Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

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== Helmstedt im Mittelalter ==
== Helmstedt im Mittelalter ==
== Das Helmstedter Stadtrecht ==
== Das Helmstedter Stadtrecht ==
== Die Befestigungsanlagen der Stadt Helmstedt ==
== Die Helmstedter Stadttürme ==
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== Die Befestigungsanlagen der Stadt Helmstedt (S. 75–94) ==
„Bürger und Bauer scheidet nichts, denn die Mauer.“ Dieses alte Rechtssprichwort ist uns mit vielen anderen durch das Buch des [[Helmstedt]]er Professors Dr. [[Johann Friederich Eisenhart]] „Grundsätze der Deutschen Rechte in Sprüchwörtern“, gedruckt [[1758]] bei dem Helmstedter Verleger [[Christian Friedrich Weygand|Weygand]], überliefert. Es sagt aus, worin sich jedenfalls äußerlich eine Stadt von einem Dorf im Mittelalter unterschied: durch ein Befestigungswerk, das ursprünglich auch aus Palisaden mit Gestrüpp und Sträuchern hat bestehen können. Wurde einem solchen Ort dann auch noch das Recht verliehen, Märkte abzuhalten, Münzen zu prägen, Zölle, Abgaben und Steuern zu erheben oder zu verlangen, dass Fernhändler ihre Ware dort zu stapeln hatten usw., so war aus diesem Ort eine Stadt im rechtlichen Sinne geworden, wobei die Einnahmen nicht unbedingt der Stadt selbst zukommen mussten, in der Regel erhielt sie der Stadtherr.
Es gibt noch ein zweites, ebenfalls von [[Johann Friederich Eisenhart|Eisenhart]] festgehaltenes Sprichwort: „Keine Henne fliegt über die Mauer“. Mit Henne ist, den Erläuterungen nach, ein Leibeigener gemeint, das heißt jemand, der einem Grundherrn mit persönlichen Diensten und stark eingeengten Rechten untertan war. Hatte er etwas Land, so war er ein unfreier Höriger. In einer Stadt konnten aber nur freie Menschen wohnen. Es gab dort natürlich Arbeiter, aber keine Leibeigenen oder Hörige. Das besagt ein weiterer, bei [[Johann Friederich Eisenhart|Eisenhart]] allerdings nicht festgehaltener Rechtssatz, der große Bedeutung für das Städtewesen hatte: „Stadtluft macht frei“. Jemand, der als Unfreier einem Grundherrn weggelaufen war und mindestens „Jahr und Tag“ – das waren: ein Jahr, ein Monat, eine Woche und ein Tag – in einer Stadt unbehelligt gelebt hatte, war dadurch frei. Das diente dem Rechtsfrieden, denn sein Herr durfte ihn weder zurückfordern noch durch seine Knechte zurückbringen lassen. Das diente auch der Bevölkerungsentwicklung, denn im hohen Mittelalter war eine Stadt daran interessiert, möglichst viele tüchtige Menschen in ihren Mauern zu haben und zu behalten. Umgekehrt allerdings galt: „Landluft macht unfrei“. Wer sich längere Zeit in einem Dorf aufhielt, der verlor seine persönliche Freiheit.
Wann nun [[Helmstedt]] zum ersten Mal befestigt wurde, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, wann es erstmals Stadtrechte bekommen hat.
In der so wichtigen Urkunde des Abtes Gerhard von Werden, des damaligen [[Helmstedt]]er Stadtherrn, aus dem Jahre [[1247]] sind ihr bereits die Stadtrechte bestätigt worden, sie waren also älter. Da aber dieses Dokument die erste und damit älteste Urkunde mit städtischen Rechten ist, berechnen wir die Stadtwerdung [[Helmstedt]]s von diesem Jahr an. Deshalb wurde auch [[1947]] trotz der damals schweren Nachkriegszeit eine 700-Jahr-Feier organisiert.
In den verbrieften Rechten von [[1247]] heißt es unter anderem, dass derjenige, der ein Fuder Wein, etwa 900 l, verkauft, davon sechs Schillinge zur weiteren Verstärkung der Stadtbefestigung dem Rat der Stadt geben soll. Damit erfahren wir etwas von einem solchen Schutz und zugleich davon, dass es ihn [[1247]] schon gegeben hat. Mit Sicherheit war er auch bereits in der Neujahrsnacht [[1199]]/[[1200]] vorhanden, als [[Helmstedt]] von den Kriegern des Erzbischofs von Magdeburg zerstört wurde, wenn auch sicherlich nicht in der Form einer festen Mauer und auch nicht in dem Umfang wie später. Der große Hof in den [[Edelhöfe]]n und der Bereich [[Streplingerode]] lagen außerhalb, Wik, [[Markt]] und das alte Dorf werden einbezogen gewesen sein.
Der in der Erforschung der Geschichte unserer Stadt verdienstvolle Professor Dr. Paul Jonas Meier, Direktor der Herzoglichen Museen in Braunschweig, hat sich in dem [[1895]] in der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde veröffentlichten Aufsatz „Die Befestigung der Stadt [[Helmstedt]] im Mittelalter“ und in seinem bekannten Werk „Die Bau- und Kunstdenkmäler des [[Landkreis Helmstedt|Kreises Helmstedt]]“, Wolfenbüttel [[1896]], mit diesen Sicherungsanlagen so eingehend beschäftigt, dass seine Ausführungen auch heute noch herangezogen werden müssen. Sie, wie Unterlagen aus dem [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]], bilden deshalb die Grundlage dieses Kapitels.
Nach der Zerstörung der Stadt [[1199]]/[[1200]] wurde diese sofort wieder aufgebaut. Dabei dachte man schon für die Zukunft und erweiterte den Umfang der Befestigung, zumal die Einwohner umliegender Dörfer in der Stadt Schutz suchten und sich deshalb hier niederließen. Auch die [[St. Walpurgis (Helmstedt)|Walpurgis-Kirche]] mit der [[Streplingerode]] wurde jetzt ebenso einbezogen wie die [[Bauerstraße]]. Um wirklich eine Stadt zu sein und um sich weiter vor erneuten Plünderungen und Zerstörungen zu schützen, wurde nunmehr eine [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] errichtet. Die beabsichtigte Rundung der Anlage wurde aber verhindert. Um sie zu erreichen, musste der Wall durch das [[Ostendorf]] und damit durch ureigenes [[Kloster St. Ludgeri|Klostergelände]] geführt werden. Das geschah auch und sogar recht rücksichtslos. Das ergab Auseinandersetzungen mit dem Abt in Werden und dem Klosterkonvent in [[Helmstedt]]. Es kam zu der in einer Urkunde aus dem Jahre [[1230]] festgehaltenen Schlichtung des Abtes Gerhard, der gerade erst sein Amt angetreten hatte. Aber dennoch zog sich der Streit weitere Jahre hin. Der Plan des Baues einer Burg mitten in der Stadt dürfte mit auf diesen Differenzen beruhen ([[1232]]). Erst [[1237]] waren die Bürger zu einer Einigung bereit: Die auf dem Grund und Boden des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] errichteten Befestigungen wurden von ihnen wieder abgerissen und das von ihnen verbarrikadierte [[Ludgeritor]] innerhalb von 14 Tagen wieder geöffnet. Als Gegenleistung bekamen die Bürger ihr Befestigungsrecht verbrieft. Vielleicht entfiel auch deshalb der Bau der Burg. Die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] unterbricht seitdem zwischen dem [[Kleiner Wall|Kleinen]] und dem [[Langer Wall|Langen Wall]] ihren geradlinigen Verlauf. Das Tor muss dabei zurückgenommen worden sein, denn es befand sich sogar mit einem Turm, der [[1821]] abgerissen wurde, am Beginn des [[Langer Wall|Langen Walls]].
