Schloss Schöningen: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Bild:Schloss Schöningen.jpg|thumb|Schloss Schöningen]]
{{Dieser Artikel|befasst sich mit dem Schloss Schöningen in der Stadt Schöningen.<br />Für das gleichnamige Hotel- und Gastronomieunternehmen in der Stadt Schöningen siehe: [[Schloss Schöningen (Unternehmen)]].}}
[[Bild:Schloss Schöningen Luftaufnahme.jpg|thumb|Luftaufnahme des Schlosses]]
{{Infobox Burg
Der Schlossbau des '''Schloss Schöningen''' in [[Schöningen]] beruht auf Welfenherzog Magnus, der hier um 1350 ein Jagdschloss errichten ließ. Heute sind in dem Schloss ein Gastronomieunternehmen und ein Jugendfreizeitzentrum untergebracht.
| Name                    = Schloss Schöningen
| Alternativname          =
| Bild                   = <!--Schöningen - Schloss Schöningen - 20221022140841.jpg-->
| Bildbeschreibung        = <!--Schloss Schöningen-->
| Bilderwunsch            =
| Entstehungszeit        = 1. Hälfte 14. Jahrhundert
| Typologie n. geo. Lage  = Niederungsburg
| Erhaltungszustand      = Neuzeitliches Schloss
| Ständische Stellung    = Herzogtum Braunschweig-Lüneburg
| Mauerwerksmerkmale      =
| Heutiger Ortsname      = [[Schöningen]]
| Heutige Nutzung        =
| Höhe Aussichtsplattform =
| Breitengrad            = 52.14058
| Längengrad              = 10.96517
| Unauffindbar            =
| Region-ISO              = DE-NI
| dim                    =
| Poskarte                = Deutschland Niedersachsen
| Höhenordinate          =
| Höhe-Bezug              = DE-NHN
}}
[[Datei:Schloss Schöningen.jpg|mini|Schloss Schöningen]]
[[Datei:Schloss Schöningen Luftaufnahme.jpg|mini|Luftaufnahme des Schlosses]]
Das '''Schloss Schöningen''' ist ein ehemaliges Jagdschloss in der Stadt [[Schöningen]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland. Es wurde unter Herzog Magnus I. von Braunschweig-Wolfenbüttel errichtet. Neben seiner Funktion als Jagdschloss diente es zugleich als Grenzfeste gegenüber den Territorien der Bischöfe von Halberstadt und Magdeburg. Die Anlage zählte zu den repräsentativsten Bauwerken im Umfeld des [[Elm]]. Sie wurde von den welfischen Herzögen regelmäßig bei Treibjagden genutzt und bot ihnen sowie ihrem Gefolge Unterkunft. Überliefert ist, dass bei einer Jagd bis zu 3000 Treiber eingesetzt worden sein sollen.
 
== Beschreibung ==
Die Schlossanlage entstand aus einer von Herzog Magnus I. von Braunschweig-Wolfenbüttel errichteten mittelalterlichen Burg. Trotz zahlreicher Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert sowie späterer Umgestaltungen zur landwirtschaftlichen Nutzung ist der spätmittelalterliche Grundriss bis heute erkennbar.<ref name="krueger588" />
 
Im Unterbau des Schlosses sind Reste des alten Palas erhalten. Der Osttrakt der Vierflügelanlage wird an seinen Ecken von zwei quadratischen Türmen mit Zeltdach flankiert. Der Südturm weist eine Seitenlänge von etwa sieben Metern und eine Mauerstärke von rund zwei Metern auf.<ref name="krahe553" /> In seinem Inneren befand sich eine Kapelle mit Rippengewölbe für den katholischen Gottesdienst.
 
Das heutige Erscheinungsbild wird wesentlich durch Erneuerungen am Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts geprägt. Unter Herzogin Sophia von Polen ([[1568]]–[[1575]]) entstanden der Renaissance-Erker am Kapellenturm sowie ein Lustgarten, der heute nicht mehr erhalten ist. In der Regierungszeit Elisabeths ([[1613]]–[[1626]]) erfolgte ein großzügiger Ausbau, von dem das Hofportal zeugt. Unter Anna Sophia ([[1628]]–[[1659]]) wurden Nord- und Westflügel nach hinten verlegt und neu errichtet. [[1817]] kam es während der Nutzung als Domäne zu Erneuerungsarbeiten, um [[1910]] wurde der Westflügel zu einem Pächterwohnhaus umgestaltet.
 
Die Burg war ursprünglich von zwei Wassergräben umgeben. Reste der zwischen [[1574]] und [[1585]] erneuerten Befestigungsanlagen sind östlich und westlich der Schlossanlage erhalten. Auf der Ostseite verläuft in etwa 50 Metern Entfernung ein Wall mit vorgelagertem Graben, der sich nach Norden in rund 25 Metern Entfernung fortsetzt.
 
