Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

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Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform [[1948]] entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. – Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr [[1914]] abzuschließen. – Schließlich nahm sich [[1952]] der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14. November [[1955]]. Die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] blieb weiterhin ungeschrieben.
Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform [[1948]] entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. – Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr [[1914]] abzuschließen. – Schließlich nahm sich [[1952]] der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14. November [[1955]]. Die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] blieb weiterhin ungeschrieben.


In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffens meines Vorgängers [[Robert Schaper]] hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den [[Helmstedt]]ern nahegebracht hat.
In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffen meines Vorgängers [[Robert Schaper]] hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den [[Helmstedt]]ern nahegebracht hat.


Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der [[Helmstedt]]er Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadtdirektor [[Lothar Wien]] [[Robert Schaper]] und mich mit dieser Aufgabe. Leider musste Herr [[Robert Schaper|Schaper]] aus Altersgründen [[Helmstedt]] verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häuserbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a. D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis [[1945]] geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefasste Geschichte der [[Universität Helmstedt|Universität]] erforderlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild – ohne auf die [[Universität Helmstedt|Universität]] einzugehen – nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach [[1945]] gerade durch die Stellung [[Helmstedt]]s in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, dass sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird unter anderem auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die [[Helmstedt]]er Schulen und über [[Bad Helmstedt]] enthalten. – Den [[Helmstedt]]er Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich [[1996]] Susanne Pieper in ihrem Buch ''[[Chronik des Helmstedter Handwerks]]'' ausführlich beschäftigt.
Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der [[Helmstedt]]er Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadtdirektor [[Lothar Wien]] [[Robert Schaper]] und mich mit dieser Aufgabe. Leider musste Herr [[Robert Schaper|Schaper]] aus Altersgründen [[Helmstedt]] verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häuserbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a. D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis [[1945]] geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefasste Geschichte der [[Universität Helmstedt|Universität]] erforderlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild – ohne auf die [[Universität Helmstedt|Universität]] einzugehen – nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach [[1945]] gerade durch die Stellung [[Helmstedt]]s in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, dass sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird unter anderem auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die [[Helmstedt]]er Schulen und über [[Bad Helmstedt]] enthalten. – Den [[Helmstedt]]er Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich [[1996]] Susanne Pieper in ihrem Buch ''[[Chronik des Helmstedter Handwerks]]'' ausführlich beschäftigt.
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== Das Helmstedter Stadtwappen (S. 99–100) ==
== Das Helmstedter Stadtwappen (S. 99–100) ==