Die heute noch vorhandene [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] ist nicht immer die, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, denn im 15. Jahrhundert wurde sie wie auch die Türme erneuert und zugleich verstärkt. Das war auch nötig, denn jetzt gab es Kanonen und Feuerrohre. Der Gebrauch dieser neuen Waffen setzte sich im 15. Jahrhundert durch, der Beginn ihrer Anwendung liegt 100 Jahre früher. Zunächst schoss man aus den Kanonen mit Steinkugeln, diese waren in Einzelfällen bis zu 560 Pfund schwer. Schmiedeeiserne Kugeln kamen in Florenz schon [[1326]] vor. Sie bestanden zunächst aus Eisen und Blei, das waren aber teure Materialien. Deshalb ließ z. B. Herzog Julius [[1569]] aus Schlacken seiner Nordharzer Hüttenwerke Kanonenkugeln gießen. Er machte sie zu einem Exportartikel.
Das militärische Fußvolk benutzte aber auch noch gegen Ende des Mittelalters Spieß und Pike als Hauptwaffe, wenn es auch schon Büchsen gab. Die Schlachtszenen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die uns durch Kupferstiche und Gemälde überliefert sind, zeigen noch zum größten Teil die Bewaffnung nach alter Art. Die älteste Musterungsrolle der Stadt [[Helmstedt]], die aus der Zeit zwischen [[1479]] und [[1485]] stammt, nennt die Namen von 68 Bürgern, die nach [[Robert Schaper]] eine neue Büchse erhalten haben. Von der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] aus konnte man die Stadt auch schlecht mit einer Lanze verteidigen.
Im hohen Mittelalter war die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] in etwa in ihrem Aussehen der heutigen ähnlich, allerdings höher. Sie besteht durchweg aus viereckigen, massiven Pfeilern von 1 m Breite, die 3 m gegenseitigen Abstand haben und durch flache Stichbögen miteinander verbunden sind. Der Zwischenraum ist mit schlechtem Material gefüllt, das innen und außen fast bis zur Scheitelhöhe des Bogens durch Erdanwurf verdeckt und gefestigt ist“ (Meier, „Baudenkmäler des [[Landkreis Helmstedt|Kreises Helmstedt]]“, Wolfenbüttel, [[1896]], S. 94). Noch heute sind diese Stichbögen deutlich zu erkennen. Durch sie war die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] in ihrer Festigkeit durch die neuen Kugeln weniger zu erschüttern. Wenn es dem Feind gelungen war, sie im unteren Bereich zu beschädigen, fiel sie nicht in sich zusammen, sie hielt weiterhin stand. Außerdem muss man wissen, dass die [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] kein Fundament hatte. Die Rundbögen dienten deshalb auch ihrer Stabilität.
Die Erneuerung im 15. Jahrhundert war notwendig geworden, weil der Feind mit neuen Angriffswaffen erschien. Er bediente sich jetzt nicht mehr nur der Armbrust. Der Mönch Henning Schwartz hatte um ca. [[1300]] das Pulver wiederentdeckt. Es wurde jetzt als Antrieb von Geschossen aus Kanonen oder auch aus Büchsen genutzt. Für solche echten Feuerbüchsen gab es – Einführung bei uns in Deutschland etwa Mitte des 14. Jahrhunderts – als Geschoss aber auch noch den Pfeil.
Über die ersten bekannten Pulverwaffen gibt die Stadtrechnung von Aachen [[1346]] Auskunft und [[1348]] die in Frankfurt.1) Diese Pulverwaffen waren Steinbüchsen mit einem engen Pulver- und einem weiten Geschossraum.2)
Ihre Verbesserung waren die Hakenbüchsen, diese hat es als einfache Handbüchsen – ca. 2,5 kg schwer – oder als Büchse mit einem Auflieger, da sie ca. 15 kg schwer waren, gegeben. Der angegossene oder angeschmiedete Haken diente zum Auffangen des Rückstoßes und gab dieser Waffe zugleich den Namen. In Frankfurt/Main werden diese Büchsen erstmals [[1418]], in Braunschweig in der Zeit von [[1415]] bis [[1419]] erwähnt.3)
Daneben gab es aber immer noch Hellebarden, eine Verbindung von Axt und Spieß, und Federspieße, das waren Waffen, „deren Spitze mit langen Schaftfedern auf der Stange befestigt war und die seitlich einen Knebel oder Knopf trugen, der dazu dienen sollte, ein zu tiefes Eindringen der Eisenspitze in den Körper zu verhindern“. 4)
Die Bedeutung dieser herkömmlichen Waffe war für den Nahkampf nicht gering. Demgegenüber war der „Schaden“, den die neuen Handfeuerwaffen anrichten konnten, begrenzt. Denn dem von ihnen abgeschossenen Stein konnte man ausweichen, im übrigen verhinderte der noch gegen Ende des 16. Jahrhunderts getragene Harnisch größere Verletzungen. Selbst abgeschossene Pfeilbündel prallten an dieser Wehr ab.
So war denn auch die Hauptaufgabe der Steinbüchse das Brechen der Mauern. Dazu gab es aber andere Geschütze, die eine größere Wirkung hatten.
Eines der ältesten Geschütze war die „Blide“, eine Art Hebelgeschütz. Sie beruhte auf physikalischen Gesetzen, die man beim Schleudern von Gegenständen mit Hilfe einer Schlinge und menschlicher Muskelkraft erkannt hatte. Sie war entsprechend ihrer Ausgestaltung eine Stabschleuder im großen. Dieses Geschütz ist in Deutschland von [[1212]] an bezeugt.5)
„Die Blide sollte als Hauptaufgabe Deckungen, Häuser und Gewölbe von oben her durchschlagen, sollte hinter Mauern oder sonst verdeckt aufgestellte Pulver- und Fernwaffen außer Gebrauch setzen oder sollte Brandgeschosse ins Innere einer Burg oder Stadt schleudern; sie sollte mit Aas und Kot, mit faulendem Käsewasser und vergorenem Urin die Brunnen unbrauchbar machen und das gesamte innere Leben (innerhalb der Mauern) der Belagerten schädigen und unterbinden.“ Erreichte Wurfweiten sind nachgewiesen bis zu 500 m für Köln am Rhein im Jahre [[1246]],6) Bliden kennen wir nur aus Zeichnungen, erhalten ist uns keine. Zur Blide gehörte oft die „Katze“, das war ein Gestell, das diesem Geschütz Deckung bot.
