä.]] in den Besitz der Druckerei von [[1640]]–[[1672]]</small> || MARTIN VOGEL & JOH. GEORG TRÄGER<br /><small>Pächter von [[1659]]–[[1660]]</small> || JAKOB MÜLLER<br /><small>aus Stettin errichtete im Jahr [[1661]] in [[Helmstedt]] eine Buchdruckerei u. übernahm [[1672]] die Calixtinische Druckerei; starb [[1681]]</small> ||
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| HEINR. DAVID MÜLLER<br /><small>von [[1672]]–[[1680]]</small> || HENNING MÜLLER D. J.<br /><small>Pächter von [[1660]]–[[1672]]</small> || ||
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| H. D. MÜLLERS ERBEN<br /><small>von [[1680]]–[[1681]]</small> || || HEINRICH HESS<br /><small>von [[1681]]–[[1716]]</small> ||
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| G. WOLFGANG HAMM<br /><small>von [[1681]]–[[1715]]</small> || || JOH. STEPHAN HESS<br /><small>von [[1716]]–[[1725]]</small> || SALOMON SCHNORR<br /><small>aus Halle; errichtete um [[1680]] in [[Helmstedt]] eine Druckerei; starb [[1723]]</small>
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| HERM. DANIEL HAMM<br /><small>von [[1715]]–[[1723]]</small> || || SEBAST. BUCHHOLTZ<br /><small>von [[1725]]–[[1731]]</small> || PAUL DIETR. SCHNORR<br /><small>von [[1723]]–[[1753]]</small>
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| H. D. HAMMS ERBEN<br /><small>von [[1723]]–[[1733]]</small> || || ERB. SEB. BUCHHOLTZ<br /><small>von [[1731]]–[[1739]]</small> ||
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| JOHANN DRIMBORN<br /><small>von [[1733]] bis Anfang [[1760]]</small> || || [[Michael Leuckart|MICHAEL GÜNTHER LEUCKART]]<br /><small>von [[1739]]–[[1782]]</small> || Ww. SCHNORR & SOHN<br /><small>von [[1753]]–[[1793]]</small>
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| JOH. HEINR. KÜHNLIN<br /><small>von Anfang [[1760]]–[[1800]]</small> || || [[Sigismund Christian David Leuckart|SIG. DAV. LEUCKART]]<br /><small>von [[1782]]–[[1826]]; übernahm [[1801]] die Druckerei d. J. H. Kühnlin</small> || C. L. FLECKEISEN<br /><small>von [[1793]]–[[1811]] in [[Helmstedt]]; nach Aufhebung der [[Universität Helmstedt|Universität]] wurde die Druckerei nach Heiligenstadt und [[1815]] nach Duderstadt verlegt</small>
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| || || [[Johann Rudolf Gottfried Leuckart|J. R. G. LEUCKART]]<br /><small>wurde [[1826]] alleiniger Besitzer der Druckerei; starb [[1840]]</small> ||
|}
== Die Helmstedter Bürgermeister von 1750 bis 1933 (S. 524–530) ==
== Die Helmstedter Bürgermeister von 1750 bis 1933 (S. 524–530) ==
Der [[Helmstedt]]er [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] im Mittelalter wird urkundlich erstmals [[1232]] als Einzelperson erwähnt. Das war ein gewisser Wulframus. Auch die Stadtrechtsurkunde von [[1247]] spricht des öfteren von dem [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]]. Später waren es vier, mitunter „Consules“ genannte Herren, die an der Spitze der Stadt standen und die sich im Regieren zu zweit jährlich ablösten. Sie wurden nicht von der Bevölkerung, sondern von den Ratmannen gewählt, das waren in der Regel 10 bis 15 Bürger, die sich ggf. aus sich selbst ergänzten.
Der [[Helmstedt]]er [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] im Mittelalter wird urkundlich erstmals [[1232]] als Einzelperson erwähnt. Das war ein gewisser Wulframus. Auch die Stadtrechtsurkunde von [[1247]] spricht des öfteren von dem [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]]. Später waren es vier, mitunter „Consules“ genannte Herren, die an der Spitze der Stadt standen und die sich im Regieren zu zweit jährlich ablösten. Sie wurden nicht von der Bevölkerung, sondern von den Ratmannen gewählt, das waren in der Regel 10 bis 15 Bürger, die sich ggf. aus sich selbst ergänzten.
