Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

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Bei der zutreffenden Bedeutung dieser Zeilen und bei dem schon durch die [[Universität Helmstedt|Universität]] nicht geringen Beitrag unserer Stadt zu diesen Veränderungen ist es gerechtfertigt, auch in einer Stadtchronik an die hiesigen Buchdrucker zu erinnern.
Bei der zutreffenden Bedeutung dieser Zeilen und bei dem schon durch die [[Universität Helmstedt|Universität]] nicht geringen Beitrag unserer Stadt zu diesen Veränderungen ist es gerechtfertigt, auch in einer Stadtchronik an die hiesigen Buchdrucker zu erinnern.


Johann Gutenberg ([[1394]] oder [[1399]] bis [[1468]]) gilt als der Erfinder des Druckens mit beweglichen Lettern. Bis zur Einführung des Offsetdrucks bedienten sich die Drucker im Prinzip seines Verfahrens. Vor Gutenberg mussten Bücher zur Verbreitung ihres Inhalts abgeschrieben werden. Das geschah hauptsächlich hinter den Mauern der Klöster, ein Mönch diktierte und mehrere Mönche schrieben mit. Eine einzelne Seite wurde auch schon früher dadurch „gedruckt“, dass man aus einem Stück Holz erhabene Buchstaben schnitzte und so eine Druckplatte herstellte. Diese Platte ließ sich allerdings nur einmal verwenden. Aus Mainz ist für das Jahr [[1454]] mit Ablassblättern der früheste Druck nachgewiesen. Zwei Jahre später kam die berühmte Gutenberg-Bibel auf den Markt. Die Initialen wurden im 15. Jahrhundert noch mit der Hand gemalt.
Johann Gutenberg (um [[1400]] bis [[1468]]) gilt als der Erfinder des Druckens mit beweglichen Lettern. Bis zur Einführung des Offsetdrucks bedienten sich die Drucker im Prinzip seines Verfahrens. Vor Gutenberg mussten Bücher zur Verbreitung ihres Inhalts abgeschrieben werden. Das geschah hauptsächlich hinter den Mauern der Klöster, ein Mönch diktierte und mehrere Mönche schrieben mit. Eine einzelne Seite wurde auch schon früher dadurch „gedruckt“, dass man aus einem Stück Holz erhabene Buchstaben schnitzte und so eine Druckplatte herstellte. Diese Platte ließ sich allerdings nur einmal verwenden. Aus Mainz ist für das Jahr [[1454]] mit Ablassblättern der früheste Druck nachgewiesen. Zwei Jahre später kam die berühmte Gutenberg-Bibel auf den Markt. Die Initialen wurden im 15. Jahrhundert noch mit der Hand gemalt.


Da es noch keine Zeitungen gab, wurden die „neuesten“ Nachrichten auf Flugblättern gedruckt. Der Inhalt wurde von der Obrigkeit vor dem Stadthaus oder von den Fernhandelskaufleuten auf den Marktplätzen der Bevölkerung vorgelesen, denn lesen konnten höchstens 10 % der Stadtbevölkerung, auf dem Dorf wohl nur der Pastor und, sofern es ihn gab, der Lehrer. Durch diese Flugblätter verbreiteten sich auch die Gedanken Martin Luthers. Ohne Gutenberg wäre Luther wohl ein unbekannter Mönch geblieben. Der rapide Anstieg der Flugschriften und die Steigerung ihrer Verbreitung um das Tausendfache ist nachgewiesen.
Da es noch keine Zeitungen gab, wurden die „neuesten“ Nachrichten auf Flugblättern gedruckt. Der Inhalt wurde von der Obrigkeit vor dem Stadthaus oder von den Fernhandelskaufleuten auf den Marktplätzen der Bevölkerung vorgelesen, denn lesen konnten höchstens 10 % der Stadtbevölkerung, auf dem Dorf wohl nur der Pastor und, sofern es ihn gab, der Lehrer. Durch diese Flugblätter verbreiteten sich auch die Gedanken Martin Luthers. Ohne Gutenberg wäre Luther wohl ein unbekannter Mönch geblieben. Der rapide Anstieg der Flugschriften und die Steigerung ihrer Verbreitung um das Tausendfache ist nachgewiesen.


Im Jahre [[1471]] gab es mit Augsburg, Bamberg, Basel, Köln, Mainz, Nürnberg und Straßburg nur sieben Städte mit einer Druckerei, neun Jahre später hatte sich die Anzahl auf 24 erweitert, darunter war Magdeburg. [[1530]] gab es schon 63 Druckereien in entsprechend vielen Städten, darunter nun auch in Braunschweig.<ref>Autorenkollektiv: ''Alteuropäische Schriftlichkeit'', Kurseinheit 7, S. 8, herausgegeben von der Fernuniversität Hagen 1987</ref>
Im Jahre [[1471]] gab es mit Augsburg, Bamberg, Basel, Köln, Mainz, Nürnberg und Straßburg nur sieben Städte mit einer Druckerei, neun Jahre später hatte sich die Anzahl auf 24 erweitert, darunter war Magdeburg. [[1530]] gab es schon 63 Druckereien in entsprechend vielen Städten, darunter nun auch in Braunschweig.<ref>Autorenkollektiv: ''Alteuropäische Schriftlichkeit'', Kurseinheit 7, S. 8, herausgegeben von der Fernuniversität Hagen 1987</ref>
Die Druckkunst hat in [[Helmstedt]] durch [[Jacob Lucius der Ältere|Jakobus Lucius]], der [[1579]] von Rostock hierher gekommen war, im Zusammenhang mit der Gründung der [[Universität Helmstedt|Universität]] begonnen. Nach Wilhelm Eule<ref>Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 14</ref> soll er sich in dem Haus [[Kybitzstraße]] 5 niedergelassen haben. Robert Schaper<ref>[[Robert Schaper]]: ''Das Helmstedter Häuserbuch'', Helmstedt 1974 unter Kybitzstraße 5</ref> hat dagegen festgestellt, dass das heutige Grundstück seinerzeit mit zwei Häusern bebaut war. [[1587]] hat [[Konrad Gerdener]], dessen Haus gegenüber dem [[Ratskeller (Helmstedt)|Ratskeller]] gestanden hatte und abgebrannt war, diese beiden Häuser in einer Hand vereinigt, sie abreißen und das heute noch stehende Gebäude errichten lassen. Er war, wie sein Vater, [[Liste der Bürgermeister von Helmstedt|Bürgermeister]] in [[Helmstedt]] gewesen. Das Wappen des Vaters, [[Hans Gerdener]], befindet sich mit den Initialen BHG am [[Rohr’sches Haus|Rohrschen Haus]], der Name des Sohnes steht am Taufbecken von [[St. Stephani (Helmstedt)|St. Stephani]]. So ist es wahrscheinlicher, dass schon wegen der notwendigen Größe einer Druckerei [[Jacob Lucius der Ältere|Jakobus Lucius]] seine Tätigkeit im Haus [[Beguinenstraße]] 9 begonnen hat. In jedem Fall ist er einige Jahre nach seinem Eintreffen in [[Helmstedt]] dort eindeutig nachgewiesen. Dieses Haus muss es dann gewesen sein, das er mit den 500 Talern erwarb, die der Herzog ihm gegeben hatte.


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Die Druckkunst hat in [[Helmstedt]] durch Jakobus Lucius, der [[1579]] von Rostock hierher gekommen war, im Zusammenhang mit der Gründung der [[Universität Helmstedt|Universität]] begonnen. Nach Wilhelm Eule2) soll er sich in dem Haus Kybitzstraße 5 niedergelassen haben. Robert Schaper3) hat dagegen festgestellt, daß das heutige Grundstück seinerzeit mit zwei Häusern bebaut war. 1587 hat Konrad Gerdener, dessen Haus gegenüber dem Ratskeller gestanden hatte und abgebrannt war, diese beiden Häuser in einer Hand vereinigt, sie abreißen und das heute noch stehende Gebäude errichten lassen. Er war, wie sein Vater, Bürgermeister in Helmstedt gewesen. Das Wappen des Vaters, Hans Gerdener, befindet sich mit den Initialen BHG am Rohrschen Haus, der Name des Sohnes steht am Taufbecken von St. Stephani. So ist es wahrscheinlicher, daß schon wegen der notwendigen Größe einer Druckerei Jakobus Lucius seine Tätigkeit im Haus Beguinenstraße 9 begonnen hat. In jedem Fall ist er einige Jahre nach seinem Eintreffen in Helmstedt dort eindeu-der Herzog ihm gegeben hatte. tig nachgewiesen. Dieses Haus muss es dann gewesen sein, das er mit den 500 Talern erwarb, die der Herzog ihm gegeben hatte.
Lucius stammte aus Siebenbürgen, Hermannstadt oder Kronstadt soll sein Geburtsort gewesen sein<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref> Über Nürnberg, Wittenberg (ab 1556) und Rostock (etwa ab 1577) war er nach Helmstedt gekommen. In Nürnberg mag er sich in der Druckkunst vervollkommnet haben, in den beiden anderen Städten hat er sie beruflich bereits ausgeübt. Mit Schulden hatte er Wittenberg ver-lassen, mit Schulden verließ er auch Rostock. Der berühmte Rostocker Professor David Chytraeus empfahl ihn dem Herzog Julius. Sechs Drucke sind bereits aus dem ersten Jahr seiner Tätigkeit bekannt. Der in Helmstedt geborene Berliner Bibliothekar Dr. Max Joseph Husung (verstorben 17.09.1944) hat sie nachgewiesen. Aber Lucius war nicht nur Drucker, er war auch als Formschneider Künstler. Er stattete seine Werke mit Holzschnitten aus, die ihm den Respekt nicht nur seiner Zeitgenossen einbrachten<ref>Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950</ref>. Lucius starb 1597 an der Pest, mit ihm seine Frau und fünf seiner Kinder. Sein Sohn Jakobus Lucius II. kehrte aus Hamburg, wo er eine eigene Druckerei betrieben hatte, zurück. Er setzte das Werk seines Vaters fort. Er starb aber bereits 1616. In den fast 19 Jahren seines Wirkens als Inhaber der Offizin (Werkstatt einer Druckerei oder einer Apotheke) stellte er viele Drucke her. Ob auch ein ganz besonderes Druckerzeugnis bei ihm erschienen ist, ist nicht sicher, ein Nachweis würde ihm und Helmstedt hohen Ruhm bringen. Es handelt sich dabei um den „Aviso“, die älteste Zeitung Norddeutschlands, erschienen 1609 und nach Meinung des Zeitungsforschers Dr. Schoene die älteste der Welt überhaupt. Im süddeutschen Raum gab es seit 1609 die in Straßburg gedruckte „Relation“, wobei jedoch angenommen wird, daß der „Aviso" als Wochenzeitung schon vor 1609 herausgegeben wurde<ref>Erich Schrader: ''Ist der Aviso, die älteste norddeutsche Zeitung, in Helmstedt gedruckt?'' in ''Festschrift der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', 1950</ref>. Aber im Gegensatz zur „Relation“ ist der Druckort der ersten Jahrgänge des „Aviso“ nicht bekannt, ab 1615 ist er mit Wolfenbüttel nachgewiesen. Auf Helmstedt wurden die Zeitungsforscher aufmerksam, weil die Zierstücke des ersten Jahrgangs Löwenköpfe in verschiedenen Ausführungen zeigen, die denen sehr ähneln, die Jakobus Lucius II. in seinen Druckwerken ver-wandte. Nun hat man zwar in Wolfenbüttel derartige Zierstücke auch gefunden, allerdings könnte wiederum die Vignettenfülle (Verzierung auf Buchtitelseiten, am Rand oder bei Anfangsbuchstaben im Text) der ersten beiden Jahrgänge dieser Zeitung, also 1609 bis 1610, - von 1611 bis 1612 besitzen wir nichts, von 1610 nur die Abschrift einer Titelseite, von 1614 lediglich das Titelblatt einer einzigen vorhandenen Nummer - auf Jakobus Lucius II. verweisen. Darauf hat jedenfalls Husung hingewiesen und gefolgert, daß zumindest diese Schmuckstücke hier bei uns entstanden sein könnten und daß Helmstedt somit einen Beitrag zur ältesten Zeitung der Welt geleistet hätte.
 
