Zollhaus (Magdeburger Tor)

Das Zollhaus (auch Magdeburger Zollhaus) ist ein denkmalgeschütztes Gebäude am Magdeburger Tor in der Kreisstadt Helmstedt im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in Deutschland.
Beschreibung
Das zwischen dem Magdeburger Tor und deren südlicher Fortsetzung, dem Tangermühlenweg, frei stehende, eingeschossige Gebäude ist zu beiden Straßen hin giebelständig und besitzt ein mit Krempziegeln gedecktes Krüppelwalmdach.
An der Ostfassade liegt der Eingang in einem gegenüber der Fassade zurückgesetzten Bereich. Vier Pfeiler schließen diesen Bereich in der Flucht der Außenmauer ab. Die Gestaltung der Loggia weist klassizistische Formen auf.
An der Süd- und an der Westfassade sind Grabplatten französischer Adliger in das Mauerwerk eingelassen. Die Grabplatte an der Westfassade trägt eine französische Inschrift und erinnert an den Grafen von Limon, Jérôme-Joseph Geoffroy (geb. 1746). Dieser floh als Royalist vor der Französischen Revolution nach Deutschland und entwarf das „Manifeste de Brunswick“ von 1792, das auch als Koblenzer Manifest bezeichnet wird. Geoffroy starb 1799 in Braunschweig. Die Grabplatte wird von einem klassizistischen Gebälk bekrönt, unter dem sich eine Laubgirlande befindet.
Die Grabplatte an der Südfassade erinnert mit einer lateinischen Inschrift und einem bildlichen Relief an einen Marquis d’Aligre (1727–1800). Das Relief zeigt eine klassizistische Urne, die mit einem Tuch und einem Palmzweig dargestellt ist.
Geschichte
Bereits seit 1770 wurde das Wegegeld für die Straße an einer „Barriere“ erhoben, die sich an der Ecke Magdeburger Tor und Tangermühlenweg befand.
Das Gebäude wurde um 1810 im Auftrag des Herzogs von Braunschweig errichtet. Zu dieser Zeit war das Gebiet vor den Toren der Stadt nur wenig bebaut. Bis 1874 diente das Gebäude als Chausseegeld-Einnehmerhaus. Anschließend wurde es als Wohnhaus der Domäne Sankt Ludgeri genutzt. Zweitweise wurde das Gebäude gewerblich genutzt.
Weitere Wegehäuser lagen vor dem Braunschweiger Tor und dem Südertor. Das Gebäude am Magdeburger Tor gehört damit zu den drei Helmstedter Zollhäusern, die im späten 18. beziehungsweise frühen 19. Jahrhundert entstanden.
Vom 1. November 2003 bis Mai 2019 betrieb die Helmstedterin Dagmar Bögelsack in dem von ihr gekauften Gebäude das Unternehmen Brautmode im Zollhaus, das Braut- und Festmoden aus zweiter Hand anbot.[1][2]
Siehe auch
Weblinks
- Chausseegeld-Einnehmer-Haus im Denkmalatlas Niedersachsen