Im 14. Jahrhundert kamen dann „echte“ Geschütze auf. Man nutzte jetzt nicht mehr die Hebelkraft, sondern den treibenden Druck der beim Abbrennen eines Gemenges von Salpeter, Schwefel und Kohle entstehenden Gase, also des Pulvers. Und mit dem Aufkommen des Schießpulvers brach ein neues technisches Zeitalter an. Es gab natürlich nur wenige Geschütze dieser Art, die in der Regel sogar Namen erhielten. Für Braunschweig ist ab [[1411]] die sogenannte „Mette“ nachgewiesen. Sie war ein Riesengeschütz, das [[1787]] eingeschmolzen wurde.
[[Helmstedt]] hatte sicherlich keine Waffe dieser Art. Aber nach der bereits erwähnten Musterungsrolle hatten 68 Bürger Feuerbüchsen erhalten. Die nächste Musterungsrolle stammt aus dem Jahre [[1548]]. Danach hatten 69 Bürger Hakenbüchsen, die übrigen Feder- und Knobelspieße sowie „Helbarten“. Diese Waffen waren entweder zu Hause aufzubewahren oder aber in einer Waffenkammer, die allgemein Zeughaus hieß, abzugeben. Ob [[Helmstedt]] eine Einrichtung dieser Art gehabt hat, ist allerdings nicht feststellbar.
In jedem Fall war unsere [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] nach ihrer Erneuerung im 15. Jahrhundert um einiges höher. Aber bereits [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] hat sie nicht mehr in der ursprünglichen Form gesehen. „Seit einigen Jahren hat man aber angefangen, die hohe [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] abzunehmen und größtenteils um einige Fuß niedriger zu machen“.7)
Wohl noch nicht im 13. Jahrhundert, aber in jedem Fall bei der Erneuerung im 15. Jahrhundert wurde vor der eigentlichen [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] eine zweite, niedrigere angelegt. Der neuen Waffen wegen wollte man den Feind auf Distanz von der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Mauer]] halten. Die Verteidigung wurde deshalb dem Gegner entgegengeschoben.8) Der Zwischenraum zwischen den beiden Mauern bestand aus Gräben. Er wurde immer gesäubert und gepflegt, um dem Angreifer jegliche Deckungsmöglichkeit zu nehmen. Von dem Ausmaß dieses Vorraumes kann man sich heute noch ein Bild machen, denn man weiß, dass die Ostseite (in alten Schriften würden wir lesen die Morgenseite) des [[Gröpern]] nicht bebaut war und dass dort, wo heute Häuser stehen, diese Vormauer verlief. Sie ist auch deutlich in dem [[1745]] aufgestellten „Plan von der nahesten Gegend der Stadt [[Helmstedt]]“ von J. C. Ricken, Original im Städtischen Archiv Braunschweig, Kopie von Paul-Jonas Meier [[1895]] in [[Helmstedt]], eingezeichnet.
Unterbrochen wurde diese Vormauer durch die jeweils vier Zugänge zu der Stadt, die wiederum von einer kleinen Mauer längs der Straße (Doppeltor) eingesäumt waren. Besonders ausgeprägt war dies am [[Südertor (Turm)|Südertor]]. – Dem Plan von Ricken nach gab es diese Vormauer nicht im Bereich des [[Georgienhof|Georgien]]- oder [[Jürgenhof]]es an der Abendseite der Stadt (Westen). Dieses Hospital schloss sich insbesondere mit der [[St. Georgskapelle|Georgskapelle]] eng an die Stadt an, was allerdings nicht hinderte, die eigentliche [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] auch dort zu errichten. Diese Vormauer gab es auch nicht im Bereich des heutigen [[Langer Wall|Langen Walles]]. Dort erlaubte [[1441]] Abt Johann Stecke dem Rat, die Stadt vom [[Ostertor|Oster]]- bis zum [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] mit Wall und Graben zu befestigen. Schon etwas länger diente dort der kleine Wasserlauf zu dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]]- oder [[Sternberger Teich]] als natürliches Hindernis. Dieser Teich war [[1423]] nach ausdrücklicher Erlaubnis des Herzogs Bernhard von Braunschweig durch den Rat der Stadt künstlich angelegt worden. Der Zufluss zu ihm erfolgte von dem 200 Jahre älteren [[Hafermühlenteich]] und vom [[St.-Ludgeri-Teich|Klosterteich St. Ludgeri]], dem wiederum der „[[Faule Bach]]“ vom [[Lappwald]] her Wasser zuführte.
Vier Tore und damit vier Zugänge hatte die Stadt zumindest seit der [[Stadtmauer (Helmstedt)|Befestigung]] im 13. Jahrhundert. Diese Tore waren wahrscheinlich schon damals mit Ausnahme des [[Nordertor (Turm)|Nordertores]] mit stattlichen Türmen versehen. Der [[Hausmannsturm]], auch [[Neumärker Tor|Neumärker]]-, [[Westerntor|Western]]- oder [[Braunschweiger Tor]] genannt, wurde [[1286]] urkundlich erstmals erwähnt. Der heutige Turm stammt aus der Erneuerung in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Das [[Südertor (Turm)|Süder]]- oder [[Seedorfer Tor]] wurde [[1305]] erstmals erwähnt und befand sich in etwa dort, wo heute der Parkplatz am [[Südertor]] ist. Es war benannt nach den beiden Dörfern Seedorf, die um [[1200]] wüst geworden waren, weil ihre Bewohner nach [[Helmstedt]] gezogen waren.
Das [[Ludgeritor]] – später auch [[Magdeburger Tor]] genannt – wird [[1305]] so bezeichnet, als [[Klostertor]] aber schon [[1236]]/[[1237]] erwähnt. Es diente nach Paul-Jonas Meier anfangs in erster Linie der Verbindung des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]] zur Stadt. Später hatte es dann die Bedeutung, dass der ganze Verkehr vom oder nach dem Osten durch dieses Tor verlief. Das [[Ludgeritor]] und der [[Hausmannsturm]] lagen an der alten [[Reichsstraße 1]], die Aachen mit Königsberg und umgekehrt verband. Mit der Umwandlung der [[Neumärker Straße]] in einen Fußgängerbereich wurde die [[Wilhelmstraße]] Bundesstraße und damit Teil der Nr. 1.