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Besser erhalten sind die Erinnerungen an Personen, die den Vorzug hatten, innerhalb der [[St. Stephani (Helmstedt)|Stephani-Kirche]] beerdigt zu werden. Wir sehen heute noch in der Kirche die verschiedenen Epitaphe, darunter z. B. das des berühmten Helmstedter Theologen [[Georg Calixt]] ([[Papenberg]] 21), während dagegen sein auf dem Gebiet der Jurisprudenz und der Medizin ebenso bekannter Kollege [[Hermann Conring]] ([[Ziegenmarkt]] 7) in der [[St. Maria und St. Cyriakus (Groß Twülpstedt)|Dorfkirche]] [[Groß Twülpstedt]] – ihm gehörte dort das Gut – in einem Steinsarg seine ewige Ruhe gefunden hat.
Besser erhalten sind die Erinnerungen an Personen, die den Vorzug hatten, innerhalb der [[St. Stephani (Helmstedt)|Stephani-Kirche]] beerdigt zu werden. Wir sehen heute noch in der Kirche die verschiedenen Epitaphe, darunter z. B. das des berühmten Helmstedter Theologen [[Georg Calixt]] ([[Papenberg]] 21), während dagegen sein auf dem Gebiet der Jurisprudenz und der Medizin ebenso bekannter Kollege [[Hermann Conring]] ([[Ziegenmarkt]] 7) in der [[St. Maria und St. Cyriakus (Groß Twülpstedt)|Dorfkirche]] [[Groß Twülpstedt]] – ihm gehörte dort das Gut – in einem Steinsarg seine ewige Ruhe gefunden hat.


Der [[Helmstedt]]er Theologieprofessor [[Justus Christoph Böhmer|Justus Christoph Boehmer]] ([[1670]] bis [[1732]], in [[Helmstedt]] von [[1698]] bis [[1727]]) hat in einem Druck die bis dahin bekannten Grabstätten festgehalten. In der [[St. Stephani (Helmstedt)|Kirche St. Stephani]] befanden sich danach [[1710]] sehr viele Grabmäler, von denen heute noch 43 offenkundig nachgewiesen sind<ref>{{Literatur |Autor=Hans Adolf Schultz |Titel=[https://leopard.tu-braunschweig.de/rsc/viewer/dbbs_derivate_00043182/Ha-308-49.pdf?page=114&logicalDiv=-513818592 Die Grabmale in braunschweigischen Kirchen – St. Stephani-Kirche in Helmstedt] |Sammelwerk=Braunschweigische Heimat |Band=49 |Datum=1963 |Seiten=100–108 }}</ref>). Auch in der [[St. Marienberg (Helmstedt)|Marienberger Kirche]] befanden und befinden sich heute noch einige Grabsteine, gegenüber [[St. Stephani (Helmstedt)|Stephani]] jedoch weniger. Böhmer hat 25 aufgelistet. Wir finden das Epitaph der Frau des Amtmanns Köhler, verstorben [[1711]], gleich von an der Südseite, und in der Turmkapelle rechts das der Domina Catharina Ursula Cuno, Tochter eines Helmstedter [[Franz Cuno|Bürgermeisters]], verstorben am 15. Oktober [[1724]]. Das Epitaph entstammt der Werkstatt des [[Helmstedt]]er Künstlers [[Michael Helwig]], [[Kybitzstraße]] 25. In der linken Turmkapelle hat [[Hermann von der Hardt]], Propst von [[1698]] bis zu seinem Tode [[1746]] und zugleich Professor an der [[Universität Helmstedt|Universität]], die letzte Ruhe gefunden. An weitere Begräbnisse in alter Zeit erinnern die Epitaphe im Kreuzgang, und bis in unsere Zeit hinein wird für die Klosterbewohner der Innenhof als Begräbnisstätte genutzt. Für [[St. Walpurgis (Helmstedt)|St. Walpurgis]] sind auch über [[1710]] hinaus insgesamt 28 Begräbnisse in der Kirche, zum Teil in einem Gewölbe, festgestellt.