Nach dem Tode von Jakobus Lucius II. bekam die Druckerei mit Henning Müller d. A. einen Geschäftsführer, sie blieb dadurch der Familie erhalten. Von 1634 bis 1639 führte sie Jakobus Lucius III. Eine Enkelin des Firmengründers heiratete mit Henning Müller d. J. (lebte von 1607 bis 1675) einen Sohn des Geschäftsführers. Er setzte das Unternehmen fort und verlegte es zur Neumärker Straße 5. Der Nachfolger Heinrich David Müller war sein ältester Sohn. Mit ihm starb 1680 diese Familie im Mannesstamm aus. Die Druckerei samt Grundstück kaufte 1681 Georg Wolfgang Hamm. Er war aus Hof, wo er 1649 geboren wurde, zugewandert und 1715 in Helmstedt verstorben. Er und sein Sohn Hermann Dietrich betrieben die Druckerei bis 1723. Dies war das Todesjahr des Hamm jun. Dessen Erben hielten den Betrieb noch 10 Jahre bis 1733 aufrecht. Das Haus Neumärker Straße 5 wurde an einen Handelsmann veräußert, die Druckerei übernahm nun Johann Drimborn aus Köln, wohnhaft Langer Steinweg 1, ab 1763 Böttcherstraße 5. Drimborn war 1700 in Köln geboren, er war katholisch gewesen und 1723 zum lutherischen Bekenntnis konvertiert. Er war viele Jahre Stadthauptmann in unserer Stadt, also Vorsteher in einem der vier Stadtviertel. Drimbon gab die Druckerei schon einige Zeit vor Seinem Tode Anfang 1760 an Johann Heinrich Kühnlin aus Tübingen (wohnhaft Kybitzstraße 4) ab. Nach dessen Ableben am 22.12.1800 vereinigte sich diese Druckerei mit der des Sigismund David Leuckart. Diese war von den insgesamt vier Helmstedter Druckereien die drittälteste. Jakob Müller aus Stettin hatte sie 1661 gegründet und durch Übernahme der zweiten Helmsted-ter Druckerei 1672 erweitert. Diese zweite Druckerei hatte der Helmstedter Gelehrte und Theologe Georg Calixt 1629 ins Leben gerufen. Er hatte sie schon fünf Jahre später an Henning Müller dem wir bereits in der kurzen Geschichte der Buchdruckerei des Lucius begegnet sind, über. tragen. 1658 bernahm sie für zwei Jahre Johann Georg Täger zusammen mit Martin Vogel. Vor 1660 bis 1672 war dann Henning Müller der Jüngere (gestorben 1675) Pächter. Er betrieb die Offizin neben der die er von der Dynastie Lucius übernommen hatte. 1672 gab er sie an Jako Müller aus Stettin ab - nicht verwandt mit dem Verkäufer -, der bereits in gleicher Tätigkeit seit 1661 in Helmstedt wirkte.
 
Um diese Zeit gab es hier drei Druckereien: Die erste, die Lucius gegründet hatte und die über die Generationen Müller und Hamm zu Drimborn und Kühnlein führt und 1800 geendet hat, die zweite von Georg Calixt, die sich mit der von Jakob Müller 1661 errichteten Druckerei 1672 vereinigte und über verschiedene Familien schließlich 1801 zu den Leuckarts und dann zu den Schmidts bis in unser Jahrhundert reicht, und als dritte die von Schnorr (ab 1680), die von dem letzten Inhaber Fleckeisen nach Schließung der Universität 1811 nach Heiligenstadt und 1815 nach Duderstadt verlegt wurde. Vor allem durch Druck und Herausgabe von Büchern und Schriften der Professoren und von Dissertationen der Studenten fanden diese Druckereien Arbeit und damit eine Existenz.
 
Zu der Druckerei Calixt-Müller: Sie kam über die Familien Hess (1681 bis 1725) und Buchholz (1725 bis 1739) an den in der Thomas-Müntzer-Stadt Stolberg/Harz 1712 geborenen Rats-buchdrucker und späteren Senator der Stadt Helmstedt Michael Günter Leuckart.
 
Von seinen Söhnen erlernte der 1748 geborene Frank Ernst Christoph Leuckart ebenfalls den Beruf des Buchdruckers. Er ging später nach Breslau und gründete dort ein entsprechendes Un-ternehmen, das 1870 nach Leipzig und nach 1945 nach München verlegt wurde. Es besteht heute als ein angesehener Musikalienverlag weiter.
 
Ein weiterer Sohn, Sigismund Christian David Leuckart, führte - der Vater war 1792 verstorben - die Druckerei auch nach dem Ende der Helmstedter Universität weiter. 1809 erschien bei ihm a „emstädtsches Wochenblatt" die erste regelmäßig wiederkehrende Helmstedter Zei-tung. Sie gab es zunächst einmal in der Woche als Sonntagsblatt.
 
Von seinen Kindern wurde der 1794 geborene Friedrich Andreas Sigismund, verstorben 1843, ein bedeutender Zoologe an der Universität Freiburg, Johann Rudolf Gottfried L. dagegen Buchdrucker. Er übernahm die Druckerei schon 1826 und führte sie bis zu seinem Tod am 15.03.1840. Er ist der Vater des am 07.10.1822 geborenen Rudolf Leuckart. Dieser studierte in Göttingen Medizin und Naturwissenschaften. 1850 wurde er Professor in Berlin. Ab 1870 war er bis zu seinem Tode am 06.02.1898 Ordinarius an der Universität Leipzig. Er entdeckte die Trichinen und sorgte damit für die obligatorische Trichinenschau bei Schweinen nach jedem Schlachtvorgang. Nach ihm wurde die Leuckartstraße benannt.
 
Nach 1840 stand die Druckerei, da kein Familienangehöriger sie übernehmen wollte, acht Jahre lang unter vormundschaftlicher Verwaltung des Kaufmanns Eduard Dorguth und des Dr med. Kratzenstein. Die technische Leitung oblag später dem Buchdrucker Johann Christian Schmidt, geboren 1802 in Heiligenstadt (Eichsfeld). Er übernahm 1848 die Firma und mietete zugleich für sie Räume auf dem Grundstück Heinrichsplatz 5. Damals gab es allerdings diesen Platz noch nicht, auf ihm stand das landwirtschaftliche Anwesen des Heinrich Meinecke. Vorher lag die Druckerei auf dem Grundstück Kirchstraße 3. 1867 starb J. C. Schmidt. Seine Witwe Dorothee geb. Lübke aus Harbke setzte mit dem ältesten Sohn Albert, geb. 1843, sein Werk fort. Sie kauften 1871 für die Firma das Grundstück Heinrichsplatz 5. Haupteinnahmequelle der Druckerei war weiterhin die zeitung. Aus dem Wochenblatt von 1809 wurde 1815 die „Helmstädtsche Zeitung“. Sie erschien mittwochs und sonnabends. Format (21 x 16 cm) und Umfang (acht Seiten) waren geblieben. Ab 1847 gab es sie als „Helmstedter Zeitung“, aber weiterhin nur sonnabends und mittwochs. Das änderte sich im Laufe des Jahres 1848, sie erschien einschließlich sonntags fünfmal in der Woche. Neu war auch, daß politische Nachrichten auf die ersten Seiten rückten und amtliche Bekanntmachungen auf der letzten Seite plaziert wurden. Meldungen aus aller Welt erschienen jetzt schneller. Hatte es 1821 noch sechs Wochen gebraucht, um den Tod Napoleons am 05.05. auf der Insel Helena im Atlantik zu melden, so wurden die allerdings auch schon vom Örtlichen her näher liegenden Nachrichten über die März-Revolution 1848 in Berlin nach wenigen Tagen gebracht. - Von 1862 an hieß die Zeitung „Helmstedter Kreisblatt“, und dies bis zu ihrem Ende 1941. Erscheinungstage: Montag, Mittwoch und Freitag, das Format war jetzt 34 x 20 cm. 1877 nahm sie das auch heute noch allgemein bekannte äußere Erscheinungsbild von 45 x 30 cm an, Erscheinungstage: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Ab 1887 gab es sie außer sonntags täglich. Von lokalen Dingen erfuhr der Leser jetzt nicht nur etwas durch Anzeigen, eine örtliche Berichterstattung, z. B. über die Sitzungen der Stadtverord-neten, über Gerichtsverhandlungen, über das Vereinswesen und über andere Begebenheiten in der Stadt und im Umland, wurde eingeführt.
 
Über Albert Schmidt (1843 bis 1904) kam die Druckerei an seinen Sohn Franz. Als er 1922 starb, starb mit ihm auch der letzte Inhaber mit dem Namen Schmidt. Der Firmenname lautete aber weiterhin J. C. Schmidt. Seine Witwe heiratete ein Jahr später den Brauereidirektor Deixel-berger aus Grasleben. Beide führten die Druckerei und damit auch die Zeitung fort. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus begann für sie eine schwere Zeit. Sie war nicht mehr das amtliche Mitteilungsorgan der Behörden, diese einträgliche Funktion ging auf die NS- „Braunschweiger Tageszeitung“, Ausgabe Helmstedt, über. Auch die Annoncen erschienen jetzt mehr in der genannten nationalsozialistischen Zeitung. Diese nannte sich „Helmstedter Kreiszeitung“ und wurde damit verstärkt ein örtliches Presseorgan der allmächtigen NSDAP. Das Helmstedter Kreisblatt vegetierte noch bis 1941 so dahin. Der Mangel an Papier im dritten Kriegsjahr war ein den Behörden sicherlich nicht unwillkommener Anlaß, die endgültige Aufgabe dieser Zeitung durch den Verlag zu veranlassen. Frau Deixelberger verwitwete Schmidt starb 1953 kinderlos. Ihr zweiter Ehemann war bereits 1935 verstorben.
 
Das Ende der NS-Herrschaft April/Mai 1945 brachte auch das Ende der Helmstedter Partei-zeitung. In ihren letzten Tagen bestand sie nur noch aus ein bis zwei Blättern. Am 12.10.1945 erschien Nr. 1 der „Braunschweiger Neuen Presse“ mit dem Untertitel „Nachrichtenblatt der allierten Militärregierung“. Aus ihr wurde mit dem 08.01.1946 die „Braunschweiger Zeitung“ Sie war die erste Zeitung in der damals britischen Zone, die unter der verantwortlichen Leitung einer ausschließlich deutschen Redaktion stand. Der Zusatz „Nachrichtenblatt ..“ wich dem Untertitel „veröffentlicht unter Zulassung Nr. 2 der Militärregierung“. Diese Zeitung erhielt im Laufe des Jahres 1946 auch einen bescheidenen Helmstedter Teil, der aber immer mehr ausgeweitet wurde. Heute gibt es sie unter dem gleichen Namen mit dem Zusatz „Helmstedter Nachrichten“. • Sie ist die einzige Zeitung, die hier werktäglich erscheint.
 