Das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] wurde [[1354]] erstmals erwähnt.9)
Während drei Türme auf dem Kupferstich von Merian deutlich zu sehen sind, wenn auch das [[Südertor (Turm)|Südertor]] mit einem Mauerturm verwechselt wurde, so ist ein „[[Nordertor (Turm)|Nordertorturm]]“ nicht zu erkennen, weil es ihn sehr wahrscheinlich auch nicht gegeben hat. Paul-Jonas Meier10) stellt fest: „Es ist fraglich, ob ein Thurm mit schlichtem Dach bei Merian das Thor darstellen soll – bei den Stichen des XVIII. Jahrhunderts fehlt ein solcher und [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] gibt a.a.O., S. 163, an, dass er schon lange nicht mehr vorhanden gewesen sei.“
Das bedeutet aber nicht, dass es ihn einmal gegeben hat, denn in den Archivakten, insbesondere in den Kämmereirechnungen und in den Vorgängen über den Zustand der Baulichkeiten der Stadt aus dem 18. Jahrhundert, konnte ich keinen Hinweis darauf finden, dass das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] wie die drei anderen Tore einmal einen Turm gehabt hat. Ich fand zwar für einige Jahre die Angabe „[[Nordertor (Turm)|Nordertorturm]]“, dann aber fehlt – im Gegensatz zu den drei anderen Toren – die Bezeichnung Turm, und es findet sich immer nur die schlichte Angabe „[[Nordertor (Turm)|Nordertor]]“. Hätte man ihn zu dieser Zeit abgerissen, so müssten darüber in den Rechnungen Kosten und wegen des Verkaufes der Steine durch die Stadt Einnahmen vermerkt sein.
Dafür, dass das [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] nie einen Aufsatz gehabt hat, spricht auch, dass Merian, der seinen Stich nach einer Vorlage gefertigt hat, die der Betrachter von der Höhe der [[Walbecker Straße]] aus aufgenommen hat, sicherlich einen dann sehr deutlich sichtbaren Turm eingezeichnet und entsprechend vermerkt hätte. Allerdings wissen wir noch genau, wo das Tor einmal gewesen ist: Gegenüber dem Grundstück [[Langer Steinweg]] 19, früher der [[Schützenhof]], heute ein [[Möbelhauses Fehlig|Möbelhaus]], ist der Endpunkt der alten [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtmauer]] klar erkennbar.
Mit dieser Stadtbefestigung allein konnten sich die [[Helmstedt]]er aber noch nicht zufriedengeben. [[Helmstedt]] lag und liegt am [[Lappwald]]. Er zog sich damals näher an die Stadt heran als heute. Gestrüpp, Sträucher und allerlei Vegetation boten einem heranrückenden Feind eine gute Deckung. Von dort war er schon einmal in der Silvesternacht [[1199]]/[[1200]] gekommen. Im Schutze des Waldes hatte er sich bis dicht an die Stadt unbemerkt heranschleichen können.
Um dies in Zukunft zu verhindern, wurde im [[Lappwald]] schon im 13. Jahrhundert die sogenannte [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] angelegt. Sie ist teilweise noch gut sichtbar und entsprechend erhalten. Sie befand sich ausnahmslos auf Grundstücken des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters St. Ludgeri]]. Deshalb bedurfte die Stadt der Genehmigung der geistlichen Herren, um dort ein solches Verteidigungswerk errichten zu können. Sie wurde ihr sicherlich gern gegeben, denn die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] diente zugleich dem Schutz des [[Kloster St. Ludgeri|Klosters]]. [[1252]] wird sie erstmals in einer Urkunde des Abtes Gerhard erwähnt. Danach verpflichtete sich das [[Kloster St. Ludgeri|Kloster]], dieses Gelände weder zu veräußern noch irgendwie zu verpfänden.
Mich fasziniert immer wieder die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] im [[Lappwald]]. Sie ist teilweise noch gut erhalten, an vielen Stellen allerdings hat fehlende Pietät vor den Leistungen unserer Vorfahren dieses geschichtliche Zeugnis leider zerstört oder nur schwer erkennbar gemacht. [[1935]] war es der [[Bundesautobahn 2|Autobahnbau]], der erheblich in den Bereich der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] eingriff, dann nach dem letzten Krieg einige Bauobjekte in der Nähe des [[Am Bötschenberg|Bötschenberges]]. Aber noch immer kann man in unserem Heimatwald nicht nur durch die Warten, sondern auch durch die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] dem Mittelalter begegnen. In diesen Tagen musste, anders war es leider nicht möglich, durch den Ausbau der [[Bundesautobahn 2|Autobahn]] wieder ein Stück [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] zerstört werden. Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz, das auch die Straßenbauer verpflichtet, und das jetzt bestehende Verständnis für die Bedeutung geschichtsträchtiger Stätten, haben eine Bestandsaufnahme in Schrift, Bild und Skizze erreicht. Wir verdanken dies dem Bezirksarchäologen Dr. Geschwinde und dem Archäologen Thomas Budde MA. Thomas Budde hat im Sommer [[1996]] in monatelanger Arbeit die gesamte [[Helmstedter Landwehr]] erfasst und danach einen umfangreichen Bericht mit eingehenden Auswertungen verfasst. Er liegt mir vor. Da er aber noch nicht – wie beabsichtigt – veröffentlicht und deshalb noch nicht allgemein zugänglich ist, habe ich ihn in den Text selbst einbezogen und an den entsprechenden Stellen darauf hingewiesen.
Die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] war eine natürliche Anlage, die aus einem tiefen Graben und einer stadtwärts gepflanzten dichten Dornenhecke bestand. Außerdem wurde zusätzlich Gestrüpp aufgeschichtet, Zweige und Äste wurden geknickt, um eine gute Dichte zu erreichen. Daraus prägte sich für die Instandhaltung das Wort „knicken“. In einigen Gegenden heißt eine solche Anlage „Knicke“ oder „Geknick“, „Gebüsch“ (Budde a.a.O. S. 2). Zweimal jährlich hatten die Bürger zu „knicken“. Der Aushub des Grabens diente der Erhöhung der Grabenhöhe zur Stadtseite hin. So auch bei der Anlage im [[Lappwald]], die im wesentlichen ein Eingrabensystem mit heckenbekröntem Innenwall war (Budde a.a.O. S. 4). Paul-Jonas Meier hat festgestellt, dass er an der nördlichen Strecke dort, wo die zu beiden Seiten aufgeworfenen Ränder des Grabens nicht eingeebnet sind, – [[1896]] – zwei bis drei Meter tief ist bei einer schmalen Sohle und bei einem Abstand der beiden Oberkanten von 8 m.11)
Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort.
Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der Landwehr entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die Helmstedter konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die Landwehr umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die Land wehr nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. P. J. Meier hat es so gedeutet, dass offenbar im hohen Mittelalter (also 13. Jahrhundert) die Straße nach Magdeburg, die ohne Zweifel wichtig war und auf der die Heere des Erzbischofs Ludolf einmal gekommen waren, nicht wie heute in Richtung Magdeburger Warte und an jener vorbei verlief, sondern dass sie durch das Nordertor und am Hafermühlenteich entlang und weiter in nordöstliche Richtung geführt wurde. Dabei stieg sie ganz allmählich in einer flachen Talmulde empor, „die breit genug ist, um nicht allein den Bach, der dort verläuft, sondern auch die Heerstraße aufzunehmen.“ Sie wird dann nördlich des Bötschenbergs durch das Tal beim jetzigen Gesundbrunnen und über Beendorf in südlicher Richtung verlaufen sein, um dann in die Straße Morsleben – Alleringersleben – Erxleben einzumünden. 12) Dies könnte die Anlage einer Schanze am Bötschenberg erklären, die eine Öffnung der Landwehr besonders schützen sollte. Noch in der Städteansicht des Professors Friedrich Weise aus dem 18. Jahrhundert wird in der Legende auf die „Breye-Schanze“ hingewiesen. Der Autobahnbau 1935 hat sie vernichtet. Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen daran: „Hinter der Schanze am Bötschenberg“ und „An der Schanze“, gelegen vor dem heutigen Bötschenberg, wobei dieser Name abgeleitet sein soll vom mittelhochdeutschen Wort „Bitze" = niederes Strauchwerk (Marta Asche in „Helmstedter Kreisblatt“ 20. u. 27. Juli 1957).
