Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt: Unterschied zwischen den Versionen

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Nur 3 Jahre nach dem Erscheinen der Helmstedt Chronik war die erste Auflage restlos vergriffen. Das zeigt uns wie groß das Interesse an der Geschichte unserer Stadt ist und wir freuen uns sehr, jetzt die zweite Auflage vorlegen zu können.
Nur 3 Jahre nach dem Erscheinen der [[Helmstedt]]-Chronik war die erste Auflage restlos vergriffen. Das zeigt uns, wie groß das Interesse an der Geschichte unserer Stadt ist und wir freuen uns sehr, jetzt die zweite Auflage vorlegen zu können.


Hans-Ehrhard Müller, der Autor der Chronik, ist im Jahre 2001 verstorben. Unsere Stadt hat mit ihm einen der profundesten Kenner der Helmstedter Geschichte verloren. Wir bewahren ihm an dieser Stelle ein bleibendes Gedenken.
[[Hans-Ehrhard Müller]], der Autor der Chronik, ist im Jahre [[2001]] verstorben. Unsere Stadt hat mit ihm einen der profundesten Kenner der [[Helmstedt]]er Geschichte verloren. Wir bewahren ihm an dieser Stelle ein bleibendes Gedenken.


Unser besonderer Dank gilt seiner Witwe [[Melsene Johansen]] – Studiendirektorin i. R. und jetzige ehrenamtliche Stadtarchivarin –, die ganz im Sinne ihres verstorbenen Mannes die Neuauflage der Chronik vorbereitet und mit wichtigen Ergänzungen versehen hat.
Unser besonderer Dank gilt seiner Witwe [[Melsene Johansen]] – Studiendirektorin i. R. und jetzige ehrenamtliche [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]arin –, die ganz im Sinne ihres verstorbenen Mannes die Neuauflage der Chronik vorbereitet und mit wichtigen Ergänzungen versehen hat.


Helmstedt, im Mai
[[Helmstedt]], im Mai


[[Heinz-Dieter Eisermann]]
[[Heinz-Dieter Eisermann]]
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([[1930]]–[[2001]])
([[1930]]–[[2001]])


[[Hans-Ehrhard Müller]] wurde am 7. März [[1930]] in [[Schöningen]], [[Landkreis Helmstedt|Kreis Helmstedt]], geboren. [[1934]] siedelte die Familie nach Helmstedt über, wo sein Vater an der Georgienstraße ein Lederwarengeschäft eröffnete. 1935 erwarb er das Grundstück Markt 2 und betrieb dort bis zu seinem Tod 1967 das angesehene Geschäft „Leder-Müller". Hans-Ehrhard Müller, der keine Geschwister hatte, wuchs mitten in unserer Stadt auf, Kindheit und Jugend waren wesentlich geprägt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Er besuchte die Lutherschule (Volksschule) und danach das Gymnasium Julianum, wo er 1949 das Abitur ablegte. Rechtswissenschaft und Geschichte hatten sein Interesse geweckt und bestimmten die Wahl seiner Studienfächer. Nach dem Studium an den Universitäten Hamburg, Heidelberg und Köln machte er in Köln die erste und später in Hannover die große juristische Staatsprüfung. Er war als Richter in Schleswig-Holstein und von 1972 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1989 in Peine tätig. Sein fairer und besonnener Umgang mit den Angeklagten und sein großes Verständnis für die Probleme Jugendlicher zeichneten ihn als Familienrichter besonders aus. Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und ein tiefgründiger Humor bestimmten seine Persönlichkeit. Nach dem Tod seines Vaters hat er seine kranke Mutter viele Jahre gepflegt und sich in seiner knappen Freizeit in der Jugendarbeit in Peine engagiert.
[[Hans-Ehrhard Müller]] wurde am 7. März [[1930]] in [[Schöningen]], [[Landkreis Helmstedt|Kreis Helmstedt]], geboren. [[1934]] siedelte die Familie nach [[Helmstedt]] über, wo sein Vater an der [[Georgienstraße]] ein Lederwarengeschäft eröffnete. [[1935]] erwarb er das Grundstück [[Markt]] 2 und betrieb dort bis zu seinem Tod [[1967]] das angesehene Geschäft [[Leder-Müller]]. [[Hans-Ehrhard Müller]], der keine Geschwister hatte, wuchs mitten in unserer Stadt auf, Kindheit und Jugend waren wesentlich geprägt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Er besuchte die [[Lutherschule]] (Volksschule) und danach das Gymnasium [[Julianum]], wo er [[1949]] das Abitur ablegte. Rechtswissenschaft und Geschichte hatten sein Interesse geweckt und bestimmten die Wahl seiner Studienfächer. Nach dem Studium an den Universitäten Hamburg, Heidelberg und Köln machte er in Köln die erste und später in Hannover die große juristische Staatsprüfung. Er war als Richter in Schleswig-Holstein und von [[1972]] bis zu seiner Pensionierung im Jahr [[1989]] in Peine tätig. Sein fairer und besonnener Umgang mit den Angeklagten und sein großes Verständnis für die Probleme Jugendlicher zeichneten ihn als Familienrichter besonders aus. Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und ein tiefgründiger Humor bestimmten seine Persönlichkeit. Nach dem Tod seines Vaters hat er seine kranke Mutter viele Jahre gepflegt und sich in seiner knappen Freizeit in der Jugendarbeit in Peine engagiert.


