Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 173: | Zeile 173: | ||
Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort. | Nach Paul-Jonas Meier verlief die [[Helmstedter Landwehr|Landwehr]] von der ersten [[Helmstedter Landwehr|Walbecker Warte]] in Richtung Stadt parallel zu der heutigen [[Walbecker Straße]]. Etwa in der Nähe des [[Waldbad Birkerteich|Waldbades Birkerteich]] änderte sie die Richtung. Sie wurde jetzt im rechten Winkel weiter in Richtung [[Helmstedter Landwehr|Magdeburger Warte]] geführt und endete zunächst dort. | ||
Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der Landwehr entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die Helmstedter konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die Landwehr umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die Land wehr nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. | Der Grund dieser Richtungsänderung war strategischer Art. Man wollte den Feind an der Landwehr entlang bis dicht an die Stadt heranführen, um zunächst Kenntnis vom Herannahen und von seiner Stärke zu erhalten, ihn dann aber nicht weiter in Richtung Stadt, sondern von der Stadt abwärts nach Osten bzw. Südosten marschieren lassen. Bei der Schwerfälligkeit der damaligen Truppen und dem Dickicht des Waldes dauerte dies einige Zeit. Die Helmstedter konnten sich so besser auf den Feind einstellen. Diese List konnte aber nur dann gelingen, wenn der Gegner keinerlei Ortskenntnisse besaß, denn sonst würde er von der anderen Seite heranrücken oder aber die Landwehr umgehen. Er hätte dann aber nicht den Schutz des Waldes gehabt. Dennoch hat die Tatsache, dass die Land wehr nicht als Halbkreis, sondern rechtwinklig um einen Teil der Stadt angelegt worden war, Rätsel aufgegeben. Paul-Jonas Meier hat es so gedeutet, dass offenbar im hohen Mittelalter (also 13. Jahrhundert) die Straße nach Magdeburg, die ohne Zweifel wichtig war und auf der die Heere des Erzbischofs Ludolf einmal gekommen waren, nicht wie heute in Richtung Magdeburger Warte und an jener vorbei verlief, sondern dass sie durch das Nordertor und am Hafermühlenteich entlang und weiter in nordöstliche Richtung geführt wurde. Dabei stieg sie ganz allmählich in einer flachen Talmulde empor, „die breit genug ist, um nicht allein den Bach, der dort verläuft, sondern auch die Heerstraße aufzunehmen.“ Sie wird dann nördlich des Bötschenbergs durch das Tal beim jetzigen Gesundbrunnen und über Beendorf in südlicher Richtung verlaufen sein, um dann in die Straße Morsleben – Alleringersleben – Erxleben einzumünden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Die Befestigung der Stadt Helmstedt im Mittelalter“ – „Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 28, Heft 2, 1895, S. 635</ref> Dies könnte die Anlage einer Schanze am Bötschenberg erklären, die eine Öffnung der Landwehr besonders schützen sollte. Noch in der Städteansicht des Professors Friedrich Weise aus dem 18. Jahrhundert wird in der Legende auf die „Breye-Schanze“ hingewiesen. Der Autobahnbau 1935 hat sie vernichtet. Heute erinnern nur noch zwei Flurnamen daran: „Hinter der Schanze am Bötschenberg“ und „An der Schanze“, gelegen vor dem heutigen Bötschenberg, wobei dieser Name abgeleitet sein soll vom mittelhochdeutschen Wort „Bitze" = niederes Strauchwerk (Marta Asche in „Helmstedter Kreisblatt“ 20. u. 27. Juli 1957). | ||
Otto Mathias Wilberts<ref>Otto-Matthias Wilbertz, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13</ref> berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der Helmstedter Landwehr gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten Walbecker Straße in Richtung erste Walbecker Warte. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße. | Otto Mathias Wilberts<ref>Otto-Matthias Wilbertz, „Archäologische Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt“ – Beiträge zur Geschichte des Landkreises und der ehemaligen Universität Helmstedt Nr. 6, S. 13</ref> berichtet auf Seite 13 seines Heftes von einer unbekannten Wegespur, auf die er bei der Begehung der Helmstedter Landwehr gestoßen ist. Der dem Heft beiliegenden Karte nach verläuft sie links neben der alten Walbecker Straße in Richtung erste Walbecker Warte. Vielleicht ist dies ein Teil der von Meier vermuteten alten Heerstraße. | ||