Otto Mathias Wilberts 13) berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der Helmstedter Landwehr gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten Walbecker Straße in Richtung erste Walbecker Warte. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße.
Im Bereich dieser Straße und damit in dem Winkel an der Landwehr konnte die Stadt sehr schnell eine Wegsperre errichten, um den missliebigen Besucher entweder zur Umkehr zu zwingen oder aber zu erreichen, dass er langsam, weil er schwerfällig war, erst einmal bis zur Magdeburger Warte weiterzog.
Vielleicht möchte mancher Leser die historische Spur der Landwehr im Lappwald einmal verfolgen. Deshalb etwas Näheres zu ihrem Verlauf. Nicht überall ist sie allerdings noch gut zu erkennen, obwohl die Natur ein guter Bewahrer historischer Stätten ist. Erst der Mensch hat manches, z. B. durch die Feldbewirtschaftung, zerstört und selbst für ein geübtes Auge oft unsichtbar gemacht. Auch dort, wo die Helmstedter Landwehr nur noch erahnt werden kann, haben unnatürliche Einwirkungen sie vernichtet: Wie schon erwähnt bei dem Bau der Autobahn 1934/1935, später durch die Einrichtung der Grenzkontrollstelle und dann schließlich durch die verschiedenen Autobahnzubringer von der Bundesstraße 1. In Höhe des Bötschenberges beeinträchtigte der Bau der Heimschule und die Errichtung des Gebäudes der Politischen Bildungsstätte den Erhalt. Der Weg vom Bötschenberg zum Waldbad Birkerteich könnte auf der früheren Außenwand der Landwehr liegen. Der Graben neben diesem Weg zur Stadt hin könnte der Landwehrgraben gewesen sein. Das Waldbad zerstörte die Erkennbarkeit des weiteren Verlaufs an dieser Stelle. Teilstücke der Landwehr wurden als Straßengraben genutzt, und zwar vom Ende des Bötschenberg-Forstweges bis zu dem heutigen Lokal „Waldwinkel“. Von da an ist die Landwehr aber wieder gut erkennbar. In Höhe der ersten Walbecker Warte ist ihr in einem Abstand von ca. 25 m ein Nebengraben mit einer Tiefe von 1,60 bis 1,80 m vorgelagert. Unmittelbar hinter der Warte ist die Wehr teilweise, der Nebengraben vollständig durch einen späteren Steinbruch zerstört. Dieser bedingte zudem den an dieser Stelle bogenförmigen Umweg der Walbecker Chaussee. Der weitere Verlauf der Landwehr ist neben dieser Straße nach Walbeck gut zu erkennen, teilweise auch der des Nebengrabens. Sie erreicht dann schließlich das morastige Gelände des Düsterbeeks und endlich die zweite Walbecker Warte. Sie setzt dann ihre übliche Ausdehnung noch etwa 40 m nördlich fort, um allmählich flacher zu werden und schließlich etwa 350 m von der zweiten Warte an gerechnet ganz zu enden. Hier hat sie auch die alte Landesgrenze zwischen Braunschweig und Preußen erreicht. Auch heute noch gut auszumachende Grenzsteine mit der Aufschrift „P“ = Preußen und „B“ = Braunschweig mit der Jahreszahl 1848 und einer Ifd. Nr. markieren eine Linie, die in jüngster Zeit eine so tragische Bedeutung bekommen hat. Warum die Landwehr nicht in Richtung Mariental weitergeführt wurde, ist unbekannt. Sicherlich war die Gefahr, dass von dort ein Gegner „anreist“, gering. Durch die Lage des Klosters und die von dort aus erfolgte Bewirtschaftung der nahegelegenen Waldstücke wurden ungebetene Gäste frühzeitig bemerkt.
Zur anderen Seite, also von der Politischen Bildungsstätte an in Richtung Magdeburger Warte, zieht sich die Landwehr noch als Graben erkennbar zwischen dem Alten Wasserwerk und der ca. 1987 abgerissenen Gaststätte „Waldesruh“ (Krökel), um dann vom Forstort Dorn“ – genannt nach der dornigen Hecke der Befestigung – unmittelbar an der Autobahn zu verlaufen. Durch deren Bau ist sie zum größten Teil an jener Stelle zerstört worden. Auch in der Nähe der heutigen Bundesstraße 1 und damit bei der Magdeburger Warte sind Landwehrreste nicht mehr erhalten. Von dieser Warte aus zieht sie sich weiter, wenn auch nicht gut erkennbar, in Richtung Harbke. Diese Ausdehnung ist jüngeren Datums. Es gibt im Stadtarchiv eine Urkunde aus dem Jahr 1377, wonach die Brüder Borchard, Richard und Johann von Hameln dem Rat der Stadt erlauben, eine Landwehr durch ihr Waldstück „Boclo“ ziehen zu lassen. Dieser Forst liegt in jener Gegend. Auch noch über die Bahnlinie Helmstedt–Magdeburg bis hin zur früheren Harbker Kohlenbahn ist die Landwehr nachzuweisen.
Ihre Verlängerung 1377 über die Magdeburger Warte hinaus erfolgte einmal zur noch besseren Sicherung der Stadt, zum anderen aber auch, weil der Straßenverkehr begonnen hatte, Helmstedt nicht mehr auf dem alten Wege zu verlassen, er verlief jetzt dort, wo er sich heute noch abwickelt, nämlich auf der Strecke der jetzigen Bundes- bzw. Fernstraße 1. Der Gegner, der jetzt auf dem neuen Weg vorrückte, sollte möglichst weit über schlecht zugängliches Gelände geführt werden. 1377 wurde zugleich die gesamte Landwehr erneuert und über die zweite Warte hinaus ebenfalls – wie bereits beschrieben – ausgedehnt.
Die letzte urkundliche Erwähnung der Helmstedter Landwehr erfolgte 1496 (Budde S. 40). Man kann annehmen, dass ihr strategischer Zweck nun erfüllt war und dass sie damit an Bedeutung für die Verteidigung erheblich verloren hatte. Raubritter gab es nicht mehr, und die Kriegsheere waren größer geworden; man rückte auf Straßen und Wegen vor.
Insgesamt war die Helmstedter Landwehr 7,87 km lang, Teilstücke sind in einer Gesamtlänge von 3,83 km vollkommen und in einem Bereich von insgesamt 1,165 km partiell erhalten. 2,3 km der Landwehr sind zerstört, davon 0,58 km in ihrem Verlauf noch zu erahnen.