An die Schlossgebäude grenzt ein Park, der bis [[1991]] neugestaltet wurde. Südlich des Schlosses entstand in den 1990er-Jahren ein symmetrischer Garten.
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<gallery widths="180" heights="140" perrow="4">
Datei:Schloss Schöningen Osteingang Hausmannsturm.jpg|Osteingang mit [[Hausmannsturm]]
Datei:Schöningen Torhaus.jpg|Torhaus mit Südeingang
Datei:Schöningen Palas.jpg|[[Palas]]
Datei:Schloss Schöningen Schlosshof.jpg|Schlosshof
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== Geschichte ==
== Geschichte ==
Das Schloss diente gleichzeitig als Grenzfeste zu den Gebieten der Bischöfe von Halberstadt und Magdeburg. Die Anlage nahm Schaden, als der Schmalkaldische Bund gegen Herzog Heinrich den Jüngeren in einen Religionskrieg zog. Das Schloss wurde später in ein Wohngebäude umgestaltet und diente zwischen 1568 und 1659 drei Braunschweiger Herzoginnen (Sophie Jagiello, Elisabeth von Dänemark, Anna Sophie von Brandenburg) als Witwensitz. Die Schlossanlage gehörte zu den prunkvollsten Gebäuden nahe dem [[Elm]]. Sie diente den Welfenherzögen mit ihrer Residenz in Wolfenbüttel und ihrem Gefolge oft als Unterkunft bei Treibjagden im Elm. Bei einer Jagd sollen sie mit 3.000 Treibern in den Elm gezogen sein. 1733 übernachtete Friedrich der Große hier bei der Anreise zu seiner Hochzeit mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern im Schloss Salzdahlum.
Herzog Magnus&nbsp;I. von Braunschweig-Wolfenbüttel gründete das Schloss Schöningen um [[1350]]<ref name="schoeningen-web" /> als Jagdsitz und Grenzfeste, die [[1542]]<ref name="krueger588" /> während des Schmalkaldischer Kriegs beschädigt wurde, als der Schmalkaldische Bund gegen Herzog Heinrich den Jüngeren in einen Religionskrieg zog. Anfang des 16.&nbsp;Jahrhunderts<ref name="krueger588" /> wurde die Anlage zu einem Schloss um- und ausgestaltet und diente bis zum 17.&nbsp;Jahrhundert drei Braunschweiger Herzoginnen, Sophia Jagiellonica (Sophie Jagiello), Elisabeth von Dänemark und Anna Sophia von Brandenburg als Witwensitz. Zugleich wurde [[Schöningen]] Amtssitz. Die drei Frauen nahmen großen Einfluss auf die Entwicklung des Schlosses. Als Herzogin Sophia, Schwester des polnischen Königs Sigismund&nbsp;II., nach dem Tod ihres Mannes Heinrich&nbsp;II. von [[1568]] bis [[1575]] im Schloss lebte, ließ sie einen heute nicht mehr existierenden Lustgarten anlegen.<ref name="schoeningen-web" /> Elisabeth, die Schwester Christians&nbsp;IV. von Dänemark und Mutter des tollen Christians von Halberstadt, wohnte in der Zeit von [[1613]] bis [[1626]] dort. Sie gestaltet den Palas im Stil der Renaissance vollständig um und ließ den West- und Nordflügel neu errichten.<ref name="schoeningen-web" /> Herzogin Anna Sophia, geborene Prinzessin von Brandenburg, die Schloss Schöningen von [[1628]] bis [[1659]] nutzte, herrschte hier fast selbständig. Die Einrichtung einer Lateinschule am [[Markt (Schöningen)|Markt]] der Stadt geht auf sie zurück.
 
Im Jahr [[1661]] ließ Herzog August&nbsp;II. die Anlage entfestigen und das Zeughaus abreißen.<ref name="schoeningen-web" /> Von [[1679]] bis [[1683]] lebte Anna-Sophie, die zweite Tochter Herzog Anton Ulrichs von Braunschweig, verheiratet mit dem Markgrafen Karl Gustav von Baden-Durlach, im Schloss. Zuvor hatte ihre Schwester Katharina von Brandenburg die Anlage als Wohnsitz genutzt, ehe sie im August [[1644]] dort verstorben war. Am 25.&nbsp;Januar [[1681]] war Schloss Schöningen Ort der Heirat von Elisabeth Eleonore von Braunschweig-Wolfenbüttel und Herzog Bernhard&nbsp;I. von Sachsen-Meiningen.
 
Im Jahr [[1733]] hatte das Schloss  mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich –&nbsp;der spätere König Friedrich der Große einen besonders hochgestellten Gast. Er übernachtete dort auf der Anreise zu seiner Hochzeit mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern im Schloss Salzdahlum.
 
