Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen
Admin (Diskussion | Beiträge) |
Admin (Diskussion | Beiträge) |
||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
Als man begann, feste Kirchen zu errichten, legte man um sie herum einen freien Platz an, auf dem die Toten ihre letzte Ruhestätte fanden. Sie waren somit der Kirche und den Gemeindemitgliedern, die bei ihren Kirchengängen an ihnen vorübergehen mußten, nah. So blieben die Lebenden mit den Toten eng verbunden. | Als man begann, feste Kirchen zu errichten, legte man um sie herum einen freien Platz an, auf dem die Toten ihre letzte Ruhestätte fanden. Sie waren somit der Kirche und den Gemeindemitgliedern, die bei ihren Kirchengängen an ihnen vorübergehen mußten, nah. So blieben die Lebenden mit den Toten eng verbunden. | ||
Im Bereich der ummauerten Stadt [[Helmstedt]] gab es zwei Begräbnisplätze: den um [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani]] und einen weiteren um [[St. Walpurgis (Helmstedt)|St. Walpurgis]]. Der größere der beiden war der bei der [[St. Stephani (Helmstedt)|Stephani-Kirche]]. Er wurde bereits im 17. Jahrhundert zu klein. [[1702]] heißt es, „daß für die Todten fast keine Stelle mehr übrig sey“. Deshalb wurde der Friedhof um den Organistengarten – das darauf befindliche Haus wurde abgerissen – zum Süden hin erweitert. Damit war das Problem nur vorübergehend gelöst, denn [[1754]] verlangte Herzog Carl, einen Gottesacker außerhalb der Stadt anzulegen. Die Stadt war nicht so dafür, sie verzögerte diese Angelegenheit. Deshalb ließ der Herzog [[1770]] schreiben, „daß diese Sache endlich einmal zustande komme“. Man solle die Begräbnisplätze für beide Gemeinden aus der Stadt herausverlegen. Schon [[1755]] waren vier Stellen dafür in Vorschlag gebracht worden: der am vormals Spießischen Hause gelegene Wallgarten (Magdeburger Straße), ein Gelände am Schöninger Wege, ein weiteres hinter dem sogenannten Lappenberg (heute [[Norddeutsche Landesbank – Girozentrale|Nord/LB]]) und schließlich das [[Alter Friedhof|Tanzbleek]] an der heutigen [[Gustav-Steinbrecher-Straße]]. | Im Bereich der ummauerten Stadt [[Helmstedt]] gab es zwei Begräbnisplätze: den um [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani]] und einen weiteren um [[St. Walpurgis (Helmstedt)|St. Walpurgis]]. Der größere der beiden war der bei der [[St. Stephani (Helmstedt)|Stephani-Kirche]]. Er wurde bereits im 17. Jahrhundert zu klein. [[1702]] heißt es, „daß für die Todten fast keine Stelle mehr übrig sey“. Deshalb wurde der Friedhof um den Organistengarten – das darauf befindliche Haus wurde abgerissen – zum Süden hin erweitert. Damit war das Problem nur vorübergehend gelöst, denn [[1754]] verlangte Herzog Carl, einen Gottesacker außerhalb der Stadt anzulegen. Die Stadt war nicht so dafür, sie verzögerte diese Angelegenheit. Deshalb ließ der Herzog [[1770]] schreiben, „daß diese Sache endlich einmal zustande komme“. Man solle die Begräbnisplätze für beide Gemeinden aus der Stadt herausverlegen. Schon [[1755]] waren vier Stellen dafür in Vorschlag gebracht worden: der am vormals Spießischen Hause gelegene Wallgarten ([[Magdeburger Straße (Helmstedt)|Magdeburger Straße]]), ein Gelände am Schöninger Wege, ein weiteres hinter dem sogenannten Lappenberg (heute [[Norddeutsche Landesbank – Girozentrale|Nord/LB]]) und schließlich das [[Alter Friedhof|Tanzbleek]] an der heutigen [[Gustav-Steinbrecher-Straße]]. | ||
Eine dieser Stellen, wahrscheinlich die am Lappenberg, war bis [[1484]] der [[Jüdische Friedhöfe in Helmstedt|Judenfriedhof]] gewesen. Er schied aus, denn „so hat es etwas Bedenkliches, einen Judenkirchhof für christliche Leichen zu nehmen“. Daß die Juden auch früher schon ihren Friedhof als „ewig“ angelegt hatten, störte offenbar nicht. Übrig blieb nach weiterer Prüfung der ca. zwei Morgen große Platz am [[Alter Friedhof|Tanzbleek]]. Den bisherigen [[Großer Kirchhof|Kirchhof]] um [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani]] wollte man planieren und dann mit Maulbeerbäumen bepflanzen. Die Blätter dieser Büsche sollten die wirtschaftliche Grundlage der vom Herzog gerade in jenen Jahren empfohlenen Seidenraupenzucht werden. | Eine dieser Stellen, wahrscheinlich die am Lappenberg, war bis [[1484]] der [[Jüdische Friedhöfe in Helmstedt|Judenfriedhof]] gewesen. Er schied aus, denn „so hat es etwas Bedenkliches, einen Judenkirchhof für christliche Leichen zu nehmen“. Daß die Juden auch früher schon ihren Friedhof als „ewig“ angelegt hatten, störte offenbar nicht. Übrig blieb nach weiterer Prüfung der ca. zwei Morgen große Platz am [[Alter Friedhof|Tanzbleek]]. Den bisherigen [[Großer Kirchhof|Kirchhof]] um [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani]] wollte man planieren und dann mit Maulbeerbäumen bepflanzen. Die Blätter dieser Büsche sollten die wirtschaftliche Grundlage der vom Herzog gerade in jenen Jahren empfohlenen Seidenraupenzucht werden. | ||