Zur Verteidigung reichte die Landwehr allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten.
Die Magdeburger oder auch Wohltwarte (Waldwarte) gab es wie die erste Walbecker Warte schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr 1252. Sie bildeten die Endpunkte der Landwehr. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der Magdeburger Warte ohne weiteres möglich. Am Kleinen Wall befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20.02.1944 zerstört. Aber auch von der ersten Walbecker Warte aus waren nach P. J. Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum Kloster Marienberg sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem Nordertor in der Nähe des Hafermühlenteichs ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzu fangen. Nach Robert Schaper soll sich die Bezeichnung „Warneckenberg“ von diesem Wachtturm ableiten. P. J. Meier erwähnt ihn als „Neuen" oder „Hohen Turm", 1385 und noch 1515 bezeugt.14)
Da 1252 nur eine Walbecker Warte erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht P. J. Meier davon aus, daß die heute zu sehenden beiden Warten in ihrer Substanz 1377 errichtet wurden. 15) Das bedeutet aber, dass die erste Walbecker Warte, die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. - Anders dagegen die Magdeburger Warte. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. Ludewig vermerkt 1821, ,...fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei Warten diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie 1855 – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach P. J. Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.16)
Im Jahr 1980 wurde in die Magdeburger Warte eine Treppe eingebaut, die den Helmstedtern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten.
Den weiteren Zweck, an dieser Stelle etwas tiefer in den Lappwald auf das ehemalige DDR Gebiet sehen zu können, brauchen Treppe und Turm heute gottlob nicht mehr zu erfüllen. Der Lappwald ist für uns jetzt wieder in vollem Umfange erreichbar.
Die Verpflichtung zu einem Dienst auf den Türmen oder zur Nachtzeit auf der Mauer lag auf den einzelnen bewohnten Grundstücken der Stadt. Als das Kloster Mariental 1315 den Grauen Hof in Helmstedt kaufte (Platz des Juleums), wurde ausdrücklich in der Urkunde vermerkt, dals diese Verpflichtung auf diesem Grundstück nicht weiter ruhen sollte. Die Bürger konnten allerdings Stellvertreter schicken, die für sie diesen Dienst verrichteten. Daraus ergab sich dann später die allgemeine Einführung eines sogenannten Wartepfennigs, also eine neue Steuer. Aus deren Aufkommen wurden jetzt besoldete Stadtknechte eingestellt, die diesen Dienst verrichteten.17)
Auch die selbständige Neumark wurde von einer Mauer umschlossen. Wir finden sie auf dem Plan von Ricken eingetragen. Sie beginnt, indem sie sich an die Vormauer der Helmstedter Stadtbefestigung anschließt, dort, wo Wilhelmstraße und Juliusstraße einander treffen. Sie ist in diesem Bereich, wenn auch stark verändert, noch zu sehen. Sie wird unterbrochen durch das Harsleber Tor, das sich auf dem Gelände unweit der AOK am heutigen Kleinen Stern befand. Sie setzt sich dann in einem Wall fort, der durch den Namen Wallgasse überliefert ist. Zum Kloster Marienberg hin befand sich auf der Braunschweiger Straße mit dem Kirchtor der zweite Zugang. Zum Nordosten hin ergab sich durch den Faulen Bach eine natürliche Abgrenzung. Am Gröpern stand schließlich das dritte Tor der Neumark. Sämtliche Tore waren ohne Türme. Auf dem Kupferstich von Merian ist deshalb von diesen Zugängen nichts zu erkennen.
Die drei Tore in der Neumark sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre 1770 das Harsleber und das Gröperntor zwei neue Torflügel bekommen, 1787 ebenfalls das Kirchentor, „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“.
Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk St. Ludgeri durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der Beendorfer Straße her; die älteren Helmstedter begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins Brunnental vom Ostendorf aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des Klosters der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „Roten Tores“, dem Ausgang des Klosters nach Nordosten hin (Richtung „Roter Torweg“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten.
Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen Wallhof auf dem früheren Gelände der Maschinenfabrik Krull, der bekannte Eulenturm am Batteriewall und in der Nähe der Lutherschule der sogenannte Pulverturm. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von Ludewig übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem Norder- und Westertor (Hausmannsturm) und zwischen diesem und dem Südertor. An der gesamten Front des langen Walles gab es lediglich den erhalten gebliebenen am Wallhof. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks Kleiner Wall 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz Südertor aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich un mittelbar vor der Mauer befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf.
Die erste Bewährungsprobe bestand unsere Stadtmauer 1279. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die Mauer hielt stand.
Dienten die Befestigungen im Mittelalter allgemein noch dem Schutz der Städte vor kriegerischen Angriffen, so galt dies mit Beginn der Neuzeit, sie wird von 1517 an gerechnet, dem Jahr des Thesenanschlags Martin Luthers, wegen der neuen Waffen bei regulären Truppen nicht mehr. So boten sie während des Schmalkaldischen Krieges und in den Nachwirren (1546 bis 1555) unserer Stadt keinen Schutz, von der Zeit des späteren 30jährigen Krieges (1618 bis 1648) völlig abgesehen.
Deshalb begann man auf Weisung des Herzogs Carl ca. 1745 damit, aus den Wallanlagen vor der Stadt Promenaden zu machen. Die vordere Mauer wurde gänzlich, die Hauptmauer teilweise in ihrem oberen Bereich abgetragen. Durch die Neugestaltung der alten Wehranlage mit der Schaffung der Wälle konnten im Vorfeld der Mauer, damals sehr begehrt, Gärten angelegt werden. Sie erbrachten durch den Verkauf oder durch den jährlichen Erbzins der Stadt zusätzliche Einnahmen.
Allerdings war man bemüht, die Mauer in ihrer Substanz zu erhalten. Sie wurde sogar repariert, hatte sie doch noch die Funktion, die Stadt nachts von der Außenwelt abzuschirmen und tagsüber Personen ein Betreten oder Verlassen nur durch die Tore zu erlauben. Die Zugänge blieben bis weit in das letzte Jahrhundert hinein nachts geschlossen. Auch nachdem man am Süder- und Ludgeritor die Türme abgebrochen hatte, blieben die Tore selbst bestehen. Erst 1846 veräußerte die Stadt die Torflügel. Die des Haus mannsturms hatte man wegen der Erweiterung der Durchfahrt im Herbst 1845 bereits im städtischen Magazin eingelagert. Die Flügel des Nordertores wie auch die des Südertores wurden zusammen mit denen des Kirchtores (am Piest'schen Gasthofe „Zum Goldenen Löwen“, Braunschweiger Straße 25) und des Harsleber Tores (beide in der Neumark) 1846 versteigert. Die Tormauern wurden auf Abbruch ebenfalls an den jeweils Meistbietenden verkauft. Dieser hatte sie innerhalb der folgenden 14 Tage abzubrechen und die Reste abzufahren.