Er war verheiratet mit der gebürtigen Braunschweigerin [[Melsene Johansen]] geb. Drechsler, die von [[1962]] bis [[1972]] am damaligen Gymnasium für Mädchen in Helmstedt und anschließend am Lichtenberg-Gymnasium in Cuxhaven tätig war.
Er war verheiratet mit der gebürtigen Braunschweigerin [[Melsene Johansen]] geb. Drechsler, die von [[1962]] bis [[1972]] am damaligen ''Gymnasium für Mädchen'' in [[Helmstedt]] und anschließend am Lichtenberg-Gymnasium in Cuxhaven tätig war.


Seit seiner frühen Jugend hat Hans-Ehrhard Müller sich für die Geschichte der Stadt Helmstedt interessiert und begeistert. 1989 übernahm er von Robert Schaper als Ehrenbeamter die Leitung des Stadtarchivs. Neben seiner Arbeit im Archiv veröffentlichte er in den folgenden Jahren Beiträge zur Heimatgeschichte, hielt Vorträge, leitete Seminare und führte Besucher durch die Stadt. 1995 erschien sein Buch „Helmstedt unterm Hakenkreuz", 1999 war das fast 1000 Seiten umfassende Werk „Helmstedt - die Geschichte einer deutschen Stadt" fertiggestellt. Für seine Verdienste wurde er 1995 mit der bronzenen Ehrenplakette und 1999 mit der silbernen Ehrenplakette der Stadt Helmstedt ausgezeichnet.
Seit seiner frühen Jugend hat [[Hans-Ehrhard Müller]] sich für die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] interessiert und begeistert. [[1989]] übernahm er von [[Robert Schaper]] als Ehrenbeamter die Leitung des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s. Neben seiner Arbeit im Archiv veröffentlichte er in den folgenden Jahren Beiträge zur Heimatgeschichte, hielt Vorträge, leitete Seminare und führte Besucher durch die Stadt. [[1995]] erschien sein Buch ''[[Helmstedt unterm Hakenkreuz]]'', [[1999]] war das fast 1000 Seiten umfassende Werk ''Helmstedt – die Geschichte einer deutschen Stadt'' fertiggestellt. Für seine Verdienste wurde er [[1995]] mit der bronzenen Ehrenplakette und [[1999]] mit der silbernen Ehrenplakette der Stadt [[Helmstedt]] ausgezeichnet.


Am 27. Februar 2001 ist Hans-Ehrhard Müller in Helmstedt gestorben.
Am 27. Februar [[2001]] ist [[Hans-Ehrhard Müller]] in [[Helmstedt]] gestorben.