Das „Helmstedter Kreisblatt“ erlebte vom 10.11.1949 an im Verlag J. C. Schmidt, Heinrichs-Platz 5, mit der „Helmstedter Allgemeinen Zeitung“ eine Fortsetzung ihrer Tradition. Ab 01.04.1954 hieß sie „Kreisblatt“, man zog vom Heinrichsplatz 5 in das Haus Papenberg 29 (heu-le Deutsche Bank) um. Später kehrte man zum Heinrichsplatz, allerdings jetzt in die Nr. 10 (im Vorderhaus ist heute die Firma ALDI) zurück. Ab 01.01.1970 nannte sich die Zeitung „Helmstedter Anzeiger“. Mit dem 11.10.1975 stellte sie ihr Erscheinen ein, „da eine Wirtschaftlichkeit des Verlags unternehmens nicht mehr gegeben ist“. . Der letzte Chefredakteur, Wolf E. Ebeling, hatte nach seinen Angaben über zwei Jahre allein und persönlich das Risiko tragen müssen.
 
Zur Dokumentation der wirtschaftlichen Kraft der Stadt erscheinen neuerdings zwei Anzei-genblätter. So gibt es seit dem 29.10.1975 mittwochs den „Helmstedter Blitz', der aber ebenso wie der „Helmstedter Sonntag“ (seit 5.9.1999) nicht in der Tradition der Organe steht, die dem Leser die neuesten Nachrichten vermitteln wollen. Sie bringen ihrem Auftrag entsprechend Anzeigen sowie Berichte über technische Neuerungen jeglicher Art und ausgewählte Reportagen über lokale Ereignisse der verflossenen Woche.
 
Nach dieser Darstellung der geschichtlichen Entwicklung dreier Helmstedter Druckereien lassen Sie mich zu der Buchhandlung von Fleckeisen, dem Ausgangspunkt unserer Betrachtun-gen, zurückkehren. Sie hatte ihren Ursprung in dem Hallenser Salomon Schnorr, der 1675/1676 von Halle nach Helmstedt gekommen war und hier vier Jahre als Buchdrucker gehilfe gewirkt hat, bevor er 1680 eine eigene Druckerei gründete. Die Blüte der Helmstedter Universität mit den vielen zu veröffentlichenden Schriften machte es möglich. Nach Wilhelm Eule, „Helmsted-ter Universitätsbuchdrucker“ , erschienen 1921, aus dessen Buch ich viele Erkenntnisse zu die- sem Kapitel gewonnen habe, soll diese Druckerei in dem Haus Neumärker Straße 29 gewesen sein (heute Juweliergeschäft). Das dürfte aber nicht zutreffen, denn Salomon Schnorr und sein Sohn Paul Dietrich, der 1723 das Geschäft seines Vaters übernahm, waren in jedem Fall Eigentümer des Hauses Heinrichsplatz 11. Dort dürfte zu jener Zeit die Druckerei gewesen sein. Es handelt sich um das Haus mit dem Totenschädel über dem Eingang. Salomon Schnorr starb 1726. Als 1734 Paul Dietrich Schnorr die Schuhstr. 11 (Hoflager Heinrich Julius') erwarb, wird in dieses geräumige Haus die Druckerei mit umgezogen sein. Das Haus Neumärker Str. 29 war dagegen von 1721 bis 1792 ein Professorenhaus, bewohnt und im Eigentum der Professoren August von Leyser, Timotheus Seidel, Johann Frobese und Johann Ferber. Erst 1792 wurde dann daraus tatsächlich ein Druckereihaus.
 
Bei Schnorr ist übrigens das bedeutendste buchgewerbliche Erzeugnis, das je in Helmstedt gedruckt wurde, erschienen: Das große vierbändige Prachtexemplar des Professors Hermann von der Hardt über das Konzil zu Konstanz (1414 bis 1418)<ref>Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 43</ref>.
 
Nach dem Tod von Paul Dietrich Schnorr 1755 übernahm dessen Sohn Johann Gottfried Dietrich die Druckerei. Er starb 1786 noch vor seiner Mutter, diese starb 1795. Die beiden weiteren Kinder waren Töchter, die einen Professor bzw. einen Pastor geheiratet hatten, so daß sich die Mutter nach einem Käufer der Offizin umsehen mußte. Sie fand ihn in dem seit 1782 in Helmstedt lebenden und aus Roßwein/Sachsen zugewanderten Karl Gottfried Fleckeisen. Dieser Betrieb ist zusammen mit einer Buchhandlung in dem Haus Neumärker Straße 29 nachzuwei-sen, denn Fleckeisen hatte das Grundstück 1792 von der Witwe des Professors Ferber für 2.000 Taler erworben. Er hatte so viele Aufträge, daß er noch bei Leuckart in der Kirchstraße drucken lassen mußte. Dennoch hinterließ er, als er 1814 starb, seinen zwei Töchtern und seinem Sohn - die Ehefrau war bereits 1804 verstorben - sehr viele Schulden, so daß die Druckerei nicht fortgeführt werden konnte. Der Vormund der Kinder, Ratsherr Leuckart, übernahm sie für 1.000 Taler für seinen eigenen Betrieb, die Buchhandlung dagegen blieb bestehen. Sie wurde von dem Schwiegersohn, dem Buchhändler Friedrich Samuel Fiedler, ab 1817 weitergeführt. Als Fiedler 1853 starb, mußte der Schulden wegen über den Nachlaß das Konkursverfahren eröffnet werden. Das Grundstück wurde verkauft, die Buchhandlung blieb unter neuem Inhaber als jetzt „Richtersche Buchhandlung“ bis 1933 bestehen.
 
Zwei Tafeln zieren das Haus Neumärker Straße 29. Die eine erinnert an Professor Dr. jur. August von Leyser. Er ist der Verfasser des im 18. Jahrhundert bekanntesten Erläute-rungswerkes zum Zivilrecht mit dem Titel Meditationes ad pandectas“, eine Kommentierung des römischen Rechts, das war das Zivilrecht der damaligen Zeit, in mehreren Bänden. Leyser lebte in dem Haus ab 1712, 1722 kaufte er es. 1729 folgte er einem Ruf an die Universität Wittenberg. Die zweite Tafel erinnert an Alfred Fleckeisen. Er war der Enkel des Druckereibesitzers und ein Sohn des Justizamtmanns Karl-Wilhelm Fleckeisen, der 1828 in Wolfenbüttel starb. Mit seiner Mutter kam er als Achtjähriger in die Heimatstadt seiner Vorfahren zurück, besuchte hier von 1829 bis 1839 das Gymnasium, machte das Abitur und wurde ein berühmter Altphilologe und Herausgeber der „Neuen Jahrbücher für klassische Philologie“. Er starb 1892 in Dresden.
 
Ursprünglich war die handwerkliche Kunst des Druckens mit dem kaufmännischen Geschick des Vertriebs in einer Hand vereint. Das änderte sich jedoch bald; der Verleger wurde geboren, wenn es auch Druckereien gab, die den Vertrieb ihrer Erzeugnisse weiterhin in eigener Regie wahrnahmen. Bekannte Verleger in Helmstedt waren z. B. Wolf Heil und vor allem Lue-deke Brandes. Sie waren in mehreren Generationen Pächter des Buchladens an der ehemaligen Augustinerkirche am Markt. Erstmals sind sie 1545 in unserer Stadt nachgewiesen. Sie waren auch als Ratsherr und Bürgermeister tätig gewesen. Luedeke Brandes d. Ä. arbeitete eng mit Jacobus Lucius zusammen. Ihre Namen finden wir noch heute in Helmstedt, so z. B. an dem imposanten Taufbecken in der St. Stephani-Kirche, 1590 von Mante Pelking geschaffen. Unter den fünf Ratspersonen, deren Namen und Wappen am Beckenfuß verewigt sind, befinden sich alle drei Mitglieder der Buchhandels- und Verlegersozietät in Hemstedt, davon zwei Mitglieder der Familie Brandes.<ref>Joachim Lehrmann: ''Die Frühgeschichte des Buchhandels und Verlagswesens in der alten Universitätsstadt Helmstedt sowie die Geschichte der einst bedeutenden Papiermühlen zu Räbke am Elm und Salzdahlum'', Hämelerwald, 1994, Seite 11 ff.</ref> Noch etwas eindrucksvollere Hinweise auf diese Familie finden sich am Beguinenhaus. Im 2. Feld rechts weisen die Großbuchstaben BLB auf den Bürgermeister Luedeke Brandes hin, und das vorletzte Feld erinnert an dessen Vater, Luedeke Brandes d. Ä
 
Der bedeutendste Helmstedter Verlag im 18. Jahrhundert war der des Christian Friedrich Weygand. Weygand war 1723 aus Meißen/Sachsen nach Helmstedt gekommen<ref>Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 55</ref>. Im Hause Kornstraße 13 eröffnete er eine Verlagsbuchhandlung. Das Haus erwarb er 1742 von den Erben des Professors Cörber. Hier verlegte er Bücher, von 1725 bis 1739 allein über 100 Werke, darunter die berühmte „Sittenlehre der Heiligen Schrift“ des Professors Johann Lorenz Mosheim, die bei Johann Drimborn gedruckt worden war. Weygand besaß das herzogliche Privileg der alleinigen Stadtbuchhandlung. Allerdings hatte die Universität mit Herrn Lohmann einen eigenen Buchhändler, der nach dem Burgdorfer Rezeß vom Mai 1727 als Universitätsangehöriger galt, d. h., er war von allen städtischen Lasten befreit und ihrer Gerichtsbarkeit entzogen. Lohmann hatte seine Buchhandlung im Juleum. Auch um die Stadt Helmstedt machte er sich verdient: 1751 wurde er zum Senator gewählt. Als er 1764 starb, setzte der Sohn Johann Friedrich sein Werk fort, in Helmstedt allerdings nur kurze Zeit. 1767 verzog er nach Leipzig und nahm den Verlag und damit die Firma mit. In der Bücherstadt erwarb sich das Unternehmen hohes Anse-hen. 1773 schrieb Weygand an Goethe und bat um die Überlassung eines Manuskripts, um es verlegen und drucken zu können. Goethe schickte „Die Leiden des jungen Werther“. Dieser Welterfolg erschien 1774 zuerst im Verlag des ursprünglich Helmstedter Verlegers Christian Friedrich Weygand. Der „Werther“ war der Durchbruch im Schaffen des jungen Goethe (1743 bis 1832). Das Unternehmen Weygand ging 1812 an einen anderen Inhaber über. 1838 erlosch das berühmte Verlagshaus, dessen Weg einmal in Helmstedt begonnen hatte.
 
Auch wissenschaftliche Zeitungen sind in Helmstedt erschienen. So bei P. D. Schnorr „The Helmstat and London Mercury“, und zwar zweimal wöchentlich in der Zeit vom 09.01.1753 bis 06.07.1753, also nur kurze Zeit. Ein halbes Jahr lang, nämlich vom 26.04.1800 bis zum 06.09.1800 gab es einmal wöchentlich das „Wochenblatt für angenehme und nützliche Lektüre“, , verlegt bei Fleckeisen in der Neumärker Str. 29. Dort erschienen auch 1828 sieben Ausgaben der „Horen“, 1835 weiter ein „Conversationsmagazin für Gebildete aus allen Stän-: Exemplare dieser Erzeugnisse des Helmstedter Zeitungswesens sind leider nicht im Stadt-archiv, wohl aber in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel und im Nieders. Staatsar-chiv, ebenfalls in Wolfenbüttel, und in einigen Exemplaren auch im Braunschweiger Stadtarchiv am Löwenwall.
 
