Männer Turn Verein Beierstedt: Unterschied zwischen den Versionen

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Der '''Männer Turn Verein Beierstedt (MTV Beierstedt)''' war ein Sportverein in der Gemeinde [[Beierstedt]] im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in Deutschland.<ref>{{Literatur |Titel=Es fehlen nur noch 15 Leibchen – Ingo Schoeps und Stefan Tornow haben eine ungewöhnliche Sammelleidenschaft |Sammelwerk=[[Helmstedter Sonntag]] |Datum=2025-10-12 |Seiten=18}}</ref>
Der '''Männer Turn Verein Beierstedt (MTV Beierstedt)''' war ein Sportverein in der Gemeinde [[Beierstedt]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland.
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== Geschichte ==
== Geschichte ==
Der Verein wurde [[1880]] gegründet, genaue Unterlagen dazu existieren jedoch nicht. Der mündlichen Überlieferung nach wurde der Verein von acht Männern gegründet, darunter waren Andreas Elfrod, August Köchy und Andreas Hermann. Sie stifteten einen 2,5 Liter-Schoppen auf dessen Zinndeckel die Namen der Gründer eingraviert waren. Der Schoppen wird noch 1930 im Sitzungsprotokoll erwähnt. Die Vereinsziele waren Geräteturnen und das gesellige Beisammensein.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/sport/regionalsport/helmstedt/article150348132/Turnhosen-waren-gewaschen-beim-Spielfuehrer-abzugeben.html |titel=Turnhosen waren gewaschen beim Spielführer abzugeben |werk=Braunschweiger Zeitung |datum=2005-05-19 |abruf=2025-10-20}}</ref>
Der Verein wurde [[1880]] gegründet. Genaue Unterlagen über die Vereinsgründung existieren nicht, der mündlichen Überlieferung zufolge wurde der Verein von acht Männern ins Leben gerufen, darunter Andreas Elfrod, August Köchy und Andreas Hermann. Sie stifteten einen 2,5-Liter-Schoppen, auf dessen Zinndeckel die Namen der Gründer eingraviert waren. Der Schoppen wurde noch [[1930]] in einem Sitzungsprotokoll erwähnt. Die Vereinsziele bestanden im Geräteturnen sowie im geselligen Beisammensein.<ref name="BZ19052005">{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/sport/regionalsport/helmstedt/article150348132/Turnhosen-waren-gewaschen-beim-Spielfuehrer-abzugeben.html |titel=Turnhosen waren gewaschen beim Spielführer abzugeben |werk=Braunschweiger Zeitung |datum=2005-05-19 |abruf=2025-10-20}}</ref>


Der Krieg von 1914 bis 1918 bewirkte einen Rückgang der sportlichen Tätigkeit innerhalb des Vereines. 1918 musste wieder neu begonnen werden. Das Geld für Barren, Pferd und Matten wurde beschafft durch Theaterveranstaltungen, und Sammlungen durch Wilhelm Grieß, Hermann Krull Wilhelm Röber, Adolf Schliephake und Ernst Vahldiek, Kasten und Reck waren noch vorhanden. In der Folge erlebte der Verein einen Aufschwung.
Während des Krieges von [[1914]] bis [[1918]] kam die sportliche Tätigkeit weitgehend zum Erliegen. Nach Kriegsende begann [[1918]] der Neuaufbau. Das Geld für neue Geräte wie Barren, Pferd und Matten wurde durch Theaterveranstaltungen und Sammlungen, unter anderem von Wilhelm Grieß, Hermann Krull, Wilhelm Röber, Adolf Schliephake und Ernst Vahldiek, beschafft. Kasten und Reck waren noch vorhanden. In dieser Zeit erlebte der Verein einen deutlichen Aufschwung.<ref name="BZ19052005" />


