Schöninger Speere: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Schöningen Speer VI © P. Pfarr NLD.jpg|mini|Der Archäologe Hartmut Thieme erläutert dem Bergwerksdirektor der [[EEW Energy from Waste|Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke]] Klaus Friedrich die Fundsituation von Speer VI (1997)]]
[[Datei:Schöningen Speer VI © P. Pfarr NLD.jpg|mini|Der Archäologe Hartmut Thieme erläutert dem Bergwerksdirektor der [[EEW Energy from Waste|Braunschweigischen Kohlen-Bergwerke]] Klaus Friedrich die Fundsituation von Speer VI (1997)]]
Als '''Schöninger Speere''' werden neun hölzerne Wurfspeere und eine ursprünglich als Speer angesehene Stoßlanze aus Holz bezeichnet, die aus der Altsteinzeit stammen. Sie wurden zwischen [[1994]] und [[1998]] am Rande von [[Schöningen]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen auf einer [[Archäologische Ausgrabungsstätten im Tagebau Schöningen|archäologischen Ausgrabungsstätte im Tagebau Schöningen]] gemeinsam mit weiteren Stein- und Holzartefakten, wie einem beidseitig angespitzten Stab und dem [[Wurfstöcke von Schöningen|Wurfstock von Schöningen]], entdeckt. Absolute Datierungsverfahren ergaben ein Alter der Funde von 290.000 bis 337.000 Jahren. Die Ausgrabung an der Fundstelle leitete bis [[2009]] der Archäologe Hartmut Thieme vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.
Als '''Schöninger Speere''' werden neun hölzerne Wurfspeere und eine ursprünglich als Speer angesehene Stoßlanze aus Holz bezeichnet, die aus der Altsteinzeit stammen. Sie wurden zwischen [[1994]] und [[1998]] am Rande von [[Schöningen]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen auf einer [[Archäologische Ausgrabungsstätten im Tagebau Schöningen|archäologischen Ausgrabungsstätte im Tagebau Schöningen]] gemeinsam mit weiteren Stein- und Holzartefakten, wie einem beidseitig angespitzten Stab und dem [[Wurfstöcke von Schöningen|Wurfstock von Schöningen]], entdeckt. Absolute Datierungsverfahren ergaben ein Alter der Funde von 290.000 bis 337.000 Jahren, während Aminosäuremessungen auf ein Alter von rund 200.000 Jahre hinweisen. Die Ausgrabung an der Fundstelle leitete bis [[2009]] der Archäologe Hartmut Thieme vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.


Die Schöninger Speere sind die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt und ein wichtiger Beleg für die aktive Jagd des ''Homo heidelbergensis''. Ihr Fund hat das Bild der kulturellen Entwicklung des frühen Menschen stark verändert.<ref>Jordi Serangeli In: Terra X - Sternstunden der Steinzeit. Ein Film von Alexander Hogh und Martin Papirowski, Fachberatung Hermann Parzinger, Minute 9 bis 14 von ZDF 2018.</ref> Sie befinden sich in einem eigens für sie errichteten Museum, dem vormaligen [[paläon]], ''jetzt'' [[Forschungsmuseum Schöningen]].<ref>[https://www.palaeon.de/ Am 1. Juli 2019 eröffnet das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege das Forschungsmuseum Schöningen am Standort paläon.]</ref>
Die Schöninger Speere sind die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt und ein wichtiger Beleg für die aktive Jagd des ''Homo heidelbergensis''. Ihr Fund hat das Bild der kulturellen Entwicklung des frühen Menschen stark verändert.<ref>Jordi Serangeli In: Terra X - Sternstunden der Steinzeit. Ein Film von Alexander Hogh und Martin Papirowski, Fachberatung Hermann Parzinger, Minute 9 bis 14 von ZDF 2018.</ref> Sie befinden sich in einem eigens für sie errichteten Museum, dem vormaligen [[paläon]], ''jetzt'' [[Forschungsmuseum Schöningen]].<ref>[https://www.palaeon.de/ Am 1. Juli 2019 eröffnet das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege das Forschungsmuseum Schöningen am Standort paläon.]</ref>
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Der schnellen, luftdichten Bedeckung der Fundschichten durch Mudden ist die außergewöhnlich gute Erhaltung der organischen Materialien zu verdanken. Für die weitere Fundkonservierung sorgte die Lage unter dem Grundwasserspiegel, der erst durch den [[Tagebau Schöningen|Schöninger Braunkohle-Tagebau]] ab [[1979]] künstlich gesenkt wurde. Die Speere und die weiteren Fundstücke stammen aus dem sogenannten ''Speerhorizont''. Das ist eine annähernd 10&nbsp;Meter breite und 125&nbsp;Meter lange Grabungsfläche parallel zum ehemaligen Seeufer in der ''Verlandungszone&nbsp;4'' aus der Epoche der ausgehenden Holstein-Warmzeit.