Er wird den Bürgern unserer Stadt nicht nur als Autor der Stadtgeschichte in Erinnerung blei-ben, sondern auch als Gründer der Alma und August Müller-Stiftung, deren vorrangiger Zweck die Erhaltung alter Bausubstanzen in Helmstedt ist.  
Er wird den Bürgern unserer Stadt nicht nur als Autor der Stadtgeschichte in Erinnerung bleiben, sondern auch als Gründer der [[Alma und August Müller-Stiftung]], deren vorrangiger Zweck die Erhaltung alter Bausubstanzen in [[Helmstedt]] ist.  
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'''[[Helmstedt]] – keine Stadt wie jede andere'''
'''[[Helmstedt]] – keine Stadt wie jede andere'''


Zweimal stand unser Ort im Mittelpunkt des Weltgeschehens: einst als Sitz einer Universität und dann in unserem Jahrhundert als Grenzstadt, die zum Inbegriff der Teilung Deutschlands wurde.
Zweimal stand unser Ort im Mittelpunkt des Weltgeschehens: einst als Sitz einer [[Universität Helmstedt|Universität]] und dann in unserem Jahrhundert als Grenzstadt, die zum Inbegriff der Teilung Deutschlands wurde.


Von der Universität sind 234 Jahre lang unauslöschliche Bereicherungen der Wissenschaft ausgegangen. Auch heute noch bekannte und genannte Professoren forschten hier und vermittelten vielen Studenten ihre Erkenntnisse. Mancher von ihnen hat es durch dieses so erworbene Wissen später zu großem Ruhm gebracht. Gegründet einmal durch Herzog Julius, der geprägt war durch seine schwere Jugend und durch die leidvollen Auseinandersetzungen mit seinem Vater, entstanden in einer Zeit, in der sich Theologie und Philosophie, Glaube und Wissenschaft befehdeten, wurde die Universität Helmstedt zu einer Stätte der Toleranz, der gegenseitigen Achtung und des Ausgleichs. Hier lehrte später neben Hermann Conring ein Georg Calixt, der Helmstedt zum Zentrum und Quellort einer überkonfessionellen Friedensbewegung machte. Versöhnung von Glauben und Denken, Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen unter Einschluß der katholischen Lehre, das waren die Inhalte seiner Theologie. Äußeres Symbol dafür war in Helmstedt das Zusammenleben der protestantischen Einwohner mit den Mönchen des katholischen Ludgeriklosters. Ohne den Calixtinismus hätte es keine Ehe der Elisabeth Christine mit Karl VI. und damit keine Maria Theresia gegeben.
Von der [[Universität Helmstedt|Universität]] sind 234 Jahre lang unauslöschliche Bereicherungen der Wissenschaft ausgegangen. Auch heute noch bekannte und genannte Professoren forschten hier und vermittelten vielen Studenten ihre Erkenntnisse. Mancher von ihnen hat es durch dieses so erworbene Wissen später zu großem Ruhm gebracht. Gegründet einmal durch Herzog Julius, der geprägt war durch seine schwere Jugend und durch die leidvollen Auseinandersetzungen mit seinem Vater, entstanden in einer Zeit, in der sich Theologie und Philosophie, Glaube und Wissenschaft befehdeten, wurde die [[Universität Helmstedt]] zu einer Stätte der Toleranz, der gegenseitigen Achtung und des Ausgleichs. Hier lehrte später neben [[Hermann Conring]] ein [[Georg Calixt]], der [[Helmstedt]] zum Zentrum und Quellort einer überkonfessionellen Friedensbewegung machte. Versöhnung von Glauben und Denken, Dialog zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen unter Einschluss der katholischen Lehre, das waren die Inhalte seiner Theologie. Äußeres Symbol dafür war in [[Helmstedt]] das Zusammenleben der protestantischen Einwohner mit den Mönchen des katholischen [[Kloster St. Ludgeri|Ludgeriklosters]]. Ohne den Calixtinismus hätte es keine Ehe der Elisabeth Christine mit Karl VI. und damit keine Maria Theresia gegeben.