Mit der Versteigerung der Tore war auch die Aufhebung der Torsperre verbunden, die Stadtmauer diente kaum noch der nächtlichen Sicherheit und damit auch nicht mehr dem Nutzen der Bürger. Sie hatte ihren öffentlichen Zweck über Jahrhunderte erfüllt. Man überlegte deshalb, ob man die „an vielen Stellen bekanntlich sehr schadhafte Stadtmauer“ den Anliegern zum Kauf anbieten sollte. Das geschah stellenweise. Dabei wurden die Eigentümer bevorzugt, deren Grundstücke auf der Stadtinnenseite lagen. Sie hatten mit dem Kauf die Erhaltungspflicht zu übernehmen. Dies wurde teilweise sogar im Grundbuch eingetragen. Auch die Mauertürme wurden veräußert, so z. B. der im früheren Leihhausgarten (Streplingerode 29) an den Tischlermeister Theodor Oppermann. Es war der einzige Mauerturm am Langen Wall. Er befindet sich heute noch auf dem Gelände der früheren Maschinenfabrik Krull (Wallhof).
Im Jahre 1935 begann man, sich Sorgen um den Erhalt der Mauer zu machen. Man ermittelte, welche Teile davon überhaupt verkauft waren und somit den Anliegern gehörten, welche noch städtisch waren und welche zwar verkauft, aber nicht aufgelassen waren, d. h., in diesen Fällen gab es keinen formgültigen Kaufvertrag. Inzwischen ist die Mauer – soweit noch vorhanden – überall saniert. Damit ist sichergestellt, dass sie uns und der Nachwelt erhalten bleibt.
Damit endet der Aktenvorgang über ein nicht unwichtiges Kapitel der Geschichte der Stadt, die uns in unserer Stadtmauer heute immer noch begegnet.
Es wird oft die Frage gestellt, ob an der Helmstedter Stadtmauer einstmals ein Wehrgang war. Vielen Stadtmauern, insbesondere in Süddeutschland, ist ein solcher Wehrgang erhalten geblieben. Er ist dort eine besondere Attraktion für die Touristen. An unserer Stadtmauer ist ein solcher Gang nicht ausdrücklich nachgewiesen. Solche Gänge waren in der Regel aus Holz und sind deshalb verwittert. Kragsteine im Bereich des Batteriewalles zwischen Eulen- und Pulverturm lassen allerdings die Vermutung zu, dass wenigstens dort ein solcher Gang gewesen sein könnte. Mit dem Einsetzen der Feuerwaffen verloren die Wehrgänge mit der Verteidigung von oben ihre Bedeutung. Jetzt war die Sicherheit hinter der Mauer wichtiger, die Verteidigung verlief nun horizontal. Wohl hat es „Wehrlöcher“, aus denen einstmals geschossen wurde, gegeben.
Während die Helmstedter Stadtmauer uns in das Mittelalter entführt, gibt es aus jener Zeit eine heute noch lebendige Wirklichkeit: Die Helmstedter Schützen. Die Gesellschaft ist einmal, wie in den meisten anderen Städten, aus der Gemeinschaft der männlichen Bürger entstanden, die verpflichtet waren, im Ernstfall ihre Stadt mit Speeren, Spießen und später Feuerwaffen zu verteidigen. Derjenige Bürger, der bei den Übungen die besten Schüsse abgab, war für ein Jahr von den städtischen Steuern befreit. Deshalb hieß das Schützenfest früher „Freischießen“. In Peine z. B. hat sich diese Bezeichnung für das Fest der Schützen bis heute erhalten.
Die Helmstedter Schützenbrüderschaft steht voll in dieser Tradition. Sie läßt sich bis in die Zeit um 1370 nachweisen. Belegt ist dies durch ein Dokument, das sich im Stadtarchiv Goslar befindet. Darin erbitten Schützenmeister und Schützengemeinde zu Helmstedt eine Antwort auf eine bereits ergangene Einladung zum Schützenfest des laufenden Jahres. Dieses Jahr ist leider nicht angegeben, wird aber den Schriftzügen nach als etwa 1370 angenommen. Der Name Hans Zengeberen, der in dem Dokument vorkommt, ist in den Bürgerbüchern von Robert Schaper leider nicht aufgeführt. Steuerlisten aus jener Zeit gibt es ebenfalls nicht. So kann das Jahr durch diese Person leider nicht weiter eingeengt werden.
Wo zu jener Zeit die Schützen geübt haben, wissen wir leider nicht. In einer Satzung aus dem Jahre 1688 ist festgelegt, dass sich u. a. die Schützen alle Montage auf dem Walle, ehe das Schießen angeht, zu versammeln haben.l8) Das muss der Schützenwall gewesen sein, von dem die Schützen nach dem in dieser Chronik in dem Kapitel „Die Universität Helmstedt“ erwähnten Unglücksschuss auf die Hofrätin Mencken „vertrieben“ wurden. Das war 1760. Schießübungen durften einige Jahre überhaupt nicht stattfinden, bis dann schließlich den Schützen eine Stelle am Schwarzen Berge an der Walbecker Straße, oben am Lappwald, für ihre Aktivitäten und auch für das jährliche „Freischießen“ zugewiesen wurde. Das war etwas zu weit von der Stadt entfernt, und so bekamen die Schützen schließlich auf ihr Bitten 1794 ihren Platz an der Masch, wo bereits im selben Jahr ein sicherlich bescheidenes Schützenhaus erstellt werden konnte. Es brannte 1828 vollständig nieder. Zwei Jahre später war dann ein größeres und damit würdigeres Schützenhaus fertiggestellt. 1887 wurde der neue Festsaal angebaut, nachdem der Konsul Alexander Johannes Benjamin Dieckmann uneigennützig Kapital dazu geliehen hatte. 19) Dieser Saal brannte im Jahre 1900 ab und wurde massiv wieder aufgebaut.
In der NS-Zeit entstand in Riddagshausen aus Mitteln der Hermann-Göring-Stiftung - der Namensträger war u. a. Reichsjägermeister – der Reichsjägerhof. In Helmstedt sollte ein Kreisjägerhof erbaut werden. Als Platz dafür wurde die Masch und damit das Schützenhaus gewählt. Die Helmstedter Schützenbrüderschaft wurde veranlasst, ihr Grundstück an die genannte Stiftung abzutreten. 1936 wurde der große Saal abgerissen, ebenso ein Musikpavillon und die Schießhalle. 20) Am 27. November 1938 wurde der Kreisjägerhof von den damaligen Machthabern eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg war das Haus Lazarett. 1947 wurde die Schützenbrüderschaft durch ihren 1. Vorsitzenden Hermann Hennecke und Notar Wilhelm Abry wiedergegründet. Aus dem Kreisjägerhof wurde wieder das Schützenhaus.