Aus dem eigentlichen Bereich der Wissenschaft erschienen von 1722 bis 1728 bei Salomon Schnorr die Annales Academiae Juliae“ sowie vom 13.02.1751 bis zum 25.12.1756 be Leuckart ein „Helmstadtisches Gelehrtes Wochen-Blat“, herausgegeben von dem Theologieprofessor Christoph Timotheus Seidel (geboren 1703 in Schönberg im Brandenburgischen als Sohn eines Pfarrers, verstorben 1758 in Helmstedt und begraben neben der Kanzel der St. Stephani-Kirche), Seidel war in Professur und Generalsuperintendentur Nachfolger des Friedrich Weise (gestorben 1735), Neben zahlreichen Schriften, die er als Professor der Theologie - ab 1730 war er zugleich Abt zu Königslutter - veröffentlichte, wollte Seidel mit diesem Wochenblatt das Ansehen Helmstedts als Stätte der Gelehrsamkeit heben. Auch die neue Helmstedter Schulordnung vom 18. Juli 1755 ist von ihm maßgebend beeinflußt worden. Gewohnt hat Seidel Begui-nenstraße 15, das Haus mußte 1906/07 einem Neubau weichen. Gewissermaßen als Fortsetzung gab es vom 21.03.1761 bis zum 12.03.1763 ein ebentalls wöchentlich erscheinendes Blatt unter dem gleichen Namen, diesmal aber gedruckt bei Johann Drimborn und herausgegeben von dem Professor Johann Franz Wagner. Wagner stammte aus Nesselröden im Eichsfeld, er war zwei Jahre (von 1698 bis 1700) Privatsekretär des Philosophen Leibniz in Hannover. Ihm verdankte er die Übertragung einer Professur in Helmstedt im Jahre 1701. Bis zu Leibniz' Tode im Jahre 1716 in Hannover korrespondierte er mit ihm. Wagner starb 1741 in. Helmstedt. - Professor Gottlob Benedikt von Schirach (geboren 1743, gestorben 1804 in Altona bei Hamburg) gab vom 02.01.1770 bis zum 19.12.1777 die „Ephemerides literariae Helmstadienses“ heraus, sie wurden im Waisenhaus in Helmstedt am Lindenplatz gedruckt. Schirach wurde 1776 durch die Kaiserin Maria Theresia in den erblichen Adelsstand erhoben. Der älteren Lesern noch bekannte NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach, zuletzt Gauleiter von Wien und Mitangeklagter im ersten Nürnberger Prozeß, ist ein Adoptivsohn eines späteren Nachfahren dieses Helmstedter Professors.<ref>Artur Brüggemann: ''Rund um den Juleumsturm'', Helmstedt 1983, Seite 88</ref> Der berühmte Theologieprofessor Heinrich Philipp Konrad Henke war Herausgeber der „Commentarii de rebus novis literariis“, die bei Leuckart zweimal wöchentlich er-schienen, und zwar für die Zeit vom 06.01.1778 bis 1781.
 
Das eingangs festgehaltene Zitat des Professors Lichtenberg aus Göttingen zeigt Macht, Bedeutung und Einfluß des gedruckten Wortes, denn Gedanken konnten sich nun vervielfälti-gen. Dies war früher so wie heute und wurde auch so erkannt. Deshalb entstand mit der Buchdruckerkunst die Zensur, die früher auch schon angewandt wurde. Diese Zensur hatten auch die Helmstedter Vertreter Gutenbergs zu spüren bekommen. So erinnerten die Herzöge Rudolph August und Anton Ulrich in einem Erlaß vom 11.05.1702 den Magistrat der Stadt Helmstedt daran, daß die Buchdrucker, soweit sie der Jurisdiktion der Stadt unterstanden, angewiesen werden sollten, vor Verbreitung eines Druckwerkes dieses dem Vizerektor und dem akademischen Senat zur „Zensur“ einzuschicken und von jedem Druckwerk ein Exemplar der Universitätsbibliothek kostenlos einzuliefern und später ein weiteres der großen Bibliothek zu Wolfenbüttel zur Verfügung zu stellen. Dies veranlaßte den Drucker Michael Günter Leuckardt, sich darüber unter dem 24.12.1742 zu beschweren, weil, wie er u. a. ausführte, jeder Druck mit Kosten verbunden sei. Die Auflage von Büchern war früher oftmals klein, manchmal nur 100 Exemplare, entsprechend war der Druck teuer und eine kostenfreie Abgabe deshalb besonders drückend. Leuckardt wurde vorgeworfen, seit 1739 mit den Ablieferungen in Rückstand zu sein.
 
Massiveren Ärger hatten zuvor die Erben Sebastian Buchholz' (gestorben 1732). Dessen Witwe (gestorben 1741) und Tochter Marie Juliane (1703 bis 1783) hatten die Druckerei des Verstorbenen weitergeführt. Hier arbeitete der genannte Michael Günter Leuckardt, bis er schließlich durch Heirat der Tochter am 7. März 1737 das Unternehmen teilweise übernahm. Unter dem 20. Februar 1734 war den Buchholzschen Erben vom kirchlichen Konsistorium zu Wolfenbüttel vorgeworfen worden, es seien „viele und sogar mit gefährlichen und irrigen Princi-piis angefüllte Scripta ohne vorgängige Zensur zum Druck befördert worden ...“ Dem Magistrat wurde aufgegeben, so habt Ihr den unter Eurer Jurisdiction seÿenden Buchdruckern beynahmhafter Strafe den Druck aller Theologischen und insonderheit des Tobias Eislers Schriften, wenn solche nicht vorhero entweder von Fürstl. Consistorio hieselbst oder von der Theologischen Fakultät zu Helmstedt Fürstl. Kirchen-Ordnung gemäß zensiret worden, zu verbieten.“ Welchen Inhalt diese beanstandeten Schrift hatten, ist nicht weiter ausgeführt und auch sonst nicht ersichtlich. Offenbar ist es auch bei der Rüge geblieben. Konkreter war da schon ein Vorwurf gegen den Drucker Drimborn vom Dezember 1738. Es ging um das „Scandaleuse Scriptum eines conversi catholici und itzigen Studiosi theologiae Johann Heinrich Schumacher“. Dieser hatte die biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments in einen Roman gefaßt und Gott als weltlichen Regenten angesehen und Christus als einen Kronprinzen geschildert, der sich für seine Geliebte opfert. Angeblich hatte sogar der Professor der Heiligen Schrift Johann Conrad Schramm (Lindenplatz 3), bei dem dieser Student wohnte, das Werk ohne Beanstandung durchgesehen und es als druckfähigen Roman bezeichnet. Wie die Sache ausgegangen ist, ist nicht weiter überliefert.
 
Großen Ärger hatte der bereits erwähnte Buchdrucker Salomon Schnorr. Herzog Anton Ulrich rügte in einem eigenhändig von ihm unterschriebenen Erlaß vom 18.04.1711, daß jener ein „scriptum“ des Philosophieprofessors Johann Rempen veröffentlicht habe, ohne es vorher der Zensur vorzulegen. Rempen ist uns bereits in der Geschichte des Klosters St. Ludgeri begegnet. Er stammte aus Paderborn, war dort 1663 geboren und in einem Jesuitenkolleg katholisch erzogen worden. 1707 war er zum lutherischen Glauben konvertiert, nachdem er vorher ein leidenschaftlicher Gegner des Protestantismus gewesen war. Ihm war es höchste Lust, mit der Feder gegen die Evangelische Kirche zu spielen.“ Der Übertritt geschah aus Überzeugung, denn er geriet dadurch in große finanzielle Not. Er erbat eine Professur an der Universität Helmstedt, die ihm 1708 als Lehrer in der griechischen und lateinischen Sprache sowie in der Dichtkunst übertragen wurde. Nach Paul Zimmermann in ADB unter „Rempen“ fiel er in Helmstedt wegen seiner Streitlust und „unangemessenen Opponirens“ auf. Durch den Inhalt seiner Schrift Argu-menta theologica juridica et philosophica“, die 1711 erschien, fühlten sich einige Professoren der Helmstedter Universität beleidigt. Dies war wohl auch der Anlaß der Reaktion des Herzogs. Gewohnt hat Rempen, der unverheiratet blieb, Kornstraße 14, Neumärker Straße 28 und dann zehn Jahre lang Stobenstraße 31.
 
Salomon Schnorr, um den es hier eigentlich geht, sollte für die unzensierte Herausgabe der Schrift des Professors Rempen 50 Taler Strafe zahlen. Das war damals viel Geld; so erhielt seinerzeit Professor Rudolph Christian Wagner, von 1701 bis 1741 Professor der Mathematik und Physik als Anfangsgehalt lediglich 250 Taler jährlich.
 
Es ist sicherlich verständlich, daß Schnorr so viel Geld nicht hat aufbringen können. Deshalb wurde bei ihm ein erheblicher Vorrat seiner Bücher gepfändet und in der Stadtvogtei gelagert. Als die Ehefrau nachts mit anderen Kaufleuten von einer Messe kam, wurden ihr am Stadttor sogar eigene Sachen beschlagnahmt und in Verwahrung genommen. Damit war sie in die Sache einbezogen und wurde mit einem gedruckten Brief an den „Durchläuchtigsten Fürsten und Herr/Herrn Anthon Ulrichen, Hertzoge zu Braunschweig und Lüneb. meinem gnädigsten Für-sien und Herrn unterthänigst“ zur Bittstellerin „Unterthänigst demühtigste Magd Ursula Maria Henschlers, Salomon Schnorrns Buchdr. Ehefrau“.
 
Frauen haben oft Erfolg, und so wurde die Strafe auf 24 Taler reduziert und im Januar 1712 dem Salomon Schnorr die beschlagnahmten Bücher wieder ausgehändigt.
 
Nicht zu beanstanden hatte das fürstliche Konsistorium acht von dem Helmstedter Lehrer Tobias Eisler eingereichte Schriften. Sie waren in der Zeit von 1732 bis 1734 erschienen und enthielten pädagogische Unterweisungen für den Unterricht in der Heiligen Schrift.