1945 wurde Helmstedt zum Symbol der uns Deutschen aufgezwungenen Teilung. Gleichzeitig jedoch stand der Name unserer Stadt für die letzten Bindungen zu dem anderen Teil Deutschlands und zu dem abgetrennten Berlin.
[[1945]] wurde [[Helmstedt]] zum Symbol der uns Deutschen aufgezwungenen Teilung. Gleichzeitig jedoch stand der Name unserer Stadt für die letzten Bindungen zu dem anderen Teil Deutschlands und zu dem abgetrennten Berlin.


Aber, jede Stadt lebt durch ihre Menschen. Ihr Dasein in den verschiedenen Jahrhunderten darzustellen, ist das Hauptanliegen dieses Buches. Der Leser soll mit ihnen durch die Straßen unserer Stadt gehen, er soll die Geschichte ihres Alltags kennenlernen, er soll würdigen, was sie einmal - oft unter Entbehrungen - geschaffen haben. Er soll wissen, aus welchen Ursprüngen das, was ihm heute begegnet, einmal erwachsen ist. In diesem Sinne habe ich die Chronik der Stadt Helmstedt geschrieben - ein Buch mit einer eigenen Geschichte.
Aber, jede Stadt lebt durch ihre Menschen. Ihr Dasein in den verschiedenen Jahrhunderten darzustellen, ist das Hauptanliegen dieses Buches. Der Leser soll mit ihnen durch die Straßen unserer Stadt gehen, er soll die Geschichte ihres Alltags kennenlernen, er soll würdigen, was sie einmal oft unter Entbehrungen geschaffen haben. Er soll wissen, aus welchen Ursprüngen das, was ihm heute begegnet, einmal erwachsen ist. In diesem Sinne habe ich die Chronik der Stadt [[Helmstedt]] geschrieben ein Buch mit einer eigenen Geschichte.


Die Notwendigkeit, die Geschichte unserer Stadt eingehend darzustellen, wurde schon seit langem erkannt. Es waren allerdings immer unterschiedliche Gesichtspunkte, die dafür maßgebend waren. So waren es besonders politische Aspekte, die in der NS-Zeit allgemein zu einer solchen Aufgabe aufriefen. Man wollte gewissermaßen die Richtigkeit der nationalsozialistischen Ideologie auch aus der Vergangenheit heraus begründen. So heißt es u. a. in einer Verfügung der Kreisdirektion Helmstedt vom 17.09.1936, die Arbeiten müßten eindeutig von einem rein völkischen Lebens- und Gemeinschaftsgefühl beherrscht und getragen sein. Konkreter umschreibt dies „Der Gemeindetag", Ausgabe vom 15.08.1936: ,... daß auch die vorhandenen Arbeiten den heutigen Anforderungen nicht immer genügen; ist doch auch die Geschichtswissenschaft vielfach erst neuerdings auf Verhältnisse und Ereignisse der Vergangenheit aufmerksam geworden, die bisher wenig oder gar nicht beachtet worden sind. Es sei hier nur an die überaus wichtigen Fragen der völkischen Zusammensetzung der städtischen Bevölkerung, der Geltung des Deutschen Rechtes, der Wehrpflicht der Bürger, der Stellung der Juden, der Voraussetzungen für die Erwerbung des Bürgerrechtes erinnert. Es ist daher notwendig, daß die Geschichte aller deutschen Städte von neuem erforscht wird." - Trotz vielfacher Bemühungen, gerade in Helmstedt, kam es hier noch nicht einmal zu einem Beginn. Der Krieg machte viele Pläne zunichte.
Die Notwendigkeit, die Geschichte unserer Stadt eingehend darzustellen, wurde schon seit langem erkannt. Es waren allerdings immer unterschiedliche Gesichtspunkte, die dafür maßgebend waren. So waren es besonders politische Aspekte, die in der NS-Zeit allgemein zu einer solchen Aufgabe aufriefen. Man wollte gewissermaßen die Richtigkeit der nationalsozialistischen Ideologie auch aus der Vergangenheit heraus begründen. So heißt es u. a. in einer Verfügung der [[Landkreis Helmstedt|Kreisdirektion Helmstedt]] vom 17. September [[1936]], die Arbeiten müssten eindeutig von einem rein völkischen Lebens- und Gemeinschaftsgefühl beherrscht und getragen sein. Konkreter umschreibt dies ''Der Gemeindetag'', Ausgabe vom 15. August [[1936]]: ,… dass auch die vorhandenen Arbeiten den heutigen Anforderungen nicht immer genügen; ist doch auch die Geschichtswissenschaft vielfach erst neuerdings auf Verhältnisse und Ereignisse der Vergangenheit aufmerksam geworden, die bisher wenig oder gar nicht beachtet worden sind. Es sei hier nur an die überaus wichtigen Fragen der völkischen Zusammensetzung der städtischen Bevölkerung, der Geltung des Deutschen Rechtes, der Wehrpflicht der Bürger, der Stellung der Juden, der Voraussetzungen für die Erwerbung des Bürgerrechtes erinnert. Es ist daher notwendig, daß die Geschichte aller deutschen Städte von neuem erforscht wird.“ – Trotz vielfacher Bemühungen, gerade in [[Helmstedt]], kam es hier noch nicht einmal zu einem Beginn. Der Krieg machte viele Pläne zunichte.


