Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] stammte aus Siebenbürgen, Hermannstadt oder Kronstadt soll sein Geburtsort gewesen sein<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref> Über Nürnberg, Wittenberg (ab [[1556]]) und Rostock (etwa ab [[1577]]) war er nach [[Helmstedt]] gekommen. In Nürnberg mag er sich in der Druckkunst vervollkommnet haben, in den beiden anderen Städten hat er sie beruflich bereits ausgeübt. Mit Schulden hatte er Wittenberg verlassen, mit Schulden verließ er auch Rostock. Der berühmte Rostocker Professor David Chytraeus empfahl ihn dem Herzog Julius. Sechs Drucke sind bereits aus dem ersten Jahr seiner Tätigkeit bekannt. Der Berliner Bibliothekar Dr. [[Max Joseph Husung]] (verstorben 17. September [[1944]] in [[Helmstedt]]) hat sie nachgewiesen. Aber [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] war nicht nur Drucker, er war auch als Formschneider Künstler. Er stattete seine Werke mit Holzschnitten aus, die ihm den Respekt nicht nur seiner Zeitgenossen einbrachten<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref>. [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] starb [[1597]] an der Pest, mit ihm seine Frau und fünf seiner Kinder. Sein Sohn Jakobus Lucius II. kehrte aus Hamburg, wo er eine eigene Druckerei betrieben hatte, zurück. Er setzte das Werk seines Vaters fort. Er starb aber bereits [[1616]]. In den fast 19 Jahren seines Wirkens als Inhaber der Offizin (Werkstatt einer Druckerei oder einer Apotheke) stellte er viele Drucke her. Ob auch ein ganz besonderes Druckerzeugnis bei ihm erschienen ist, ist nicht sicher, ein Nachweis würde ihm und [[Helmstedt]] hohen Ruhm bringen. Es handelt sich dabei um den „Aviso“, die älteste Zeitung Norddeutschlands, erschienen [[1609]] und nach Meinung des Zeitungsforschers Dr. Schoene die älteste der Welt überhaupt. Im süddeutschen Raum gab es seit [[1609]] die in Straßburg gedruckte „Relation“, wobei jedoch angenommen wird, dass der „Aviso“ als Wochenzeitung schon vor [[1609]] herausgegeben wurde<ref>Erich Schrader: ''Ist der Aviso, die älteste norddeutsche Zeitung, in Helmstedt gedruckt?'' in ''Festschrift der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', 1950</ref>. Aber im Gegensatz zur „Relation“ ist der Druckort der ersten Jahrgänge des „Aviso“ nicht bekannt, ab [[1615]] ist er mit Wolfenbüttel nachgewiesen. Auf [[Helmstedt]] wurden die Zeitungsforscher aufmerksam, weil die Zierstücke des ersten Jahrgangs Löwenköpfe in verschiedenen Ausführungen zeigen, die denen sehr ähneln, die Jakobus Lucius II. in seinen Druckwerken verwandte. Nun hat man zwar in Wolfenbüttel derartige Zierstücke auch gefunden, allerdings könnte wiederum die Vignettenfülle (Verzierung auf Buchtitelseiten, am Rand oder bei Anfangsbuchstaben im Text) der ersten beiden Jahrgänge dieser Zeitung, also [[1609]] bis [[1610]], – von [[1611]] bis [[1612]] besitzen wir nichts, von [[1610]] nur die Abschrift einer Titelseite, von [[1614]] lediglich das Titelblatt einer einzigen vorhandenen Nummer – auf Jakobus Lucius II. verweisen. Darauf hat jedenfalls Husung hingewiesen und gefolgert, dass zumindest diese Schmuckstücke hier bei uns entstanden sein könnten und dass [[Helmstedt]] somit einen Beitrag zur ältesten Zeitung der Welt geleistet hätte. | [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] stammte aus Siebenbürgen, Hermannstadt oder Kronstadt soll sein Geburtsort gewesen sein<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref> Über Nürnberg, Wittenberg (ab [[1556]]) und Rostock (etwa ab [[1577]]) war er nach [[Helmstedt]] gekommen. In Nürnberg mag er sich in der Druckkunst vervollkommnet haben, in den beiden anderen Städten hat er sie beruflich bereits ausgeübt. Mit Schulden hatte er Wittenberg verlassen, mit Schulden verließ er auch Rostock. Der berühmte Rostocker Professor David Chytraeus empfahl ihn dem Herzog Julius. Sechs Drucke sind bereits aus dem ersten Jahr seiner Tätigkeit bekannt. Der Berliner Bibliothekar Dr. [[Max Joseph Husung]] (verstorben 17. September [[1944]] in [[Helmstedt]]) hat sie nachgewiesen. Aber [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] war nicht nur Drucker, er war auch als Formschneider Künstler. Er stattete seine Werke mit Holzschnitten aus, die ihm den Respekt nicht nur seiner Zeitgenossen einbrachten<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref>. [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] starb [[1597]] an der Pest, mit ihm seine Frau und fünf seiner Kinder. Sein Sohn Jakobus Lucius II. kehrte aus Hamburg, wo er eine eigene Druckerei betrieben hatte, zurück. Er setzte das Werk seines Vaters fort. Er starb aber bereits [[1616]]. In den fast 19 Jahren seines Wirkens als Inhaber der Offizin (Werkstatt einer Druckerei oder einer Apotheke) stellte er viele Drucke her. Ob auch ein ganz besonderes Druckerzeugnis bei ihm erschienen ist, ist nicht sicher, ein Nachweis würde ihm und [[Helmstedt]] hohen Ruhm bringen. Es handelt sich dabei um den „Aviso“, die älteste Zeitung Norddeutschlands, erschienen [[1609]] und nach Meinung des Zeitungsforschers Dr. Schoene die älteste der Welt überhaupt. Im süddeutschen Raum gab es seit [[1609]] die in Straßburg gedruckte „Relation“, wobei jedoch angenommen wird, dass der „Aviso“ als Wochenzeitung schon vor [[1609]] herausgegeben wurde<ref>Erich Schrader: ''Ist der Aviso, die älteste norddeutsche Zeitung, in Helmstedt gedruckt?'' in ''Festschrift der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', 1950</ref>. Aber im Gegensatz zur „Relation“ ist der Druckort der ersten Jahrgänge des „Aviso“ nicht bekannt, ab [[1615]] ist er mit Wolfenbüttel nachgewiesen. Auf [[Helmstedt]] wurden die Zeitungsforscher aufmerksam, weil die Zierstücke des ersten Jahrgangs Löwenköpfe in verschiedenen Ausführungen zeigen, die denen sehr ähneln, die Jakobus Lucius II. in seinen Druckwerken verwandte. Nun hat man zwar in Wolfenbüttel derartige Zierstücke auch gefunden, allerdings könnte wiederum die Vignettenfülle (Verzierung auf Buchtitelseiten, am Rand oder bei Anfangsbuchstaben im Text) der ersten beiden Jahrgänge dieser Zeitung, also [[1609]] bis [[1610]], – von [[1611]] bis [[1612]] besitzen wir nichts, von [[1610]] nur die Abschrift einer Titelseite, von [[1614]] lediglich das Titelblatt einer einzigen vorhandenen Nummer – auf Jakobus Lucius II. verweisen. Darauf hat jedenfalls Husung hingewiesen und gefolgert, dass zumindest diese Schmuckstücke hier bei uns entstanden sein könnten und dass [[Helmstedt]] somit einen Beitrag zur ältesten Zeitung der Welt geleistet hätte. | ||
Nach dem Tode von Jakobus Lucius II. bekam die Druckerei mit Henning Müller d. Ä. einen Geschäftsführer, sie blieb dadurch der Familie erhalten. Von [[1634]] bis [[1639]] führte sie Jakobus Lucius III. Eine Enkelin des Firmengründers heiratete mit Henning Müller d. J. (lebte von [[1607]] bis [[1675]]) einen Sohn des Geschäftsführers. Er setzte das Unternehmen fort und verlegte es zur [[Neumärker Straße]] 5. Der Nachfolger Heinrich David Müller war sein ältester Sohn. Mit ihm starb [[1680]] diese Familie im Mannesstamm aus. Die Druckerei samt Grundstück kaufte [[1681]] Georg Wolfgang Hamm. Er war aus Hof, wo er [[1649]] geboren wurde, zugewandert und [[1715]] in [[Helmstedt]] verstorben. Er und sein Sohn Hermann Dietrich betrieben die Druckerei bis [[1723]]. Dies war das Todesjahr des Hamm jun. Dessen Erben hielten den Betrieb noch 10 Jahre bis [[1733]] aufrecht. Das Haus [[Neumärker Straße]] 5 wurde an einen Handelsmann veräußert, die Druckerei übernahm nun Johann Drimborn aus Köln, wohnhaft [[Langer Steinweg]] 1, ab [[1763]] [[Böttcherstraße]] 5. Drimborn war [[1700]] in Köln geboren, er war katholisch gewesen und [[1723]] zum lutherischen Bekenntnis konvertiert. Er war viele Jahre Stadthauptmann in unserer Stadt, also Vorsteher in einem der vier Stadtviertel. Drimbon gab die Druckerei schon einige Zeit vor seinem Tode Anfang [[1760]] an Johann Heinrich Kühnlin aus Tübingen (wohnhaft [[Kybitzstraße]] 4) ab. Nach dessen Ableben am 22. Dezember [[1800]] vereinigte sich diese Druckerei mit der des [[Sigismund David Leuckart]]. Diese war von den insgesamt vier Helmstedter Druckereien die drittälteste. Jakob Müller aus Stettin hatte sie [[1661]] gegründet und durch Übernahme der zweiten Helmstedter Druckerei [[1672]] erweitert. Diese zweite Druckerei hatte der Helmstedter Gelehrte und Theologe [[Georg Calixt]] [[1629]] ins Leben gerufen. Er hatte sie schon fünf Jahre später an Henning Müller, dem wir bereits in der kurzen Geschichte der Buchdruckerei des Lucius begegnet sind, übertragen. [[1658]] übernahm sie für zwei Jahre Johann Georg Täger zusammen mit Martin Vogel. Vor [[1660]] bis [[1672]] war dann Henning Müller der Jüngere (gestorben [[1675]]) Pächter. Er betrieb die Offizin neben der, die er von der Dynastie Lucius übernommen hatte. [[1672]] gab er sie an Jakob Müller aus Stettin ab – nicht verwandt mit dem Verkäufer –, der bereits in gleicher Tätigkeit seit [[1661]] in [[Helmstedt]] wirkte. | Nach dem Tode von Jakobus Lucius II. bekam die Druckerei mit Henning Müller d. Ä. einen Geschäftsführer, sie blieb dadurch der Familie erhalten. Von [[1634]] bis [[1639]] führte sie Jakobus Lucius III. Eine Enkelin des Firmengründers heiratete mit Henning Müller d. J. (lebte von [[1607]] bis [[1675]]) einen Sohn des Geschäftsführers. Er setzte das Unternehmen fort und verlegte es zur [[Neumärker Straße]] 5. Der Nachfolger Heinrich David Müller war sein ältester Sohn. Mit ihm starb [[1680]] diese Familie im Mannesstamm aus. Die Druckerei samt Grundstück kaufte [[1681]] Georg Wolfgang Hamm. Er war aus Hof, wo er [[1649]] geboren wurde, zugewandert und [[1715]] in [[Helmstedt]] verstorben. Er und sein Sohn Hermann Dietrich betrieben die Druckerei bis [[1723]]. Dies war das Todesjahr des Hamm jun. Dessen Erben hielten den Betrieb noch 10 Jahre bis [[1733]] aufrecht. Das Haus [[Neumärker Straße]] 5 wurde an einen Handelsmann veräußert, die Druckerei übernahm nun Johann Drimborn aus Köln, wohnhaft [[Langer Steinweg]] 1, ab [[1763]] [[Böttcherstraße]] 5. Drimborn war [[1700]] in Köln geboren, er war katholisch gewesen und [[1723]] zum lutherischen Bekenntnis konvertiert. Er war viele Jahre Stadthauptmann in unserer Stadt, also Vorsteher in einem der vier Stadtviertel. Drimbon gab die Druckerei schon einige Zeit vor seinem Tode Anfang [[1760]] an Johann Heinrich Kühnlin aus Tübingen (wohnhaft [[Kybitzstraße]] 4) ab. Nach dessen Ableben am 22. Dezember [[1800]] vereinigte sich diese Druckerei mit der des [[Sigismund Christian David Leuckart|Sigismund David Leuckart]]. Diese war von den insgesamt vier Helmstedter Druckereien die drittälteste. Jakob Müller aus Stettin hatte sie [[1661]] gegründet und durch Übernahme der zweiten Helmstedter Druckerei [[1672]] erweitert. Diese zweite Druckerei hatte der Helmstedter Gelehrte und Theologe [[Georg Calixt]] [[1629]] ins Leben gerufen. Er hatte sie schon fünf Jahre später an Henning Müller, dem wir bereits in der kurzen Geschichte der Buchdruckerei des Lucius begegnet sind, übertragen. [[1658]] übernahm sie für zwei Jahre Johann Georg Täger zusammen mit Martin Vogel. Vor [[1660]] bis [[1672]] war dann Henning Müller der Jüngere (gestorben [[1675]]) Pächter. Er betrieb die Offizin neben der, die er von der Dynastie Lucius übernommen hatte. [[1672]] gab er sie an Jakob Müller aus Stettin ab – nicht verwandt mit dem Verkäufer –, der bereits in gleicher Tätigkeit seit [[1661]] in [[Helmstedt]] wirkte. | ||
Um diese Zeit gab es hier drei Druckereien: Die erste, die [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] gegründet hatte und die über die Generationen Müller und Hamm zu Drimborn und Kühnlein führt und [[1800]] geendet hat, die zweite von [[Georg Calixt]], die sich mit der von Jakob Müller [[1661]] errichteten Druckerei [[1672]] vereinigte und über verschiedene Familien schließlich [[1801]] zu den Leuckarts und dann zu den Schmidts bis in unser Jahrhundert reicht, und als dritte die von Schnorr (ab [[1680]]), die von dem letzten Inhaber Fleckeisen nach Schließung der [[Universität Helmstedt|Universität]] [[1811]] nach Heiligenstadt und [[1815]] nach Duderstadt verlegt wurde. Vor allem durch Druck und Herausgabe von Büchern und Schriften der Professoren und von Dissertationen der Studenten fanden diese Druckereien Arbeit und damit eine Existenz. | Um