Lucius stammte aus Siebenbürgen, Hermannstadt oder Kronstadt soll sein Geburtsort gewesen sein 4) Über Nürnberg, Wittenberg (ab 1556) und Rostock (etwa ab 1577) war er nach Helmstedt gekommen. In Nürnberg mag er sich in der Druckkunst vervollkommnet haben, in den beiden anderen Städten hat er sie beruflich bereits ausgeübt. Mit Schulden hatte er Wittenberg ver-lassen, mit Schulden verließ er auch Rostock. Der berühmte Rostocker Professor David Chytraeus empfahl ihn dem Herzog Julius. Sechs Drucke sind bereits aus dem ersten Jahr seiner Tätigkeit bekannt. Der in Helmstedt geborene Berliner Bibliothekar Dr. Max Joseph Husung (verstorben 17.09.1944) hat sie nachgewiesen. Aber Lucius war nicht nur Drucker, er war auch als Formschneider Künstler. Er stattete seine Werke mit Holzschnitten aus, die ihm den Respekt nicht nur seiner Zeitgenossen einbrachten5). Lucius starb 1597 an der Pest, mit ihm seine Frau und fünf seiner Kinder. Sein Sohn Jakobus Lucius II. kehrte aus Hamburg, wo er eine eigene Druckerei betrieben hatte, zurück. Er setzte das Werk seines Vaters fort. Er starb aber bereits 1616. In den fast 19 Jahren seines Wirkens als Inhaber der Offizin (Werkstatt einer Druckerei oder einer Apotheke) stellte er viele Drucke her. Ob auch ein ganz besonderes Druckerzeugnis bei ihm erschienen ist, ist nicht sicher, ein Nachweis würde ihm und Helmstedt hohen Ruhm bringen. Es handelt sich dabei um den „Aviso“, die älteste Zeitung Norddeutschlands, erschienen 1609 und nach Meinung des Zeitungsforschers Dr. Schoene die älteste der Welt überhaupt. Im süddeutschen Raum gab es seit 1609 die in Straßburg gedruckte „Relation“, wobei jedoch angenommen wird, daß der „Aviso" als Wochenzeitung schon vor 1609 herausgegeben wurdeo). Aber im Gegensatz zur „Relation“ ist der Druckort der ersten Jahrgänge des „Aviso“ nicht bekannt, ab 1615 ist er mit Wolfenbüttel nachgewiesen. Auf Helmstedt wurden die Zeitungsfor-scher aufmerksam, weil die Zierstücke des ersten Jahrgangs Löwenköpfe in verschiedenen Ausführungen zeigen, die denen sehr ähneln, die Jakobus Lucius II. in seinen Druckwerken ver-wandte. Nun hat man zwar in Wolfenbüttel derartige Zierstücke auch gefunden, allerdings könnte wiederum die Vignettenfülle (Verzierung auf Buchtitelseiten, am Rand oder bei Anfangsbuchstaben im Text) der ersten beiden Jahrgänge dieser Zeitung, also 1609 bis 1610, - von 1611 bis 1612 besitzen wir nichts, von 1610 nur die Abschrift einer Titelseite, von 1614 lediglich das Titelblatt einer einzigen vorhandenen Nummer - auf Jakobus Lucius II. verweisen. Darauf hat jedenfalls Husung hingewiesen und gefolgert, daß zumindest diese Schmuckstücke hier bei uns entstanden sein könnten und daß Helmstedt somit einen Beitrag zur ältesten Zeitung der Welt geleistet hätte. Nach dem Tode von Jakobus Lucius II. bekam die Druckerei mit Henning Müller d. A. einen Geschäftsführer, sie blieb dadurch der Familie erhalten. Von 1634 bis 1639 führte sie Jakobus Lucius III. Eine Enkelin des Firmengründers heiratete mit Henning Müller d. J. (lebte von 1607 bis 1675) einen Sohn des Geschäftsführers. Er setzte das Unternehmen fort und verlegte es zur Neumärker Straße 5. Der Nachfolger Heinrich David Müller war sein ältester Sohn. Mit ihm starb 1680 diese Familie im Mannesstamm aus. Die Druckerei samt Grundstück kaufte 1681 Georg Wolfgang Hamm. Er war aus Hof, wo er 1649 geboren wurde, zugewandert und 1715 in Helmstedt verstorben. Er und sein Sohn Hermann Dietrich betrieben die Druckerei bis 1723. Dies war das Todesjahr des Hamm jun. Dessen Erben hielten den Betrieb noch 10 Jahre bis 1733 aufrecht. Das Haus Neumärker Straße 5 wurde an einen Handelsmann veräußert, die Druckerei übernahm nun Johann Drimborn aus Köln, wohnhaft Langer Steinweg 1, ab 1763 Böttcherstraße 5. Drimborn war 1700 in Köln geboren, er war katholisch gewesen und 1723 zum lutherischen Bekenntnis konvertiert. Er war viele Jahre Stadthauptmann in unserer Stadt, also Vorsteher in einem der vier Stadtviertel. Drimbon gab die Druckerei schon einige Zeit vor Seinem Tode Anfang 1760 an Johann Heinrich Kühnlin aus Tübingen (wohnhaft Kybitzstraße 4) ab. Nach dessen Ableben am 22.12.1800 vereinigte sich diese Druckerei mit der des Sigismund David Leuckart. Diese war von den insgesamt vier Helmstedter Druckereien die drittälteste. Jakob Müller aus Stettin hatte sie 1661 gegründet und durch Übernahme der zweiten Helmsted-ter Druckerei 1672 erweitert. Diese zweite Druckerei hatte der Helmstedter Gelehrte und Theologe Georg Calixt 1629 ins Leben gerufen. Er hatte sie schon fünf Jahre später an Henning Mül ler dem wir bereits in der kurzen Geschichte der Buchdruckerei des Lucius begegnet sind, über. tragen. 1658 bernahm sie für zwei Jahre Johann Georg Täger zusammen mit Martin Vogel. Vor 1660 bis 1672 war dann Henning Müller der Jüngere (gestorben 1675) Pächter. Er betrieb die Offizin neben der die er von der Dynastie Lucius übernommen hatte. 1672 gab er sie an Jako Müller aus Stettin ab - nicht verwandt mit dem Verkäufer -, der bereits in gleicher Tätigkeit seit 1661 in Helmstedt wirkte. Um diese Zeit gab es hier drei Druckereien: Die erste, die Lucius gegründet hatte und die über die Generationen Müller und Hamm zu Drimborn und Kühnlein führt und 1800 geendet hat, die zweite von Georg Calixt, die sich mit der von Jakob Müller 1661 errichteten Druckerei 1672 vereinigte und über verschiedene Familien schließlich 1801 zu den Leuckarts und dann zu den Schmidts bis in unser Jahrhundert reicht, und als dritte die von Schnorr (ab 1680), die von dem letzten Inhaber Fleckeisen nach Schließung der Universität 1811 nach Heiligenstadt und 1815 nach Duderstadt verlegt wurde. Vor allem durch Druck und Herausgabe von Büchern und Schriften der Professoren und von Dissertationen der Studenten fanden diese Druckereien Arbeit und damit eine Existenz. Zu der Druckerei Calixt-Müller: Sie kam über die Familien Hess (1681 bis 1725) und Buchholz (1725 bis 1739) an den in der Thomas-Müntzer-Stadt Stolberg/Harz 1712 geborenen Rats-buchdrucker und späteren Senator der Stadt Helmstedt Michael Günter Leuckart. Von seinen Söhnen erlernte der 1748 geborene Frank Ernst Christoph Leuckart ebenfalls den Beruf des Buchdruckers. Er ging später nach Breslau und gründete dort ein entsprechendes Un-ternehmen, das 1870 nach Leipzig und nach 1945 nach München verlegt wurde. Es besteht heute als ein angesehener Musikalienverlag weiter. Ein weiterer Sohn, Sigismund Christian David Leuckart, führte - der Vater war 1792 verstorben - die Druckerei auch nach dem Ende der Helmstedter Universität weiter. 1809 erschien bei ihm a „emstädtsches Wochenblatt" die erste regelmäßig wiederkehrende Helmstedter Zei-tung. Sie gab es zunächst einmal in der Woche als Sonntagsblatt. Von seinen Kindern wurde der 1794 geborene Friedrich Andreas Sigismund, verstorben 1843, ein bedeutender Zoologe an der Universität Freiburg, Johann Rudolf Gottfried L. dagegen Buchdrucker. Er übernahm die Druckerei schon 1826 und führte sie bis zu seinem Tod am 15.03.1840. Er ist der Vater des am 07.10.1822 geborenen Rudolf Leuckart. Dieser studierte in Göttingen Medizin und Naturwissenschaften. 1850 wurde er Professor in Berlin. Ab 1870 war er bis zu seinem Tode am 06.02.1898 Ordinarius an der Universität Leipzig. Er entdeckte die Trichinen und sorgte damit für die obligatorische Trichinenschau bei Schweinen nach jedem Schlachtvorgang. Nach ihm wurde die Leuckartstraße benannt. Nach 1840 stand die Druckerei, da kein Familienangehöriger sie übernehmen wollte, acht Jahre lang unter vormundschaftlicher Verwaltung des Kaufmanns Eduard Dorguth und des Dr med. Kratzenstein. Die technische Leitung oblag später dem Buchdrucker Johann Christian Schmidt, geboren 1802 in Heiligenstadt (Eichsfeld). Er übernahm 1848 die Firma und mietete zugleich für sie Räume auf dem Grundstück Heinrichsplatz 5. Damals gab es allerdings diesen Platz noch nicht, auf ihm stand das landwirtschaftliche Anwesen des Heinrich Meinecke. Vorher lag die Druckerei auf dem Grundstück Kirchstraße 3. 1867 starb J. C. Schmidt. Seine Witwe Dorothee geb. Lübke aus Harbke setzte mit dem ältesten Sohn Albert, geb. 1843, sein Werk fort. Sie kauften 1871 für die Firma das Grundstück Heinrichsplatz 5. Haupteinnahmequelle der Druckerei war weiterhin die zeitung. Aus dem Wochenblatt von 1809 wurde 1815 die „Helmstädtsche Zeitung“. Sie erschien mittwochs und sonnabends. Format (21 x 16 cm) und Umfang (acht Seiten) waren geblieben. Ab 1847 gab es sie als „Helmstedter Zeitung“, aber weiterhin nur sonnabends und mittwochs. Das änderte sich im Laufe des Jahres 1848, sie erschien einschließlich sonntags fünfmal in der Woche. Neu war auch, daß politische Nachrichten auf die ersten Seiten rückten und amtliche Bekanntmachungen auf der letzten Seite plaziert wurden. Meldungen aus aller Welt erschienen jetzt schneller. Hatte es 1821 noch sechs Wochen gebraucht, um den Tod Napoleons am 05.05. auf der Insel Helena im Atlantik zu melden, so wurden die allerdings auch schon vom Örtlichen her näher liegenden Nachrichten über die März-Revolution 1848 in Berlin nach wenigen Tagen gebracht. - Von 1862 an hieß die Zeitung „Helmstedter Kreisblatt“, und dies bis zu ihrem Ende 1941. Erscheinungstage: Montag, Mittwoch und Freitag, das Format war jetzt 34 x 20 cm. 1877 nahm sie das auch heute noch allgemein bekannte äußere Erscheinungsbild von 45 x 30 cm an, Erscheinungstage: Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Ab 1887 gab es sie außer sonntags täglich. Von lokalen Dingen erfuhr der Leser jetzt nicht nur etwas durch Anzeigen, eine örtliche Berichterstattung, z. B. über die Sitzungen der Stadtverord-neten, über Gerichtsverhandlungen, über das Vereinswesen und über andere Begebenheiten in der Stadt und im Umland, wurde eingeführt. Über Albert Schmidt (1843 bis 1904) kam die Druckerei an seinen Sohn Franz. Als er 1922 starb, starb mit ihm auch der letzte Inhaber mit dem Namen Schmidt. Der Firmenname lautete aber weiterhin J. C. Schmidt. Seine Witwe heiratete ein Jahr später den Brauereidirektor Deixel-berger aus Grasleben. Beide führten die Druckerei und damit auch die Zeitung fort. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus begann für sie eine schwere Zeit. Sie war nicht mehr das amtliche Mitteilungsorgan der Behörden, diese einträgliche Funktion ging auf die NS- „Braunschweiger Tageszeitung“, Ausgabe Helmstedt, über. Auch die Annoncen erschienen jetzt mehr in der genannten nationalsozialistischen Zeitung. Diese nannte sich „Helmstedter Kreiszeitung“ und wurde damit verstärkt ein örtliches Presseorgan der allmächtigen NSDAP. Das Helmstedter Kreisblatt vegetierte noch bis 1941 so dahin. Der Mangel an Papier im dritten Kriegsjahr war ein den Behörden sicherlich nicht unwillkommener Anlaß, die endgültige Aufgabe dieser Zeitung durch den Verlag zu veranlassen. Frau Deixelberger verwitwete Schmidt starb 1953 kinderlos. Ihr zweiter Ehemann war bereits 1935 verstorben. Das Ende der NS-Herrschaft April/Mai 1945 brachte auch das Ende der Helmstedter Partei-zeitung. In ihren letzten Tagen bestand sie nur noch aus ein bis zwei Blättern. Am 12.10.1945 erschien Nr. 1 der „Braunschweiger Neuen Presse“ mit dem Untertitel „Nachrichtenblatt der allierten Militärregierung“. Aus ihr wurde mit dem 08.01.1946 die „Braunschweiger Zeitung“ Sie war die erste Zeitung in der damals britischen Zone, die unter der verantwortlichen Leitung einer ausschließlich deutschen Redaktion stand. Der Zusatz „Nachrichtenblatt ..“ wich dem Untertitel „veröffentlicht unter Zulassung Nr. 2 der Militärregierung“. Diese Zeitung erhielt im Laufe des Jahres 1946 auch einen bescheidenen Helmstedter Teil, der aber immer mehr ausgeweitet wurde. Heute gibt es sie unter dem gleichen Namen mit dem Zusatz „Helmstedter Nachrichten“. • Sie ist die einzige Zeitung, die hier werktäglich erscheint. Das „Helmstedter Kreisblatt“ erlebte vom 10.11.1949 an im Verlag J. C. Schmidt, Heinrichs-Platz 5, mit der „Helmstedter Allgemeinen Zeitung“ eine Fortsetzung ihrer Tradition. Ab 01.04.1954 hieß sie „Kreisblatt“, man zog vom Heinrichsplatz 5 in das Haus Papenberg 29 (heu-le Deutsche Bank) um. Später kehrte man zum Heinrichsplatz, allerdings jetzt in die Nr. 10 (im Vorderhaus ist heute die Firma ALDI) zurück. Ab 01.01.1970 nannte sich die Zeitung „Helmstedter Anzeiger“. Mit dem 11.10.1975 stellte sie ihr Erscheinen ein, „da eine Wirtschaftlichkeit des Verlags unternehmens nicht mehr gegeben ist“. . Der letzte Chefredakteur, Wolf E. Ebeling, hatte nach seinen Angaben über zwei Jahre allein und persönlich das Risiko tragen müssen.
Auch der verehrte Professor und Propst Hermann von der Hardt (1660 bis 1746) geriet in die Fänge der Zensur. Dabei handelte es sich zunächst um eine dann doch akzeptierte Abhandlung über die erst kürzlich erfolgte Heirat des Herzogs Anton Ulrich. Dieser Anton Ulrich, nicht zu verwechseln mit dem 1714 verstorbenen Regenten gleichen Namens, hatte 1739 Anna geheira-tet. Anna war eine Tochter der Katharina von Rußland und des Karl Leopold, Herzog von Meck-lenburg. Katharina wiederum war die Tochter von Iwan II., der von 1682 bis 1689 Zar war, Vorgänger Peters I. des Großen. Aus dieser von Hermann von der Hardt beschriebenen Ehe ist au-Ber einem Peter und einer Katharina ein Iwan hervorgegangen, der als Iwan III. kurze Zeit - von 1740 bis 1741 - regierte. Er hatte vorzeitig abgedankt, um der Zarin Elisabeth (regierte von 174] bis zu ihrem Tod 1762) den Thron freizumachen. Sie war die Gegnerin Friedrichs des Großen im Siebenjährigen Krieg.