Jugendturner wurden Otto Krull, Ernst Wagenführ, Otto Blenke, Hermann Krull, Albert Krull und Otto Koch. Diese Männer bildeten später den Kern der ersten Turnerriege und der 10 x 1000 m Laufstaffel rund um den Heeseberg.
Zu den Jugendturnern dieser Jahre zählten Otto Krull, Ernst Wagenführ, Otto Blenke, Hermann Krull, Albert Krull und Otto Koch. Diese Sportler bildeten später den Kern der ersten Turnerriege sowie der 10×1000-Meter-Laufstaffel rund um den [[Heeseberg]]. Die Beierstedter Turner und Leichtathleten erlangten im gesamten Braunschweiger Land Bekanntheit und nahmen regelmäßig an Turn- und Leichtathletikveranstaltungen in Braunschweig, Wolfenbüttel, [[Schöningen]], [[Helmstedt]], beim [[Elm-Bergturnfest|Elmwettturnen]] sowie beim Assewettturnen teil.<ref name="BZ19052005" />


Beierstedter Turner und Leichtathleten waren bekannt im ganzen Braunschweiger Land. An Turn- und Leichtathletikveranstaltungen wurde teilgenommen in Braunschweig, Wolfenbüttel, Schöningen, Helmstedt, am Elmwettturnen und am Assewettturnen.
Ab [[1927]] sind die Vereinsaktivitäten durch erhaltene Sitzungsprotokolle dokumentiert. Als bester Turner jener Zeit galt Otto Krull. Große Verdienste erwarb sich Ernst Wagenführ als Erster Turnwart. Trainiert wurde mittwochs und samstags von 20:00 bis 22:00 Uhr; anschließend liefen die Mitglieder vom Vereinslokal bis zum [[Bahnhof Jerxheim]] und zurück (etwa fünf Kilometer), bevor der Abend in geselliger Runde ausklang. [[1959]] wurde der Turnbetrieb eingestellt.<ref name="BZ19052005" />


Ab 1927 ist die Vereinsgeschichte durch noch vorhandene Sitzungsprotokolle belegt. Der beste Turner war Otto Krull. Große Verdienste erwarb sich als 1. Turnwart Ernst Wagenführ. Mittwochs und samstags war Turnabend von 20 bis 22 Uhr, anschließend wurde vom Vereinslokal bis Jerxheim-Bahnhof und zurück gelaufen (rund 5 Kilometer). Danach ging man zum gemütlichen Teil über und trank noch so manches Bier zusammen. 1959 wurde der Turnbetrieb eingestellt.
Ab [[1930]] bestand vorübergehend eine Handballmannschaft, deren Spielbetrieb jedoch bald wieder eingestellt werden musste, da kein Sportplatz vorhanden war und der Spielball verloren ging.<ref name="BZ19052005" />


Ab 1930 existierte vorübergehend eine Handballmannschaft. Der Spielbetrieb musste jedoch bald wieder eingestellt werden, es war kein Sportplatz vorhanden und der Spielball ging auch noch verloren.
Von [[1933]] an kam es infolge der politischen Verhältnisse zu einem Rückgang im Vereinsleben. Der Turnbetrieb wurde zunehmend in die Organisation der Hitlerjugend eingegliedert. Während des Krieges von [[1939]] bis [[1945]] waren vor allem jugendliche, nicht zum Wehrdienst eingezogene Mitglieder sportlich aktiv.<ref name="BZ19052005" />


Von 1933 an ist ein politisch bedingter Rückgang im Vereinsleben zu verzeichnen. Der Turnbetrieb fand mehr und mehr innerhalb der Organisation der Hitler-Jugend statt. Im Krieg von 1939 bis 1945 war fast nur die nicht zum Wehrdienst eingezogene Jugend sportlich aktiv.
Im November [[1945]] nahm der Verein seine Tätigkeit erneut auf. Der Sportbetrieb wurde mit den Abteilungen Geräteturnen, Leichtathletik, Boxen, Handball und Faustball wieder aufgenommen. Am 27. Juni [[1946]] wurde die Fußballabteilung gegründet. Am selben Tag entstand auch eine Damenabteilung mit den Sparten Handball und Turnen.<ref name="BZ19052005" />


Im November 1945 wurde neu begonnen. Der Sportbetrieb wurde mit den Abteilungen Geräteturnen. Leichtathletik, Boxen, Handball und Faustball wieder aufgenommen.
Eine Begebenheit verdeutlicht die Nachkriegssituation: Der [[Helmstedter SV]] bestritt ein Freundschaftsspiel in [[Beierstedt]], sofern Fahrgeld und drei Zentner Kartoffeln zur Verfügung gestellt wurden. Gespielt wurde auf einer Wiese; die Turnhosen mussten montags gewaschen beim Spielführer abgegeben werden.<ref name="BZ19052005" />