Seit [[1815]] der Amtssitz von [[Schöningen]] nach [[Helmstedt]] verlegt worden war, war das Schloss zur Domäne herabgestuft. Nachfolgend verfielen Palas und Nebengebäude. Erst [[1970]] wurde der landwirtschaftliche Betrieb auf dem Gelände eingestellt. In jenem Jahr veräußerte das Land Niedersachsen die Gebäude an Privatleute. Die Stadt [[Schöningen]] erwarb erst einmal nur das umliegende Freigelände. Im Zeitraum von [[1978]] bis [[1983]] kaufte sie dann drei Flügel des Schlossgevierts hinzu, darunter den völlig verfallenen Palas und den Amtsgerichtsgarten im Süden des Schlosses.<ref name="schoeningen-web" /> In der Folge fanden Restaurierungen statt. Begonnen wurde mit dem Marstall und seinem Umbau zu einem [[Jugendfreizeitzentrum Schöningen|Jugendzentrum]]. Es folgte die Einrichtung eines Informationszentrums des Kuratoriums Unteilbares Deutschland zur Wiedervereinigung. Nach dem Erwerb des einstigen Pächterhauses der Schlossdomäne aus dem Jahr [[1911]] durch die Stadt wurde auch dieses Gebäude ab [[1985]] zeitgleich mit dem Palas und dem Gärtnerhaus restauriert. Die Stadt übergab das wiederhergestellte Schloss [[1996]] der Öffentlichkeit, ehe [[1997]] bis [[1998]] die Wiederherstellung des Barockgartens sowie bis zum Jahr [[2000]] noch die Restaurierungen des Wachhauses folgten.<ref name="alleburgen" /><ref name="schoeningen-web" />
 
Neben den oben genannten Einrichtungen sind dort heute das Hotel- und Gastronomieunternehmen [[Schloss Schöningen (Unternehmen)|Schloss Schöningen]] sowie das [[Jugendfreizeitzentrum Schöningen]] beheimatet.
 
== Literatur ==
* Lutz Dursthoff (Red.): ''Die deutschen Burgen & Schlösser in Farbe. Burgen, Schlösser, Festungsanlagen, Herrenhäuser und Adelspalais in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West)''. Krüger, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-8105-0228-6, S.&nbsp;588.
* Braunschweigische Landschaft e.&nbsp;V. (Hrsg.): ''Kulturdenkmale im Landkreis Helmstedt''. Braunschweigische Landschaft, Braunschweig 2007.
* Werner Freist: ''Burg und Schloss Schöningen'' (= Burgen und Schlösser des Braunschweiger Landes. Heft 7). Waisenhaus, Braunschweig 1964.
* Christof Römer: ''Schöningen, die östliche Residenzstadt des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel.'' Helmstedt 1982.
 
== Weblinks ==
* [https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/metadata/32630649/2/-/ ''Schloss Schöningen''] im Denkmalatlas Niedersachsen
* Eintrag von Sandy Bieler zu ''[http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=6167 Schöningen]'' in der wissenschaftlichen Datenbank „EBIDAT“ des Europäischen Burgeninstituts
* [https://www.schoeningen.de/kunst-und-kultur/sehenswuerdigkeiten/schloss-schoeningen Geschichte des Schlosses] auf der Website der Stadt [[Schöningen]]
* [http://robert.cyty.com/burgen/orte/schoeningen.html Burgbeschreibung] bei Region Braunschweig-Ostfalen
 
== Einzelnachweise ==
<references>
<ref name="schoeningen-web">[https://www.schoeningen.de/tourismus-highlights/attraktionen-unserer-stadt/schloss-schoeningen Schlossgeschichte auf schoeningen.de], Zugriff am 12.&nbsp;August 2023.</ref>
<ref name="krueger588">Lutz Dursthoff: ''Die deutschen Burgen & Schlösser in Farbe.'' 1987, S.&nbsp;588.</ref>
<ref name="alleburgen">Eintrag zu ''[https://www.alleburgen.de/bd.php?id=17883 Schöningen]'' in der privaten Datenbank ''Alle Burgen''.</ref>
<ref name="krahe553">Friedrich-Wilhelm Krahe: ''Burgen des deutschen Mittelalters. Grundriss-Lexikon.'' Flechsig, Würzburg 2000, ISBN 3-88189-360-1, S.&nbsp;553.</ref>
</references>


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[[Kategorie:Bauwerk in Schöningen]]
[[Kategorie:Schloss im Landkreis Helmstedt|Schoningen]]
[[Kategorie:Schloss]]
[[Kategorie:Erbaut im 14. Jahrhundert]]
[[Kategorie:Baudenkmal in Schöningen]]