diese Zeit gab es hier drei Druckereien: Die erste, die [[Jacob Lucius der Ältere|Lucius]] gegründet hatte und die über die Generationen Müller und Hamm zu Drimborn und Kühnlein führt und [[1800]] geendet hat, die zweite von [[Georg Calixt]], die sich mit der von Jakob Müller [[1661]] errichteten Druckerei [[1672]] vereinigte und über verschiedene Familien schließlich [[1801]] zu den Leuckarts und dann zu den Schmidts bis in unser Jahrhundert reicht, und als dritte die von Schnorr (ab [[1680]]), die von dem letzten Inhaber Fleckeisen nach Schließung der [[Universität Helmstedt|Universität]] [[1811]] nach Heiligenstadt und [[1815]] nach Duderstadt verlegt wurde. Vor allem durch Druck und Herausgabe von Büchern und Schriften der Professoren und von Dissertationen der Studenten fanden diese Druckereien Arbeit und damit eine Existenz. | ||
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Zu der Druckerei [[Georg Calixt|Calixt]]-Müller: Sie kam über die Familien Hess ([[1681]] bis [[1725]]) und Buchholz ([[1725]] bis [[1739]]) an den in der Thomas-Müntzer-Stadt Stolberg/Harz [[1712]] geborenen Ratsbuchdrucker und späteren Senator der Stadt [[Helmstedt]] [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]]. | Zu der Druckerei [[Georg Calixt|Calixt]]-Müller: Sie kam über die Familien Hess ([[1681]] bis [[1725]]) und Buchholz ([[1725]] bis [[1739]]) an den in der Thomas-Müntzer-Stadt Stolberg/Harz [[1712]] geborenen Ratsbuchdrucker und späteren Senator der Stadt [[Helmstedt]] [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]]. | ||
Von seinen Söhnen erlernte der [[1748]] geborene [[ | Von seinen Söhnen erlernte der [[1748]] geborene [[Franz Ernst Christoph Leuckart]] ebenfalls den Beruf des Buchdruckers. Er ging später nach Breslau und gründete dort ein entsprechendes Unternehmen, das [[1870]] nach Leipzig und nach [[1945]] nach München verlegt wurde. Es besteht heute als ein angesehener Musikalienverlag weiter. | ||
Ein weiterer Sohn, [[Sigismund Christian David Leuckart]], führte – der Vater war [[1792]] verstorben – die Druckerei auch nach dem Ende der [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] weiter. [[1809]] erschien bei ihm als [[Helmstädtsches Wochenblatt]] die erste regelmäßig wiederkehrende Helmstedter Zeitung. Sie gab es zunächst einmal in der Woche als Sonntagsblatt. | Ein weiterer Sohn, [[Sigismund Christian David Leuckart]], führte – der Vater war [[1792]] verstorben – die Druckerei auch nach dem Ende der [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] weiter. [[1809]] erschien bei ihm als [[Helmstädtsches Wochenblatt]] die erste regelmäßig wiederkehrende Helmstedter Zeitung. Sie gab es zunächst einmal in der Woche als Sonntagsblatt. | ||
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Auch wissenschaftliche Zeitungen sind in [[Helmstedt]] erschienen. So bei P. D. Schnorr ''[[The Helmstat and London Mercury]]'', und zwar zweimal wöchentlich in der Zeit vom 9. Januar [[1753]] bis 6. Juli [[1753]], also nur kurze Zeit. Ein halbes Jahr lang, nämlich vom 26. April [[1800]] bis zum 6. September [[1800]] gab es einmal wöchentlich das ''[[Wochenblatt für angenehme und nützliche Lektüre]]'', verlegt bei Fleckeisen in der [[Neumärker Straße]] 29. Dort erschienen auch [[1828]] sieben Ausgaben der „Horen“, [[1835]] weiter ein ''[[Conversationsmagazin für Gebildete aus allen Stände]]''. Exemplare dieser Erzeugnisse des [[Helmstedt]]er Zeitungswesens sind leider nicht im [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]], wohl aber in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel und im Niedersächsischen Staatsarchiv, ebenfalls in Wolfenbüttel, und in einigen Exemplaren auch im Braunschweiger Stadtarchiv am Löwenwall. | Auch wissenschaftliche Zeitungen sind in [[Helmstedt]] erschienen. So bei P. D. Schnorr ''[[The Helmstat and London Mercury]]'', und zwar zweimal wöchentlich in der Zeit vom 9. Januar [[1753]] bis 6. Juli [[1753]], also nur kurze Zeit. Ein halbes Jahr lang, nämlich vom 26. April [[1800]] bis zum 6. September [[1800]] gab es einmal wöchentlich das ''[[Wochenblatt für angenehme und nützliche Lektüre]]'', verlegt bei Fleckeisen in der [[Neumärker Straße]] 29. Dort erschienen auch [[1828]] sieben Ausgaben der „Horen“, [[1835]] weiter ein ''[[Conversationsmagazin für Gebildete aus allen Stände]]''. Exemplare dieser Erzeugnisse des [[Helmstedt]]er Zeitungswesens sind leider nicht im [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]], wohl aber in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel und im Niedersächsischen Staatsarchiv, ebenfalls in Wolfenbüttel, und in einigen Exemplaren auch im Braunschweiger Stadtarchiv am Löwenwall. | ||
