Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen
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Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref> | Die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] (auch Wohltwarte (Waldwarte)) gab es wie die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]] schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr [[1252]]. Sie bildeten die Endpunkte der [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]]. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] ohne weiteres möglich. Am [[Kleiner Wall|Kleinen Wall]] befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20. Februar [[1944]] zerstört. Aber auch von der [[Helmstedter Landwehr|Ersten Walbecker Warte]] aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem [[Nordertor (Turm)|Nordertor]] in der Nähe des [[Hafermühlenteich]]s ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzufangen. Nach [[Robert Schaper]] soll sich die Bezeichnung „[[Warneckenberg (Stadtviertel)|Warneckenberg]]“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen“ oder „Hohen Turm“, [[1385]] und noch [[1515]] bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref> | ||
Da 1252 nur eine Walbecker Warte erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden Warten in ihrer Substanz 1377 errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die | Da [[1252]] nur eine [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden [[Helmstedter Landwehr|Warten]] in ihrer Substanz [[1377]] errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die [[Helmstedter Landwehr|Erste Walbecker Warte]], die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. - Anders dagegen die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]]. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] vermerkt [[1821]], ,…fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei [[Helmstedter Landwehr|Warten]] diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie [[1855]] – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> | ||
Im Jahr 1980 wurde in die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] eine Treppe eingebaut, die den | Im Jahr [[1980]] wurde in die [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] eine Treppe eingebaut, die den [[Helmstedt]]ern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten. | ||
Den weiteren Zweck, an dieser Stelle etwas tiefer in den Lappwald auf das ehemalige DDR Gebiet sehen zu können, brauchen Treppe und Turm heute gottlob nicht mehr zu erfüllen. Der Lappwald ist für uns jetzt wieder in vollem Umfange erreichbar. | Den weiteren Zweck, an dieser Stelle etwas tiefer in den [[Lappwald]] auf das ehemalige DDR-Gebiet sehen zu können, brauchen Treppe und Turm heute gottlob nicht mehr zu erfüllen. Der [[Lappwald]] ist für uns jetzt wieder in vollem Umfange erreichbar. | ||
Die Verpflichtung zu einem Dienst auf den Türmen oder zur Nachtzeit auf der Mauer lag auf den einzelnen bewohnten Grundstücken der Stadt. Als das Kloster Mariental 1315 den Grauen Hof in Helmstedt kaufte (Platz des | Die Verpflichtung zu einem Dienst auf den Türmen oder zur Nachtzeit auf der Mauer lag auf den einzelnen bewohnten Grundstücken der Stadt. Als das [[Kloster Mariental]] [[1315]] den [[Grauer Hof|Grauen Hof]] in [[Helmstedt]] kaufte (Platz des [[Juleum]]s), wurde ausdrücklich in der Urkunde vermerkt, dass diese Verpflichtung auf diesem Grundstück nicht weiter ruhen sollte. Die Bürger konnten allerdings Stellvertreter schicken, die für sie diesen Dienst verrichteten. Daraus ergab sich dann später die allgemeine Einführung eines sogenannten Wartepfennigs, also eine neue Steuer. Aus deren Aufkommen wurden jetzt besoldete Stadtknechte eingestellt, die diesen Dienst verrichteten.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 623</ref> | ||
Auch die selbständige Neumark wurde von einer Mauer umschlossen. Wir finden sie auf dem Plan von Ricken eingetragen. Sie beginnt, indem sie sich an die Vormauer der | Auch die selbständige [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] wurde von einer Mauer umschlossen. Wir finden sie auf dem Plan von Ricken eingetragen. Sie beginnt, indem sie sich an die Vormauer der [[Helmstedt]]er [[Stadtmauer (Helmstedt)|Stadtbefestigung]] anschließt, dort, wo [[Wilhelmstraße]] und [[Juliusstraße]] einander treffen. Sie ist in diesem Bereich, wenn auch stark verändert, noch zu sehen. Sie wird unterbrochen durch das [[Harslebertor]], das sich auf dem Gelände unweit der [[AOK]] am heutigen [[Kleiner Stern|Kleinen Stern]] befand. Sie setzt sich dann in einem Wall fort, der durch den Namen [[Wallgasse]] überliefert ist. Zum [[Kloster St. Marienberg|Kloster Marienberg]] hin befand sich auf der [[Braunschweiger Straße]] mit dem [[Kirchtor]] der zweite Zugang. Zum Nordosten hin ergab sich durch den [[Fauler Bach|Faulen Bach]] eine natürliche Abgrenzung. Am [[Gröpern]] stand schließlich das dritte Tor der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]]. Sämtliche Tore waren ohne Türme. Auf dem Kupferstich von Merian ist deshalb von diesen Zugängen nichts zu erkennen. | ||