Der 27. Juni 1946 ist ein außerordentlich wichtiges Datum. An diesem Tag wurde die Fußballabteilung gegründet. Am selben Tag wurde außerdem eine Damenabteilung mit den Sparten Handball und Turnen gegründet.
Ab März [[1947]] bestand in [[Beierstedt]] eine Jugendfußballmannschaft. Im April desselben Jahres wurde der Sportplatz feierlich eingeweiht. Der Verein erhielt insbesondere durch den Eintritt von Robert Haupts neuen Auftrieb, dem maßgeblich die Entwicklung der Fußballabteilung zu verdanken war.<ref name="BZ19052005" />


Interessant als Einzelheit und kennzeichnend für die Situation im Sport nach dem Kriegsende ist folgende kleine Begebenheit: Der Helmstedter SV kam zu einem Freundschaftsspiel nach Beierstedt, wenn Fahrgeld und 3 Zentner Kartoffeln zur Verfügung gestellt wurden. Gespielt wurde auf einer Wiese, die Turnhosen waren montags gewaschen beim Spielführer abzugeben.
Im Mai [[1965]] wurde eine Tischtennisabteilung gegründet. Ab Januar [[1967]] war der MTV Beierstedt ein eingetragener Verein; im selben Jahr wurde das neu errichtete Sportheim eingeweiht.<ref name="BZ19052005" />


Ab März 1947 gab es in Beierstedt eine Jugendfußballmannschaft, im April 1947 wurde der Sportplatz festlich eingeweiht. Robert Haupts tritt in den Verein ein, ihm ist es in erster Linie zu verdanken, dass die Fußballabteilung einen großen Auftrieb bekam.
Ab [[1974]] wurde wieder verstärkt Jugendarbeit betrieben, wodurch erneut eine C-Jugend und eine Mini-Knaben-Mannschaft gemeldet werden konnten. In der [[Fußball-Saison 1974/75|Saison 1974/75]] errang die 1. Mannschaft die Staffelmeisterschaft der 1. Kreisklasse Süd und stieg in die Kreisliga auf, musste jedoch ein Jahr später als dritter Absteiger wieder absteigen. In den Folgejahren wurde der Wiederaufstieg mehrfach knapp verpasst. [[1986]] stieg die 1. Mannschaft in die 2. Kreisklasse ab. In der [[Fußball-Saison 1987/88|Saison 1987/88]] gelang der Mannschaft mit großem Vorsprung der Gewinn der Meisterschaft der 2. Kreisklasse Süd und der Wiederaufstieg in die 1. Kreisklasse. Ab der [[Fußball-Saison 1989/90|Saison 1989/90]] bildete der MTV Beierstedt eine Spielgemeinschaft mit dem [[ESV Jerxheim]]. Diese bestand bis zum Ende der [[Fußball-Saison 1993/94|Saison 1993/94]] und endete mit dem Gewinn der Kreismeisterschaft der 1. Mannschaft in der 2. Kreisklasse. Seit der [[Fußball-Saison 1994/95|Saison 1994/95]] trat der MTV Beierstedt wieder mit einer eigenen Mannschaft an und nahm bis zum 4. Juni [[2000]] am Spielbetrieb teil. Danach konnte aufgrund von Spielermangel keine Herrenmannschaft mehr gemeldet werden.<ref name="BZ19052005" />