Wir kennen alle das [[Helmstedt]]er Stadtwappen: Es zeigt den Heiligen Ludgerus mit roter Kasel und Mitra und mit dem Abtstab in der rechten und mit einem Buch, wohl der Heiligen Schrift, in der linken Hand. Auf das Merkmal Stadt weist die Mauer hin. Es beweist weiter, dass [[Helmstedt]] unter dem Krummstab groß geworden ist. Erstmals finden wir dieses Motiv in einem [[Helmstedt]]er Siegel aus dem Jahr [[1232]]. In dieser Form wurde das Siegel bis in das 16. Jahrhundert und wahrscheinlich auch noch später benutzt. Die Legende, d. h. die Umschrift in der Rundung, hat den Wortlaut „Sigillum burgnsium in Helmstadt“, d. h. in deutsch „Siegel der Bürgerschaft in Helmstedt“, dabei hatte man in dem lateinischen Wort für Bürgerschaft das „e“ vergessen. Außer diesem großen Siegel gab es drei kleinere, die, wenn auch nicht zugleich, so aber ebenfalls bis in die Neuzeit dazu dienten, offizielle Akten der Stadt abzusiegeln. Auch noch in den Jahren [[1622]] und [[1625]] finden wir den Heiligen Ludgerus auf städtischen Urkunden. Zugleich wird aber ein anderes Symbol zum Emblem der Stadt: zwei gekreuzte Krummstäbe. Wir finden sie in den Holzschnitzereien am [[Rohrsches Haus|Rohrschen Haus]] (untere Reihe, siebentes Feld von links) und am [[Beguinenhaus]] (erbaut [[1580]]). Dort trägt die Darstellung den Zusatz „DRW“ = des Rates Wappen. Auch der bekannte Merianstich von [[1654]] zeigt sie als Wappen der Stadt. Am heutigen [[Rathaus (Helmstedt)|Rathaus]] sind sie an der Außenfront über dem mittleren Fenster des Sitzungssaales und über dem heutigen Stadtwappen ebenfalls sichtbar, gewissermaßen als Bindeglied zwischen dem mittelalterlichen [[Helmstedt]] und dem heutigen. Der Heilige Ludgerus war früher allein Inhalt des Siegels. Wappen und Siegel waren also verschieden. Arnold Rabbow, Verfasser des Braunschweigischen Wappenbuchs, Braunschweig [[1977]], ist dieser Unterschied mitunter begegnet, „diese Unterscheidung hat auch einen praktischen Sinn: Siegelbilder wurden damals gern detailreich und künstlerisch aufwendig gestaltet, um die Fälschung zu erschweren. Ein Wappen aber soll auch auf weite Sicht gut erkennbar sein, soll mithin einfach und übersichtlich gestaltet sein“.<ref>{{Literatur |Autor=Arnold Rabbow |Titel=Braunschweigisches Wappenbuch – Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel, Wolfsburg |Ort=Braunschweig |Datum=1977 |Seiten=59 }}</ref> Im 19. Jahrhundert erscheint der Heilige Ludger auch als Wappen der Stadt. Er trägt jetzt aber nicht das Heilige Buch, sondern einen Kelch.
Wir kennen alle das [[Helmstedt]]er Stadtwappen: Es zeigt den Heiligen Ludgerus mit roter Kasel und Mitra und mit dem Abtstab in der rechten und mit einem Buch, wohl der Heiligen Schrift, in der linken Hand. Auf das Merkmal Stadt weist die Mauer hin. Es beweist weiter, dass [[Helmstedt]] unter dem Krummstab groß geworden ist. Erstmals finden wir dieses Motiv in einem [[Helmstedt]]er Siegel aus dem Jahr [[1232]]. In dieser Form wurde das Siegel bis in das 16. Jahrhundert und wahrscheinlich auch noch später benutzt. Die Legende, d. h. die Umschrift in der Rundung, hat den Wortlaut „Sigillum burgnsium in Helmstadt“, d. h. in Deutsch „Siegel der Bürgerschaft in Helmstedt“, dabei hatte man in dem lateinischen Wort für Bürgerschaft das „e“ vergessen. Außer diesem großen Siegel gab es drei kleinere, die, wenn auch nicht zugleich, so aber ebenfalls bis in die Neuzeit dazu dienten, offizielle Akten der Stadt abzusiegeln. Auch noch in den Jahren [[1622]] und [[1625]] finden wir den Heiligen Ludgerus auf städtischen Urkunden. Zugleich wird aber ein anderes Symbol zum Emblem der Stadt: zwei gekreuzte Krummstäbe. Wir finden sie in den Holzschnitzereien am [[Rohrsches Haus|Rohrschen Haus]] (untere Reihe, siebentes Feld von links) und am [[Beguinenhaus]] (erbaut [[1580]]). Dort trägt die Darstellung den Zusatz „DRW“ = des Rates Wappen. Auch der bekannte Merianstich von [[1654]] zeigt sie als Wappen der Stadt. Am heutigen [[Rathaus (Helmstedt)|Rathaus]] sind sie an der Außenfront über dem mittleren Fenster des Sitzungssaales und über dem heutigen Stadtwappen ebenfalls sichtbar, gewissermaßen als Bindeglied zwischen dem mittelalterlichen [[Helmstedt]] und dem heutigen. Der Heilige Ludgerus war früher allein Inhalt des Siegels. Wappen und Siegel waren also verschieden. Arnold Rabbow, Verfasser des Braunschweigischen Wappenbuchs, Braunschweig [[1977]], ist dieser Unterschied mitunter begegnet, „diese Unterscheidung hat auch einen praktischen Sinn: Siegelbilder wurden damals gern detailreich und künstlerisch aufwendig gestaltet, um die Fälschung zu erschweren. Ein Wappen aber soll auch auf weite Sicht gut erkennbar sein, soll mithin einfach und übersichtlich gestaltet sein“.<ref>{{Literatur |Autor=Arnold Rabbow |Titel=Braunschweigisches Wappenbuch – Die Wappen der Gemeinden und Ortsteile in den Stadt- und Landkreisen Braunschweig, Gandersheim, Gifhorn, Goslar, Helmstedt, Peine, Salzgitter, Wolfenbüttel, Wolfsburg |Ort=Braunschweig |Datum=1977 |Seiten=59 }}</ref> Im 19. Jahrhundert erscheint der Heilige Ludger auch als Wappen der Stadt. Er trägt jetzt aber nicht das Heilige Buch, sondern einen Kelch.