Zur Dokumentation der wirtschaftlichen Kraft der Stadt erscheinen neuerdings zwei Anzei-genblätter. So gibt es seit dem 29.10.1975 mittwochs den „Helmstedter Blitz', der aber ebenso wie der „Helmstedter Sonntag“ (seit 5.9.1999) nicht in der Tradition der Organe steht, die dem Leser die neuesten Nachrichten vermitteln wollen. Sie bringen ihrem Auftrag entsprechend Anzeigen sowie Berichte über technische Neuerungen jeglicher Art und ausgewählte Reportagen über lokale Ereignisse der verflossenen Woche. Nach dieser Darstellung der geschichtlichen Entwicklung dreier Helmstedter Druckereien lassen Sie mich zu der Buchhandlung von Fleckeisen, dem Ausgangspunkt unserer Betrachtun-gen, zurückkehren. Sie hatte ihren Ursprung in dem Hallenser Salomon Schnorr, der 1675/1676 von Halle nach Helmstedt gekommen war und hier vier Jahre als Buchdrucker gehilfe gewirkt hat, bevor er 1680 eine eigene Druckerei gründete. Die Blüte der Helmstedter Universität mit den vielen zu veröffentlichenden Schriften machte es möglich. Nach Wilhelm Eule, „Helmsted-ter Universitätsbuchdrucker“ , erschienen 1921, aus dessen Buch ich viele Erkenntnisse zu die- sem Kapitel gewonnen habe, soll diese Druckerei in dem Haus Neumärker Straße 29 gewesen sein (heute Juweliergeschäft). Das dürfte aber nicht zutreffen, denn Salomon Schnorr und sein Sohn Paul Dietrich, der 1723 das Geschäft seines Vaters übernahm, waren in jedem Fall Eigentümer des Hauses Heinrichsplatz 11. Dort dürfte zu jener Zeit die Druckerei gewesen sein. Es handelt sich um das Haus mit dem Totenschädel über dem Eingang. Salomon Schnorr starb 1726. Als 1734 Paul Dietrich Schnorr die Schuhstr. 11 (Hoflager Heinrich Julius') erwarb, wird in dieses geräumige Haus die Druckerei mit umgezogen sein. Das Haus Neumärker Str. 29 war dagegen von 1721 bis 1792 ein Professorenhaus, bewohnt und im Eigentum der Professoren August von Leyser, Timotheus Seidel, Johann Frobese und Johann Ferber. Erst 1792 wurde dann daraus tatsächlich ein Druckereihaus. Bei Schnorr ist übrigens das bedeutendste buchgewerbliche Erzeugnis, das je in Helmstedt gedruckt wurde, erschienen: Das große vierbändige Prachtexemplar des Professors Hermann von der Hardt über das Konzil zu Konstanz (1414 bis 1418) 7). Nach dem Tod von Paul Dietrich Schnorr 1755 übernahm dessen Sohn Johann Gottfried Dietrich die Druckerei. Er starb 1786 noch vor seiner Mutter, diese starb 1795. Die beiden weiteren Kinder waren Töchter, die einen Professor bzw. einen Pastor geheiratet hatten, so daß sich die Mutter nach einem Käufer der Offizin umsehen mußte. Sie fand ihn in dem seit 1782 in Helmstedt lebenden und aus Roßwein/Sachsen zugewanderten Karl Gottfried Fleckeisen. Dieser Betrieb ist zusammen mit einer Buchhandlung in dem Haus Neumärker Straße 29 nachzuwei-sen, denn Fleckeisen hatte das Grundstück 1792 von der Witwe des Professors Ferber für 2.000 Taler erworben. Er hatte so viele Aufträge, daß er noch bei Leuckart in der Kirchstraße drucken lassen mußte. Dennoch hinterließ er, als er 1814 starb, seinen zwei Töchtern und seinem Sohn - die Ehefrau war bereits 1804 verstorben - sehr viele Schulden, so daß die Druckerei nicht fortgeführt werden konnte. Der Vormund der Kinder, Ratsherr Leuckart, übernahm sie für 1.000 Taler für seinen eigenen Betrieb, die Buchhandlung dagegen blieb bestehen. Sie wurde von dem Schwiegersohn, dem Buchhändler Friedrich Samuel Fiedler, ab 1817 weitergeführt. Als Fiedler 1853 starb, mußte der Schulden wegen über den Nachlaß das Konkursverfahren eröffnet werden. Das Grundstück wurde verkauft, die Buchhandlung blieb unter neuem Inhaber als jetzt „Richtersche Buchhandlung“ bis 1933 bestehen. Zwei Tafeln zieren das Haus Neumärker Straße 29. Die eine erinnert an Professor Dr. jur. August von Leyser. Er ist der Verfasser des im 18. Jahrhundert bekanntesten Erläute-rungswerkes zum Zivilrecht mit dem Titel Meditationes ad pandectas“, eine Kommentierung des römischen Rechts, das war das Zivilrecht der damaligen Zeit, in mehreren Bänden. Leyser lebte in dem Haus ab 1712, 1722 kaufte er es. 1729 folgte er einem Ruf an die Universität Wittenberg. Die zweite Tafel erinnert an Alfred Fleckeisen. Er war der Enkel des Druckereibesitzers und ein Sohn des Justizamtmanns Karl-Wilhelm Fleckeisen, der 1828 in Wolfenbüttel starb. Mit seiner Mutter kam er als Achtjähriger in die Heimatstadt seiner Vorfahren zurück, besuchte hier von 1829 bis 1839 das Gymnasium, machte das Abitur und wurde ein berühmter Altphilologe und Herausgeber der „Neuen Jahrbücher für klassische Philologie“. Er starb 1892 in Dresden. Ursprünglich war die handwerkliche Kunst des Druckens mit dem kaufmännischen Geschick des Vertriebs in einer Hand vereint. Das änderte sich jedoch bald; der Verleger wurde geboren, wenn es auch Druckereien gab, die den Vertrieb ihrer Erzeugnisse weiterhin in eigener Regie wahrnahmen. Bekannte Verleger in Helmstedt waren z. B. Wolf Heil und vor allem Lue-deke Brandes. Sie waren in mehreren Generationen Pächter des Buchladens an der ehemaligen Augustinerkirche am Markt. Erstmals sind sie 1545 in unserer Stadt nachgewiesen. Sie waren auch als Ratsherr und Bürgermeister tätig gewesen. Luedeke Brandes d. Ä. arbeitete eng mit Jacobus Lucius zusammen. Ihre Namen finden wir noch heute in Helmstedt, so z. B. an dem imposanten Taufbecken in der St. Stephani-Kirche, 1590 von Mante Pelking geschaffen. Unter den fünf Ratspersonen, deren Namen und Wappen am Beckenfuß verewigt sind, befinden sich alle drei Mitglieder der Buchhandels- und Verlegersozietät in Hemstedt, davon zwei Mitglieder der Familie Brandes.8) Noch etwas eindrucksvollere Hinweise auf diese Familie finden sich am Beguinenhaus. Im 2. Feld rechts weisen die Großbuchstaben BLB auf den Bürgermeister Luedeke Brandes hin, und das vorletzte Feld erinnert an dessen Vater, Luedeke Brandes d. Ä Der bedeutendste Helmstedter Verlag im 18. Jahrhundert war der des Christian Friedrich Weygand. Weygand war 1723 aus Meißen/Sachsen nach Helmstedt gekommen'). Im Hause Kornstraße 13 eröffnete er eine Verlagsbuchhandlung. Das Haus erwarb er 1742 von den Erben des Professors Cörber. Hier verlegte er Bücher, von 1725 bis 1739 allein über 100 Werke, darunter die berühmte „Sittenlehre der Heiligen Schrift“ des Professors Johann Lorenz Mosheim, die bei Johann Drimborn gedruckt worden war. Weygand besaß das herzogliche Privileg der alleinigen Stadtbuchhandlung. Allerdings hatte die Universität mit Herrn Lohmann einen eigenen Buchhändler, der nach dem Burgdorfer Rezeß vom Mai 1727 als Universitätsangehöriger galt, d. h., er war von allen städtischen Lasten befreit und ihrer Gerichtsbarkeit entzogen. Lohmann hatte seine Buchhandlung im Juleum. Auch um die Stadt Helmstedt machte er sich verdient: 1751 wurde er zum Senator gewählt. Als er 1764 starb, setzte der Sohn Johann Friedrich sein Werk fort, in Helmstedt allerdings nur kurze Zeit. 1767 verzog er nach Leipzig und nahm den Verlag und damit die Firma mit. In der Bücherstadt erwarb sich das Unternehmen hohes Anse-hen. 1773 schrieb Weygand an Goethe und bat um die Überlassung eines Manuskripts, um es verlegen und drucken zu können. Goethe schickte „Die Leiden des jungen Werther“. Dieser Welterfolg erschien 1774 zuerst im Verlag des ursprünglich Helmstedter Verlegers Christian Friedrich Weygand. Der „Werther“ war der Durchbruch im Schaffen des jungen Goethe (1743 bis 1832). Das Unternehmen Weygand ging 1812 an einen anderen Inhaber über. 1838 erlosch das berühmte Verlagshaus, dessen Weg einmal in Helmstedt begonnen hatte. Auch wissenschaftliche Zeitungen sind in Helmstedt erschienen. So bei P. D. Schnorr „The Helmstat and London Mercury“, und zwar zweimal wöchentlich in der Zeit vom 09.01.1753 bis 06.07.1753, also nur kurze Zeit. Ein halbes Jahr lang, nämlich vom 26.04.1800 bis zum 06.09.1800 gab es einmal wöchentlich das „Wochenblatt für angenehme und nützliche Lektüre“, , verlegt bei Fleckeisen in der Neumärker Str. 29. Dort erschienen auch 1828 sieben Ausgaben der „Horen“, 1835 weiter ein „Conversationsmagazin für Gebildete aus allen Stän-: Exemplare dieser Erzeugnisse des Helmstedter Zeitungswesens sind leider nicht im Stadt-archiv, wohl aber in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel und im Nieders. Staatsar-chiv, ebenfalls in Wolfenbüttel, und in einigen Exemplaren auch im Braunschweiger Stadtarchiv am Löwenwall.
Es fanden sich aber bei der Durchsuchung der Druckerei Drimborn noch andere Schriften, die verdächtig waren, wobei der Buchdrucker erklärte, er könne schließlich zum Inhalt nichts sagen, dieser sei teils lateinisch, teils griechisch oder sogar hebräisch, welches er alles nicht verstünde“. Alle Bücher waren harmlos bis auf einen Titel „Theocriti Syrinx quae multis annis situerat“. Alle noch vorhandenen Exemplare wurden deshalb „cashiret“ (beschlagnahmt).