Im Mai 1965 wurde eine Tischtennisabteilung gegründet. Ab Januar 1967 ist der MTV Beierstedt ein eingetragener Verein. 1967 wurde das neu gebaute Sportheim eingeweiht.
Der Verein sah sich in den folgenden Jahren mit einem deutlichen Rückgang der Mitgliederzahlen konfrontiert. Dieser Abwärtstrend setzte mit der Einstellung des Fußballspielbetriebs ein. In der Folge blieb der Sportplatz ungenutzt, was Begehrlichkeiten bei der Beierstedter Reitgemeinschaft weckte. Daraufhin schlug die Gemeinde als Eigentümerin der Anlage vor, dass die Reitgemeinschaft und der MTV das Gelände einschließlich des Sportheims gemeinsam nutzen sollten. Ein entsprechendes Vertragsangebot wurde dem Verein unterbreitet, das jedoch vom MTV als nicht akzeptabel abgelehnt wurde. Der Vertrag sah unter anderem vor, dass dem MTV künftig nur noch ein Drittel des Sportplatzes zur Verfügung gestanden hätte. Zudem sollte der Verein ebenso wie die Reitgemeinschaft eine jährliche Miete von 600 Euro für die Nutzung des Sportheims entrichten. Nach der Ablehnung des Angebots reagierte die Gemeinde mit der fristgemäßen Kündigung des bestehenden Nutzungsvertrags mit dem MTV. Auch im finanziellen Bereich zeichnete sich eine schwierige Situation ab: Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen jährlich um mehr als 1000 Euro. „Spätestens in zwei Jahren sind die Reserven aufgebraucht. Die Zahlen sprechen also auch für eine Auflösung“, erklärte der MTV-Vorsitzende Arno Badtke.<ref name="BZ14122013" />


Ab 1974 wurde wieder intensive Jugendarbeit geleistet, es konnte wieder eine C-Jugend und eine Mini-Knaben-Mannschaft gemeldet werden.
[[2015]] wurde der Verein aufgelöst.


In der Spielserie der Saison 1974/75 wurde die 1. Mannschaft Staffelmeister der 1. Kreisklasse Süd und stieg wieder in die Kreisliga auf und musste ein Jahr später als dritter Absteiger wieder absteigen. In den folgenden Jahren wurde der Wiederaufstieg in die Kreisliga mehrfach knapp verpasst.
=== Vereinsvorsitzende ===
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! Name
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| ≈[[2013]] || Arno Badtke<ref name="BZ14122013">{{Internetquelle |url=https://www.braunschweiger-zeitung.de/helmstedt/schoeningen-suedkreis/article151264001/Der-MTV-kaempft-um-sein-Ueberleben.html |titel=Der MTV kämpft um sein Überleben |werk=Braunschweiger Zeitung |autor=Dirk Fochler |datum=2013-12-14 |abruf=2025-10-24}}</ref>
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1986 folgte der Abstieg der 1. Mannschaft in die 2. Kreisklasse. Im Spieljahr 1987/88 wurde die 1. Mannschaft mit großem Vorsprung Meister der 2. Kreisklasse Süd und stieg wieder in die 1. Kreisklasse auf.
=== Mitgliederentwicklung ===
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! Jahr
! Mitglieder
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| [[2005]]<ref name="BZ19052005" /> || align="right" | {{nts|110}}
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| [[2013]]<ref name="BZ14122013" /> || align="right" | {{nts|58}}
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Ab dem Spieljahr der Saison 1989/90 ging der MTV Beierstedt eine Spielgemeinschaft mit dem ESV Jerxheim ein. Diese Spielgemeinschaft bestand bis zum Ende des Spieljahres 1993/94 und endete mit dem Gewinn der Kreismeisterschaft der 1. Mannschaft in der 2. Kreisklasse.
== Siehe auch ==
 
* [[Liste der Sportvereine im Landkreis Helmstedt]]
Ab dem Spieljahr 1994/95 hat der MTV Beierstedt wieder eine eigene Mannschaft gemeldet und bis zum 4. Juni 2000 am Spielbetrieb teilgenommen. Danach konnte der MTV Beierstedt aufgrund Spielermangels keine Herrenmannschaft mehr melden."
 
[[2015]] wurde der Verein aufgelöst.
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== Weblinks ==
* https://www.braunschweiger-zeitung.de/helmstedt/schoeningen-suedkreis/article151871924/MTV-Beierstedt-stimmt-ueber-Aufloesung-ab.html
* https://www.braunschweiger-zeitung.de/helmstedt/article150352563/MTV-ist-ein-Stueck-Lebensqualitaet.html
* https://www.braunschweiger-zeitung.de/helmstedt/schoeningen-suedkreis/article151264001/Der-MTV-kaempft-um-sein-Ueberleben.html


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==