Der schnellen, luftdichten Bedeckung der Fundschichten durch Mudden ist die außergewöhnlich gute Erhaltung der organischen Materialien zu verdanken. Für die weitere Fundkonservierung sorgte die Lage unter dem Grundwasserspiegel, der erst durch den [[Tagebau Schöningen|Schöninger Braunkohle-Tagebau]] ab [[1979]] künstlich gesenkt wurde. Die Speere und die weiteren Fundstücke stammen aus dem sogenannten ''Speerhorizont''. Das ist eine annähernd 10&nbsp;Meter breite und 125&nbsp;Meter lange Grabungsfläche parallel zum ehemaligen Seeufer in der ''Verlandungszone&nbsp;4'' aus der Epoche der ausgehenden Holstein-Warmzeit.


Das Alter der Funde wurde zunächst mit rund 400.000 Jahren angegeben,<ref>Hartmut Thieme, Reinhard Maier (Hrsg.): ''Archäologische Ausgrabungen im Braunkohlentagebau Schöningen.'' Landkreis Helmstedt, Hannover 1995.</ref><ref>Hartmut Thieme: ''Die ältesten Speere der Welt – Fundplätze der frühen Altsteinzeit im Tagebau Schöningen.'' In: ''Archäologisches Nachrichtenblatt.'' 10, 2005, S. 409–417.</ref> andere Datierungsansätze kamen hingegen auf etwa 270.000 Jahre.<ref>Michael Baales, Olaf Jöris: ''Zur Altersstellung der Schöninger Speere.'' In: J. Burdukiewicz u. a. (Hrsg.): ''Erkenntnisjäger. Kultur und Umwelt des frühen Menschen.'' (= Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt. 57). 2003, S. 281–288. (Festschrift Dietrich Mania)</ref><ref>O. Jöris: ''Aus einer anderen Welt – Europa zur Zeit des Neandertalers.'' In: N. J. Conard u. a. (Hrsg.): ''Vom Neandertaler zum modernen Menschen.'' Ausstellungskatalog Blaubeuren 2005, S. 47–70.</ref> Spätere Thermolumineszenz- und Uran-Thorium-Datierungen geben den Funden ein Alter von 290.000 bis 337.000 Jahre.<ref>Daniel Richter, Matthias Krbetschek: ''[https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2015.06.003 The age of the Lower Paleolithic occupation at Schöningen]''. In: Journal of Human Evolution. Band 89, Dezember 2015, S. 46–56.</ref><ref name="Sierralta et al. 2012">Melanie Sierralta, Manfred Frechen und Brigitte Urban: ''<sup>230</sup>Th/U dating results from open cast mine Schöningen.'' In: Karl-Ernst Behre (Hrsg.): ''Die Chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen.'' Mainz, 2012, S. 143–154</ref>
Das Alter der Funde wurde zunächst mit rund 400.000 Jahren angegeben,<ref>Hartmut Thieme, Reinhard Maier (Hrsg.): ''Archäologische Ausgrabungen im Braunkohlentagebau Schöningen.'' Landkreis Helmstedt, Hannover 1995.</ref><ref>Hartmut Thieme: ''Die ältesten Speere der Welt – Fundplätze der frühen Altsteinzeit im Tagebau Schöningen.'' In: ''Archäologisches Nachrichtenblatt.'' 10, 2005, S. 409–417.</ref> andere Datierungsansätze kamen hingegen auf etwa 270.000 Jahre.<ref>Michael Baales, Olaf Jöris: ''Zur Altersstellung der Schöninger Speere.'' In: J. Burdukiewicz u. a. (Hrsg.): ''Erkenntnisjäger. Kultur und Umwelt des frühen Menschen.'' (= Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt. 57). 2003, S. 281–288. (Festschrift Dietrich Mania)</ref><ref>O. Jöris: ''Aus einer anderen Welt – Europa zur Zeit des Neandertalers.'' In: N. J. Conard u. a. (Hrsg.): ''Vom Neandertaler zum modernen Menschen.'' Ausstellungskatalog Blaubeuren 2005, S. 47–70.</ref> Spätere Thermolumineszenz- und Uran-Thorium-Datierungen an den Schichten unterhalb des Speerfundhorizontes geben den Funden ein Maximalalter von 290.000 bis 337.000 Jahre.<ref>Daniel Richter, Matthias Krbetschek: ''[https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2015.06.003 The age of the Lower Paleolithic occupation at Schöningen]''. In: Journal of Human Evolution. Band 89, Dezember 2015, S. 46–56.