Aus dem eigentlichen Bereich der Wissenschaft erschienen von [[1722]] bis [[1728]] bei Salomon Schnorr die ''[[Annales Academiae Juliae]]'' sowie vom 13. Februar [[1751]] bis zum 25. Dezember [[1756]] bei Leuckart ein ''[[Helmstadtisches Gelehrtes Wochen-Blatt]]'', herausgegeben von dem Theologieprofessor [[Christoph Timotheus Seidel]] (geboren [[1703]] in Schönberg im Brandenburgischen als Sohn eines Pfarrers, verstorben [[1758]] in [[Helmstedt]] und begraben neben der Kanzel der [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani-Kirche]]), [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] war in Professur und Generalsuperintendentur Nachfolger des [[Friedrich Weise]] (gestorben [[1735]]). Neben zahlreichen Schriften, die er als Professor der Theologie – ab [[1730]] war er zugleich Abt zu [[Königslutter]] – veröffentlichte, wollte [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] mit diesem Wochenblatt das Ansehen [[Helmstedt]]s als Stätte der Gelehrsamkeit heben. Auch die neue [[Helmstedt]]er Schulordnung vom 18. Juli [[1755]] ist von ihm maßgebend beeinflusst worden. Gewohnt hat [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] [[Beguinenstraße]] 15, das Haus musste [[1906]]/[[1907]] einem Neubau weichen. Gewissermaßen als Fortsetzung gab es vom 21. März [[1761]] bis zum 12. März [[1763]] ein ebenfalls wöchentlich erscheinendes Blatt unter dem gleichen Namen, diesmal aber gedruckt bei Johann Drimborn und herausgegeben von dem Professor [[Johann Franz Wagner]]. [[Johann Franz Wagner|Wagner]] wurde [[1733]] in Ulm geboren, studierte ab [[1753]] in [[Helmstedt]] Philosophie, Mathematik und Theologie und arbeitete früh als Hauslehrer sowie in leitenden Funktionen einer gelehrten Gesellschaft. Er promovierte, erhielt [[1756]] die Lehrbefähigung, wurde zum kaiserlich gekrönten Dichter ernannt und übernahm anschließend Lehr- und Leitungsämter in [[Helmstedt]], unter anderem als Rektor einer [[Julianum|Stadtschule]] und Kustos der [[Ehemalige Universitätsbibliothek Helmstedt|Universitätsbibliothek]]. Später wirkte er als Professor und Schulleiter in Braunschweig und Osnabrück, wo er [[1778]] im Alter von 44 Jahren starb. Professor [[Gottlob Benedikt von Schirach]] (geboren [[1743]], gestorben [[1804]] in Altona bei Hamburg) gab vom 2. Januar [[1770]] bis zum 19. Dezember [[1777]] die ''[[Ephemerides literariae Helmstadienses]]'' heraus, sie wurden im [[Stiftung Johannes-Waisenhaus zu Helmstedt|Waisenhaus]] in [[Helmstedt]] am [[Lindenplatz]] gedruckt. [[Gottlob Benedikt von Schirach|Schirach]] wurde [[1776]] durch die Kaiserin Maria Theresia in den erblichen Adelsstand erhoben. Der älteren Lesern noch bekannte NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach, zuletzt Gauleiter von Wien und Mitangeklagter im ersten Nürnberger Prozess, ist ein Adoptivsohn eines späteren Nachfahren dieses [[Helmstedt]]er Professors.<ref>Artur Brüggemann: ''Rund um den Juleumsturm'', Helmstedt 1983, Seite 88</ref> Der berühmte Theologieprofessor [[Heinrich Philipp Konrad Henke]] war Herausgeber der ''[[Commentarii de rebus novis literariis]]'', die bei [[Sigismund David Leuckart|Leuckart]] zweimal wöchentlich erschienen, und zwar für die Zeit vom 6. Januar [[1778]] bis [[1781]]. | Aus dem eigentlichen Bereich der Wissenschaft erschienen von [[1722]] bis [[1728]] bei Salomon Schnorr die ''[[Annales Academiae Juliae]]'' sowie vom 13. Februar [[1751]] bis zum 25. Dezember [[1756]] bei Leuckart ein ''[[Helmstadtisches Gelehrtes Wochen-Blatt]]'', herausgegeben von dem Theologieprofessor [[Christoph Timotheus Seidel]] (geboren [[1703]] in Schönberg im Brandenburgischen als Sohn eines Pfarrers, verstorben [[1758]] in [[Helmstedt]] und begraben neben der Kanzel der [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani-Kirche]]), [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] war in Professur und Generalsuperintendentur Nachfolger des [[Friedrich Weise]] (gestorben [[1735]]). Neben zahlreichen Schriften, die er als Professor der Theologie – ab [[1730]] war er zugleich Abt zu [[Königslutter]] – veröffentlichte, wollte [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] mit diesem Wochenblatt das Ansehen [[Helmstedt]]s als Stätte der Gelehrsamkeit heben. Auch die neue [[Helmstedt]]er Schulordnung vom 18. Juli [[1755]] ist von ihm maßgebend beeinflusst worden. Gewohnt hat [[Christoph Timotheus Seidel|Seidel]] [[Beguinenstraße]] 15, das Haus musste [[1906]]/[[1907]] einem Neubau weichen. Gewissermaßen als Fortsetzung gab es vom 21. März [[1761]] bis zum 12. März [[1763]] ein ebenfalls wöchentlich erscheinendes Blatt unter dem gleichen Namen, diesmal aber gedruckt bei Johann Drimborn und herausgegeben von dem Professor [[Johann Franz Wagner]]. [[Johann Franz Wagner|Wagner]] wurde [[1733]] in Ulm geboren, studierte ab [[1753]] in [[Helmstedt]] Philosophie, Mathematik und Theologie und arbeitete früh als Hauslehrer sowie in leitenden Funktionen einer gelehrten Gesellschaft. Er promovierte, erhielt [[1756]] die Lehrbefähigung, wurde zum kaiserlich gekrönten Dichter ernannt und übernahm anschließend Lehr- und Leitungsämter in [[Helmstedt]], unter anderem als Rektor einer [[Julianum|Stadtschule]] und Kustos der [[Ehemalige Universitätsbibliothek Helmstedt|Universitätsbibliothek]]. Später wirkte er als Professor und Schulleiter in Braunschweig und Osnabrück, wo er [[1778]] im Alter von 44 Jahren starb. Professor [[Gottlob Benedikt von Schirach]] (geboren [[1743]], gestorben [[1804]] in Altona bei Hamburg) gab vom 2. Januar [[1770]] bis zum 19. Dezember [[1777]] die ''[[Ephemerides literariae Helmstadienses]]'' heraus, sie wurden im [[Stiftung Johannes-Waisenhaus zu Helmstedt|Waisenhaus]] in [[Helmstedt]] am [[Lindenplatz]] gedruckt. [[Gottlob Benedikt von Schirach|Schirach]] wurde [[1776]] durch die Kaiserin Maria Theresia in den erblichen Adelsstand erhoben. Der älteren Lesern noch bekannte NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach, zuletzt Gauleiter von Wien und Mitangeklagter im ersten Nürnberger Prozess, ist ein Adoptivsohn eines späteren Nachfahren dieses [[Helmstedt]]er Professors.<ref>Artur Brüggemann: ''Rund um den Juleumsturm'', Helmstedt 1983, Seite 88</ref> Der berühmte Theologieprofessor [[Heinrich Philipp Konrad Henke]] war Herausgeber der ''[[Commentarii de rebus novis literariis]]'', die bei [[Sigismund Christian David Leuckart|Leuckart]] zweimal wöchentlich erschienen, und zwar für die Zeit vom 6. Januar [[1778]] bis [[1781]]. | ||
Das eingangs festgehaltene Zitat des Professors Lichtenberg aus Göttingen zeigt Macht, Bedeutung und Einfluss des gedruckten Wortes, denn Gedanken konnten sich nun vervielfältigen. Dies war früher so wie heute und wurde auch so erkannt. Deshalb entstand mit der Buchdruckerkunst die Zensur, die früher auch schon angewandt wurde. Diese Zensur hatten auch die [[Helmstedt]]er Vertreter Gutenbergs zu spüren bekommen. So erinnerten die Herzöge Rudolph August und Anton Ulrich in einem Erlass vom 11. Mai [[1702]] den Magistrat der Stadt [[Helmstedt]] daran, dass die Buchdrucker, soweit sie der Jurisdiktion der Stadt unterstanden, angewiesen werden sollten, vor Verbreitung eines Druckwerkes dieses dem Vizerektor und dem akademischen Senat zur „Zensur“ einzuschicken und von jedem Druckwerk ein Exemplar der Universitätsbibliothek kostenlos einzuliefern und später ein weiteres der großen Bibliothek zu Wolfenbüttel zur Verfügung zu stellen. Dies veranlasste den Drucker [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]], sich darüber unter dem 24. Dezember [[1742]] zu beschweren, weil, wie er u. a. ausführte, jeder Druck mit Kosten verbunden sei. Die Auflage von Büchern war