Der [[Helmstedt]]er Theologieprofessor [[Justus Christoph Böhmer|Justus Christoph Boehmer]] ([[1670]] bis [[1732]], in [[Helmstedt]] von [[1698]] bis [[1727]]) hat in einem Druck die bis dahin bekannten Grabstätten festgehalten. In der [[St. Stephani (Helmstedt)|Kirche St. Stephani]] befanden sich danach [[1710]] sehr viele Grabmäler, von denen heute noch 43 offenkundig nachgewiesen sind<ref>{{Literatur |Autor=Hans Adolf Schultz |Titel=[https://leopard.tu-braunschweig.de/rsc/viewer/dbbs_derivate_00043182/Ha-308-49.pdf?page=114&logicalDiv=-513818592 Die Grabmale in braunschweigischen Kirchen – St. Stephani-Kirche in Helmstedt] |Sammelwerk=Braunschweigische Heimat |Band=49 |Datum=1963 |Seiten=100–108 }}</ref>). Auch in der [[Kloster St. Marienberg#Klosterkirche St. Marienberg|Marienberger Kirche]] befanden und befinden sich heute noch einige Grabsteine, gegenüber [[St. Stephani (Helmstedt)|Stephani]] jedoch weniger. Böhmer hat 25 aufgelistet. Wir finden das Epitaph der Frau des Amtmanns Köhler, verstorben [[1711]], gleich von an der Südseite, und in der Turmkapelle rechts das der Domina Catharina Ursula Cuno, Tochter eines Helmstedter [[Franz Cuno|Bürgermeisters]], verstorben am 15. Oktober [[1724]]. Das Epitaph entstammt der Werkstatt des [[Helmstedt]]er Künstlers [[Michael Helwig]], [[Kybitzstraße]] 25. In der linken Turmkapelle hat [[Hermann von der Hardt]], Propst von [[1698]] bis zu seinem Tode [[1746]] und zugleich Professor an der [[Universität Helmstedt|Universität]], die letzte Ruhe gefunden. An weitere Begräbnisse in alter Zeit erinnern die Epitaphe im Kreuzgang, und bis in unsere Zeit hinein wird für die Klosterbewohner der Innenhof als Begräbnisstätte genutzt. Für [[St. Walpurgis (Helmstedt)|St. Walpurgis]] sind auch über [[1710]] hinaus insgesamt 28 Begräbnisse in der Kirche, zum Teil in einem Gewölbe, festgestellt.


Aber nicht immer sicherte das Begräbnis in einer Kirche die Erinnerung auf ewig. In der [[Augustiner-Eremiten-Kloster|Collegienkirche]] am [[Markt]]/Ecke [[Neumärker Straße]] haben mindestens 35 Beisetzungen stattgefunden. Studenten, Professoren wie auch deren Angehörige liegen dort begraben. Die erste Beerdigung fand [[1705]], die letzte am 24. April [[1808]] statt. Der Universitätsquästor [[Ludwig Julius Urban Franckenfeld]] wurde am 30. Mai [[1776]] in einem Gewölbe in der [[Augustiner-Eremiten-Kloster|Universitätskirche]] beigesetzt - NSAW 1 Kb 609, S. 464. Mit Schließung der [[Universität Helmstedt|Universität]] verlor diese Kirche ihre eigentliche Aufgabe. Die Orgel soll [[1810]] in die Kirche St. Marienberg, das Gestühl in das [[Juleum]] und die Glocke in das Landesmuseum nach Braunschweig gekommen sein. Die Gruft mit den 35 Helmstedter Universitätsangehörigen wurde zugeworfen. Aus einer Akte aus dem vorigen Jahrhundert konnte ich ersehen, dass sich jemand darüber beschwerte, dass Arbeiter sich gegenseitig mit den Schädeln der dort Bestatteten bewarfen.