</ref><ref name="Sierralta et al. 2012">Melanie Sierralta, Manfred Frechen und Brigitte Urban: ''<sup>230</sup>Th/U dating results from open cast mine Schöningen.'' In: Karl-Ernst Behre (Hrsg.): ''Die Chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen.'' Mainz, 2012, S. 143–154</ref> Dem gegenüber verweisen Aminosäuremessungen an den Gehäusedeckeln der Süßwasserschnecke ''Bithynia'' und an Muschelkrebsen aus dem Speerfundhorizont auf ein Alter von 200.000 Jahren hin.<ref name="Hutson et al. 2025">Jarod M. Hutson, Felix Bittmann, Peter Fischer, Alejandro García-Moreno, Sabine Gaudzinski-Windheuser, Ellie Nelson, José E. Ortiz, Kirsty E. H. Penkman, Zoran M. Perić, Daniel Richter, Trinidad Torres, Elaine Turner, Aritza Villaluenga, Dustin White und Olaf Jöris: ''Revised age for Schöningen hunting spears indicates intensification of Neanderthal cooperative behavior around 200,000 years ago.'' Science Advances 11, 2025, S. eadv0752, [[doi:10.1126/sciadv.adv0752]]</ref><ref>[https://www.welt.de/wissenschaft/article256093064/Archaeologie-Die-Schoeninger-Speere-sind-100-000-Jahre-juenger-mit-Folgen.html ''Die Schöninger Speere sind 100.000 Jahre jünger – mit Folgen''] in [[Die Welt|Die Welt Online]] vom 10. Mai 2025</ref>


== Speere ==
== Speere ==
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=== Bewerbung als Welterbestätte ===
=== Bewerbung als Welterbestätte ===
[[2016]] stieß die Stadt [[Schöningen]] den Prozess zur Aufnahme der Fundstätte der Schöninger Speere als UNESCO-Welterbe an.<ref>[https://web.archive.org/web/20160625133936/https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Schoeninger-Speere-bald-UNESCO-Weltkulturebe,unesco148.html ''„Schöninger Speere“ bald UNESCO Weltkulturerbe?''] bei NDR.de vom 23. Juni 2016.</ref><ref>[https://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article156497481/Fundort-der-Schoeninger-Speere-soll-Weltkulturerbe-werden.html ''Fundort der Schöninger Speere soll Weltkulturerbe werden''] bei Welt.de</ref> Begründet wurde dies damit, dass die Speere ein wichtiges Zeugnis der frühen Menschheitsgeschichte seien und sich mit ihnen erstmals die kognitiven Fähigkeiten des Frühmenschen nachweisen ließen.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Schoeninger-Speere-koennten-UNESCO-Weltkulturerbe-werden,speere136.html ''Schöninger Speere könnten UNESCO-Weltkulturerbe werden''] bei ndr.de vom 28. Oktober 2021</ref> Im Jahre [[2021]] nominierte das Bundesland Niedersachsen die Fundstätte für die deutsche Tentativliste bei UNESCO-Welterbeanträgen, die die Kultusministerkonferenz der Länder [[2023]] in die deutsche Anmeldeliste aufnahm. Sie wird [[2024]] beim Welterbezentrum in Paris eingereicht.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Werden-Schoeninger-Speere-und-Gruenes-Band-bald-UNESCO-Welterbe,welterbe230.html ''Werden Schöninger Speere und Grünes Band bald UNESCO-Welterbe?''] bei ndr.de vom 5. Dezember 2023</ref> Den Bewerbungsprozess für das UNESCO-Welterbe übernimmt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, das auch Träger des [[Forschungsmuseum Schöningen|Forschungsmuseums Schöningen]] ist, in dem die Speere ausgestellt sind. Das Museum geht [[2025]] in die Trägerschaft der Niedersächsischen Landesmuseen Braunschweig über, die es auf eine mögliche Welterbestätte vorbereiten sollen. Mit einer Anerkennung als Welterbestätte wird ab [[2030]] gerechnet.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Bald-UNESCO-Welterbe-Unterstuetzung-fuer-Schoeninger-Speere,schoeningen170.html ''Bald UNESCO-Welterbe? Unterstützung für Schöninger Speere''] bei ndr.de vom 21. Mai 2024</ref>