früher oftmals klein, manchmal nur 100 Exemplare, entsprechend war der Druck teuer und eine kostenfreie Abgabe deshalb besonders drückend. [[Michael Leuckart|Leuckart]] wurde vorgeworfen, seit [[1739]] mit den Ablieferungen in Rückstand zu sein. | Das eingangs festgehaltene Zitat des Professors Lichtenberg aus Göttingen zeigt Macht, Bedeutung und Einfluss des gedruckten Wortes, denn Gedanken konnten sich nun vervielfältigen. Dies war früher so wie heute und wurde auch so erkannt. Deshalb entstand mit der Buchdruckerkunst die Zensur, die früher auch schon angewandt wurde. Diese Zensur hatten auch die [[Helmstedt]]er Vertreter Gutenbergs zu spüren bekommen. So erinnerten die Herzöge Rudolph August und Anton Ulrich in einem Erlass vom 11. Mai [[1702]] den Magistrat der Stadt [[Helmstedt]] daran, dass die Buchdrucker, soweit sie der Jurisdiktion der Stadt unterstanden, angewiesen werden sollten, vor Verbreitung eines Druckwerkes dieses dem Vizerektor und dem akademischen Senat zur „Zensur“ einzuschicken und von jedem Druckwerk ein Exemplar der Universitätsbibliothek kostenlos einzuliefern und später ein weiteres der großen Bibliothek zu Wolfenbüttel zur Verfügung zu stellen. Dies veranlasste den Drucker [[Michael Leuckart|Michael Günter Leuckart]], sich darüber unter dem 24. Dezember [[1742]] zu beschweren, weil, wie er u. a. ausführte, jeder Druck mit Kosten verbunden sei. Die Auflage von Büchern war früher oftmals klein, manchmal nur 100 Exemplare, entsprechend war der Druck teuer und eine kostenfreie Abgabe deshalb besonders drückend. [[Michael Leuckart|Leuckart]] wurde vorgeworfen, seit [[1739]] mit den Ablieferungen in Rückstand zu sein. | ||
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Es waren nicht nur immer [[Helmstedt]]er Drucke, die beanstandet wurden. Oftmals musste der Magistrat die Stadtknechte ausschicken, um verdächtige Manuskripte auswärtiger Autoren einzusammeln, sofern man sie vorfand. Während die beanstandeten [[Helmstedt]]er Schriften meistens einen Inhalt hatten, der zu den damaligen religiösen Empfindungen im Widerspruch stand, ging es bei der Literatur aus anderen Orten mehr um den „revolutionairen und auf den gänzlichen Umsturz aller Staatsverfassung, Moralität und Religion gerichteten Inhalt“, so ein Verzeichnis des königlich-preußischen Ministeriums zu Berlin vom April [[1769]]. Auch Versteigerungskataloge wurden beanstandet, sofern sie Bücher mit einem für damalige Begriffe schädlichen Inhalt enthielten. | Es waren nicht nur immer [[Helmstedt]]er Drucke, die beanstandet wurden. Oftmals musste der Magistrat die Stadtknechte ausschicken, um verdächtige Manuskripte auswärtiger Autoren einzusammeln, sofern man sie vorfand. Während die beanstandeten [[Helmstedt]]er Schriften meistens einen Inhalt hatten, der zu den damaligen religiösen Empfindungen im Widerspruch stand, ging es bei der Literatur aus anderen Orten mehr um den „revolutionairen und auf den gänzlichen Umsturz aller Staatsverfassung, Moralität und Religion gerichteten Inhalt“, so ein Verzeichnis des königlich-preußischen Ministeriums zu Berlin vom April [[1769]]. Auch Versteigerungskataloge wurden beanstandet, sofern sie Bücher mit einem für damalige Begriffe schädlichen Inhalt enthielten. | ||
In die Rubrik „Revolutionäre Schriften“ schien auch ''Die Revolution in Schöppenstedt'' zu fallen. Gedruckt hatte sie [[1793]] [[Sigismund David Leuckart|Leuckart]] in der [[Kirchstraße]], und zwar auf Bestellung des Verlegers und Buchhändlers Gutsch zu Breslau. So weit reichten also damals die Beziehungen der [[Helmstedt]]er Druckereien. Ein Exemplar davon war bei der herzoglichen Regierung in Braunschweig gelandet, die schon des Titels wegen sofort Alarm schlug und veranlasste, dass sich [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] Hofrat [[Georg Fein sen.