Aber auch nach dem Ende des furchtbarsten aller Kriege wurde schon sehr früh über die Erstellung einer Stadtchronik nachgedacht. Bei den Planungen für die 700-Jahr-Feier der Bestätigung der Stadtrechte (1247 - 1947) vermißte man ein solches Geschichtsbuch. Wer sich über die Geschichte unserer Stadt im Zusammenhang informieren wollte, der mußte schon auf die lange vergriffene und 1821 von dem Generalsuperintendenten Ludewig verfaßte „Geschichte und Beschreibung der Stadt Helmstedt" zurückgreifen. Sie behandelte auf 264 Seiten im Kleinformat nur bestimmte Schwerpunkte. Ein später entstandenes Werk von Eduard Mutke „Helmstedt im Mittelalter" stammt aus dem Jahre 1913 und ist als Ausarbeitung einer Dissertation sehr wissenschaftlich gehalten und für den normalen Bürger schwer lesbar.
Aber auch nach dem Ende des furchtbarsten aller Kriege wurde schon sehr früh über die Erstellung einer Stadtchronik nachgedacht. Bei den Planungen für die 700-Jahr-Feier der Bestätigung der Stadtrechte ([[1247]]–[[1947]]) vermisste man ein solches Geschichtsbuch. Wer sich über die Geschichte unserer Stadt im Zusammenhang informieren wollte, der musste schon auf die lange vergriffene und [[1821]] von dem Generalsuperintendenten [[Friedrich August Ludewig|Ludewig]] verfasste ''[[Geschichte und Beschreibung der Stadt Helmstedt]]'' zurückgreifen. Sie behandelte auf 264 Seiten im Kleinformat nur bestimmte Schwerpunkte. Ein später entstandenes Werk von Eduard Mutke ''[[Helmstedt im Mittelalter]]'' stammt aus dem Jahre [[1913]] und ist als Ausarbeitung einer Dissertation sehr wissenschaftlich gehalten und für den normalen Bürger schwer lesbar.


Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform 1948 entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. - Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr 1914 abzu-schließen. - Schließlich nahm sich 1952 der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14.11.1955. Die Geschichte der Stadt Helmstedt blieb weiterhin ungeschrieben.
Auch nach der 700-Jahr-Feier gingen die Bemühungen weiter. Mit der Währungsreform [[1948]] entfiel zwar die Papierkontingentierung, aber jetzt waren die finanziellen Mittel knapp. Daran scheiterte auch ein Vorschlag des Professors Dr. Dr. Spieß, Direktor der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs zu Braunschweig, einen jungen und ihm bekannten Wissenschaftler mit dieser Aufgabe zu betrauen. Den von der Stadt als unbedingte Kostengrenze angegebenen 3.000 DM stand eine Forderung von 11.000 DM gegenüber. Für eine Arbeit von zwei bis drei Jahren sicherlich ein angemessener Gegenwert. Zum Vergleich: Ein VW Käfer kostete damals 4.400 DM bzw. als Exportmodell 4.800 DM. Ein anderes Problem galt es zu lösen: Mit welchem Jahr sollte die Chronik enden? Wie sollte die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet werden? Offenbar gar nicht, denn Studienrat Dr. Erich Schrader schlug vor, das Werk mit dem Jahr [[1914]] abzuschließen. Schließlich nahm sich [[1952]] der gerade emeritierte Professor Ernst August Roloff aus Braunschweig dieser Aufgabe an. Aber leider starb er am 14. November [[1955]]. Die Geschichte der Stadt [[Helmstedt]] blieb weiterhin ungeschrieben.


In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffens meines Vorgängers Robert Schaper hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den Helmstedtern nahegebracht hat.
In der Folgezeit wurden insbesondere von Wilhelm Schrader Zeitungsaufsätze und auch einzelne Schriften veröffentlicht. Vor allen Dingen ist hier auf das Schaffens meines Vorgängers [[Robert Schaper]] hinzuweisen, der sein großes Wissen in Broschüren und Einzelabhandlungen den [[Helmstedt]]ern nahegebracht hat.


Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der Helmstedter Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadt-direktor Lothar Wien Robert Schaper und mich mit dieser Aufgabe. Leider mußte Herr Schaper aus Altersgründen Helmstedt verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häu-serbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschich-te unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin Elisabeth Heister-Neumann habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des Stadtarchivs eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a.D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis 1945 geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefaßte Geschichte der Universität erfor-derlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild - ohne auf die Universität einzugehen - nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach 1945 gerade durch die Stellung Helmstedts in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, daß sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird u. a. auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die Helmstedter Schulen und über Bad Helmstedt enthalten. - Den Helmstedter Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich 1996 Susanne Pieper in ihrem Buch „Chronik des Helmstedter Handwerks" ausführlich beschäftigt.
Erst vor einigen Jahren wurde der Gedanke an eine umfassende Darstellung der [[Helmstedt]]er Geschichte wieder aufgegriffen. Nachdem ein erster Versuch gescheitert war, beauftragte Stadtdirektor [[Lothar Wien]] [[Robert Schaper]] und mich mit dieser Aufgabe. Leider musste Herr [[Robert Schaper|Schaper]] aus Altersgründen [[Helmstedt]] verlassen. Er hat aber vorher noch die Reihe der Bürger- und Häuserbücher vollenden können. So waren von ihm wertvolle Vorarbeiten für eine Gesamtgeschichte unserer Stadt geleistet worden. Auf Anregung von Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] habe ich nun in jahrelanger Arbeit hauptsächlich aus den Akten des [[Stadtarchiv Helmstedt|Stadtarchiv]]s eine, wie ich meine, umfassende Geschichte der Stadt erstellt, die Herr Regierungspräsident a. D. Karl-Wilhelm Lange einmal als Lebenswerk bezeichnet hat. Sie konnte allerdings aus verschiedenen Gründen nur bis [[1945]] geführt werden. Einmal war der Umfang der Arbeit festgelegt, zum anderen war auch eine zunächst nicht vorgesehene kurzgefasste Geschichte der [[Universität Helmstedt|Universität]] erforderlich, denn sie gehörte über 200 Jahre fest zur Stadt. Deshalb wäre das über frühe Zeiten zu zeichnende Bild ohne auf die [[Universität Helmstedt|Universität]] einzugehen nur unvollständig gewesen. Zum anderen ist die Zeit nach [[1945]] gerade durch die Stellung [[Helmstedt]]s in diesen oft sehr schwierigen Jahrzehnten so bedeutsam, dass sie einem weiteren Band vorbehalten sein soll. Dieser wird unter anderem auch bereits fertiggestellte Kapitel wie das über die [[Helmstedt]]er Schulen und über [[Bad Helmstedt]] enthalten. Den [[Helmstedt]]er Innungen habe ich absichtlich kein Kapitel gewidmet. Mit ihnen hat sich [[1996]] Susanne Pieper in ihrem Buch ''[[Chronik des Helmstedter Handwerks]]'' ausführlich beschäftigt.