Aus dem eigentlichen Bereich der Wissenschaft erschienen von 1722 bis 1728 bei Salomon Schnorr die Annales Academiae Juliae“ sowie vom 13.02.1751 bis zum 25.12.1756 be Leuckart ein „Helmstadtisches Gelehrtes Wochen-Blat“, herausgegeben von dem Theologieprofessor Christoph Timotheus Seidel (geboren 1703 in Schönberg im Brandenburgischen als Sohn eines Pfarrers, verstorben 1758 in Helmstedt und begraben neben der Kanzel der St. Stephani-Kirche), Seidel war in Professur und Generalsuperintendentur Nachfolger des Friedrich Weise (gestorben 1735), Neben zahlreichen Schriften, die er als Professor der Theologie - ab 1730 war er zugleich Abt zu Königslutter - veröffentlichte, wollte Seidel mit diesem Wochenblatt das Ansehen Helmstedts als Stätte der Gelehrsamkeit heben. Auch die neue Helmstedter Schulordnung vom 18. Juli 1755 ist von ihm maßgebend beeinflußt worden. Gewohnt hat Seidel Begui-nenstraße 15, das Haus mußte 1906/07 einem Neubau weichen. Gewissermaßen als Fortsetzung gab es vom 21.03.1761 bis zum 12.03.1763 ein ebentalls wöchentlich erscheinendes Blatt unter dem gleichen Namen, diesmal aber gedruckt bei Johann Drimborn und herausgegeben von dem Professor Johann Franz Wagner. Wagner stammte aus Nesselröden im Eichsfeld, er war zwei Jahre (von 1698 bis 1700) Privatsekretär des Philosophen Leibniz in Hannover. Ihm verdankte er die Übertragung einer Professur in Helmstedt im Jahre 1701. Bis zu Leibniz' Tode im Jahre 1716 in Hannover korrespondierte er mit ihm. Wagner starb 1741 in. Helmstedt. - Professor Gottlob Benedikt von Schirach (geboren 1743, gestorben 1804 in Altona bei Hamburg) gab vom 02.01.1770 bis zum 19.12.1777 die „Ephemerides literariae Helmstadienses“ heraus, sie wurden im Waisenhaus in Helmstedt am Lindenplatz gedruckt. Schirach wurde 1776 durch die Kaiserin Maria Theresia in den erblichen Adelsstand erhoben. Der älteren Lesern noch bekannte NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach, zuletzt Gauleiter von Wien und Mitangeklagter im ersten Nürnberger Prozeß, ist ein Adoptivsohn eines späteren Nachfahren dieses Helmstedter Professors. 10) - Der berühmte Theologieprofessor Heinrich Philipp Konrad Henke war Herausgeber der „Commentarii de rebus novis literariis“, die bei Leuckart zweimal wöchentlich er-schienen, und zwar für die Zeit vom 06.01.1778 bis 1781. Das eingangs festgehaltene Zitat des Professors Lichtenberg aus Göttingen zeigt Macht, Bedeutung und Einfluß des gedruckten Wortes, denn Gedanken konnten sich nun vervielfälti-gen. Dies war früher so wie heute und wurde auch so erkannt. Deshalb entstand mit der Buchdruckerkunst die Zensur, die früher auch schon angewandt wurde. Diese Zensur hatten auch die Helmstedter Vertreter Gutenbergs zu spüren bekommen. So erinnerten die Herzöge Rudolph August und Anton Ulrich in einem Erlaß vom 11.05.1702 den Magistrat der Stadt Helmstedt daran, daß die Buchdrucker, soweit sie der Jurisdiktion der Stadt unterstanden, angewiesen werden sollten, vor Verbreitung eines Druckwerkes dieses dem Vizerektor und dem akademischen Senat zur „Zensur“ einzuschicken und von jedem Druckwerk ein Exemplar der Universitätsbibliothek kostenlos einzuliefern und später ein weiteres der großen Bibliothek zu Wolfenbüttel zur Verfügung zu stellen. Dies veranlaßte den Drucker Michael Günter Leuckardt, sich darüber unter dem 24.12.1742 zu beschweren, weil, wie er u. a. ausführte, jeder Druck mit Kosten verbunden sei. Die Auflage von Büchern war früher oftmals klein, manchmal nur 100 Exemplare, entsprechend war der Druck teuer und eine kostenfreie Abgabe deshalb besonders drückend. Leuckardt wurde vorgeworfen, seit 1739 mit den Ablieferungen in Rückstand zu sein. Massiveren Arger hatten zuvor die Erben Sebastian Buchholz' (gestorben 1732). Dessen Witwe (gestorben 1741) und Tochter Marie Juliane (1703 bis 1783) hatten die Druckerei des Verstorbenen weitergeführt. Hier arbeitete der genannte Michael Günter Leuckardt, bis er schließlich durch Heirat der Tochter am 7. März 1737 das Unternehmen teilweise übernahm. Unter dem 20. Februar 1734 war den Buchholzschen Erben vom kirchlichen Konsistorium zu Wolfenbüttel vorgeworfen worden, es seien „viele und sogar mit gefährlichen und irrigen Princi-piis angefüllte Scripta ohne vorgängige Zensur zum Druck befördert worden ...“ Dem Magistrat wurde aufgegeben, so habt Ihr den unter Eurer Jurisdiction seÿenden Buchdruckern beynahmhafter Strafe den Druck aller Theologischen und insonderheit des Tobias Eislers Schriften, wenn solche nicht vorhero entweder von Fürstl. Consistorio hieselbst oder von der Theologischen Fakultät zu Helmstedt Fürstl. Kirchen-Ordnung gemäß zensiret worden, zu verbieten.“ Welchen Inhalt diese beanstandeten Schrift hatten, ist nicht weiter ausgeführt und auch sonst nicht ersichtlich. Offenbar ist es auch bei der Rüge geblieben. Konkreter war da schon ein Vorwurf gegen den Drucker Drimborn vom Dezember 1738. Es ging um das „Scandaleuse Scriptum eines conversi catholici und itzigen Studiosi theologiae Johann Heinrich Schumacher“. Dieser hatte die biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments in einen Roman gefaßt und Gott als weltlichen Regenten angesehen und Christus als einen Kronprinzen geschildert, der sich für seine Geliebte opfert. Angeblich hatte sogar der Professor der Heiligen Schrift Johann Conrad Schramm (Lindenplatz 3), bei dem dieser Student wohnte, das Werk ohne Beanstandung durchgesehen und es als druckfähigen Roman bezeichnet. Wie die Sache ausgegangen ist, ist nicht weiter überliefert. Großen Ärger hatte der bereits erwähnte Buchdrucker Salomon Schnorr. Herzog Anton Ulrich rügte in einem eigenhändig von ihm unterschriebenen Erlaß vom 18.04.1711, daß jener ein „scriptum“ des Philosophieprofessors Johann Rempen veröffentlicht habe, ohne es vorher der Zensur vorzulegen. Rempen ist uns bereits in der Geschichte des Klosters St. Ludgeri begegnet. Er stammte aus Paderborn, war dort 1663 geboren und in einem Jesuitenkolleg katholisch erzogen worden. 1707 war er zum lutherischen Glauben konvertiert, nachdem er vorher ein leidenschaftlicher Gegner des Protestantismus gewesen war. Ihm war es höchste Lust, mit der Feder gegen die Evangelische Kirche zu spielen.“ Der Übertritt geschah aus Überzeugung, denn er geriet dadurch in große finanzielle Not. Er erbat eine Professur an der Universität Helmstedt, die ihm 1708 als Lehrer in der griechischen und lateinischen Sprache sowie in der Dichtkunst übertragen wurde. Nach Paul Zimmermann in ADB unter „Rempen“ fiel er in Helmstedt wegen seiner Streitlust und „unangemessenen Opponirens“ auf. Durch den Inhalt seiner Schrift Argu-menta theologica juridica et philosophica“, die 1711 erschien, fühlten sich einige Professoren der Helmstedter Universität beleidigt. Dies war wohl auch der Anlaß der Reaktion des Herzogs. Gewohnt hat Rempen, der unverheiratet blieb, Kornstraße 14, Neumärker Straße 28 und dann zehn Jahre lang Stobenstraße 31. Salomon Schnorr, um den es hier eigentlich geht, sollte für die unzensierte Herausgabe der Schrift des Professors Rempen 50 Taler Strafe zahlen. Das war damals viel Geld; so erhielt seinerzeit Professor Rudolph Christian Wagner, von 1701 bis 1741 Professor der Mathematik und Physik als Anfangsgehalt lediglich 250 Taler jährlich. Es ist sicherlich verständlich, daß Schnorr so viel Geld nicht hat aufbringen können. Deshalb wurde bei ihm ein erheblicher Vorrat seiner Bücher gepfändet und in der Stadtvogtei gelagert. Als die Ehefrau nachts mit anderen Kaufleuten von einer Messe kam, wurden ihr am Stadttor sogar eigene Sachen beschlagnahmt und in Verwahrung genommen. Damit war sie in die Sache einbezogen und wurde mit einem gedruckten Brief an den „Durchläuchtigsten Fürsten und Herr/Herrn Anthon Ulrichen, Hertzoge zu Braunschweig und Lüneb. meinem gnädigsten Für-sien und Herrn unterthänigst“ zur Bittstellerin „Unterthänigst demühtigste Magd Ursula Maria Henschlers, Salomon Schnorrns Buchdr. Ehefrau“. Frauen haben oft Erfolg, und so wurde die Strafe auf 24 Taler reduziert und im Januar 1712 dem Salomon Schnorr die beschlagnahmten Bücher wieder ausgehändigt. Nicht zu beanstanden hatte das fürstliche Konsistorium acht von dem Helmstedter Lehrer Tobias Eisler eingereichte Schriften. Sie waren in der Zeit von 1732 bis 1734 erschienen und enthielten pädagogische Unterweisungen für den Unterricht in der Heiligen Schrift.
Es waren nicht nur immer Helmstedter Drucke, die beanstandet wurden. Oftmals mußte der Magistrat die Stadtknechte ausschicken, um verdächtige Manuskripte auswärtiger Autoren ein-zusammeln, sofern man sie vorfand. Während die beanstandeten Helmstedter Schriften meistens einen Inhalt hatten, der zu den damaligen religiösen Empfindungen im Widerspruch stand, ging es bei der Literatur aus anderen Orten mehr um den „revolutionairen und auf den gänzlichen Umsturz aller Staatsverfassung, Moralität und Religion gerichteten Inhalt“, so ein Verzeichnis des königlich-preußischen Ministeriums zu Berlin vom April 1769. Auch Versteigerungskatalo-ge wurden beanstandet, sofern sie Bücher mit einem für damalige Begriffe schädlichen Inhalt enthielten.