1) Rathgen, Bernhard „Das Geschütz im Mittelalter“, Berlin 1928, S. 8 bzw. S. 5
2) Rathgen, a. a. O., S. 17
3) Rathgen, a. a. O., S. 62
4) de Lorme „Eine Helmstedter Musterungsrolle vom Jahre 1548“ (in Heft 8 des 7. Jahrgangs der Zeitschrift der Zentralstelle für niedersächsische Familiengeschichte, etwa 1925)
5) Rathgen, a. a. O., S. 611
6) Rathgen, a. a. O., S. 612
7) Ludewig, Friedrich August, „Geschichte und Beschreibung der Stadt Helmstedt“, Helmstedt, 1821, S. 174
8) Meckseper, „Kleine Kunstgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter“, Darmstadt 1982, S. 101
9) Meier, Paul-Jonas, „Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Helmstedt“, Wolfenbüttel 1896, S. 95, 96
10) Meier, Paul-Jonas, a. a. O., S. 96
11) Meier, Paul-Jonas, a. a. O., S. 99
12) Meier, Paul-Jonas, „Die Befestigung der Stadt Helmstedt im Mittelalter“ – „Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 28, Heft 2, 1895, S. 635
13) Wilbertz, Otto-Matthias, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13
14) Meier, Paul-Jonas, „Befestigungen…“, S. 637
15) Meier, Paul-Jonas, „Befestigungen…“, S. 99
16) Meier, Paul-Jonas, „Befestigungen…“, S. 99
17) Meier, Paul-Jonas, „Befestigungen…“, S. 623
18) Helmstedter Schützenbrüderschaft e. V. v. 1370, „Festschrift zur 600-Jahr-Feier“, Helmstedt 1970, S. 49
19) Helmstedter Schützenbrüderschaft, a. a. O., S. 51
20) Helmstedter Schützenbrüderschaft, a. a. O., S. 100
== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
== Die Helmstedter Stadttürme (S. 95–98) ==
[[Helmstedt]] kann für sich in Anspruch nehmen, im ehemaligen Herzogtum Braunschweig der einzige Ort zu sein, der mit dem [[Hausmannsturm]] noch einen alten Stadtturm aufzuweisen hat. Weder Wolfenbüttel noch Braunschweig oder andere Orte können insoweit mit uns konkurrieren. Jede Stadt hatte früher wenigstens an den wichtigsten Toren Stadttürme. Sie dienten verschiedensten Zwecken. In Norddeutschland sind diese Anlagen meistens verschwunden. Merian bzw. zwei seiner Söhne haben auf dem bekannten Kupferstich von [[1654]] für [[Helmstedt]] dieses Wahrzeichen festgehalten. Das Bild zeigt mit einer Mauer und dem Teich im Vordergrund einen sehr wehrhaften Ort, aber zugleich auch ein imposantes Stadtbild. Um [[Helmstedt]] betrachten zu können, hat der Zeichner mit einer Stelle am [[Lappwald]]rand einen Ort ausgewählt, von dem der Wanderer oder der Fahrer auf der Autobahn auch heute noch den nicht unberechtigten Eindruck einer schönen Stadt hat. Übrigens, Merian, geboren [[1593]] zu Basel, verstorben [[1650]] zu Frankfurt/Main, ist nie in [[Helmstedt]] gewesen. Um das große Werk einer Topographie aller Städte Deutschlands gestalten zu können, bedienten sich Merian bzw. seine Söhne Matthäus d. J. und Kaspar vieler Helfer. In den Fürstentümern Lüneburg und Wolfenbüttel war es der Kupferstecher Konrad Buno aus dem Hessischen, der sich [[1640]] in Braunschweig und dann später in Wolfenbüttel niedergelassen hatte. Das von ihm dort bewohnte Haus wird heute noch gezeigt. Buno bereiste die einzelnen Fürstentümer, Empfehlungsschreiben des jeweiligen Herzogs an die einzelnen Städte waren vorausgegangen. Er zeichnete Ansichten auf Papier, skizzierte mitunter das Gesehene auf Schrifttafeln, um es auf besondere Blätter zu übertragen. So kam er ganz gut voran. Gandersheim, wo er am 31. Juli [[1652]] eingetroffen war und bis zum 2. August blieb, war offenbar der letzte Ort im hiesigen Fürstentum, denn noch in demselben Monat fing er im Calenbergischen mit seinen Zeichnungen an. In [[Helmstedt]] wird er also in der ersten Hälfte des Jahres [[1652]] gewesen sein. In der Kämmereirechnung findet sich leider kein Eintrag über entsprechende Ausgaben des Rates.<ref>Zimmermann, P. "Matthäus Merians Topographie der Herzogtümer Braunschweig und Lüneburg" in Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 1902, S. 38 ff.</ref>
[[Helmstedt]] kann für sich in Anspruch nehmen, im ehemaligen Herzogtum Braunschweig der einzige Ort zu sein, der mit dem [[Hausmannsturm]] noch einen alten Stadtturm aufzuweisen hat. Weder Wolfenbüttel noch Braunschweig oder andere Orte können insoweit mit uns konkurrieren. Jede Stadt hatte früher wenigstens an den wichtigsten Toren Stadttürme. Sie dienten verschiedensten Zwecken. In Norddeutschland sind diese Anlagen meistens verschwunden. Merian bzw. zwei seiner Söhne haben auf dem bekannten Kupferstich von [[1654]] für [[Helmstedt]] dieses Wahrzeichen festgehalten. Das Bild zeigt mit einer Mauer und dem Teich im Vordergrund einen sehr wehrhaften Ort, aber zugleich auch ein imposantes Stadtbild. Um [[Helmstedt]] betrachten zu können, hat der Zeichner mit einer Stelle am [[Lappwald]]rand einen Ort ausgewählt, von dem der Wanderer oder der Fahrer auf der Autobahn auch heute noch den nicht unberechtigten Eindruck einer schönen Stadt hat. Übrigens, Merian, geboren [[1593]] zu Basel, verstorben [[1650]] zu Frankfurt/Main, ist nie in [[Helmstedt]] gewesen. Um das große Werk einer Topographie aller Städte Deutschlands gestalten zu können, bedienten sich Merian bzw. seine Söhne Matthäus d. J. und Kaspar vieler Helfer. In den Fürstentümern Lüneburg und Wolfenbüttel war es der Kupferstecher Konrad Buno aus dem Hessischen, der sich [[1640]] in Braunschweig und dann später in Wolfenbüttel niedergelassen hatte. Das von ihm dort bewohnte Haus wird heute noch gezeigt. Buno bereiste die einzelnen Fürstentümer, Empfehlungsschreiben des jeweiligen Herzogs an die einzelnen Städte waren vorausgegangen. Er zeichnete Ansichten auf Papier, skizzierte mitunter das Gesehene auf Schrifttafeln, um es auf besondere Blätter zu übertragen. So kam er ganz gut voran. Gandersheim, wo er am 31. Juli [[1652]] eingetroffen war und bis zum 2. August blieb, war offenbar der letzte Ort im hiesigen Fürstentum, denn noch in demselben Monat fing er im Calenbergischen mit seinen Zeichnungen an. In [[Helmstedt]] wird er also in der ersten Hälfte des Jahres [[1652]] gewesen sein. In der Kämmereirechnung findet sich leider kein Eintrag über entsprechende Ausgaben des Rates.<ref>Zimmermann, P. "Matthäus Merians Topographie der Herzogtümer Braunschweig und Lüneburg" in Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig 1902, S. 38 ff.</ref>