Die Chronik ist in erster Linie gedacht für die Helmstedter Bürgerinnen und Bürger. Sie sollen Zugang zu der großen Vergangenheit ihrer Heimatstadt finden, aber auch zu den Menschen, die vor ihnen hier gelebt haben. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen, sie sollen gesondert gelesen werden können. Deshalb sind Wiederholungen unvermeidbar gewesen.
Die Chronik ist in erster Linie gedacht für die [[Helmstedt]]er Bürgerinnen und Bürger. Sie sollen Zugang zu der großen Vergangenheit ihrer Heimatstadt finden, aber auch zu den Menschen, die vor ihnen hier gelebt haben. Die Kapitel sind in sich abgeschlossen, sie sollen gesondert gelesen werden können. Deshalb sind Wiederholungen unvermeidbar gewesen.


Ich habe vielen zu danken, die mir durch Informationen und auch durch ihr Interesse an meiner Arbeit in den zurückliegenden Jahren geholfen haben. Herrn Bürgermeister Dr. Karl Birker und Frau Stadtdirektorin Elisabeth Heister-Neumann danke ich, daß die Stadt Helmstedt mir die Möglichkeit geboten hat, eine Arbeit zu erstellen, die ich mir schon in jungen Jahren vorgenommen hatte. Herr Erwin Fronhöfer hat schon vor einiger Zeit einen ersten Entwurf durchgesehen. Meine Schulfreunde Siegfried Lüderitz aus Timmel und Rüdiger Möhle aus Epeigné les Bois (Frankreich) haben Teile meines Manuskripts gelesen, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Frau Ilse Moshagen hat mir verschiedene Gedanken vermittelt, und Frau Dr. Ingrid Henze verdanke ich manche Anregung. Bei Herrn Pastor Rudolf Kleinert, bei Frau Barbara Musial und Herrn Rainer Ammon möchte ich mich bedanken, daß sie sich für das Erscheinen der Chronik eingesetzt haben. Herr Studiendirektor Arno Förster und Herr Oberstudienrat Michael Gehrke haben mir sehr alte Aufnahmen unserer Stadt zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Darüber habe ich mich besonders gefreut. Den Mitarbeiterinnen des Schreib-dienstes der Stadt Helmstedt Frau Gisela Loos, Frau Sabrina Wachsmann, Frau Isolde Pingel und Frau Erika Dlusniewski danke ich, daß sie es jahrelang übernommen haben, die oft nicht leichten Diktate zu schreiben. Frau Iris Kanitz hat die Anmerkungen und das Register überprüft.
Ich habe vielen zu danken, die mir durch Informationen und auch durch ihr Interesse an meiner Arbeit in den zurückliegenden Jahren geholfen haben. Herrn Bürgermeister Dr. [[Karl Birker]] und Frau Stadtdirektorin [[Elisabeth Heister-Neumann]] danke ich, dass die Stadt [[Helmstedt]] mir die Möglichkeit geboten hat, eine Arbeit zu erstellen, die ich mir schon in jungen Jahren vorgenommen hatte. Herr Erwin Fronhöfer hat schon vor einiger Zeit einen ersten Entwurf durchgesehen. Meine Schulfreunde Siegfried Lüderitz aus Timmel und Rüdiger Möhle aus Epeigné les Bois (Frankreich) haben Teile meines Manuskripts gelesen, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Frau [[Ilse Moshagen]] hat mir verschiedene Gedanken vermittelt, und Frau Dr. Ingrid Henze verdanke ich manche Anregung. Bei Herrn Pastor Rudolf Kleinert, bei Frau Barbara Musial und Herrn Rainer Ammon möchte ich mich bedanken, dass sie sich für das Erscheinen der Chronik eingesetzt haben. Herr Studiendirektor Arno Förster und Herr Oberstudienrat [[Michael Gehrke]] haben mir sehr alte Aufnahmen unserer Stadt zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Darüber habe ich mich besonders gefreut. Den Mitarbeiterinnen des Schreibdienstes der Stadt [[Helmstedt]] Frau Gisela Loos, Frau Sabrina Wachsmann, Frau Isolde Pingel und Frau Erika Dlusniewski danke ich, dass sie es jahrelang übernommen haben, die oft nicht leichten Diktate zu schreiben. Frau Iris Kanitz hat die Anmerkungen und das Register überprüft.