| Zeile 191: | Zeile 191: | ||
Zur Verteidigung reichte die Landwehr allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten. | Zur Verteidigung reichte die Landwehr allein nicht aus. Erforderlich war, dass man den Feind rechtzeitig bemerkte. Dazu dienten die Warten. | ||
Die Magdeburger oder auch Wohltwarte (Waldwarte) gab es wie die erste Walbecker Warte schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr 1252. Sie bildeten die Endpunkte der Landwehr. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der Magdeburger Warte ohne weiteres möglich. Am Kleinen Wall befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20.02.1944 zerstört. Aber auch von der ersten Walbecker Warte aus waren nach | Die Magdeburger oder auch Wohltwarte (Waldwarte) gab es wie die erste Walbecker Warte schon sehr früh. Beide stammen spätestens aus dem Jahr 1252. Sie bildeten die Endpunkte der Landwehr. Wenn nicht gleich, aber in jedem Fall später wurden sie Signalstationen. Sie waren in kriegerischen oder unruhigen Zeiten von Bürgern besetzt, die in Richtung Stadt signalisierten, wenn Unbefugte sich näherten. Das war von der Magdeburger Warte ohne weiteres möglich. Am Kleinen Wall befand sich im übrigen auf dem heutigen Grundstück Nr. 24 der Turm, dessen Besatzung diese Zeichen entgegennahm. Er wurde bei dem Luftangriff am 20.02.1944 zerstört. Aber auch von der ersten Walbecker Warte aus waren nach Paul-Jonas Meier die Geländeverhältnisse so, dass man von ihr bis zum Kloster Marienberg sehen konnte, vorausgesetzt, es war eine entsprechende Schneise in den Wald geschlagen. Außerdem hat zur damaligen Zeit vor dem Nordertor in der Nähe des Hafermühlenteichs ein Turm gestanden, der dazu gedient hat, Signale aufzu fangen. Nach Robert Schaper soll sich die Bezeichnung „Warneckenberg“ von diesem Wachtturm ableiten. Paul-Jonas Meier erwähnt ihn als „Neuen" oder „Hohen Turm", 1385 und noch 1515 bezeugt.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 637</ref> | ||
Da 1252 nur eine Walbecker Warte erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht | Da 1252 nur eine Walbecker Warte erwähnt wird, beide aber in ihrer Anlage übereinstimmen, geht Paul-Jonas Meier davon aus, dass die heute zu sehenden beiden Warten in ihrer Substanz 1377 errichtet wurden.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> Das bedeutet aber, dass die erste Walbecker Warte, die nachweisbar älter ist, zu dieser Zeit entsprechend umgeändert oder völlig neu erbaut wurde. - Anders dagegen die Magdeburger Warte. Sie blieb damals bestehen und ist somit in ihrer unteren Substanz älter als die beiden anderen. Ludewig vermerkt 1821, ,...fängt an zu verfallen.“ Dennoch ist sie von allen drei Warten diejenige, die am besten erhalten ist. Das liegt daran, dass sie 1855 – bis auf den unteren Teil – neu gemauert wurde. Deutlich ist an der Ost- und Südwand je eine flache Nische aus früherer Zeit zu sehen. Nach Paul-Jonas Meier könnten diese Nischen zur Aufnahme einer Heiligendarstellung gedient haben.<ref>Paul-Jonas Meier, „Befestigungen…“, S. 99</ref> | ||
Im Jahr 1980 wurde in die Magdeburger Warte eine Treppe eingebaut, die den Helmstedtern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten. | Im Jahr 1980 wurde in die Magdeburger Warte eine Treppe eingebaut, die den Helmstedtern und ihren Besuchern die Möglichkeit gibt, die Stadt so zu sehen, wie jahrhundertelang die mit dem Wachdienst beauftragten Bürger sie sehen konnten. | ||