|Fein]] ganz persönlich am 23. November [[1793]] in die [[Kirchstraße]] zur Leuckardtschen Druckerei begab. Dabei stellte sich heraus, dass alle Exemplare dort noch vorhanden waren, nur ein einziges, eben das, was in Braunschweig gelandet war, hatte die Offizin verlassen. Dieses hatte der Setzer Köhler vom Verleger erhalten und jener es dem Kandidaten der Theologie Venturini geliehen, der ihm versprechen musste, es nicht weiterzugeben. Das tat der aber, denn er hatte einen Freund, den Kandidaten Spor, dessen Vater wiederum Superintendent in Schöppenstedt war. Der war schon des Titels wegen ganz erregt und gab es an den Landkommissar Koch weiter, und so landete dieses Exemplar in Braunschweig. Dort hatte man inzwischen die Schrift gelesen und festgestellt, dass „wenn nun über dem auch in der Schrift sonst nichts Anstößiges enthalten ist, vielmehr deren Verfasser bey seiner Parodie hauptsächlich die Absicht gehabt zu haben scheint, die Französische Revolution und den derselben einverwebten Freyheits- und Gleichheitsschwindel von einer lächerlichen Seite zu zeigen.“ So gab man selbstverständlich die Schrift schon unter dem 29. November frei, und in Schöppenstedt konnte man aufatmen; es hat dort zumindest zu und vor jener Zeit nie eine Revolution gegeben. Man war weiterhin angesehen und herzogstreu. | In die Rubrik „Revolutionäre Schriften“ schien auch ''Die Revolution in Schöppenstedt'' zu fallen. Gedruckt hatte sie [[1793]] [[Sigismund Christian David Leuckart|Leuckart]] in der [[Kirchstraße]], und zwar auf Bestellung des Verlegers und Buchhändlers Gutsch zu Breslau. So weit reichten also damals die Beziehungen der [[Helmstedt]]er Druckereien. Ein Exemplar davon war bei der herzoglichen Regierung in Braunschweig gelandet, die schon des Titels wegen sofort Alarm schlug und veranlasste, dass sich [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] Hofrat [[Georg Fein sen.|Fein]] ganz persönlich am 23. November [[1793]] in die [[Kirchstraße]] zur Leuckardtschen Druckerei begab. Dabei stellte sich heraus, dass alle Exemplare dort noch vorhanden waren, nur ein einziges, eben das, was in Braunschweig gelandet war, hatte die Offizin verlassen. Dieses hatte der Setzer Köhler vom Verleger erhalten und jener es dem Kandidaten der Theologie Venturini geliehen, der ihm versprechen musste, es nicht weiterzugeben. Das tat der aber, denn er hatte einen Freund, den Kandidaten Spor, dessen Vater wiederum Superintendent in Schöppenstedt war. Der war schon des Titels wegen ganz erregt und gab es an den Landkommissar Koch weiter, und so landete dieses Exemplar in Braunschweig. Dort hatte man inzwischen die Schrift gelesen und festgestellt, dass „wenn nun über dem auch in der Schrift sonst nichts Anstößiges enthalten ist, vielmehr deren Verfasser bey seiner Parodie hauptsächlich die Absicht gehabt zu haben scheint, die Französische Revolution und den derselben einverwebten Freyheits- und Gleichheitsschwindel von einer lächerlichen Seite zu zeigen.“ So gab man selbstverständlich die Schrift schon unter dem 29. November frei, und in Schöppenstedt konnte man aufatmen; es hat dort zumindest zu und vor jener Zeit nie eine Revolution gegeben. Man war weiterhin angesehen und herzogstreu. | ||
Man sollte meinen, dass es auch aus dem vorigen, dem 19. Jahrhundert, Unterlagen über Zensuren gab. Das war nicht der Fall. Es mag daran liegen, dass die [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] Vergangenheit war und die Professoren unsere Stadt verlassen hatten, so dass nur noch eine Zeitung und nicht zu beanstandende regionale Schriften gedruckt wurden. Erst zur Zeit des Ersten Weltkrieges und kurz davor gab es Listen mit sozialistischen Schriften, die aber sämtlich anderweitig erschienen waren, von denen man lediglich vermutete, dass sie auch in [[Helmstedt]] vertrieben wurden. | Man sollte meinen, dass es auch aus dem vorigen, dem 19. Jahrhundert, Unterlagen über Zensuren gab. Das war nicht der Fall. Es mag daran liegen, dass die [[Universität Helmstedt|Helmstedter Universität]] Vergangenheit war und die Professoren unsere Stadt verlassen hatten, so dass nur noch eine Zeitung und nicht zu beanstandende regionale Schriften gedruckt wurden. Erst zur Zeit des Ersten Weltkrieges und kurz davor gab es Listen mit sozialistischen Schriften, die aber sämtlich anderweitig erschienen waren, von denen man lediglich vermutete, dass sie auch in [[Helmstedt]] vertrieben wurden. | ||