Auch der verehrte Professor und Propst Hermann von der Hardt (1660 bis 1746) geriet in die Fänge der Zensur. Dabei handelte es sich zunächst um eine dann doch akzeptierte Abhandlung über die erst kürzlich erfolgte Heirat des Herzogs Anton Ulrich. Dieser Anton Ulrich, nicht zu verwechseln mit dem 1714 verstorbenen Regenten gleichen Namens, hatte 1739 Anna geheira-tet. Anna war eine Tochter der Katharina von Rußland und des Karl Leopold, Herzog von Meck-lenburg. Katharina wiederum war die Tochter von Iwan II., der von 1682 bis 1689 Zar war, Vorgänger Peters I. des Großen. Aus dieser von Hermann von der Hardt beschriebenen Ehe ist au-Ber einem Peter und einer Katharina ein Iwan hervorgegangen, der als Iwan III. kurze Zeit - von 1740 bis 1741 - regierte. Er hatte vorzeitig abgedankt, um der Zarin Elisabeth (regierte von 174] bis zu ihrem Tod 1762) den Thron freizumachen. Sie war die Gegnerin Friedrichs des Großen im Siebenjährigen Krieg. Es fanden sich aber bei der Durchsuchung der Druckerei Drimborn noch andere Schriften, die verdächtig waren, wobei der Buchdrucker erklärte, er könne schließlich zum Inhalt nichts sagen, dieser sei teils lateinisch, teils griechisch oder sogar hebräisch, welches er alles nicht verstünde“. Alle Bücher waren harmlos bis auf einen Titel „Theocriti Syrinx quae multis annis situerat“. Alle noch vorhandenen Exemplare wurden deshalb „cashiret“ (beschlagnahmt). Es waren nicht nur immer Helmstedter Drucke, die beanstandet wurden. Oftmals mußte der Magistrat die Stadtknechte ausschicken, um verdächtige Manuskripte auswärtiger Autoren ein-zusammeln, sofern man sie vorfand. Während die beanstandeten Helmstedter Schriften meistens einen Inhalt hatten, der zu den damaligen religiösen Empfindungen im Widerspruch stand, ging es bei der Literatur aus anderen Orten mehr um den „revolutionairen und auf den gänzlichen Umsturz aller Staatsverfassung, Moralität und Religion gerichteten Inhalt“, so ein Verzeichnis des königlich-preußischen Ministeriums zu Berlin vom April 1769. Auch Versteigerungskatalo-ge wurden beanstandet, sofern sie Bücher mit einem für damalige Begriffe schädlichen Inhalt enthielten. In die Rubrik „Revolutionäre Schriften“ schien auch „Die Revolution in Schöppenstedt“ zu fallen. Gedruckt hatte sie 1793 Leuckardt in der Kirchstraße, und zwar auf Bestellung des Verlegers und Buchhändlers Gutsch zu Breslau. So weit reichten also damals die Beziehungen der Helmstedter Druckereien. Ein Exemplar davon war bei der herzoglichen Regierung in Braunschweig gelandet, die schon des Titels wegen sofort Alarm schlug und veranlaßte, daß sich Bürgermeister Hofrat Fein ganz persönlich am 23.11.1793 in die Kirchstraße zur Leuckardtschen Druckerei begab. Dabei stellte sich heraus, daß alle Exemplare dort noch vorhanden waren, nur ein einziges, eben das, was in Braunschweig gelandet war, hatte die Offizin verlassen. Dieses hatte der Setzer Köhler vom Verleger erhalten und jener es dem Kandidaten der Theologie Ven-turini geliehen, der ihm versprechen mußte, es nicht weiterzugeben. Das tat der aber, denn er hatte einen Freund, den Kandidaten Spor, dessen Vater wiederum Superintendent in Schöppenstedt war. Der war schon des Titels wegen ganz erregt und gab es an den Landkommissar Koch weiter, und so landete dieses Exemplar in Braunschweig. Dort hatte man inzwischen die Schrift gelesen und festgestellt, daß „wenn nun über dem auch in der Schrift sonst nichts Anstößiges enthalten ist, vielmehr deren Verfasser bey seiner Parodie hauptsächlich die Absicht gehabt zu haben scheint, die Französische Revolution und den derselben einverwebten Freyheits- und Gleichheitsschwindel von einer lächerlichen Seite zu zeigen.“ So gab man selbstverständlich die Schrift schon unter dem 29. November frei, und in Schöppenstedt konnte man aufatmen; es hat dort zumindest zu und vor jener Zeit nie eine Revolution gegeben. Man war weiterhin angesehen und herzogstreu. Man sollte meinen, daß es auch aus dem vorigen, dem 19. Jahrhundert, Unterlagen über Zensuren gab. Das war nicht der Fall. Es mag daran liegen, daß die Helmstedter Universität Vergangenheit war und die Professoren unsere Stadt verlassen hatten, so daß nur noch eine Zeitung und nicht zu beanstandende regionale Schriften gedruckt wurden. Erst zur Zeit des Ersten Weltkrieges und kurz davor gab es Listen mit sozialistischen Schriften, die aber sämtlich anderweitig erschienen waren, von denen man lediglich vermutete, daß sie auch in Helmstedt vertrieben wurden.
In die Rubrik „Revolutionäre Schriften“ schien auch „Die Revolution in Schöppenstedt“ zu fallen. Gedruckt hatte sie 1793 Leuckardt in der Kirchstraße, und zwar auf Bestellung des Verlegers und Buchhändlers Gutsch zu Breslau. So weit reichten also damals die Beziehungen der Helmstedter Druckereien. Ein Exemplar davon war bei der herzoglichen Regierung in Braunschweig gelandet, die schon des Titels wegen sofort Alarm schlug und veranlaßte, daß sich Bürgermeister Hofrat Fein ganz persönlich am 23.11.1793 in die Kirchstraße zur Leuckardtschen Druckerei begab. Dabei stellte sich heraus, daß alle Exemplare dort noch vorhanden waren, nur ein einziges, eben das, was in Braunschweig gelandet war, hatte die Offizin verlassen. Dieses hatte der Setzer Köhler vom Verleger erhalten und jener es dem Kandidaten der Theologie Ven-turini geliehen, der ihm versprechen mußte, es nicht weiterzugeben. Das tat der aber, denn er hatte einen Freund, den Kandidaten Spor, dessen Vater wiederum Superintendent in Schöppenstedt war. Der war schon des Titels wegen ganz erregt und gab es an den Landkommissar Koch weiter, und so landete dieses Exemplar in Braunschweig. Dort hatte man inzwischen die Schrift gelesen und festgestellt, daß „wenn nun über dem auch in der Schrift sonst nichts Anstößiges enthalten ist, vielmehr deren Verfasser bey seiner Parodie hauptsächlich die Absicht gehabt zu haben scheint, die Französische Revolution und den derselben einverwebten Freyheits- und Gleichheitsschwindel von einer lächerlichen Seite zu zeigen.“ So gab man selbstverständlich die Schrift schon unter dem 29. November frei, und in Schöppenstedt konnte man aufatmen; es hat dort zumindest zu und vor jener Zeit nie eine Revolution gegeben. Man war weiterhin angesehen und herzogstreu.


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Man sollte meinen, daß es auch aus dem vorigen, dem 19. Jahrhundert, Unterlagen über Zensuren gab. Das war nicht der Fall. Es mag daran liegen, daß die Helmstedter Universität Vergangenheit war und die Professoren unsere Stadt verlassen hatten, so daß nur noch eine Zeitung und nicht zu beanstandende regionale Schriften gedruckt wurden. Erst zur Zeit des Ersten Weltkrieges und kurz davor gab es Listen mit sozialistischen Schriften, die aber sämtlich anderweitig erschienen waren, von denen man lediglich vermutete, daß sie auch in Helmstedt vertrieben wurden.
2) Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 14
3) [[Robert Schaper]]: ''Das Helmstedter Häuserbuch'', Helmstedt 1974 unter Kybitzstraße 5
4) Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950
5) Iris Schrader: ''Der Helmstedter Universitätsbuchdrucker Jacobus Lucius I. und seine Nachkommen'' in ''Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', Helmstedt 1950
6) Erich Schrader: ''Ist der Aviso, die älteste norddeutsche Zeitung, in Helmstedt gedruckt?'' in ''Festschrift der Vereinigung Ehemaliger Helmstedter Gymnasiasten'', 1950
7) Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 43
8) Joachim Lehrmann: ''Die Frühgeschichte des Buchhandels und Verlagswesens in der alten Universitätsstadt Helmstedt sowie die Geschichte der einst bedeutenden Papiermühlen zu Räbke am Elm und Salzdahlum'', Hämelerwald, 1994, Seite I1 ff.
9) Wilhelm Eule: ''Helmstedter Universitätsbuchdrucker'', Helmstedt 1921, S. 55
10) Artur Brüggemann: ''Rund um den Juleumsturm'', Helmstedt 1983, Seite 88


== Die Helmstedter Bürgermeister von 1750 bis 1933 (S. 524–530) ==
== Die Helmstedter Bürgermeister von 1750 bis 1933 (S. 524–530) ==