Die drei Tore in der Neumark sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre 1770 das Harsleber und das Gröperntor zwei neue Torflügel bekommen, 1787 ebenfalls das Kirchentor, „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“. | Die drei Tore in der [[Neumark (Stadtviertel)|Neumark]] sind aktenmäßig nachgewiesen. So haben im Jahre [[1770]] das [[Harslebertor|Harsleber]]- und das [[Gröperntor]] zwei neue Torflügel bekommen, [[1787]] ebenfalls das [[Kirchtor|Kirchentor]], „in dem das Thor nicht offen bleiben sollte“. | ||
Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk St. Ludgeri durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der Beendorfer Straße her; die älteren Helmstedter begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins Brunnental vom Ostendorf aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des Klosters der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „Roten Tores“, dem Ausgang des Klosters nach Nordosten hin (Richtung „Roter Torweg“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten. | Wie bei bedeutenden Klöstern üblich, so war auch der Bezirk St. Ludgeri durch eine Mauer abgegrenzt. Wir kennen sie heute noch von der Beendorfer Straße her; die älteren Helmstedter begleitete sie eine Weile auf ihren sonntäglichen Spaziergängen ins Brunnental vom Ostendorf aus. Dieser Weg ist heute gesperrt. An diesem Teil der Mauer befand sich auch bis vor kurzem zum Zeichen der Reichsunmittelbarkeit des Klosters der österreichische Doppeladler, und zwar an einem Pfeiler des sogenannten „Roten Tores“, dem Ausgang des Klosters nach Nordosten hin (Richtung „Roter Torweg“). Der Stein mit dem Adler ist erhalten. | ||
Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen Wallhof auf dem früheren Gelände der Maschinenfabrik Krull, der bekannte Eulenturm am Batteriewall und in der Nähe der Lutherschule der sogenannte Pulverturm. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von Ludewig übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem Norder- und Westertor (Hausmannsturm) und zwischen diesem und dem Südertor. An der gesamten Front des langen Walles gab es lediglich den erhalten gebliebenen am Wallhof. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks Kleiner Wall 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz Südertor aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich un mittelbar vor der Mauer befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf. | Von den Mauertürmen bestehen noch drei: ein viereckiger im heutigen Wallhof auf dem früheren Gelände der Maschinenfabrik Krull, der bekannte Eulenturm am Batteriewall und in der Nähe der Lutherschule der sogenannte Pulverturm. Hier haben früher die Schützen das Pulver für ihre Schießübungen eingelagert. Insgesamt sollen es einmal fünf Türme gewesen sein. Diese Anzahl hat Meier von [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] übernommen. Sie befanden sich hauptsächlich zwischen dem Norder- und Westertor (Hausmannsturm) und zwischen diesem und dem Südertor. An der gesamten Front des langen Walles gab es lediglich den erhalten gebliebenen am Wallhof. Die Türme waren teils viereckig, teils halbrund. Teilweise waren die halbrunden Türme zur Stadt hin völlig offen. Der Rest eines solchen runden Turms steht noch im Garten des Grundstücks Kleiner Wall 25, er ist zu erreichen vom Parkplatz Südertor aus. Diese runden Türme dienten insbesondere dazu, den Gegner, der sich un mittelbar vor der Mauer befand, von der Seite her anzugreifen. In den Kreuzzügen hatte man eine Methode entwickelt, Mauern zum Einsturz zu bringen: man unterminierte sie. Von der Mauerkrone aus konnte man dies schlecht verhindern, weil man sich hat vorbeugen müssen. Deshalb wiesen viele Befestigungsanlagen die über die Mauerflucht hinausragenden Rundtürme wie auch die nach vorn angelegten Wehrgänge auf. | ||
Die erste Bewährungsprobe bestand unsere Stadtmauer 1279. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die Mauer hielt stand. | Die erste Bewährungsprobe bestand unsere Stadtmauer 1279. Der Markgraf Albrecht von Brandenburg erschien vor den Toren der Stadt, um sie einzunehmen. Seine Truppen warfen große Steine in die Stadt und liefen schließlich Sturm. Sie konnten aber nichts ausrichten, die Mauer hielt stand. | ||