[[2016]] stieß die Stadt [[Schöningen]] den Prozess zur Aufnahme der Fundstätte der Schöninger Speere als UNESCO-Welterbe an.<ref>[https://web.archive.org/web/20160625133936/https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Schoeninger-Speere-bald-UNESCO-Weltkulturebe,unesco148.html ''„Schöninger Speere“ bald UNESCO Weltkulturerbe?''] bei NDR.de vom 23. Juni 2016.</ref><ref>[https://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article156497481/Fundort-der-Schoeninger-Speere-soll-Weltkulturerbe-werden.html ''Fundort der Schöninger Speere soll Weltkulturerbe werden''] bei Welt.de</ref> Begründet wurde dies damit, dass die Speere ein wichtiges Zeugnis der frühen Menschheitsgeschichte seien und sich mit ihnen erstmals die kognitiven Fähigkeiten des Frühmenschen nachweisen ließen.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Schoeninger-Speere-koennten-UNESCO-Weltkulturerbe-werden,speere136.html ''Schöninger Speere könnten UNESCO-Weltkulturerbe werden''] bei ndr.de vom 28. Oktober 2021</ref> Im Jahre [[2021]] nominierte das Bundesland Niedersachsen die Fundstätte für die deutsche Tentativliste bei UNESCO-Welterbeanträgen, die die Kultusministerkonferenz der Länder [[2023]] in die deutsche Anmeldeliste aufnahm.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Werden-Schoeninger-Speere-und-Gruenes-Band-bald-UNESCO-Welterbe,welterbe230.html ''Werden Schöninger Speere und Grünes Band bald UNESCO-Welterbe?''] bei ndr.de vom 5. Dezember 2023</ref> Sie wird [[2026]] beim Welterbezentrum in Paris eingereicht.
 
Den Bewerbungsprozess für das UNESCO-Welterbe übernehmen das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, das seit [[2019]] Träger des [[Forschungsmuseum Schöningen|Forschungsmuseums Schöningen]] mit den ausgestellten Speeren ist, und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung an der Universität Tübingen,<ref>[https://www.mwk.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/presseinformationen/weichenstellung-in-richtung-unesco-welterbe-232260.html ''Weichenstellung in Richtung UNESCO-Welterbe''], Presseinformation des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur vom 21. Mai 2024</ref> der [[2016]] die archäologischen Forschungen an der Fundstelle der Schöninger Speere übertragen wurde. Das Museum geht [[2025]] in die Trägerschaft der Niedersächsischen Landesmuseen Braunschweig über, die es auf eine mögliche Welterbestätte vorbereiten sollen. Mit einer Anerkennung als Welterbestätte wird ab [[2030]] gerechnet.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Bald-UNESCO-Welterbe-Unterstuetzung-fuer-Schoeninger-Speere,schoeningen170.html ''Bald UNESCO-Welterbe? Unterstützung für Schöninger Speere''] bei ndr.de vom 21. Mai 2024</ref>


== Forschungsgeschichte ==
== Forschungsgeschichte ==
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=== Speerfunde ab 1994 ===
=== Speerfunde ab 1994 ===
[[1992]] wurden an der Tagebaukante des Südfeldes unterhalb eiszeitlicher Ablagerungen in 10 bis 15 m Tiefe mit der Fundstelle 12 erstmals altpaläolithische Fundschichten entdeckt, was tief in den Untergrund einschneidende Schaufelradbagger ermöglichten. Etwa 400 m südlich davon wurden [[1994]] an der Tagebaukante, die als Fundstelle 13 bezeichnet wurde, Tierknochen und ein beidseitig angespitzter Holzstab gefunden. Da hier weitere Funde zu erwarten waren, wurde eine 50&nbsp;×&nbsp;60 m große Fläche vom Abbau ausgespart. Dadurch entstand ein Grabungssockel, auch als Speersockel bezeichnet, der in das Tagebauloch hineinragt. In diesem Bereich fanden sich die Hinterlassenschaften eines Lagers steinzeitlicher Jäger, die an einem Seeufer vor rund 300.000 Jahren Wildpferde gejagt hatten. Zu den Fundstücken zählten auch die 10 Holzwaffen in Form der Wurfspeere, der Stoßlanze und des Holzstabs.