Aber nicht immer sicherte das Begräbnis in einer Kirche die Erinnerung auf ewig. In der [[Augustiner-Eremiten-Kloster|Collegienkirche]] am [[Markt]]/Ecke [[Neumärker Straße]] haben mindestens 35 Beisetzungen stattgefunden. Studenten, Professoren wie auch deren Angehörige liegen dort begraben. Die erste Beerdigung fand [[1705]], die letzte am 24. April [[1808]] statt. Der Universitätsquästor [[Ludwig Julius Urban Franckenfeld]] wurde am 30. Mai [[1776]] in einem Gewölbe in der [[Augustiner-Eremiten-Kloster|Universitätskirche]] beigesetzt - NSAW 1 Kb 609, S. 464. Mit Schließung der [[Universität Helmstedt|Universität]] verlor diese Kirche ihre eigentliche Aufgabe. Die Orgel soll [[1810]] in die [[Kloster St. Marienberg#Klosterkirche St. Marienberg|Kirche St. Marienberg]], das Gestühl in das [[Juleum]] und die Glocke in das Landesmuseum nach Braunschweig gekommen sein. Die Gruft mit den 35 Helmstedter Universitätsangehörigen wurde zugeworfen. Aus einer Akte aus dem vorigen Jahrhundert konnte ich ersehen, dass sich jemand darüber beschwerte, dass Arbeiter sich gegenseitig mit den Schädeln der dort Bestatteten bewarfen.


Der größte Friedhof außerhalb der eigentlichen [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]]n war der der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] um Kirche und Kloster [[St. Marienberg (Helmstedt)|St. Marienberg]]. Noch vor einigen Jahrzehnten konnte man dort einige Grabstellen an den Eisenkreuzen erkennen. Erhalten geblieben ist nur noch das der Christiane Louise Weigel am Eingang des Kirchhofs. Das Kreuz ist ziemlich verwittert, der Name ist noch lesbar, das Todesjahr, [[1864]], ist nur noch aus den Akten zu ermitteln. Auf der Rückseite kann man den Satz: „Sanft ruhe ihre Asche“ gerade noch entziffern.
Der größte Friedhof außerhalb der eigentlichen [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]]n war der der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] um [[Kloster St. Marienberg#Klosterkirche St. Marienberg|Kirche]] und [[Kloster St. Marienberg]]. Noch vor einigen Jahrzehnten konnte man dort einige Grabstellen an den Eisenkreuzen erkennen. Erhalten geblieben ist nur noch das der Christiane Louise Weigel am Eingang des Kirchhofs. Das Kreuz ist ziemlich verwittert, der Name ist noch lesbar, das Todesjahr, [[1864]], ist nur noch aus den Akten zu ermitteln. Auf der Rückseite kann man den Satz: „Sanft ruhe ihre Asche“ gerade noch entziffern.


Dagegen sind von unserem „[[Alter Friedhof|Alten Friedhof]]“ an der [[Gustav-Steinbrecher-Straße]] sämtliche Grabmonumente verschwunden. Noch im letzten Weltkrieg erinnerte mancher Stein an die eigentliche Nutzung dieser Anlage. Mit dem Einzug der Amerikaner wurde der „[[Alter Friedhof|Alte Friedhof]]“ Abstell- und Übungsplatz für Panzer und Lkw. Er wurde uns in einem verwüsteten Zustand zurückgegeben. Seitdem gibt es dort keine Erinnerung mehr an die Toten des vorigen Jahrhunderts.
Dagegen sind von unserem „[[Alter Friedhof|Alten Friedhof]]“ an der [[Gustav-Steinbrecher-Straße]] sämtliche Grabmonumente verschwunden. Noch im letzten Weltkrieg erinnerte mancher Stein an die eigentliche Nutzung dieser Anlage. Mit dem Einzug der Amerikaner wurde der „[[Alter Friedhof|Alte Friedhof]]“ Abstell- und Übungsplatz für Panzer und Lkw. Er wurde uns in einem verwüsteten Zustand zurückgegeben. Seitdem gibt es dort keine Erinnerung mehr an die Toten des vorigen Jahrhunderts.