Der Braunschweigische Kloster- und Studienfonds hat sich finanziell an diesem Buch betei-ligt, wofür ich mich ebenfalls herzlich bedanken möchte. Ganz besonders verpflichtet bin ich Herrn Regierungspräsidenten a. D. Karl-Wilhelm Lange dafür, daß er diesen Zuschuß vermittelt hat und daß er mich durch ein Gespräch und durch mehrere Briefe ermuntert hat, die Chronik zu Ende zu führen. In gleicher Weise muß ich mich bei Frau Studiendirektorin i. R. Melsene Johansen bedanken. Sie hat in unendlich vielen Stunden - oft bis spät in die Nacht hinein - das Manuskript korrigierend gelesen, die Korrektur der Druckfahnen übernommen und das umfangreiche Register erstellt.
Der Braunschweigische Kloster- und Studienfonds hat sich finanziell an diesem Buch beteiligt, wofür ich mich ebenfalls herzlich bedanken möchte. Ganz besonders verpflichtet bin ich Herrn Regierungspräsidenten a. D. Karl-Wilhelm Lange dafür, dass er diesen Zuschuss vermittelt hat und dass er mich durch ein Gespräch und durch mehrere Briefe ermuntert hat, die Chronik zu Ende zu führen. In gleicher Weise muss ich mich bei Frau Studiendirektorin i. R. [[Melsene Johansen]] bedanken. Sie hat in unendlich vielen Stunden oft bis spät in die Nacht hinein das Manuskript korrigierend gelesen, die Korrektur der Druckfahnen übernommen und das umfangreiche Register erstellt.


Gewidmet habe ich das Buch meinen Eltern, die mir in ihrem Fleiß und in ihrer Redlichkeit immer Vorbild gewesen sind, und meinem väterlichen Freund Robert Schaper, dessen geleistete Vorarbeiten mir eine große Hilfe waren.
Gewidmet habe ich das Buch meinen Eltern, die mir in ihrem Fleiß und in ihrer Redlichkeit immer Vorbild gewesen sind, und meinem väterlichen Freund [[Robert Schaper]], dessen geleistete Vorarbeiten mir eine große Hilfe waren.


Schließlich soll das Buch zum Nachdenken darüber anregen, daß die vielen baulichen Zeugen der reichen Vergangenheit unserer Stadt, die heute noch sichtbar sind, erhalten bleiben und daß damit die Arbeit der Bürgeraktion „Alt-Helmstedt" und ihres Vorsitzenden Herrn Rudolf Scharf allenthalben eine noch bessere Unterstützung findet.
Schließlich soll das Buch zum Nachdenken darüber anregen, dass die vielen baulichen Zeugen der reichen Vergangenheit unserer Stadt, die heute noch sichtbar sind, erhalten bleiben und dass damit die Arbeit der [[Bürger-Aktion Alt-Helmstedt|Bürgeraktion „Alt-Helmstedt“]] und ihres Vorsitzenden Herrn Rudolf Scharf allenthalben eine noch bessere Unterstützung findet.


Helmstedt, im März 1999
[[Helmstedt]], im März [[1999]]


Hans-Ehrhard Müller
[[Hans-Ehrhard Müller]]
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== Aus grauer Vorzeit ==
== Aus grauer Vorzeit ==