[[1992]] wurden an der Tagebaukante des Südfeldes unterhalb eiszeitlicher Ablagerungen in 10 bis 15 m Tiefe mit der Fundstelle 12 erstmals altpaläolithische Fundschichten entdeckt, was durch tief in den Untergrund einschneidende Schaufelradbagger ermöglicht wurde. Etwa 400 m südlich davon wurden [[1994]] an der Tagebaukante, die als Fundstelle 13 bezeichnet wurde, Tierknochen und ein beidseitig angespitzter Holzstab gefunden. Da hier weitere Funde zu erwarten waren, wurde eine 50&nbsp;×&nbsp;60 m große Fläche vom Abbau ausgespart. Dadurch entstand ein Grabungssockel, auch als Speersockel bezeichnet, der in das Tagebauloch hineinragt. In diesem Bereich fanden sich die Hinterlassenschaften eines Lagers steinzeitlicher Jäger, die an einem Seeufer vor rund 300.000 Jahren Wildpferde gejagt hatten. Zu den Fundstücken zählten auch die 10 Holzwaffen in Form der Wurfspeere, der Stoßlanze und des Holzstabs.


=== Forschungsprojekt ab 2008 ===
=== Forschungsprojekt ab 2008 ===
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* Brigitte Urban: ''Interglacial pollen records from Schöningen, North Germany.'' In: ''Developments in Quaternary Sciences.'' Band 7, 2007, S. 417–444.
* Brigitte Urban: ''Interglacial pollen records from Schöningen, North Germany.'' In: ''Developments in Quaternary Sciences.'' Band 7, 2007, S. 417–444.
* Jordi Serangeli u. a.: ''Ein Fenster ins Altpaläolithikum.'' In: Archäologie in Deutschland. Band 28, Nr. 4, 2012, S. 6–12, ISSN [https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220176-8522%22&key=cql 0176-8522].
* Jordi Serangeli u. a.: ''Ein Fenster ins Altpaläolithikum.'' In: Archäologie in Deutschland. Band 28, Nr. 4, 2012, S. 6–12, ISSN [https://zdb-katalog.de/list.xhtml?t=iss%3D%220176-8522%22&key=cql 0176-8522].
* Gerlinde Bigga, Brigitte Urban: ''Im Schatten der Speere – Hölzer und andere Pflanzenfunde aus Schöningen und ihre Bedeutung für den Menschen.'' In: Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e. V., 55. Tagung in Wien, Erlangen 2013, S. 16 f.
* Gerlinde Bigga, Brigitte Urban: ''Im Schatten der Speere – Hölzer und andere Pflanzenfunde aus Schöningen und ihre Bedeutung für den Menschen.'' In: Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit e.&nbsp;V., 55. Tagung in Wien, Erlangen 2013, S. 16 f.
* Harald Eggebrecht: ''Spitze der Menschheit. Der Fund der 300 000 Jahre alten Schöninger Speere war eine Sensation. Er zeigt, wie der Homo heidelbergensis gelebt und gejagt hat.'' In: ''Süddeutsche Zeitung.'' 31. Oktober/1. November 2014, S. 63.
* Harald Eggebrecht: ''Spitze der Menschheit. Der Fund der 300 000 Jahre alten Schöninger Speere war eine Sensation. Er zeigt, wie der Homo heidelbergensis gelebt und gejagt hat.'' In: ''Süddeutsche Zeitung.'' 31. Oktober/1. November 2014, S. 63.
* Jordi Serangeli: ''Die Jäger von Schöningen. Spuren von Menschen und Säbelzahnkatzen im „Speerhorizont“.'' In: ''Archäologie in Niedersachsen.'' 18/2015, S.&nbsp;93–96.
* Jordi Serangeli: ''Die Jäger von Schöningen. Spuren von Menschen und Säbelzahnkatzen im „Speerhorizont“.'' In: ''Archäologie in Niedersachsen.'' 18/2015, S.&nbsp;93–96.
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* Henning Haßmann: [https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/objekte/speere/ ''Speer II aus dem altpaläolithischen Wildpferdjagdlager von Schöningen''] im Denkmalatlas Niedersachsen
* Henning Haßmann: [https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/objekte/speere/ ''Speer II aus dem altpaläolithischen Wildpferdjagdlager von Schöningen''] im Denkmalatlas Niedersachsen
* [http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=32511&article_id=112370&_psmand=45 Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen] in 13 Beiträgen
* [http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=32511&article_id=112370&_psmand=45 Die chronologische Einordnung der paläolithischen Fundstellen von Schöningen] in 13 Beiträgen
* [https://www.foerderverein-palaeon.de/ Homepage des Fördervereins „Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e. V.“]
* [https://www.foerderverein-palaeon.de/ Homepage des Fördervereins „Schöninger Speere – Erbe der Menschheit e.&nbsp;V.“]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==