[[1871]] war der Friedhof um die [[St. Marienberg (Helmstedt)|Marienberger Kirche]] nahezu belegt, obwohl man ihn [[1847]] noch einmal hatte erweitern können. Es kam [[1872]] zu einem Ankauf von zwei Morgen Land am [[Pastorenweg]] „Auf der Klappe“. [[1873]] gab es dort die erste Beerdigung, auch die erste Leichenhalle wurde in jenem Jahr für 215 Taler errichtet. [[1896]] kaufte die Stadt weitere vier Morgen, nunmehr rechts vom [[Pastorenweg]] an, obwohl Probebohrungen ergeben hatten, dass in den Gruben Wasser stand. [[1929]] hatte die alte Friedhofskapelle ausgedient, eine neue und heute noch bestehende wurde gebaut<ref>{{Literatur |Autor=Rudolf Kleinert |Titel=Friedhof und Bestattung in Helmstedt |Ort=Helmstedt |Datum=1976 |ISBN= |Seiten=11–12 }}</ref>).
[[1871]] war der Friedhof um die [[Kloster St. Marienberg#Klosterkirche St. Marienberg|Marienberger Kirche]] nahezu belegt, obwohl man ihn [[1847]] noch einmal hatte erweitern können. Es kam [[1872]] zu einem Ankauf von zwei Morgen Land am [[Pastorenweg]] „Auf der Klappe“. [[1873]] gab es dort die erste Beerdigung, auch die erste Leichenhalle wurde in jenem Jahr für 215 Taler errichtet. [[1896]] kaufte die Stadt weitere vier Morgen, nunmehr rechts vom [[Pastorenweg]] an, obwohl Probebohrungen ergeben hatten, dass in den Gruben Wasser stand. [[1929]] hatte die alte Friedhofskapelle ausgedient, eine neue und heute noch bestehende wurde gebaut<ref>{{Literatur |Autor=Rudolf Kleinert |Titel=Friedhof und Bestattung in Helmstedt |Ort=Helmstedt |Datum=1976 |ISBN= |Seiten=11–12 }}</ref>).


Der Friedhof der katholischen [[Pfarrgemeinde St. Ludgeri|St.-Ludgeri-Gemeinde]] befand sich ebenfalls unmittelbar an der Kirche. Hier wurde bis [[1838]] beerdigt. Damals zählte die Gemeinde etwa 250 Seelen, heute sind es 4.000. Dann wich man auf ein Gartengrundstück Ecke [[Magdeburger Tor]]/[[Harbker Weg]] aus. Am 20. Mai [[1838]] war dort die erste Beerdigung. [[1888]] war dieser Friedhof nahezu belegt. Zunächst beabsichtigte man deshalb, das Gelände zwischen dem [[Magdeburger Tor]] und dem [[Tangermühlenweg]] gegenüber dem heutigen [[Arbeitsamt Helmstedt|Arbeitsamt]] anzukaufen. Schließlich entschied man sich für ein Gelände unmittelbar am Stephani-Friedhof. Der katholischen Kirchengemeinde wurde deshalb eine Fläche von einem Morgen dort überlassen, wo sich heute noch ihr Friedhof befindet. Auf der alten Stätte am [[Harbker Weg]] befindet sich heute ein katholischer Kindergarten.
Der Friedhof der katholischen [[Pfarrgemeinde St. Ludgeri|St.-Ludgeri-Gemeinde]] befand sich ebenfalls unmittelbar an der Kirche. Hier wurde bis [[1838]] beerdigt. Damals zählte die Gemeinde etwa 250 Seelen, heute sind es 4.000. Dann wich man auf ein Gartengrundstück Ecke [[Magdeburger Tor]]/[[Harbker Weg]] aus. Am 20. Mai [[1838]] war dort die erste Beerdigung. [[1888]] war dieser Friedhof nahezu belegt. Zunächst beabsichtigte man deshalb, das Gelände zwischen dem [[Magdeburger Tor]] und dem [[Tangermühlenweg]] gegenüber dem heutigen [[Arbeitsamt Helmstedt|Arbeitsamt]] anzukaufen. Schließlich entschied man sich für ein Gelände unmittelbar am Stephani-Friedhof. Der katholischen Kirchengemeinde wurde deshalb eine Fläche von einem Morgen dort überlassen, wo sich heute noch ihr Friedhof befindet. Auf der alten Stätte am [[Harbker Weg]] befindet sich heute ein katholischer Kindergarten.