Um die letzte Jahrhundertwende wünschte man die offizielle Genehmigung eines Wappens durch den Herzog. So musste man sich zunächst über ein Motiv einigen. In Frage kamen die beiden „Löffel“, d. h. die Krummstäbe, oder der Heilige Ludger. Man dachte aber auch über ein ganz neues Motiv nach. Zunächst jedoch versuchte man, eine offizielle Stadtfarbe einzuführen. Der Archivrat Dr. Paul Zimmermann, der deshalb vom Rat angeschrieben wurde, stellte aus der Geschichte der Stadt und insbesondere aus den überlieferten Symbolen der beiden Ludgeri Klöster in [[Helmstedt]] und Werden die dominierenden Farben Blau und Weiß heraus und empfahl sie als Stadtfarben. Der Rat entsprach diesem Vorschlag. „Blau-Weiß“ wurden somit die [[Helmstedt]]er Farben, sie sind es bis heute geblieben. Im übrigen zeigte sich das „Pferd“ am Stadthaus in „Weiß“ auf blauem Grund. Der braunschweigische Geschichtsverein hat Anfang unseres Jahrhunderts einmal festgestellt, die eigentlichen [[Helmstedt]]er Farben seien „Rot-Gold“. Diese Feststellung führt zu dem „Löffel-Bild“ zurück, es zeigt nämlich die beiden Abtstäbe „golden“ und den Hintergrund „rot“.
Um die letzte Jahrhundertwende wünschte man die offizielle Genehmigung eines Wappens durch den Herzog. So musste man sich zunächst über ein Motiv einigen. In Frage kamen die beiden „Löffel“, d. h. die Krummstäbe, oder der Heilige Ludger. Man dachte aber auch über ein ganz neues Motiv nach. Zunächst jedoch versuchte man, eine offizielle Stadtfarbe einzuführen. Der Archivrat Dr. Paul Zimmermann, der deshalb vom Rat angeschrieben wurde, stellte aus der Geschichte der Stadt und insbesondere aus den überlieferten Symbolen der beiden Ludgeri Klöster in [[Helmstedt]] und Werden die dominierenden Farben Blau und Weiß heraus und empfahl sie als Stadtfarben. Der Rat entsprach diesem Vorschlag. „Blau-Weiß“ wurden somit die [[Helmstedt]]er Farben, sie sind es bis heute geblieben. Im übrigen zeigte sich das „Pferd“ am Stadthaus in „Weiß“ auf blauem Grund. Der braunschweigische Geschichtsverein hat Anfang unseres Jahrhunderts einmal festgestellt, die eigentlichen [[Helmstedt]]er Farben seien „Rot-Gold“. Diese Feststellung führt zu dem „Löffel-Bild“ zurück, es zeigt nämlich die beiden Abtstäbe „golden“ und den Hintergrund „rot“.